Pierre Poivre

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Lithographie von E. Conguy (19. Jahrhundert)

Pierre Poivre (* 23. August 1719 in Lyon; † 6. Januar 1786 in Saint-Romain-au-Mont-d'Or) war ein französischer Physiokrat, Aufklärer und Gartenbaufachmann. Er war aber auch Missionar in China und Cochinchina, Verwalter von Mauritius und Réunion und Mitglied des Ordens vom heiligen Geist (Ordre du Saint-Esprit).

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Er war der Sohn von Hilaire Poivre (1671–1739) aus Lyon und seiner Ehefrau Marie Pompallier (1699–1770).[1] Er hatte einen Bruder, Denis Poivre. Der Großvater väterlicherseits, Gabriel Poivre (* 1644), und seine Ehefrau Marie Greney hatten zwei Söhne, Hilaire Poivre und Jean Poivre (1673–1740), aus dessen Linie Pierre Sonnerat entstammt.[2]

In seinen frühen Jahren war er als Missionar in Cochinchina, Guangzhou und Macao tätig. 1745 reiste er als Mitglied der Französischen Ostindienkompanie nach Indien und wurde in eine Seeschlacht mit den Briten verwickelt. Sein Handgelenk wurde von einer Kanonenkugel zertrümmert; daraufhin musste ein Teil seines rechten Arms amputiert werden.

1766 wurde Poivre Administrator der Île de France (Mauritius) und Île Bourbon (Réunion) im Indischen Ozean. Er ist besonders bekannt für die Einführung von Gewürznelke und Muskatnuss auf Mauritius und Reunion. Bis dahin hatten die Niederländer ein Quasi-Monopol für diese Gewürze in Ostindien. Um die Gewürze zu beschaffen, organisierte Poivre zwischen 1769 und 1770 den Raub und Schmuggel dieser Pflanzen und ihrer Samen von den Banda-Inseln in den südlichen Molukken. Poivre war auch verantwortlich für die Einführung dieser Gewürzpflanzen auf den Seychellen.

Seine Ehefrau war Marie Françoise Robin de Livet (1749–1841).[3] Pierre Poivre heiratete Marie Françoise am 5. September 1766 in Pommiers im heutigen Département Rhône. Dieser Verbindung entstammten die Kinder Marie Poivre (1768–1787), François Julienne Ile-de-France Poivre (1770–1845) und Sarah Poivre (1773–1814). Nach dem Tod ihres Ehemanns heiratete Marie Françoise im Jahre 1795 Pierre Samuel du Pont de Nemours.

Im nördlichen Mauritius gründete Poivre den heute Sir Seewoosagur Ramgoolam Botanical Garden genannten Botanischen Garten mit 25 Hektar Fläche und tropischen Pflanzen und Bäumen aus Afrika, Asien, Nord- und Südamerika sowie von Inseln des Indischen Ozeans. Das Poivre-Atoll (Amiranten) ist nach ihm benannt.

Durch eine neue Ausgabe seines Buches Voyages d'un philosophe (1768) auf Deutsch im Jahr 1997 rückte Poivre seit einigen Jahren wieder in das Zentrum des Interesses. Der Text stellt eine Mischung aus Reisebericht und politisch-ökonomischen Überlegungen dar, unter anderem unterzieht er Montesquieus Theorie der orientalischen Despotie einer empirischen Kritik. Poivre war einer der letzten europäischen Autoren damaliger Zeit, die nicht schon mit der festen Überzeugung europäischer Überlegenheit über den Rest der Welt nach Asien kamen.[4]

Ursprünglich L’Heure du Berger, von Chevalier de la Biollière, Kommandanten der L’Etolle du Matin, 1771 umbenannt zu Poivre-Atoll.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

Voyages d’un philosophe ou observations sur les mœurs et les arts des peuples de l’Afrique, de l’Asie et de l’Amérique.Vorderseite von: Die Abenteuer eines Philosophen. 1769
  • Voyages d'un philosophe, ou observations sur les moeurs et les arts des peuples de l'Afrique, de l'Asie et de l'Amérique. (1768)
  • Oeuvres complettes [sic] de P. Poivre: intendant des isles de France et de Bourbon, correspondant de l'accademie des science, etc: précédées de sa vie et accompagnées de notes. Chez Fuchs, (1797)

Trivia[Bearbeiten]

Poivres Buch Die Abenteuer eines Philosophen wurde mit Interesse von Thomas Jefferson gelesen, seine Beschreibung der Kultivierung von Bergreis in Vietnam fand besonders Jeffersons Aufmerksamkeit.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Genealogie
  2. Genealogie Übersicht
  3. Genealogie der Ehefrau und Kinder
  4. Osterhammel, Jürgen, Einleitung, in: Ders., Hg., Reisen eines Philosophen 1768, Sigmaringen 1997, S.26.