Pierre Bergé

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Dieser Artikel beschreibt den Unternehmer Pierre Bergé. Zum Physiker siehe Pierre Bergé (Physiker).
Pierre Bergé, 2012

Pierre Vital Georges Bergé (* 14. November 1930[1] auf der Île d’Oléron) ist ein französischer Unternehmer und Philanthrop.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Bergés Mutter Christiane war eine Grundschullehrerin, die nach der Montessoripädagogik unterrichtete,[2] und eine Amateursängerin (Sopran). Sein Vater war als Finanzbeamter (Steuerinspektor) tätig. Bergé wurde von seinen Eltern, die sich für eine sozialistische Politik engagierten, „liberal, tolerant, ja anarchistisch“ erzogen.[3] Er besuchte die Schule Lycée Eugène Fromentin in La Rochelle. Wenige Monate vor dem Baccalauréat zog er 1948 nach Paris, um Schriftsteller oder Journalist zu werden.[1] Dort arbeitete er in mehreren Buchhandlungen und suchte die Schriftsteller Pierre Mac Orlan, Francis Carco, Jean Anouilh und vor allem Jean Cocteau auf. Er schrieb dem provençalischen Schriftsteller Jean Giono, der ihn einlud. Zwei Jahre lang blieb er bei Giono und kümmerte sich um dessen Haushalt. Giono ging nach seinem täglichen Schreibpensum vielen Aktivitäten nach und so erlernte Bergé von ihm eine strenge Zeitdisziplin.[3]

Seit 1950 war Bergé der Lebensgefährte und Agent des Malers Bernard Buffet, dessen Werke er heute kritisch sieht.[4]

Yves Saint Laurent[Bearbeiten]

1958 traf Bergé den französischen Modedesigner Yves Saint Laurent und wurde zu seinem Lebensgefährten bis zu Saint Laurents Tod im Jahr 2008. Gemeinsam mit Saint Laurent gründete und baute er 1961 das Modehaus Yves Saint Laurent Couture auf. Der amerikanische Versicherungskaufmann und spätere Bankier J. Mack Robinson aus Atlanta half dem Unternehmen mit einem privaten Kredit.[5] 1966 gründete Bergé Saint Laurent Rive gauche, eine Kette von firmeneigenen Filialen, die Saint Laurents prêt-à-porter-Mode exklusiv verkaufte, aber zu geringeren Preisen als dessen Haute Couture. Robinson zog sich aus dem Unternehmen wieder zurück. Später lizenzierte Bergé die Mode Saint Laurents auch für andere Handelshäuser. Bergé gilt als die entscheidende Kraft hinter allen wichtigen gemeinsamen Entscheidungen.[6] Er äußerte dazu selbst: „… since the very beginning with Yves I organised everything.“[2] 1976 trennten sich Bergé und Saint Laurent, blieben aber einander in Freundschaft verbunden und führten als Geschäftspartner das Modehaus weiter.

Saint Laurent und Bergé haben während ihrer 50 Jahre währenden Beziehung eine der größten privaten Kunstsammlungen Europas zusammengetragen.[7] Das Auktionshaus Christie's und Pierre Bergé & Associés versteigerten vom 23. bis zum 25. Februar 2009 im Pariser Glaspalast Grand Palais die Sammlung. Es waren 733 Objekte und Gemälde aus allen Stilepochen, die allein wegen ihrer Qualität erworben wurden. Christie's mietete für 300.000 Euro das Grand Palais und gestaltete es für eine Million Euro aus.[8] Bei Christie's sprach man von der „Auktion des Jahrhunderts“[9] und in der Presse nannte man die Auktion den „Verkauf des Jahrhunderts“ („la vente du siècle“).[10] Der Erlös der Versteigerung, den Bergé zunächst auf 300 Mio. Euro geschätzt hatte,[11] wurde mit 373,9 Millionen Euro übertroffen, was auch den Rekordwert für eine private Sammlung in Europa bildet.[12] Den Betrag wird er zur einen Hälfte für medizinische Forschungsprojekte über AIDS und zur anderen Hälfte an seine Stiftung «Fondation Pierre Bergé – Yves Saint Laurent» spenden, die sich dem Erhalt und der Präsentation des zeichnerischen und modischen Erbes Saint Laurents widmet.[13] Im Jahr 2004 gründeten er und Saint Laurent diese Stiftung, um dessen Lebenswerk im früheren Atelier in der Avenue Marceau zu konservieren und zu erschließen. Der Fundus umfasst 5.000 Kleider, 15.000 Accessoires und Zeichnungen sowie nahezu alle Berichte in den Druck- und audiovisuellen Medien.[14]

