Piding

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Piding
Piding
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Piding hervorgehoben
47.76666666666712.916666666667455Koordinaten: 47° 46′ N, 12° 55′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberbayern
Landkreis: Berchtesgadener Land
Höhe: 455 m ü. NHN
Fläche: 17,55 km²
Einwohner: 5238 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 298 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 83448–83451
Vorwahlen: 08651, 08656 (Högl), 08654 (Bichlbruck)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: BGL
Gemeindeschlüssel: 09 1 72 128
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Thomastraße 2
83451 Piding
Webpräsenz: www.piding.de
Bürgermeister: Hannes Holzner (CSU)
Lage der Gemeinde Piding im Landkreis Berchtesgadener Land
Berchtesgaden Eck (gemeindefreies Gebiet) Schneizlreuth Schellenberger Forst Ainring Anger (Berchtesgadener Land) Bad Reichenhall Bayerisch Gmain Berchtesgaden Bischofswiesen Freilassing Laufen (Salzach) Marktschellenberg Piding Ramsau bei Berchtesgaden Saaldorf-Surheim Schneizlreuth Schönau am Königssee Teisendorf Landkreis Traunstein ÖsterreichKarte
Über dieses Bild

Piding ist eine Gemeinde im oberbayerischen Landkreis Berchtesgadener Land und staatlich anerkannter Luftkurort nahe der Stadt Salzburg zwischen den Städten Bad Reichenhall und Freilassing.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Piding liegt in der Mitte des Landkreises Berchtesgadener Land und ist gleichzeitig die südlichste Gemeinde im Rupertiwinkel, welcher an die 500 Jahre zum Land Salzburg gehörte.

Das Gemeindegebiet stellt eine naturräumliche Einheit dar: Im Süden wird das Gebiet von Hochstaufen (1771 m) und Fuderheuberg begrenzt, im Osten von der Saalach und im Nordwesten vom Högl. Im Nordosten bildet die Saalach die Grenze zum Land Salzburg.

Ortsteile und Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Die Ortsteile sind Piding (auch Piding-Dorf genannt), Kleinhögl, Bichlbruck, Urwies, Mauthausen, Staufenbrücke und Pidingerau. Nachbargemeinden sind die Stadt Bad Reichenhall, die Gemeinden Ainring, Anger, Inzell (Lkr. Traunstein) und Wals-Siezenheim (auf österreichischer Seite).

Geschichte[Bearbeiten]

Aus archäologischen Funden weiß man, dass die Gegend bereits in der Jungsteinzeit (etwa 2800 v. Chr.) besiedelt war. Bei der Errichtung der (ehemaligen) Skiliftanlage am Fuderheuberg 1970 wurden frühbronzezeitliche Kupferringbarren gefunden. In keltischer Zeit war in der Gegend der Stamm der Alaunen ansässig. Das Gebiet gehörte von etwa 15 n. Chr. bis 488 zum Römischen Reich und lag in der Provinz Noricum Ripense im Bezirk der Stadt Juvavum (Salzburg). Ab dem 6. Jahrhundert gehörte Piding zum Salzburggau im Stammesherzogtum Baiern. Der Bayerische Herzog Theodo übergab um 700 (wahrscheinlich schon 696) das Dorf als Schenkung an den Bischof von Salzburg. Mit dieser Übergabe tritt Piding erstmals ins Licht der Geschichte. Nach dem Aussterben der Grafen von Plain um 1260 fiel das Gebiet des (heutigen) südlichen Rupertiwinkels an den Erzbischof von Salzburg, der sein Territorium bis 1328 ganz von Bayern loslösen konnte. Nach der Säkularisation fiel Piding im Jahr 1810 zusammen mit dem Rupertiwinkel endgültig an das Königreich Bayern. 1985 wurde in Piding das 1250-jährige Bestehen gefeiert, wobei Grundlage für diese Zeitrechnung die Schenkungen des Bayernherzogs Theodor an die Salzburger Kirche waren. In früheren Jahrhunderten wurde auf dem Högl, der z. T. im Gemeindegebiet von Piding liegt, der "Högler Sandstein" abgebaut. Der bedeutende Baustoff wurde im 17. und 18. Jahrhundert bei Sakral- und Profanbauten in der Stadt Salzburg verwendet (z.B. Erhardkirche, Residenz). Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurden im Durchgangslager Piding über 2 Millionen Flüchtlinge und Heimatvertriebene aus ost- und südosteuropäischen Ländern registriert und über die ganze Bundesrepublik verteilt. Viele fanden in Piding ihre zweite Heimat, wodurch die Einwohnerzahl von 1.140 (1939) auf 1.540 (1946) anstieg. Es gab zwei Lager: Von September 1945 bis 1. Juli 1962 bestand das Lager Piding, das ab 1. Mai 1948 Grenzdurchgangslager Piding genannt wurde. Direkt daneben das Wohnlager, welches überwiegend mit Sudetendeutschen belegt war und aus dem sich die Industriesiedlung Piding und die heutige Wohnsiedlung entwickelt haben. Bedeutendster Betrieb der Industriesiedlung war die Firma Hans Schowanek, welche Holzwaren herstellte und weltweit exportierte (1955: ca. 400 Beschäftigte). Das Durchgangslager war 1956 im Zuge des Ungarnaufstands nochmals im Blickpunkt der Öffentlichkeit als es über 5.000 Flüchtlinge aus Ungarn aufnahm. Der Ortsteil wird noch heute im Volksmund "Lager" genannt.

