Phytinsäure

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Strukturformel
Struktur von Phytinsäure
Allgemeines
Name Phytinsäure
Andere Namen

IP6, Phytat, Hexa-Phospho-Inosit

Summenformel C6H18O24P6
CAS-Nummer
  • 83-86-3
  • 129832-03-7 (Kaliumsalz)
  • 14306-25-3 (Natriumsalz)
  • 23183-60-0 (Calciumsalz)
  • 63903-51-5 (Zinksalz)
  • 3929-21-3 (Eisensalz)
  • 90940-73-1 (Bariumsalz)
PubChem 890
ATC-Code

V09DB07

Eigenschaften
Molare Masse 660,04 g·mol−1
Aggregatzustand

fest (Kaliumsalz)[1]

Sicherheitshinweise
Bitte die eingeschränkte Gültigkeit der Gefahrstoffkennzeichnung bei Arzneimitteln beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [1]

Kaliumsalz

keine GHS-Piktogramme
H- und P-Sätze H: keine H-Sätze
P: keine P-Sätze [1]
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.

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Andere Darstellung der Phytinsäure

Phytinsäure (Hexaphosphorsäureester des myo-Inosits, IP6) gehört zu den bioaktiven Substanzen. Sie dient in Pflanzen wie z. B. Hülsenfrüchten, Getreide und Ölsaaten als Speicher für Phosphat und Kationen (für Kalium-, Magnesium-, Calcium-, Mangan-, Barium- und Eisen(II)-Ionen), die der Keimling zum Wachstum benötigt. Aufgrund ihrer komplexbildenden Eigenschaften kann sie vom Menschen mit der Nahrung aufgenommene Mineralstoffe wie Calcium, Magnesium, Eisen und Zink in Magen und Darm unlöslich binden, so dass diese dem Körper nicht mehr zur Verfügung stehen.

Phytinsäure kommt in der Natur als Anion, Phytat genannt, vor. Besonders viel Phytat ist in Mais, Soja sowie in Weizen-, Gersten- und Roggenkleie[2] enthalten. Auch in der Erdnuss ist viel Phytat enthalten, weswegen sie – wie andere Hülsenfrüchte auch – trotz ihres hohen Mineralstoffgehaltes als Mineralstoffquelle nur beschränkt geeignet ist.

Phytinsäure und Mineralienresorption[Bearbeiten]

Mineralien werden in der Regel im Dünndarm resorbiert. Bestimmte Nahrungssubstanzen können mit Mineralien feste Komplexe bilden und darüber deren Aufnahme in den Körper behindern. Phytinsäure hat diese Eigenschaft.[3] Außerdem werden Calcium, Magnesium und Zink in einem Recycling-Prozess über die Verdauungssekrete der Bauchspeicheldrüse in den Dünndarm abgegeben und von dort rückresorbiert. Ein hoher Phytin-Anteil in der Nahrung kann daher bei diesen Ionen einen Mangel erzeugen – beispielsweise bei einer Ernährung mit sehr viel Hülsenfrüchten, insbesondere Soja aber auch Vollkorngetreide.

Vor- und Nachteile[Bearbeiten]

Phytinsäure wurde bisher nur als unerwünschter Inhaltsstoff in Lebensmitteln angesehen, da die von ihr in der Pflanze gebundenen Mineralstoffe vom Körper nicht aufgenommen werden können. Bei der Herstellung von Vollkornprodukten wird deshalb durch spezielle Teigführung der Phytingehalt reduziert. Einige Vertreter der Vollwerternährung glauben jedoch, dass die Eigenschaft, Mineralien zu binden, in einer ausgewogenen Mischkost keinen wesentlichen Nachteil darstellt. Diese Kost sollte jedoch durch eine zusätzliche Zinkquelle in Form von Mineralsupplementen ergänzt werden.[4]

Phytinsäure verzögert z. B. den Abbau von Stärke im Körper. Dadurch könnte nach Ansicht einiger Anhänger der Vollwerternährung die Blutzuckerkonzentration reguliert werden. Darüber hinaus würde Phytinsäure ein Zuviel an Metallionen, vor allem Eisen, in der Nahrung binden, welche ein erhöhtes Risiko für Darmkrebs darstellen würden.

Phytat und Gülle[Bearbeiten]

Wiederkäuer sind die einzigen Säugetiere, die Phytinsäure abbauen und das dabei anfallende Phosphat verwerten können, da sie in ihren Mägen spezielle Bakterien als Flora besitzen. Diese Bakterien produzieren ein Enzym, die Phytase, die den Abbau von Phytat zu Zucker und Phosphat ermöglicht.

Nur Wiederkäuer sind in der Lage, Phytat zu verarbeiten und zu nutzen. Die Gülle der Wiederkäuer ist phosphatarm, im Gegensatz zu den Ausscheidungsprodukten beispielsweise des Schweines. Dies führt in dicht besiedelten Gebieten zu einem größer werdenden Entsorgungs- und Umweltproblem, weshalb dem Futter für Schweine mittlerweile das Enzym Phytase zugesetzt wird, um eine bessere Resorption im Organismus zu erzielen, was nebenbei den effektiven Nährwert des Futters erhöht.

Nuklearmedizin[Bearbeiten]

Das radioaktive 99mTechnetiumphytat wird in der Nuklearmedizin als Tracer bei der statischen Leberszintigrafie verwendet.

Lebensmittel[Bearbeiten]

Die Salze Calciumphytat und Calcium-Magnesiumphytat werden als Klärmittel für Getränke eingesetzt.[5]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Datenblatt Phytic acid dipotassium salt bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 14. Juni 2011 (PDF).
  2. Strobel E. u.a.: Gehalt an Inhaltsstoffen von Weizen, Roggen und Hafer bei Anbau unter konventionellen und den Bedingungen des ökologischen Landbaus (online) (PDF; 1,9 MB).
  3. Hahn, Ströhle, Wolters: Ernährung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2006, ISBN 978-3-8047-2293-4.
  4. Österreichische Apothekerkammer: Zink: ein wichtiges Spurenelement.
  5. Zusatzstoffe in der EU (Stand Dezember 2011; PDF; 235 kB).

Literatur[Bearbeiten]

  • Harland, BF. und Donald Oberleas, D.: Effects of Dietary Fiber and Phytate on the Homeostasis and Bioavailability of Minerals, in Gene A. Spiller (Editor): CRC Handbook of Dietary Fiber in Human Nutrition. Third Edition. CRC Press, 2001. ISBN 0-8493-2387-8. S. 161-170.
  • Shears, SB. (2001): Assessing the omnipotence of inositol hexakisphosphate. Cell. Signal. 13(3), 151-158; PMID 11282453
  • Raboy, V. (2003): myo-Inositol-1,2,3,4,5,6-hexakisphosphate. Phytochemistry 64(6), 1033-1043, (2003)
  • Alcazar-Roman, AR. et al. (2006): Inositol hexakisphosphate and Gle1 activate the DEAD-box protein Dbp5 for nuclear mRNA export. Nat. Cell Biol. 8(7), 711-716, PMID 16783363
  • Weirich, CS.,et al. (2006): Activation of the DExD/H-box protein Dbp5 by the nuclear-pore protein Gle1 and its coactivator InsP6 is required for mRNA export. Nat. Cell Biol. 8(7), 668-676, PMID 16783364
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