Pierluigi Collina
Pierluigi Collina (* 13. Februar 1960 in Bologna) ist ein ehemaliger italienischer Fußballschiedsrichter.
Er gilt unter Fachleuten als einer der besten Schiedsrichter in der Geschichte des Fußballs. Zwischen 1998 und 2003 wurde er sechsmal in Folge zum „Weltschiedsrichter des Jahres“ gewählt und hält damit einen einmaligen Rekord.
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Leben[Bearbeiten]
Collina besuchte die Universität von Bologna und erwarb dort im Jahr 1984 einen Abschluss im Bereich Wirtschaft.
Mit 24 Jahren erkrankte er am sogenannten „Kreisrunden Haarausfall“ (Alopecia areata), einer Autoimmunkrankeit, bei der das eigene Immunsystem die Haarfolikel angreift. In Collinas Fall handelt es sich um eine schwere Stufe der Alopecia, nämlich um eine Alopecia universalis, bei der die komplette Körperbehaarung ausgeht, was Collina sein markantes Aussehen verlieh. Wegen seiner Glatze erhielt er den Spitznamen „Kojak“ bzw. „Glatze Gnadenlos“[1].
Collina ist Fan der Fortitudo Bologna, einem der führenden Basketballvereine in Europa.
Karriere im Fußball[Bearbeiten]
In seiner Jugend spielte er als zentraler Verteidiger in einem örtlichen Fußballverein. 1977 nahm er an einem Schiedsrichterlehrgang teil, wo sein großes Talent entdeckt wurde. In nur drei Jahren gelang es ihm, neben der Ableistung des Wehrdienstes, oberhalb der Regionalligen eingesetzt zu werden. 1988 leitete Collina bereits Spiele in der dritten italienischen Liga, der Serie C. Nach nur drei Spielzeiten wurde er Schiedsrichter der Serie B und Serie A.
1995 wurde er, nachdem er 43 Spiele der Serie A geleitet hatte, in die Liste der FIFA-Schiedsrichter aufgenommen. 1996 leitete er bei den Olympischen Spielen fünf Fußballspiele, darunter auch das Finale zwischen Nigeria und Argentinien. 1999 pfiff er schließlich das UEFA-Champions-League-Endspiel zwischen dem FC Bayern München und Manchester United. Im Jahr 2002 erreichte er einen markanten Höhepunkt seiner Karriere und leitete das Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft 2002 zwischen Deutschland und Brasilien, ebenso das UEFA-Pokalendspiel 2004 zwischen FC Valencia und Olympique Marseille.
Die EURO 2004 war Collinas letztes großes internationales Turnier, da er sich dem Höchstalter von 45 Jahren für international eingesetzte Schiedsrichter näherte.
Am 29. August 2005 reichte Collina seinen Rücktritt bei der italienischen Schiedsrichtervereinigung Associazione Italiana Arbitri (AIA) ein. Da sein Werbevertragspartner (Opel) auch den AC Milan, einen Klub der ersten italienischen Liga (Serie A), sponserte, hätte Collina nur noch Spiele der zweiten Liga (Serie B) leiten dürfen, da laut AIA durch den gemeinsamen Sponsor seine Unparteilichkeit nicht mehr gegeben wäre. Am 28. Dezember 2006 kehrte er in die Schiedsrichtervereinigung AIA zurück, wo er ehrenamtlich die Schulung von Schiedsrichtern übernahm.
Seit 5. Juli 2010 ist er der neue Chef der ukrainischen Profischiedsrichter.[2]
Des Weiteren wurde am 3. Juli 2010 bekannt gegeben, dass Collina auch zum Chef der UEFA Schiedsrichter-Kommission ernannt wurde.[3]
Leistung als Schiedsrichter[Bearbeiten]
Collina war besonders durch seine manchmal recht eigenwilligen Regelauslegungen bekannt, so zeigte er zum Beispiel als erster Schiedsrichter einem Ersatzspieler eine Rote Karte auf Grund einer Schiedsrichterbeleidigung. Dies war damals jedoch nicht in den Fußballregeln festgelegt. Inzwischen sind Feldverweise gegenüber Ersatzspielern in den Regeln verankert.
Über seine Erfahrungen schrieb der Schiedsrichter ein Buch, das in neun Sprachen vorliegt. Unter dem Titel Meine Regeln des Spiels erschienen seine Ausführungen darüber, was mich das Leben über Fußball lehrte, auch auf Deutsch.
Collina gilt auch heute noch, laut den Statistiken der IFFHS, mit 86 Punkten als weltbester Schiedsrichter.[4]
Sympathieträger[Bearbeiten]
Seine Popularität und markante Erscheinung brachte Pierluigi Collina eine Reihe von Werbeverträgen ein. Er machte Reklame für Uhren, Sportartikel und Tiefkühlkost. Für die Modedesignerin Laura Biagiotti begab er sich auch schon auf den Catwalk. Er erzielte mit diesen Aktivitäten bis zu 800.000 Euro im Jahr. Der Vertrag mit dem Autohersteller Opel sah nach Pressemeldungen rund eine Million Euro Honorar vor. [5]
Collina ist auf dem Cover des 3. (2003) und 4. (2004) Teils der bekannten Fußballsimulation Pro Evolution Soccer zu sehen.
Ehrung[Bearbeiten]
Kurz nach der EURO 2004 wurde ihm durch die nordostenglische Universität Hull der Ehrendoktor der Sportwissenschaften für seine zahlreichen Verdienste um den Sport verliehen. Collina wurde sechsmal in Folge (1998–2003) von der FIFA zum „Weltschiedsrichter des Jahres“ gewählt.
Literatur[Bearbeiten]
- Pierluigi Collina: Meine Regeln des Spiels. Taschenbuch. ISBN 3-423-34290-0
Weblinks[Bearbeiten]
Einzelnachweise[Bearbeiten]
- ↑ Thomas Lipinski: England - Deutschland. Der Glatzkopf pfeift den Klassiker. In: Spiegel Online. 16. Juni 2000, abgerufen am 17. Oktober 2010.
- ↑ Collina wird Schiedsrichter-Chef in der Ukraine
- ↑ Collina leitet UEFA-Kommission
- ↑ http://www.iffhs.de/?21e43c03f32b00f31c13f32b17f7370eff3702bb1d20bb6e18, abgefragt am 7. Juni 2010
- ↑ Handelsblatt vom 29. August 2005: Schiedsrichter Pierluigi Collina pfeift nicht mehr, abgefragt am 7. Juni 2010
1930: John Langenus | 1934: Ivan Eklind | 1938: Georges Capdeville | 1950: George Reader | 1954: William Ling | 1958: Maurice Guigue | 1962: Nikolai Latyschew | 1966: Gottfried Dienst | 1970: Rudi Glöckner | 1974: John Taylor | 1978: Sergio Gonella | 1982: Arnaldo Cézar Coelho | 1986: Romualdo Arppi Filho | 1990: Edgardo Codesal Méndez | 1994: Sándor Puhl | 1998: Said Belqola | 2002: Pierluigi Collina | 2006: Horacio Elizondo | 2010: Howard Webb
1908: John Lewis | 1912: Christiaan Jacobus Groothoff | 1920: John Lewis | 1924: Marcel Slawick | 1928: Johannes Mutters | 1936: Peco Bauwens | 1948: William Ling | 1952: Arthur Ellis | 1956: Ron Wright | 1960: Concetto Lo Bello | 1964: Menahem Ashkenazi | 1968: Diego de Leo | 1972: Armando Marques | 1976: Ramón Barreto | 1980: Eldar Azim Zade | 1984: Jan Keizer | 1988: Gérard Biguet | 1992: José Torres Cadena | 1996: Pierluigi Collina | 2000: Felipe Ramos | 2004: Kyros Vassaras | 2008: Viktor Kassai | 2012: Mark Clattenburg
Europapokal der Landesmeister
1956: Ellis | 1957: Horn | 1958: Alsteen | 1959: Dusch | 1960: Mowat | 1961: Dienst | 1962: Horn | 1963: Holland | 1964: Stoll | 1965: Dienst | 1966: Kreitlein | 1967: Tschenscher | 1968: Lo Bello | 1969: Ortiz de Mendíbil | 1970: Lo Bello | 1971: Taylor | 1972: Héliès | 1973: Gugulović | 1974: Loraux und Delcourt | 1975: Kitabdjian | 1976: Palotai | 1977: Wurtz | 1978: Corver | 1979: Linemayr | 1980: da Silva Garrido | 1981: Palotai | 1982: Konrath | 1983: Rainea | 1984: Fredriksson | 1985: Daina | 1986: Vautrot | 1987: Ponnet | 1988: Agnolin | 1989: Tritschler | 1990: Kohl | 1991: Lanese | 1992: Schmidhuber
UEFA Champions League
1993: Röthlisberger | 1994: Don | 1995: Crăciunescu | 1996: Díaz Vega | 1997: Puhl | 1998: Krug | 1999: Collina | 2000: Braschi | 2001: Jol | 2002: Meier | 2003: Merk | 2004: Nielsen | 2005: Mejuto González | 2006: Hauge | 2007: Fandel | 2008: Micheľ | 2009: Busacca | 2010: Webb | 2011: Kassai | 2012: Proença | 2013: Rizzoli
UEFA-Pokal (Das Finale wurde bis 1997 im Hin- und Rückspiel ausgetragen.)
1972: Bəhramov und van Ravens | 1973: Linemayr und Kazakov | 1974: Scheurer und Lo Bello | 1975: Palotai und Schiller | 1976: Biwersi und Glöckner | 1977: Corver und Linemayr | 1978: Maksimović und Rainea | 1979: Foote und Michelotti | 1980: Muro und Ponnet | 1981: Prokop und Eschweiler | 1982: Carpenter und Courtney | 1983: Dotschew und Corver | 1984: Galler und Roth | 1985: Vautrot und Ponnet | 1986: Courtney und Valentine | 1987: Kirschen und Igna | 1988: Krchñák und Keizer | 1989: Germanakos und Sánchez Arminio | 1990: Soriano Aladrén und Schmidhuber | 1991: Spirin und Quiniou | 1992: Worrall und Petrović | 1993: Puhl und Blankenstein | 1994: Nielsen und McCluskey | 1995: A. López Nieto und van den Wijngaert | 1996: Muhmenthaler und Zhuk | 1997: Batta und García Aranda | 1998: A. López Nieto | 1999: Dallas | 2000: J. López Nieto | 2001: Veissière | 2002: Melo Pereira | 2003: Micheľ | 2004: Collina | 2005: Poll | 2006: Fandel | 2007: Busacca | 2008: Fröjdfeldt | 2009: Medina Cantalejo
UEFA Europa League
2010: Rizzoli | 2011: Velasco Carballo | 2012: Stark | 2013: Kuipers
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Collina, Pierluigi |
| KURZBESCHREIBUNG | italienischer Fußballschiedsrichter |
| GEBURTSDATUM | 13. Februar 1960 |
| GEBURTSORT | Bologna |