Pico do Fogo

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Pico do Fogo
Pico do Fogo mit Pico Pequeno (rechts)

Pico do Fogo mit Pico Pequeno (rechts)

Höhe 2829 m
Lage Fogo, Kap Verde
Koordinaten 14° 57′ 2″ N, 24° 20′ 32″ W14.950555555556-24.3422222222222829Koordinaten: 14° 57′ 2″ N, 24° 20′ 32″ W
Pico do Fogo (Kap Verde)
Pico do Fogo
Typ Schichtvulkan
Letzte Eruption 2014
Normalweg Portela – Pico do Fogo

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Insel Fogo (NASA)
Chã das Caldeiras am frühen Morgen, links der Schatten des Pico
Gasaustritt-Schlote des Pico Pequeno (2000 m), oben Gipfel des Pico

Der Pico do Fogo auf der Insel Fogo ist die höchste Erhebung der kapverdischen Inseln mit einer Höhe von 2829 m und nach dem Pico del Teide die zweithöchste im Atlantik.

Geographie[Bearbeiten]

Der Schichtvulkankegel erhebt sich 1200 m über der Ostseite des Chã das Caldeiras, welcher einen halbkreisförmigen Felskessel in einer Höhe von 1600 m und 1700 m über dem Meer mit einem Durchmesser von ca. 9 km darstellt. Chã das Caldeiras ist jedoch kein klassischer Einsturzkrater (Caldera), er ist durch einen enormen Erdrutsch entstanden, danach hat sich auf der Ostseite der Schichtvulkankegel aufgebaut. Im Süden und im Westen wird der Chã das Caldeiras von fast senkrechten 1000 m hohen Felswänden, der Bordeira de Fogo, überragt. Ein gewaltiger Ausbruch aus dem Hauptkrater des Pico im Jahr 1680 gab der damals „São Filipe“ genannten Insel den bis heute beibehaltenen Namen Fogo (dt.: „Feuer“). In den Jahren 1785, 1799, 1847, 1852, 1857 und 1951 folgten weitere Ausbrüche.

Beim Ausbruch am 2. April 1995, dessen Lavafluss sich auf das Innere der Chã das Caldeiras beschränkte, entstand ein kleiner Nebenvulkan (Pico Pequeno 1950 m) am westlichen Fuß des Pico. Nach dem Ausbruch des Pico Pequeno wurden große Teile der Kulturlandschaft in der Caldeira zerstört, die 2000 Einwohner wurden vorübergehend evakuiert.

Am Morgen des 23. November 2014 kam es zu einem erneuten Ausbruch mit Asche- und Lavaauswurf an derselben Stelle wie beim Ausbruch von 1995.[1] Die andauernde Eruption zerstörte bis zum 7. Dezember 2014 den südlichen und mittleren Teil von Portela und etwa 70 % der benachbarten Gemeinde Bangaeira.[2] Die Eruption hat an Intensität zugenommen[3] und inzwischen ist der Weiler Portela größtenteils von einem Lavastrom bedeckt, der das gesamte Hab und Gut der Einwohner zerstörte.[4]

Nach wie vor sind die Lebensbedingungen einfach, es gibt keine öffentliche Wasser- und Stromversorgung. Aufkeimender Tourismus und eine Winzergenossenschaft sind die Haupteinnahmequellen. Der Pico ist Teil eines Naturschutzgebietes. Für die anstrengende, aber nicht besonders schwierige Wanderung zum Gipfel ist Begleitung durch einen Bergführer vorgeschrieben. Mit São Filipe, dem Hauptort der Insel Fogo, ist der Ort Chã das Caldeiras durch eine Straße über Salto und Monte Largo verbunden und mit Taxi, PKW sowie Sammeltaxen ("Aluguer", 1-mal täglich) zu erreichen. An den Nord-Osthängen der Insel wird u.a. Kaffee, Bohnen, Orangen, Bananen und Mais angebaut. Der Osthang des Pico ist nicht zugänglich. Es führt eine Straße entlang der Küstenlinie am Vulkan vorbei nach Mosteiros durch eine sehr karge Landschaft. Der Vulkan ist fast auf der gesamten Strecke gut zu sehen.

