Phryne

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Venus Colonna, antike Replik der „Aphrodite von Knidos“ von Praxiteles; Phryne war angeblich das Modell
Jean-Léon Gérôme: „Phryne vor dem Areopag“ (1861); Hamburger Kunsthalle

Phryne (griechisch Φρύνη - Phrýnē) war eine berühmte griechische Hetäre aus Thespiai (altgr. Θέσπεια – Thespeia; lat. Thespiae) und lebte im 4. Jahrhundert v. Chr.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Sie hieß ursprünglich Mnēsaretē´ (altgr. Μνησαρετή), was etwa „eingedenk der Tugend“ bedeutet, und erhielt später den Namen Phryne („Kröte“) wegen ihrer leicht olivfarbenen Haut. Sie war zunächst eine arme Kapernhändlerin, gelangte aber, nachdem sie ca. 371 v. Chr. nach Athen gekommen war, wegen ihrer Schönheit zu außerordentlichem Reichtum. Dieser erlaubte es ihr, eher zurückhaltend aufzutreten, keine öffentlichen Bäder zu besuchen, keine Schminke zu verwenden und lange, geschlossene Gewänder zu tragen.[1] Sie erbot sich, die Mauern Thebens nach der Zerstörung durch Alexander den Großen auf eigene Kosten wieder aufzubauen, wenn die Thebaner die Inschrift darauf setzten: „Alexander hat sie zerstört, die Hetäre Phryne wieder aufgebaut“, was sie allerdings nie tat.[2]

Sie galt in ihrer Blütezeit als die Repräsentantin der Liebesgöttin Aphrodite und diente Apelles als Modell für seine Anadyomene und Praxiteles für seine Aphrodite von Knidos. In einem Tempel zu Thespiai stand neben einer Statue der Aphrodite von Praxiteles auch eine Statue der Phryne vom selben Künstler.

Angeblich konnte kein Mann ihren Reizen widerstehen. Aufgrund ihrer Anmaßung, ihre Schönheit könne mit derjenigen der Göttin Aphrodite mithalten, wurde Phryne der Asebie (Gottlosigkeit) angeklagt. Diese Anklage gestaltete sich alsbald zu einem heftigen Skandal in ganz Athen. Der Legende nach soll Phryne vor einem Gericht (gebildet aus dem Areopag) ihre Haare herabgelassen, ihr Gewand abgelegt und den Versammelten ihren nackten Körper als ‚Beweismittel‘ vorgebracht haben; sie soll daraufhin freigesprochen worden sein. Eine andere Version besagt, dass Phryne von ihrem Liebhaber und Anwalt, dem Politiker Hypereides (389–322 v. Chr.), entkleidet und daraufhin freigesprochen wurde.[3] Diese Szene stellte der französische Maler Jean-Léon Gérôme 1861 in seinem Bild Phryne vor dem Areopag („Phryné devant l’Aréopage“) dar.

Nachleben[Bearbeiten]

1906 wurde im Wiener Cabaret Hölle die burleske Operette Phryne mit der Musik von Edmund Eysler nach dem Text von Fritz Grünbaum und Robert Bodanzky aufgeführt.

Im Jahre 1922 nutzte der Rechtsanwalt Erich Frey die Phryne-Taktik, um für die wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses angeklagte Nackttänzerin Lola Bach Freispruch zu erlangen.[4]

Literatur[Bearbeiten]

  • Craig Cooper: Hyperides and the Trial of Phryne. In: Phoenix 49 (1995), S. 303–318.
  • Jacobs: Vermischte Schriften, Bd. 4. Leipzig 1830

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bernhard Kytzler: Frauen der Antike. Von Aspasia bis Zenobia. Artemis, München & Zürich 2000, ISBN 3-7608-1224-4, S. 133
  2. Berichtet durch den Grammatiker Kallistratos, zitiert in AthenaiosGelehrtengastmahl, Buch XIII, 60.
  3. Athenaios, Gelehrtengastmahl XIII 590e-f und Pseudo-Plutarch, Vitae decem oratorum (Teil der Moralia) 849e berichten, dass Hypereides nur Phrynes Brust entblößte; nach Quintilian, Institutio oratoria II 15, 9 entkleidete er sie ganz.
  4. Erich Frey: Ich beantrage Freispruch. Aus den Erinnerungen des Strafverteidigers Prof. Dr. Dr. Erich Frey. Blüchert Verlag, Hamburg 1959.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Phryne – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien