Pier Luigi Nervi

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Pier Luigi Nervi (* 21. Juni 1891 in Sondrio, Lombardei; † 9. Januar 1979 in Rom) war ein italienischer Bauingenieur des 20. Jahrhunderts.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Leben

Der Sohn des Postbeamten Antonio Bartoli besuchte die Ingenieurschule in Bologna und schloss dort 1913 sein Bauingenieurstudium mit dem Diplom ab. Danach arbeitete er bis 1923 in der technischen Abteilung der Gesellschaft für Betonkonstruktionen in Bologna und Florenz. 1923 machte er sich in Rom selbstständig und gründete seine eigene Firma, die “Società Ing. Nervi e Nebbiosi“, in die ab 1955 seine Söhne Antonio, Mario und Vittori mit einstiegen.

Nervi war als Entwerfer, Tragwerksplaner, Ingenieur und Berater tätig. Sein erstes international beachtetes Werk war das städtische Stadion von Florenz (erbaut 1930-1932) mit 35.000 Plätzen (das heutige Stadio Artemio Franchi, eine kostengünstige, sichtbare Betonkonstruktion mit weit auskragenden Wendeltreppen. 1935 gewann er den Wettbewerb für Flugzeughallen in Orbetello, die bis 1938 fertiggestellt wurden.

In den meisten seiner Bauten nutzt Nervi die Geometrie zu einer anderen Art von Schalenbauweise. Sie ist oft gekennzeichnet durch ein räumliches Gitterwerk aus Betonrippen mit aufgelegten Betonflächen. Seine Bauwerke zielen auch immer auf eine kostengünstige Ausführung ab. Bei den Flugzeughallen in Orbetello und Torre del Lago (1940-43) setzte er eine Leichtkonstruktionen mit zum Teil vorfabrizierten Betonelementen ein. Damit zeigte er neue Möglichkeiten hinsichtlich Fertigkeiten und Wirtschaftlichkeit auf.

Von 1946 bis 1961 führte er in Rom den Lehrstuhl für Konstruktionstechnik und Materialkunde an der Architekturfakultät. Er erfand in dieser Zeit den Ferrozement. Von 1948 bis 1949 plante und konstruierte er die Ausstellungshalle Torino Esposizioni in Turin. Für die Umsetzung des Baus konstruierte Nervi ein fahrbares Rohrgerüst, für das er ein Patent beantragte.

Weitere bedeutende Konstruktionsleistungen sind der Festsaal in Chianciano Terme mit einem netzartigen Gewölbe (1950-1952), der Sitz der UNESCO in Paris (1953-1958), das Pirelli-Hochhaus in Mailand (1955-1958) und das Stadio Flaminio in Rom. Eine besondere Leistung stellen die realisierten Sportstadien für die Olympiade 1960 in Rom dar. Dazu gehören u.a. der Palazzo dello Sport sowie der Palazzetto dello Sport. Zu den späteren Werken gehört die 1970 erbaute Vatikanische Audienzhalle.

Nervi hat zahlreiche wissenschaftliche Abhandlungen verfasst, darunter 'Die Kunst und Wissenschaft des Konstruierens' (1945), 'Die architektonische Sprache' (1950) und 'Neue Konstruktionen' (1963).

Obwohl Nervi für das faschistische Regime in Italien mehrere Flugzeughangars errichtete und auch in der Nachkriegszeit noch mit Marcello Piacentini, dem ersten Staatsarchitekten Mussolinis, beim Palazzo dello Sport in Rom kooperierte, wurde ihm diese kritiklose Haltung nicht vorgeworfen.

[Bearbeiten] Wichtige Bauten (Auswahl)

Vatikanische Audienzhalle mit parabolisch gewölbter Decke, 1964-1970
Pirelli-Hochhaus in Mailand (mit Gio Ponti), 1956-1958
  • Lichtspieltheater Augusteo in Neapel, 1926-1927
  • Städtisches Stadion von Florenz, 1930-1932
  • Flugzeughangar in Orvieto, 1935-1938
  • Flugzeughallen in Orbetello, 1936-1938
  • Flugzeughallen in Torre del Lago, 1940-1943
  • Ausstellungshalle "Salone Principale" in Turin, 1948-1949
  • Lagerhaus einer Tabakmanufaktur in Bologna, 1951-1952
  • Wollfabrik Gatti in Rom, 1951-1953
  • Hauptbahnhof von Neapel, 1952-1954
  • Palazzetto dello Sport in Rom, 1956-1957
  • Sitz der UNESCO in Paris, 1953-1958
  • Pirelli-Hochhaus in Mailand (mit Gio Ponti, 1956-1958
  • Palazzo dello Sport auf dem Gelände der EUR in Rom, 1955-1960
  • Palazzo del Lavoro in Turin, 1960-1961
  • Päpstliche Audienzhalle in Vatikanstadt, 1964-1970

[Bearbeiten] Literatur

  • Pier Luigi Nervi junior, Paolo Desideri und Giuseppe Positano: Pier Luigi Nervi, Zürich: Artemis Verlag 1982, ISBN 3-7608-8112-2
  • Joedicke, Jürgen (Hrsg.): Pier Luigi Nervi; Bauten und Projekte; mit einem Vorwort von Pier Luigi Nervi und einer Einführung von Ernesto Nathan Rogers, Stuttgart: Hatje Verlag 1957

[Bearbeiten] Weblinks


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