Kulturelles Engagement[Bearbeiten]

1985 gründete Pierre Bergé gemeinsam mit dem Journalisten Georges-Marc Benamou das linke, intellektuelle Monatsmagazin Globe und unterstützte damit François Mitterrands Wiederwahl zum französischen Staatspräsidenten. Als Freund von Mitterrand gelang es ihm, ihn davon zu überzeugen, dass Paris ein zweites Opernhaus brauche. Im August 1988 wurde Bergé ehrenamtlicher Präsident der Opéra Bastille in Paris und führte das Opernhaus bis 1994. Danach wurde er Ehrenpräsident der Opéra National de Paris. In den 1960er-Jahren leitete er neben seinem Unternehmen auch zwei Theater. Im „Théâtre de l’Athénée“ führte er Soiréen ein, bei denen er damals noch unbekannte Künstler wie Jessye Norman oder Gundula Janowitz zur Bekanntheit verhalf.[3] Bergé ist Präsident der Organisation Médiathèque Musicale Mahler, die sich den Musikwerken des 19. und 20. Jahrhunderts widmet.[15]

Mäzenatentum[Bearbeiten]

Maison Jean Cocteau, Milly-la-Forêt, 2008

Bergé ist darüber hinaus ehrenamtlicher Präsident der Stiftung Comité Jean Cocteau und im Besitz der Rechte an den literarischen Werken von Jean Cocteau.[16] Da die Erben Cocteaus dessen Hinterlassenschaft aufgelöst haben, musste er seinen Plan eines Museums aufgeben. Stattdessen förderte er mit 3,5 Mio. € die Renovierung von Cocteaus letztem Wohnhaus (1947–1963) in Milly-la-Forêt, 50 km südöstlich von Paris gelegen.[17] Es wurde am 22. Juni 2010 von Kulturminister Frédéric Mitterrand eröffnet. Die erste Galerie enthält eine Dauer-Ausstellung von etwa 500 Cocteau-Portraits von Künstlern und Cocteaus Freunden, darunter Bilder von Warhol, Picasso, Modigliani und Man Ray.[18]

Weiterhin fördert er als Präsident der Association Maison Zola die Renovierung des Hauses von Émile Zola in Médan westlich bei Paris, das 2011 zu einem Museum eröffnet werden soll.[19] Er unterstützt seit längerer Zeit das theatrale Schaffen von Robert Wilson und seit kurzem das literarische Werk von Peter Brook.[20] 1998 spendete er für den Obelisken auf dem Place de la Concorde den krönenden Abschluss, ein 3,6 m hohes Pyramidion aus vergoldeter Bronze. Weiterhin schenkte er mehreren Museen Gemälde und wertvolle Möbel (siehe Internetseite seiner Fondation).

Bergé war als LGBT-Aktivist Mitgründer des französischen LGBT-Magazins Têtu, das er mitfinanzierte. Er unterstützt AIDS-Organisationen wie Act Up in Paris. 1996 wurde er Präsident der AIDS-Organisation Sidaction.

Verschiedenes[Bearbeiten]

Im Jahr 2001 gründete er in Paris das Auktionshaus Pierre Bergé & Associés mit Filialen in Genf und Brüssel. Er ist Präsident des «Institut Français de la Mode» („Institut der französischen Mode“) seit dessen Gründung im Jahr 1986.[21] Im französischen Präsidentschaftswahlkampf 2007 unterstützte er Ségolène Royal.

Am 25. Juni 2010 erhielt er gemeinsam mit dem Bankier Mathieu Pigasse (Vize-Präsident von Lazard-Europa)[22] und dem Internetunternehmer Xavier Niel (groupe Iliad, DSL-Anbieter Free)[23] den Zuschlag für den Kauf der wirtschaftlich angeschlagenen Tageszeitung Le Monde, die bislang mehrheitlich von ihren Redakteuren getragen wurde. Bergé und seine Compagnons garantieren der Redaktion weiterhin ihre journalistische Unabhängigkeit.[24] Staatspräsident Nicolas Sarkozy intervenierte mehrmals[25] und drohte schließlich der Redaktion bei einem Votum für Bergé & Co. mit einer Streichung der Subventionen für die Modernisierung der Le Monde-Druckerei.[26] Der Aufsichtsrat der Le Monde-Gruppe hat sich mit knapper Mehrheit für das Übernahmeangebot der Investorengruppe um Bergé entschieden.[27]

Ehrungen[Bearbeiten]

Bergé wurde mit dem Orden von Oranien-Nassau (Offizier) und dem Ordre national du Mérite (Offizier) ausgezeichnet und als Kommandeur in den Ordre des Arts et des Lettres und die Ehrenlegion aufgenommen.[20] Im Juli 1993 wurde er zum Ehrenbotschafter der UNESCO ernannt.[20]

Schriften[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Robert Murphy, Peter Saville: Yves Saint Laurent & Pierre Bergé – Die Sammlung. Übersetzt von Karin Maack. Heyne, München, ISBN 978-3-89910-430-1.

