Pier Francesco Tosi

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Pier Francesco Tosi (* 13. August 1654 in Cesena; † nach dem 16. Juli 1732 in Faenza) war ein italienischer Kastrat, Komponist und Autor einer bedeutenden Gesangsschule.

Inhaltsverzeichnis

Leben[Bearbeiten]

Tosi, der Sohn des Bologneser Komponisten Giuseppe Felice Tosi, trat als Soprankastrat nach eigener Aussage „an fast allen Höfen Europas“ auf („poco men che tutte le corti d’Europa“). Sein Leben lässt sich nicht lückenlos nachvollziehen, einige Daten sind jedoch bekannt. Im Jahr 1682 ging er nach London und wirkte dort als Sänger und Gesangslehrer. Im Zeitraum von 1705 bis 1711 war Tosi Komponist am kaiserlichen Hof in Wien und zugleich diplomatischer Beauftragter des pfälzischen Kurfürsten Johann Wilhelm.

1723 ließ Tosi seine Opinioni drucken und reiste zu diesem Zweck nach Bologna. Nach einem weiteren Aufenthalt in London 1727 wurde er 1730 in Bologna zum Priester geweiht.

Werk[Bearbeiten]

Tosi ist hauptsächlich durch seine Gesangsschule Opinioni de’ cantori antichi, e moderni o sieno osservazioni sopra il canto figurato (Bologna 1723) bekannt. Diese fand in Europa große Verbreitung, was die englische Übersetzung durch John Ernest Galliard (London 1742 oder 1743) und die deutsche durch Johann Friedrich Agricola (Berlin 1757) belegen. Beide Übersetzer fügten Anmerkungen hinzu, die die Entwicklungen des Gesangs seit 1723 kommentieren. 1701 wurde in Wien sein Oratorium „Il martirio di Santa Caterina“ aufgeführt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Opinioni de’ cantori antichi, e moderni o sieno osservazioni sopra il canto figurato. Bologna 1723
  • Observations on the Florid Song, Übersetzung von John Ernest Galliard, London: J. Wilcox, 1742 oder 1743. Faksimile: London: William Reeves, 1967.
  • Anleitung zur Gesangskunst, Übersetzung von Johann Friedrich Agricola. Berlin: George Ludewig Winter, 1757. Faksimile-Neudruck mit Einführung und Kommentar von Kurt Wichmann. Leipzig: VEB Deutscher Verlag für Musik, 1966.

Weblinks[Bearbeiten]