Piko

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen finden sich unter Pico.
Piko Spielwaren GmbH
PIKO logo.svg
Rechtsform GmbH
Gründung 1948
Sitz Sonneberg
Leitung René F. Wilfer
Mitarbeiter 163[1]
Branche Spielwarenindustrie
Website www.piko.de
Stand: 31. Dezember 2008 Vorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Stand 2008

Die Piko Spielwaren GmbH (Eigenschreibung PIKO) ist ein deutscher Hersteller von Modelleisenbahnen und Modellbauzubehör und gilt neben Märklin, Fleischmann und Roco als vierter großer Hersteller mit einem Komplettangebot in den Modellbaugrößen G, H0, TT und N.

Piko war ein Volkseigener Betrieb (VEB) der Deutschen Demokratischen Republik (DDR), der elektromechanisches Spielzeug sowie Modelleisenbahnen und -zubehör produzierte. Die Modellbahnen wurden in den Nenngrößen H0 und N (1964–1989) hergestellt und im In- und Ausland verkauft. Im Jahr 1991 wurde der VEB privatisiert und firmiert nun als Piko Spielwaren GmbH.

Geschichte[Bearbeiten]

1948 bis 1990[Bearbeiten]

Besucher an einer PIKO-Modelleisenbahnanlage 1953

Von der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland SMAD wurde schon 1948, noch vor Gründung der DDR, die Entwicklung und Produktion einer elektrischen Miniatureisenbahn beschlossen, da die Einwohner der sowjetischen Besatzungszone nach der Währungsreform in Westdeutschland keine Modelleisenbahnteile mehr mit der noch gültigen Währung der Reichsmark kaufen konnten. Die Produktion begann daraufhin in Chemnitz im ehemaligen Siemens & Halske-Werk, das im Sowjetischen Besitz den Namen Gesellschaft Kabel trug (später RFT-Gerätewerk) und bisher Messinstrumente hergestellt hatte.

Die ersten zwei Spielzeugeisenbahnpackungen der Baugröße H0 wurden 1949 auf der Leipziger Herbstmesse unter dem Namen Pico Express vorgestellt. Die Zugpackungen enthielten einerseits die Elektrolokomotive ME 102 und andererseits die stromlinienförmige Dampflokomotive mit Schlepptender ME 101. Woher die Schreibweise von Pico mit c kam, ist unbekannt; aber es ist anzunehmen, dass Pico Express das Gegenstück zu Trix Express werden sollte.

Nach einigen Jahren konnte der Bedarf an Modelleisenbahnen durch den Standort Chemnitz nicht mehr gedeckt werden, weshalb die Produktion 1952 zum VEB Elektroinstallation Oberlind (EIO) nach Sonneberg verlagert wurde. Die EIO produzierte neben Staubsaugern nun auch Modelleisenbahnen unter dem Handelsnamen Piko als Abkürzung für Pionier Konstruktion. Für den neuen Produktionszweig Modelleisenbahnen gründete EIO eine eigene Entwicklungsabteilung, deren Leiter Erhard Fickert wurde. Im Jahre 1959 etablierte Eio für die Eigenentwicklung von Modellbahnen der Baugröße H0 eine Außenstelle in Radeburg.

1962 wurde der VEB Piko Sonneberg gegründet, der den Modelleisenbahnbereich des VEB EIO übernahm und dem der VEB Feinmechanik Sonneberg angeschlossen wurde. Erster Betriebsleiter wurde Eugen Furch, der einige Zeit später von Hans Schau abgelöst wurde. Bereits 1963 wurde die EIO-Außenstelle in Radeburg Piko zugeordnet. Sie hatte neue Modelle zu konstruieren und Triebfahrzeuge und Wagen selbst zu produzieren. 1964 wurden die Entwicklungs- und Konstruktionsarbeiten der Nenngröße H0 vollständig nach Radeburg verlagert, in Sonneberg wurde nur noch die Entwicklung der Spur N betrieben. 1965 wurde der Betrieb in Radeburg eingestellt und sämtliche Aktivitäten wurden wieder nach Piko in Sonneberg verlagert.

Piko übernahm nun auch den Vertrieb der Produkte des VEB Modellbahnzubehör Glashütte, des VEB Modellbahn Oybin (ab 1990 Sachsenmodelle) und des VEB Modellbahnwagen Dresden (vormals Schicht), die Modelleisenbahnwagen und Zubehör in der Nenngröße H0 herstellten.

Mit der Gründung des Kombinat Piko Sonneberg 1974 wurde die Produktion auf elektromechanische Spielwaren erweitert. Dem VEB Piko Sonneberg wurden weitere Betriebe wie Elmes (später VEB Anker-Mechanik Eisfeld), Prefo (VEB Prefo Dresden) und Presu (später VEB Press- und Spritzwerk Suhl) direkt unterstellt, um die Angebote zu erweitern und die Produktion zu optimieren. Piko wurde im Lauf der Jahrzehnte als Leitbetrieb für mechanisches und elektromechanisches Spielzeug immer weiter ausgebaut.

1981 erfolgte mit dem Kombinat Spielwaren Sonneberg eine weitere Konzentration, infolgedessen wurde das Kombinat Piko Sonneberg aufgelöst. Der VEB Piko Sonneberg wurde diesem neuen Kombinat zugeordnet und zum Erzeugnisgruppenleitbetrieb für Modelleisenbahnen. Die Modelleisenbahnprodukte wurden nun mit dem Handelsnamen Piko geschützt. Auch die vom Versandhaus Quelle vertriebenen Modelleisenbahnartikel waren Piko-Erzeugnisse. 1989 bestand Piko aus 15 Betriebsteilen mit etwa 1000 Beschäftigten.

Ab 1991[Bearbeiten]

Verwaltungsgebäude in Sonneberg-Oberlind

Nach der Wiedervereinigung 1990 wurden die zu Piko gehörenden Betriebe von der Treuhandanstalt abgewickelt oder privatisiert. VEB Piko Sonneberg, dem das Aus drohte, wurde von Dr. René F. Wilfer gekauft und trägt seit dem 1. Mai 1992 den Namen „PIKO Spielwaren GmbH“. Es erwies sich langfristig als notwendig, das Sortiment zu überarbeiten, die Produktion technisch zu modernisieren und gleichzeitig das Fahrzeugprogramm in H0 stetig zu erweitern. Dabei vermied Piko Mehrfachentwicklungen und setzte konsequent auf solche Modelle, die von den Mitbewerbern nicht oder nicht mehr angeboten wurden. Von den früheren Mitarbeitern wurden nur rund 10 Prozent übernommen.

In den späten 1990er-Jahren wurde mit der Herstellung von Gebäuden für die Nenngrößen H0, N und IIm (G) begonnen. 2002 erfolgte die Vorstellung des Piko A-Gleises, womit Piko in der Nenngröße H0 wieder zu einem Vollsortiment-Anbieter wurde. Im Jahre 2005 kam mit der Siemens ES64U2 ein erstes Piko-Modell für die Nenngröße TT auf den Markt. 2010 kam mit Piko-Expert eine weitere H0-Produktreihe heraus. Die Fahrzeuge aus dem Piko-Expert-Programm liegen preislich wie qualitativ zwischen dem Hobbyprogramm und dem Standardangebot. Das Expert-Programm wird sowohl im Zweileiter-Gleissystem als auch im Mittelleiter-Gleissystem angeboten.

Seit dem Jahr 1999, in dem Piko 50 Jahre alt wurde, führt die Firma alle 2 Jahre einen Tag der offenen Tür durch.

Produkte[Bearbeiten]

Historisch[Bearbeiten]

Piko, seit 1961 Zentrum für die Herstellung von mechanischem und elektromechanischem Spielzeug, stellte neben Modelleisenbahnen in den Nenngrößen H0 und N Kinderwerkzeugmaschinen und hauswirtschaftliches Spielzeug für Mädchen und Jungen wie Waschmaschinen, Staubsauger, Registrierkassen, Bohrmaschinen oder Kunststoff-Spielzeug für Kleinkinder her. So wurde auf der Leipziger Frühjahrsmesse, damals die internationale Messe für Technik und Konsumgüter, die Kindernähmaschine elektra von VEB Piko Sonneberg 1968 erstmals präsentiert.

Die damaligen Modellbahn-Fahrzeuge bestachen durch ein sehr hohes Maß an Detaillierung; über die Firma Schreiber aus Fürth gelangten die Produkte auch auf den westdeutschen Markt.

Aktuell[Bearbeiten]

Dampflok Baureihe 98 003
H0-Produkte

Das Standard-Sortiment umfasst zahlreiche Modelle nach Vorbildern der Deutschen Reichsbahn und der Deutschen Bahn. Dazu gehören solche Erzeugnisse wie die DB-Baureihe 82 oder die DR-Baureihe E 93. Aufsehen erregte Piko, als über den Conrad Electronic-Versand 2001 erstmals preisgünstige Lokomotiven in der Nenngröße H0 angeboten wurden. Damit gab es preiswerte und einfache Modelle für Neueinsteiger und Spielbahner. Die Produktpalette wurde um den ÖBB-Loktyp Siemens Taurus, die DB-Baureihe 185, 189, DB-Baureihe 101 und DB-Baureihe 218 erweitert. Der niedrige Preis wird unter anderem dadurch erzielt, dass diese Modelle von einem Produzenten aus Hongkong zugekauft werden. Andere Anbieter wie Märklin folgten diesem Beispiel zeitweise.

Einige Lok-Modelle aus dem Hobby-Sortiment.
TT

Weitere preiswerte Lokomotiven für die Nenngröße TT kamen durch Piko 2005 in die Verkaufseinrichtungen. Es folgten der ICE 3, der Herkules und die DB-Baureihe 151. Dadurch gelang auch der Einstieg in den TT-Markt, der in der DDR sehr populär war.

N

Während das alte N-Sortiment noch vor der Wende komplett eingestellt worden war (einzig die Form eines Doppelstock-Gliederzuges fand weitgehend unverändert den Weg zu Minitrix), gibt es seit 2010 neue Spur-N-Modelle von Piko zunächst nach französischen Vorbildern (in Kooperation mit einem französischen Unternehmen). Kurze Zeit später begann man auch mit einem neuen Angebot deutscher Vorbilder.

Spur G

Im Sommer 2006 brachte Piko mit dem Taurus in der Nenngröße G erstmals ein Triebfahrzeug für die Gartenbahngröße in den Handel. Das Sortiment für die Spur G wurde seitdem rasch ausgebaut, wodurch Piko inzwischen zu einem Vollanbieter mit Lokomotiven, Wagen, Gleisen und Gebäudemodellen für Spur G geworden ist. Seit 2010 vertreibt Piko auch ein Digitalsystem für Gartenbahnen. Bei der Fahrzeugentwicklung legt Piko seinen Schwerpunkt auf Regelspurfahrzeuge, die auf die 45-mm-Spur angepasst werden. So wurde für 2011 die Baureihe 194 (das "Deutsche Krokodil") als Neuheit angekündigt.[2]

Übergreifende Produkte

Neben einem Vollsortiment in den Spurweiten H0 und G, einem kleinen Sortiment Lokomotiven und Waggons für die Spurweite TT ist Piko Hersteller von Gebäuden für die Nenngrößen H0, N, 1 und G. – Das Digitalsystem von Piko wird in Zusammenarbeit mit der Firma Uhlenbrock angeboten; hier verzichtet Piko auf die sonst üblichen, teuren Eigenentwicklungen.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Piko – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Elektronischer Bundesanzeiger, Jahresabschluss 2008, 1. März 2010
  2. PIKO Neuheit BR 194: Das Krokodil (Serie – Teil 1) auf spur-g-blog.de