Pia Fries

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Pia Fries (* 6. Oktober 1955 in Beromünster, Schweiz) ist eine Schweizer Malerin. Sie lebt und arbeitet in Düsseldorf.

Biografie[Bearbeiten]

Nach einem Studium an der Kunstgewerbeschule Luzern, wo sie von 1977 bis 1980 die Bildhauerklasse bei Anton Egloff besuchte, wechselte Pia Fries an die Kunstakademie Düsseldorf. Sie studierte dort von 1980 bis 1986 Malerei, Meisterschülerin bei Gerhard Richter. 1998–2000 lehrte sie an der Kunstakademie Düsseldorf Malerei. 2000–2001 war sie Gastprofessorin an der Kunstakademie Karlsruhe. Seit Oktober 2009 ist Fries Professorin an der Universität der Künste Berlin, zuvor war sie dort bereits seit 2007 Gastprofessorin.

Internationale Aufmerksamkeit erregte ihre Arbeit 1999 auf der Biennale Venedig, wo sie von Harald Szeemann im Rahmen der dapertutto gezeigt wurde; seither zahlreiche internationale Ausstellungen.

Werk[Bearbeiten]

Von Beginn an hat Pia Fries die gewohnte Vorstellung des Bildes als eines Abbildes, in dem sich eine vorgängig verstanden geglaubte Realität widerspiegelt, in ihrer Malerei hinterfragt. Zwar setzt sie sich in ihren frühen Arbeiten, etwa in Ohne Titel (Vogel) (1981), mit der Figuration auseinander, doch gilt ihr besonderes Interesse der Eigenwertigkeit der Farbe und ihrer Wirkung. Die Verselbständigung der Farbe kann bis zur Auflösung der Motive führen. Seit den späten 1980er Jahren arbeitet Pia Fries ausschliesslich ungegenständlich. Mit der differenzierten Oberflächenstruktur der kompakt aufgetragenen Farbe, die zu übereinandergeschichteten Farbblöcken verdichtet wird, reflektiert Fries die Farbe als Werkstoff und Material der Malerei. Ab den frühen 1990er Jahren tritt an die Stelle eines vollständig von Farbschichten bedeckten Bildträgers eine immer stärkere Differenzierung von Figur und Grund. Auf dem nun sichtbar belassenen weissen Kreidegrund gewinnen einzelne Bildelemente einen zeichenhaften Charakter. Durch die unterschiedliche Bearbeitung der Farbe und den Einsatz verschiedenartiger Werkzeuge für ihren Auftrag werden die materialen Eigenschaften, die sinnlichen und emotionalen Qualitäten der Farbe auf ihre ikonischen Möglichkeiten hin untersucht, ohne dass die Abstraktion verlassen wird. Seit dem Jahr 2000 setzt Pia Fries den Siebdruck als ein weiteres Bildelement ein. Die Motive des Siebdrucks, die einerseits Gegenstände – wie eine Muschel, ein Ohr –, andererseits von der Künstlerin bearbeitetes und fotografiertes Material – wie Farbbatzen, verschnürte Bänder, geknülltes Krepppapier oder Stofffetzen – zeigen, bringen ein illusionistisches Moment in die Gemälde ein. Die Problematik des technisch reproduzierten Abbildes wird in ihrer Bedeutung für die Malerei virulent. Doch zielt die Verwendung fotomechanischer Reproduktionsverfahren bei Pia Fries nicht auf die Transparenz der Darstellung und das Wiedererkennen des Dargestellten, sondern erinnert daran, dass auch Reproduktionen sich verselbständigen und ein Eigenleben gewinnen können, das sie von ihrer Referenzfunktion löst.

Ausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten]

  • 1992 Kunstmuseum Luzern, Luzern; Bonner Kunstverein, Bonn
  • 1997 Kunstverein Freiburg i.B.; Aargauer Kunsthaus, Aarau; Museum Kurhaus Kleve, Kleve
  • 1999 La Biennale di Venezia: 48. esposizione internazionale d’arte: dapertutto
  • 1999 parsen und module, Kunstverein Göppingen, (Kat.)
  • 2000 Overbeck-Gesellschaft, Lübeck
  • 2001 Beau Monde: Toward a Redeemed Cosmopolitanism – The Fourth International Biennial, SITE Santa Fe
  • 2005 Extreme Abstraction, Albright-Know Art Gallery, Buffalo, NY
  • 2007 Pia Fries Malerei 1990-2007, Kunstmuseum Winterthur, Josef Albers Museum Quadrat, Bottrop
  • 2011 Pia Fries Ausstellung der Kunstpreisträgerin (26. November 2011 - 22. Januar 2012), Villa Wessel Iserlohn

Preise (Auswahl)[Bearbeiten]

Literatur (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Pia Fries. Texte von Martin Schwander und Max Wechsler. Kunstmuseum, Luzern 1992.
  • Pia Fries: Sieben Arbeiten auf Papier. Text von Paul Good. Gemeindegalerie Benzeholz, Meggen 1995.
  • Pia Fries. Texte von Stephan Berg, Beat Wismer, Guide de Werd und Barbara Kösters. Kunstverein Freiburg, Freiburg i. Br. 1997.
  • Pia Fries: parsen und module. Texte von Hans Brändli, Valeria Liebermann und Bernd Finkeldey. Richter Verlag, Düsseldorf 1999.
  • Pia Fries Malerei 1990-2007, Texte von Dieter Schwarz, Dave Hickey, Heinz Liesbrock, Paul Good, Iris Wien. Richter Verlag, Düsseldorf 2007.
  • Jens Peter Koerver: Alles zugleich: vielsprachige Bilder In: noëma art journal, Nr. 50, Januar–März 1999, S. 60–64.
  • Das Gedächtnis der Malerei: Ein Lesebuch zur Malerei im 20. Jahrhundert. Hg. von Sibylle Omlin und Beat Wismer. Walther König, Köln 2000, S. 409.
  • Dana Friis-Hansen: Pia Fries. Vitamin P. New Perspectives in Painting. Hg. von Barry Schwabsky. Phaidon, London 2002, S. 110–111.

Weblinks[Bearbeiten]