Pierluigi Collina

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Pierluigi Collina (2010)
Pierluigi Collina bei einem Spiel der Champions League 2007

Pierluigi Collina (* 13. Februar 1960 in Bologna) ist ein ehemaliger italienischer Fußballschiedsrichter.

Er gilt unter Fachleuten als einer der besten Schiedsrichter in der Geschichte des Fußballs. Zwischen 1998 und 2003 wurde er sechsmal in Folge zum „Weltschiedsrichter des Jahres“ gewählt und hält damit einen einmaligen Rekord.

Leben[Bearbeiten]

Collina besuchte die Universität von Bologna und erwarb dort im Jahr 1984 einen Abschluss im Bereich Wirtschaft.

Mit 24 Jahren erkrankte er am sogenannten „Kreisrunden Haarausfall“ (Alopecia areata), einer Autoimmunkrankeit, bei der das eigene Immunsystem die Haarfolikel angreift. In Collinas Fall handelt es sich um eine schwere Stufe der Alopecia, nämlich um eine Alopecia universalis, bei der die komplette Körperbehaarung ausgeht, was Collina sein markantes Aussehen verlieh. Wegen seiner Glatze erhielt er den Spitznamen „Kojak“ bzw. „Glatze Gnadenlos“[1].

Collina ist Fan der Fortitudo Bologna, einem der führenden Basketballvereine in Europa.

Karriere im Fußball[Bearbeiten]

In seiner Jugend spielte er als zentraler Verteidiger in einem örtlichen Fußballverein. 1977 nahm er an einem Schiedsrichterlehrgang teil, wo sein großes Talent entdeckt wurde. In nur drei Jahren gelang es ihm, neben der Ableistung des Wehrdienstes, oberhalb der Regionalligen eingesetzt zu werden. 1988 leitete Collina bereits Spiele in der dritten italienischen Liga, der Serie C. Nach nur drei Spielzeiten wurde er Schiedsrichter der Serie B und Serie A.

1995 wurde er, nachdem er 43 Spiele der Serie A geleitet hatte, in die Liste der FIFA-Schiedsrichter aufgenommen. 1996 leitete er bei den Olympischen Spielen fünf Fußballspiele, darunter auch das Finale zwischen Nigeria und Argentinien. 1999 pfiff er schließlich das UEFA-Champions-League-Endspiel zwischen dem FC Bayern München und Manchester United. Im Jahr 2002 erreichte er einen markanten Höhepunkt seiner Karriere und leitete das Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft 2002 zwischen Deutschland und Brasilien, womit er der zweite Schiedsrichter nach William Ling wurde der sowohl ein Finale bei den Olympischen Spielen als auch der Weltmeisterschaft leitete.

2004 leitete er das UEFA-Pokalendspiel zwischen FC Valencia und Olympique Marseille. Die anschließende EURO 2004 war Collinas letztes großes internationales Turnier, da er sich dem Höchstalter von 45 Jahren für international eingesetzte Schiedsrichter näherte.

Am 29. August 2005 reichte Collina seinen Rücktritt bei der italienischen Schiedsrichtervereinigung Associazione Italiana Arbitri (AIA) ein. Da sein Werbevertragspartner (Opel) auch den AC Milan, einen Klub der ersten italienischen Liga (Serie A), sponserte, hätte Collina nur noch Spiele der zweiten Liga (Serie B) leiten dürfen, da laut AIA durch den gemeinsamen Sponsor seine Unparteilichkeit nicht mehr gegeben wäre. Am 28. Dezember 2006 kehrte er in die Schiedsrichtervereinigung AIA zurück, wo er ehrenamtlich die Schulung von Schiedsrichtern übernahm.

Seit 5. Juli 2010 ist er der neue Chef der ukrainischen Profischiedsrichter.[2]

Des Weiteren wurde am 3. Juli 2010 bekannt gegeben, dass Collina auch zum Chef der UEFA Schiedsrichter-Kommission ernannt wurde.[3]

Leistung als Schiedsrichter[Bearbeiten]

Collina war besonders durch seine manchmal recht eigenwilligen Regelauslegungen bekannt, so zeigte er zum Beispiel als erster Schiedsrichter einem Ersatzspieler eine Rote Karte auf Grund einer Schiedsrichterbeleidigung. Dies war damals jedoch nicht in den Fußballregeln festgelegt. Inzwischen sind Feldverweise gegenüber Ersatzspielern in den Regeln verankert.

Über seine Erfahrungen schrieb der Schiedsrichter ein Buch, das in neun Sprachen vorliegt. Unter dem Titel Meine Regeln des Spiels erschienen seine Ausführungen darüber, was mich das Leben über Fußball lehrte, auch auf Deutsch.

Collina gilt auch heute noch, laut den Statistiken der IFFHS, mit 86 Punkten als weltbester Schiedsrichter.[4]

Sympathieträger[Bearbeiten]

Seine Popularität und markante Erscheinung brachte Pierluigi Collina eine Reihe von Werbeverträgen ein. Er machte Reklame für Uhren, Sportartikel und Tiefkühlkost. Für die Modedesignerin Laura Biagiotti begab er sich auch schon auf den Laufsteg. Er erzielte mit diesen Aktivitäten bis zu 800.000 Euro im Jahr. Der Vertrag mit dem Autohersteller Opel sah nach Pressemeldungen rund eine Million Euro Honorar vor. [5]

Collina ist auf dem Cover des 3. (2003) und 4. (2004) Teils der bekannten Fußballsimulation Pro Evolution Soccer zu sehen.

Ehrung[Bearbeiten]

Kurz nach der EURO 2004 wurde ihm durch die nordostenglische Universität Hull der Ehrendoktor der Sportwissenschaften für seine zahlreichen Verdienste um den Sport verliehen. Collina wurde sechsmal in Folge (1998–2003) von der FIFA zum „Weltschiedsrichter des Jahres“ gewählt.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Pierluigi Collina – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thomas Lipinski: England - Deutschland. Der Glatzkopf pfeift den Klassiker. In: Spiegel Online. 16. Juni 2000, abgerufen am 17. Oktober 2010.
  2. Collina wird Schiedsrichter-Chef in der Ukraine
  3. Collina leitet UEFA-Kommission
  4. http://www.iffhs.de/?21e43c03f32b00f31c13f32b17f7370eff3702bb1d20bb6e18, abgefragt am 7. Juni 2010
  5. Handelsblatt vom 29. August 2005: Schiedsrichter Pierluigi Collina pfeift nicht mehr, abgefragt am 7. Juni 2010