Pierre Moulu

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Pierre Moulu (* um 1484; † um 1550) war ein französisch-flämischer Komponist der Renaissance, der in Frankreich und dort wahrscheinlich in Paris tätig war.

Von seinen Leben ist wie von vielen Renaissancekomponisten wenig bekannt, aber inhaltliche Hinweise in seinen Kompositionen deuten darauf hin, dass er wenigstens die ersten zwei Jahrzehnte des 16. Jahrhunderts für die französische königliche Hofkapelle arbeitete und es kann auch mit der Kathedrale von Meaux an der Marne östlich von Paris in Verbindung gebracht werden. Er komponierte Musik für feierliche Anlässe, zum Beispiel ein wundervolles Klagelied über den Tod von Königin Anne von Britannien (1514), ebenso komponierte er eine Motette, die die - in seinen Augen - gefeiertesten Komponisten Frankreichs chronologisch auflistete und rühmte mit Josquin zum Abschluss. Unterlagen aus dem Vatikan (1505 - 1513) helfen seine Identität einzugrenzen, indem sie zeigen, dass ein "Petrus Moulu" verschiedene kirchliche Ämter an der Kathedrale von Meaux innehatte. Möglicherweise schrieb er seine Missa Stephane gloriose für die Kathedrale Saint Etienne (Saint Stéphane) der Stadt. [1]

Seine Musik ist offensichtlich von Josquin beeinflusst und obwohl Pierre Ronsard schrieb, dass Moulu mit Josquin studiert hat, belegt dies keine Quelle. Die Motette Anxiatus est in me spiritus meus die Königin Annes Tod beklagt, bedient sich im Entwurf einer ähnlichen und wesentlich bekannteren Komposition von Josquin anlässlich Ockeghems Tod, La Déploration sur la mort Ockeghem. Moulus Musik zeichnet eindringliche Imitation und glatte Polyphonie mit gleichberechtigten Stimmen aus. (Schön vorgeführt in und wohl am bekanntesten aus Nicolas Gomberts Musik.)

Pierre Moulu komponierte vornehmlich liturgische Musik, sowie Motetten und Messen. Seine Missa Alma Redemptoris mater auch Missa duarum facierum genannt, zeigt deutlich, dass er die vornehme Kunst der Polyphonie hervorragend beherrschte. Diese Messe kann auf zwei Arten aufgeführt werden: Mit oder ohne Pausen, die länger als Viertelpausen sind. Die letzte Entdeckung ist die Missa Paranymphus die auf der gleichnamigen Motette von Loyset Compère basiert. An einigen Motetten und Liedern ist Moulus Autorschaft zweifelhaft. (Jean Mouton und Josquin kommen auch als Komponisten dieser Werke auch in Betracht).

Man findet Moulus Kompositionen in Sammelwerken und alten Handschriften, unter anderem in Bologna, Rom und Cambrai. Auch in 's-Hertogenbosch bei der illustren Liebfrauenbruderschaft wurde im sechzehnten Jahrhundert die Musik dieses Komponisten gesungen wie sie heute noch in zwei Handschriften dieser Bruderschaft zu finden ist.

Werke[Bearbeiten]

Messen[Bearbeiten]

  1. Missa Alma Redemptoris mater, 4vv (Legende: v bedeutet Stimme und vv mehrere Stimmen)
  2. Missa Missus est Gabriel angelus (basiert auf einer Motette von Josquin), 4vv
  3. Missa Mittit ad virginem, 4vv
  4. Missa Paranymphus (basiert auf einer Motette von Compère), 4vv
  5. Missa Stephane gloriose, 4vv

Motetten[Bearbeiten]

  1. Adest nobis dies laetitiae, 4vv;
  2. Alleluia, Regem ascendentem, 4vv;
  3. Domine Dominus noster, 4vv; (überliefert durch Mouton)
  4. Fiere attropos, 5vv;
  5. Induta est caro mea, 4vv;
  6. In hoc ego sperabo, 3vv;
  7. In illo tempore, 4vv; (wahrscheinlich von Mouton)
  8. In omni tribulatione, 4vv; (von Mouton)
  9. In pace, 5vv;
  10. Mater floreat florescat, 4vv;
  11. Ne projicias, 6vv;
  12. Oculi omnium, 3vv;
  13. O dulcis amica Dei, 5vv;
  14. Oremus pro conctis, 4vv;
  15. Quam dilecta, 3vv;
  16. Quam pulchra es 4vv; (auch Mouton zugeschrieben)
  17. Regina caeli, 4vv;
  18. Salve Barbara martyr, 7vv;
  19. Salve regina Barbara, 4vv;
  20. Sancta Maria, Dei mater, 4vv; (die Altstimme ist als einzige erhalten geblieben)
  21. Saule, Saule, quid me persequeris, 4vv; (von Jean le Brung)
  22. Sicut malus, 3vv;
  23. Tu licet (die gleiche wie 'Crucifixus' aus der Missa Alma Redemptoris mater), 2vv;
  24. Virgo carens criminibus, 4vv; (von Andreas de Silva)
  25. Vivo ego, 3vv;
  26. Vulnerasti cor meum, 5vv.

Lieder[Bearbeiten]

  1. Amy souffrez, 3vv; (von Heinrich Isaac)
  2. Au bois, au bois, madame, 4vv;
  3. En despit des faux mesdisans, 6vv;
  4. Et dout venès vous, 3vv;
  5. Hellas, hellas madame, 4vv;
  6. J'ay mis mon cueur, 7vv; (wahrscheinlich von Descaudain)
  7. La rousée de moys de may, 6vv; (von Mouton)
  8. N'aymés jamais ces gens, 3vv;
  9. Voicy le may, 4vv.

Einige Werke von Moulu sind dennoch nur ohne Text erhalten geblieben. So erschien 1592 ein dreistimmiger Kanon in Lodovico Zacconis Prattica de musica unter dem Namen Pietro Molu. Dieser Kanon wurde jedoch schon 1503 durch Petrucci abgedruckt, weshalb die Zuschreibung zu Moulu sehr unwahrscheinlich ist.

Literatur über Pierre Moulu[Bearbeiten]

  • J. G. Chapman, The Works of Pierre Moulu: a Stylistic Analysis. Ph.D. dissertation, New York University, 1964.
  • Artikel Pierre Moulu, in: The New Grove Dictionary of Music and Musicians, ed. Stanley Sadie. 20 Bände, London, Macmillan Publishers Ltd., 1980. ISBN 1561591742
  • Gustave Reese, Music in the Renaissance. New York, W.W. Norton & Co., 1954. ISBN 0393095304
  • Jan Jaap Zwitser, De Missa Paranymphus, een onbekende mis van Pierre Moulu?. Doktorarbeit Universiteit Utrecht, 2002.
  • Howard Mayer Brown/Richard Freedman: Pierre Moulu, Grove Music Online, ed. L. Macy (Accessed March 29, 2007), (Subskriptionszugang)

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Jan Jaap Zwitser, De Missa Paranymphus, een onbekende mis van Pierre Moulu? (Die Missa Paranymphus, eine Unkbekannte Messe von Pierre Moulu?) Doktorarbeit Universität Utrecht, 2002

Aufnahmen[Bearbeiten]

  • Capilla Flamenca, The A-La-Mi-Re Manuscripts, Flemish Polyphonic Treasures for Charles V. Naxos CD 8.554744. Enthält die Motette Mater floreat florescat.
  • The Brabant Ensemble, Stephen Rice, Missa Alma Redemptoris & Missa Missus Est Gabriel, Hyperion Records CD CDA67761.

Weblinks[Bearbeiten]