Geologie[Bearbeiten]

Mit rund 30 Eruptionen seit seiner Entdeckung im 15. Jahrhundert ist der Pico do Fogo einer der aktivsten ozeanischen Schichtvulkane der Erde.[5] Die Ausbrüche erfolgten bis 1769 über den Zentralschlot, seit 1785 jedoch anhand Nord-Süd-orientierter Spalten an den Flanken des Vulkans. Geologisch werden die Förderprodukte des Pico do Fogo zum jüngsten Stadium Fogos gerechnet, dem Stadium der Chã-das-Caldeiras-Gruppe. Sie folgen auf die Ablagerungen der Monte-Amarelo-Gruppe, die mit dem gigantischen, jungpleistozänen Flankeneinsturz vor zirka 123.000 - 62.000 Jahren BP ihr katastrophales Ende fanden. Seit diesem Zeitpunkt wurde der Chã das Caldeiras allmählich von dem langsam heranwachsenden Pico do Fogo verfüllt.

Petrologisch handelt es sich bei den Förderprodukten des Pico do Fogo um untersättigte, alkalische Vulkanite der Differentiationsreihe Basanit/Tephrit/Phonotephrit.[6] Auch etwas alkalireichere Foidite treten gelegentlich auf. Die beiden Ausbrüche von 1951 und 1995 lieferten ebenfalls diese Gesteine. Mineralogisch bestehen diese porphyrischen (mit 15 - 20 Vol.% Phänokristallen in einer glasigen bis mikrokristallinen Grundmasse) Vulkanite aus Klinopyroxen, Amphibol, Magnetit und Olivin als Phänokristalle bzw. Mikrophänokristalle sowie Klinopyroxen, Magnetit und untergeordnet Feldspat, Melilith, Leucit (selten) und Amphibol in der Grundmasse. Selten vorkommende Kristalle von Olivin und Plagioklas werden bei den Phonotephriten als Xenokristalle gedeutet. Apatit tritt als säulige Einschlüsse in Klinopyroxen- und Amphibolphänokristallen auf. Seltene mafische Xenolitheinschlüsse sind Pyroxenite und pyroxenführende Hornblendite.

Detaillierte thermobarometrische Untersuchungen von E. Hildner u. a. (2011) mittels Flüssigkeitseinschlüssen in Klinopyroxen- und Olivinkristallen ergaben für die letzten beiden Eruptionen des Pico do Fogo folgende Resultate:[7] die Hauptmagmakammer befindet sich in etwa 16 bis 24 Kilometer Tiefe, d. h. im obersten Lithosphärenmantel nur unwesentlich unterhalb der Ozeanischen Kruste. In ihr vollzog sich die Differenzierung des basanitischen Stammmagmas durch fraktionierte Kristallisation. Die Entwicklung hin zu den Phonotephriten dürfte sich wahrscheinlich in einem abgesonderten Bereich vollzogen haben, der eine höhere Fraktionierung ermöglichte. Beim Magmenaufstieg kam es dann in der ozeanischen Unterkruste in 10 bis 12 Kilometer Tiefe zu einer kurzzeitigen Stagnation (engl. magma ponding) von mehreren Stunden bis Tagen.

Blick in die Krater des Pico do Fogo

Quellen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Insel Fogo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vulcao do Fogo entra em erupção – Bericht zum jüngsten Ausbruch auf bravanews.com, 23. November 2014; abgerufen am 23. November 2014 (portugiesisch)
  2. Lava do vulcão do Fogo destruiu Portela e invadiu 70% de Bangaeira, Journal de Notícias, 7. Dezember 2014 (portugiesisch)
  3. Erupção na Ilha do Fogo agrava-se e autoridades preparam evacuações , Publico , 8. Dezember 2014, abgerufen am 11. Dezember 2014 (portugiesisch)
  4. L’éruption du Pico do Fogo du 23.11.2014 – l’éruption oublie …. , Blog paysages auf LeMonde.fr , 10. Dezember 2014, abgerufen am 11. Dezember 2014 (französisch)
  5.  Torres, P. u. a., Réffega, A. u. a. Ministério da Ciencia e da Tecnologia, Instituto de Investigação Científica Tropical (Hrsg.): Carta geológica das erupções históricas da Ilha do Fogo: revisão e actualização. Lissabon 1997, S. 119-132.
  6.  Kokfelt, T.: A geochemical and isotopic study of the Island of Fogo, the Cape Verde Islands. In: PhD thesis. University of Copenhagen. 1998, S. 164.
  7.  Hildner, E., Klügel, A. & Hauff, F.: Magma storage and ascent during the 1995 eruption of Fogo, Cape Verde Archipelago. In: Contributions to Mineralogy and Petrology. 2011.