Filme[Bearbeiten]

  • Die YSL-Auktion bricht Rekorde. Fernseh-Reportage, Deutschland, 2009, 2:20 Min., Regie: Alexander von Sobeck, Produktion: ZDF, Reihe: heute in europa, Erstsendung: 24. Februar 2009

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Histoire avant 1962, Fondation Pierre Bergé – Yves Saint Laurent
  2. a b Anthony Haden-Guest: „For Yves, art was food for the soul“, The Guardian, 18. Januar 2009
  3. a b c Peter Bermbach: „Mein Leben ist leer seit dem Tod von Yves“, FAZ, 19. Dezember 2008
  4. Peter Bermbach: „Mein Leben ist leer seit dem Tod von Yves“, FAZ, 19. Dezember 2008
  5. Jennifer Brock: „A good name… J. Mack Robinson“, Georgia State University, Robinson College of Business
  6. Hans-Hagen Bremer: „Verstreut an alle Wände“, Tagesspiegel, 23. Februar 2009
  7. „Yves Saint Laurents Privatsammlung wird versteigert“, Tagesspiegel, 17. Februar 2009
  8. Ag.: „"Jahrhundertauktion" der Sammlungsstücke von YSL“, Die Presse, 19. Februar 2009
  9. Godfrey Deeny: „Jahrhundertauktion. Yves Saint Laurents Mann verkauft die Eheschätze“, Die Welt, 17. Februar 2009
  10. „Bergé-Saint Laurent, la vente du siècle“, La Tribune, 20. Februar 2009
  11. Angelika Heinick: „Ein Mondrian auf dem Laufsteg“, FAZ, 4. Februar 2009, mit Bilderserie
  12. Christoph Wöß: „YSL-Auktion geht mit Rekorderlös zu Ende“ (Die ursprüngliche Seite ist nicht mehr abrufbar.)[1] [2] Vorlage:Toter Link/www.tagesschau.de → Erläuterung, tagesschau.de, 26. Februar 2009
  13. „Yves Saint Laurent: die Auktion“, Süddeutsche Zeitung, 24. Februar 2009, mit Reuters-Video 1:47 Min.
  14. Marc Zitzmann: „Endlich ist Maecenas auch an der Seine aus seinem Dornröschenschlaf erwacht“, NZZ, 18. August 2008
      „The Pierre Bergé – Yves Saint Laurent foundation has set itself three primary goals“, Fondation Pierre Bergé – Yves Saint Laurent
  15. Médiathèque Musicale Mahler
  16. Comité Jean Cocteau (englisch)
  17. „La Maison de Jean Cocteau enfin ouverte au public », Le Magazine Littéraire, 25. Juni 2010
  18. „La "Maison Jean Cocteau" inaugurée à Milly-la-Forêt“, AP / Le Nouvel Observateur, 22. Juni 2010
  19. Projet Maison Zola Musée Dreyfus
  20. a b c Biographie, Unesco
  21. „Pierre Berge gave a talk to IFM’s students“, IFM, Januar 2009
  22. Matthieu Pigasse, französische Wikipedia
  23. Xavier Niel: Robin Hood der Netze, Handelsblatt, 28. Oktober 2009
  24. Hans-Hagen Bremer: Portrait Pierre Bergé. Bald „Le Monde“-Aktionär: „Nicht vor dem Präsidenten strammstehen“, Tagesspiegel, 27. Juni 2010
  25. Charles Bremner: „Sarkozy wants a friendly Monde“Vorlage:Webarchiv/Wartung/Nummerierte_Parameter, The Times, 14. Juni 2010
  26. Votum für Pierre Bergé: Linker Mäzen Favorit für Kauf von Tageszeitung "Le Monde"Vorlage:Webarchiv/Wartung/Nummerierte_Parameter, Financial Times Deutschland, 25. Juni 2010
    Johannes Duchrow: „Traditionsblatt "Le Monde" auf Investorensuche. Der Kampf um Geld und Unabhängigkeit“ (Die ursprüngliche Seite ist nicht mehr abrufbar.)[3] [4] Vorlage:Toter Link/www.tagesschau.de → Erläuterung, tagesschau.de, 12. Juni 2010, mit Audio-Datei, 2:47 Min.
  27. Hamburger Morgenpost "«Le Monde» vorerst gerettet" 28. Juni 2010.