Ortsname[Bearbeiten]

Belege: Um 700 Pidinga, 790 Pidingen, 1294 Piding. Es lässt sich der Personenname Pido erschließen. Der bairische Zugehörigkeitssuffix -ing deutet auf eine Entstehung zur Landnahmezeit der Baiern hin. Der Ortsname bedeutet etwa „Bei den Leuten des Pido“.[2]

Religionen[Bearbeiten]

Die katholische Pfarrei Maria Geburt ist für folgende Kirchen zuständig:

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

1790: 635 Einwohner, 1910: 864, 1939: 1.140, 1946: 1.540, 1985: 3.996, 2000: 5.093, 2002: 5.257, 2010:5254

Wappen[Bearbeiten]

Das Gemeindewappen vom Jahre 1962 verweist auf die früheren Beziehungen zum Erzstift und Domkapitel Salzburg (schwarzer Löwenkopf des Salzburger Löwen aus dem Landeswappen Salzburgs) und zum Kloster Höglwörth (gekreuzte silberne Schlüssel des Klosterpatrons St. Petrus aus dem Stiftswappen von Höglwörth).

Politik[Bearbeiten]

Kommunalwahl 2008[3]
Wahlbeteiligung: 61,4 %
 %
50
40
30
20
10
0
41,8 %
39,9 %
9,3 %
9,0 %

Gemeinderat[Bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Theater[Bearbeiten]

  • Pidinger Theater (Bauerntheater mit jährlich wechselndem Bühnenstück)

Bauwerke[Bearbeiten]

  • Schloss Staufeneck
  • Pfarrkirche Mariä Geburt -Dorf
  • Romanische Kirche St. Laurentius (Mauthausen) mit sehr gut erhaltenen gotischen Fresken u.a. der „Heiligen Nothelfer“, in der Regel 14 an der Zahl, hier aber aus Symmetriegründen 15.
  • Kirche St. Johann auf dem Johannishögl (Aussichtspunkt) mit gotischen Fresken und Altar
  • Mauthaus in Mauthausen. Ersterwähnung 908. Ab 1275 Zollstelle an der Grenze Zwischen Bayern und Salzburg an der Salzstraße Reichenhall-Traunstein. Bei der Standortwahl für die Burg Staufeneck dürfte die unmittelbare Nähe zum bereits bestehenden Mauthaus ausschlaggebend gewesen sein. 1440 wurde es an Bayern verkauft. Mit dem Übergang des Rupertiwinkels an Bayern war es funktionslos geworden.

Sport[Bearbeiten]

  • Tennishalle, Tennisplätze (TC Piding, Regionalliga)
  • 50 km Wanderwege, 12 km gespurte Loipen
  • Pidinger Klettersteig auf den Hochstaufen
  • Mehrzweckhalle mit Beachvolleyball- und Skaterplatz
  • Fußballplatz (ASV Piding, A – Klasse)

Natur/Kultur[Bearbeiten]

  • Bergblumengarten am Fuß des Hochstaufen
  • Natur- und kulturhistorischer Wanderpfad
  • Freizeitanlage am Schlossweiher
  • Freizeitanlage Lattenbergstraße

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

und viele weitere mittelständische Unternehmen aus Handel und Handwerk.

Verkehr[Bearbeiten]

Piding hat einen eigenen Bahnhof an der Bahnstrecke Freilassing–Berchtesgaden, die seit 2006 von der Linie S3 der S-Bahn Salzburg befahren wird. Bei Piding befindet sich außerdem die letzte Ausfahrt der Bundesautobahn 8 (München–Salzburg) vor der Grenze zu Österreich, die Bundesstraße 20 führt am Ort vorbei.

Bildung[Bearbeiten]

  • Grund- und Hauptschule Piding
  • Rupertusschule (Schule für Behinderte)
  • Pidinger Werkstätten der Lebenshilfe

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Klöck Ludwig, Pfarrer und langjähriger Seelsorger in Piding
  • Wieser Georg, 1. Bürgermeister von Piding (1941–1945 sowie 1952–1972) 2. Bürgermeister (1935–1941) Träger des Bundesverdienstkreuzes
  • Wieser Max, 1. Bürgermeister von Piding (1972–1990)

Literatur[Bearbeiten]

  • Max Wieser: Pidinger Heimatbuch. Aus der Chronik eines Dorfes mit Hof- und Familiengeschichte. 1250 Jahre Piding 735–1985. Eigenverlag, Piding 1985.
  • Heinz Dopsch: Kleine Geschichte Salzburgs, Stadt und Land. Pustet 2001, ISBN 3-7025-0441-9.
  • Johannes Lang: Reichenhaller Burgenweg. Verein für Heimatkunde, Bad Reichenhall, 2004.
  • Kurt Enzinger: Högl – Bauernland und Sandsteinbrüche. 2006, ISBN 978-3-902317-06-3.
  • Brugger/Dopsch/Wild: Höglwörth, Das Augustiner-Chorherrenstift mit den Pfarreien Anger und Piding. Freunde der Salzburger Geschichte 2008, ISBN 978-3-902582-03-4.
  • Karl Welser: Überlebenskraft im Berchtesgadener Land, Eine Dokumentation der verdrängten Jahre. Landratsamt Berchtesgadener Land 1990.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Beölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 18. September 2014 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2.  Wolf-Armin Frhr. v. Reitzenstein: Lexikon bayerischer Ortsnamen. Herkunft und Bedeutung. C.H.Beck oHG, München 2006, ISBN 978-3-406-55206-9, S. 212.
  3. http://www.wahlen.bayern.de/biz/kowa_g2008.php?g=h&schluessel=172&suchbegriff=1

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Piding – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien