Pierre-Louis Roederer

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Pierre-Louis Roederer, zeitgenössische Darstellung von Jean Urbain Guérin, Radierung von Franz Gabriel Fiessinger
Die Unterzeichnung des Vertrags von Mortefontaine am 30. September 1800, Lithografie von Victor Adam
Grabmal Roederers auf dem Friedhof von Père-Lachaise

Pierre-Louis Roederer, (* 15. Februar 1754 in Metz, nach anderen Angaben in Straßburg;[1]17. Dezember 1835 in Bursard, Département Orne), Graf (seit dem 21. Dezember 1808), war ein französischer Staatsmann und Publizist, Berater Napoleon Bonapartes, Großoffizier der Ehrenlegion.

Leben[Bearbeiten]

Am 28. Oktober 1777 heiratete Roederer in Frankfurt am Main Louise Guaita, die Tochter des Frankfurter Bankiers Anton Maria Guaita, die in die Ehe eine stattliche Mitgift einbrachte.[2] Vor der Französischen Revolution war Roederer Rechtsanwalt und Berater des Parlamentes in Metz. Nach Einberufung der Generalstände unter Ludwig XVI. im Oktober 1789 wurde er als Abgeordneter des Dritten Standes Mitglied der Verfassungsgebenden Nationalversammlung. Hier gehörte er zur Gruppe der Girondisten. Am 10. August 1792 half er der königlichen Familie während des Tuileriensturms bei der Flucht in das Gebäude der Nationalversammlung. Während der Revolution war er als Journalist tätig. 1796 Professor der politischen Ökonomie zu Paris gehörte Roederer 1800 der französischen Delegation an, die durch Unterzeichnung des Vertrags von Mortefontaine den Quasi-Krieg mit den Vereinigten Staaten beendete. 1806 wurde Roederer Finanzminister König Josephs von Neapel im Königreich Neapel und in den Grafenstand erhoben. Vom 24. September 1810 bis November 1813 war er – als Nachfolger von Michel Gaudin (August 1808 bis 31. Dezember 1808) und Hugues-Bernard Maret (1. Januar 1809 bis 23. September 1810),[3] die ihr Amt allerdings nur als Nebenaufgabe versehen hatten[4] – Minister und Staatssekretär für das Großherzogtum Berg mit Sitz in Paris.[5][6] Außerdem war er Senator in der französischen Nationalversammlung. Roederer war auch Professor für Wirtschaft und Verleger einer Zeitung in Paris. Seit 1803 war er Mitglied der Académie française. 1816 wurde er aus ihr ausgeschlossen.

Düsseldorf erinnert seiner durch die schmeichelhafte Umschreibung mit dem Begriff Klein-Paris (Petit Paris, 1811).[7]

Werke[Bearbeiten]

  • Œuvres complètes. 1853–59 (8 Bände)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Johan Menichetti: Pierre-Louis Roederer: la science sociale au Conseil d’État. Artikel (in französischer Sprache) aus Napoleonica. La Revue 2013/1, Nr. 16, abgerufen im Portal cairn.info am 1. September 2013
  2. Kenneth Margerison: P.-L. Roederer: Political Thought and Practice During the French Revolution. The American Philosophical Society, Philadelphia 1983, S. 6
  3. Axel Kolodiej: Departements, Arrondissements, Kantone und Marien – Die mittleren und niederen Verwaltungsstrukturen des Großherzogtums Berg am Beispiel Barmen. Pdf-Datei im Portal bgv-wuppertal.de (Bergischer Geschichtsverein), S. 6, abgerufen am 20. Oktober 2013
  4. Bettina Severin-Barbouti: Französische Herrschaftspolitik und Modernisierung. Verwaltungs- und Verfassungsreformen im Großherzogtum Berg (1806–1813). München 2008, S. 100–109
  5. Gesetz-Bulletin des Großherzogthums Berg: Ernennungsdekret vom 24. September 1810 (Landesbibliothek Düsseldorf)
  6. Mahmoud Kandil: Sozialer Protest gegen das napoleonische Herrschaftssystem im Großherzogtum Berg 1808–1813. Dokument vom März 2000 im Portal fes.de der Friedrich-Ebert-Stiftung, abgerufen am 1. September 2013
  7. Von der Hauptstadt eines Großherzogtums zur Industriestadt, Artikel des Stadtarchivs Landeshauptstadt Düsseldorf im Portal duesseldorf.de, abgerufen am 25. Dezember 2012

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Pierre-Louis Roederer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien