Piktogramm
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Ein Piktogramm (von lat.: pictum = gemalt, Bild; griech.: gráphein = schreiben) ist ein einzelnes Symbol bzw. Ikon, das eine Information durch vereinfachte grafische Darstellung vermittelt.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Vorläufer der Schrift
Piktogramme sind die Vorläufer verschiedener Schriften, z. B. der Keilschrift, und haben sich später zu Logogrammen weiterentwickelt, so z. B. die Schriftzeichen der japanischen, der chinesischen Sprache oder der hieroglyphischen Schrift, die eine Bilderzeichenschrift darstellt und die älteste geschriebene Form von antiker ägyptischer Sprache ist. In vielen der einfacheren Schriftzeichen lässt sich der bildliche Ursprung leicht erkennen:
| 門 | Tor | 木 | Baum | 火 | Feuer | 人 | Mensch | 川 | Fluss | 山 | Berg |
[Bearbeiten] Verwendung
Otto Neurath, ein österreichischer Sozialphilosoph und Ökonom, entwickelte mit Gerd Arntz 1936 Isotype (International System of Typographic Picture Education), ein Visualisierungssystem, mit dem komplexe Zusammenhänge auf einfache Weise durch Piktogramme international verständlich dargestellt werden sollen.
Für die Olympischen Spiele 1964 in Tokio entwarf der japanische Grafiker Katsumi Masaru ein Bildzeichensystem zur Kennzeichnung von Sportarten.
Otl Aicher, der Gestaltungsbeauftragte der Olympische Sommerspiele 1972 von München, reduzierte diese bis dahin noch sehr figurativen Piktogramme weiter. Außerdem entwickelte er für den Flughafen München ein komplexes Leitwegesystem, das international verständlich ist. In Zusammenarbeit mit der Firma ERCO entstanden unzählige Piktogramme zur Bebilderung des täglichen Lebens.
Die Erfindung des PC mit einer grafischen Benutzeroberfläche hat eine weitere Flut an Piktogrammen ausgelöst, die als Icons bezeichnet werden. Auch Emoticons wie das Smiley sind Piktogramme.
Piktogramme werden heute im Zeitalter der Globalisierung und Internationalisierung in standardisierter Form verwendet, um Informationen sprachunabhängig oder möglichst schnell (z.B. als Verkehrszeichen) zu vermitteln oder um als Gefahrensymbole vor Gefahren zu warnen:
Die Internationale Organisation für Standardisierung (ISO) hat eine Sammlung von Piktogrammen (ISO 7001) und grundlegende Gestaltungshinweise sowie Methoden zum Test der Qualität von Piktogrammen (ISO 9186) erschaffen, die die Nutzung von nicht standardisierten und nicht interkulturell verständlichen Piktogrammen reduzieren soll.
[Bearbeiten] Siehe auch
[Bearbeiten] Literatur
- Rayan Abdullah und Roger Hübner mit einem Experiment zur Bildersprache von Jochen Gros: Piktogramme und Icons, Pflicht oder Kür? Hermann Schmidt, Mainz 2005, ISBN 3-87439-649-5.
- Marion Ackermann (Hrsg.): Piktogramme – Die Einsamkeit der Zeichen. Deutscher Kunstverlag, München, Berlin 2006, ISBN 978-3-422-06674-8.
- Andreas Bauer: Piktogramme. Eine interkulturelle Bildersprache? Probleme in der internationalen Praxis und Lösungsansätze. BoD, Norderstdedt 2005, ISBN 3-8334-3853-3.
- Alexander Christian: Piktogramme. Kritischer Beitrag zu einer Begriffsbestimmung. Shaker, Aachen 2009, ISBN 978-3-8322-8021-5.
- Robert Klanten (Hrsg.): Lingua grafica. Großes Nachschlagewerk Bildsprache. Die-Gestalten-Verlag, Berlin 2001, ISBN 3-931126-53-6.
- Alexander Kranz, Ricarda Stiller: News-Sites, Design und Journalismus. Springer, Berlin, Heidelberg 2003, ISBN 3-540-44082-8. (Beispiele und aktuelle Ergänzungen zum Buch)

