Pilatus Aircraft

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Pilatus Flugzeugwerke AG
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Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN CH0002189535
Gründung 1939
Sitz Stans, Schweiz
Leitung Markus Bucher, CEO
Oskar J. Schwenk, VR-Präsident
Mitarbeiter 1752 (2013)
Umsatz 1,014 Mrd. CHF (2013)
Branche Flugzeugbau
Website www.pilatus-aircraft.com

Die Pilatus Aircraft Ltd. bzw. Pilatus Flugzeugwerke AG ist der wichtigste Flugzeughersteller der Schweiz. Am Unternehmenssitz in Stans werden Trainings- und kleinere Mehrzweckflugzeuge hergestellt. Darüber hinaus verfügt Pilatus über Tochtergesellschaften in den USA und in Australien sowie über eine weitere Tochtergesellschaft für den Flugzeugunterhalt, die Altenrhein Aviation AG in Thal SG. Die Unternehmensgruppe erwirtschaftete 2013 mit weltweit 1752 Mitarbeitern einen Umsatz von 1,014 Milliarden Schweizer Franken.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Gründung der Pilatus Flugzeugwerke AG fand am 16. Dezember 1939 statt. Gründer waren Emil Bührle und die Elektrobank.[1] Zuerst nur im Unterhalt tätig, begannen die Pilatus-Flugzeugwerke 1940 mit der Konstruktion des SB-2 Pelikan, eines für Einsätze in gebirgigen Regionen konzipierten Flugzeuges. Bedeutung erlangte das Unternehmen jedoch erst mit den beiden Modellen Pilatus P-2 und P-3,[2] die den Grundstein des Bereichs Trainingsflugzeuge bildeten. Mit dem legendären PC-6, auch Pilatus Porter genannt, wurde ab 1959 das zweite Standbein im Mehrzweckflugzeugmarkt aufgebaut.

Pilatus baute auch einige Prototypen, die nicht in Serie gingen und Einzelstücke blieben: die Kurzstart-Flugzeuge SB-2 Pelikan, P-4 und PC-8 Twinporter. Mit der Pilatus P-4 wurden wertvolle Daten für die spätere PC-6 gewonnen. Da Kunden eine bessere Motorenleistung wünschten, entwickelte Pilatus die zweimotorige PC-8 Twin Porter auf der Basis der PC-6. Die einzige PC-8 (Luftfahrtkennzeichen: HB-KOA) wurde auch am Aerosalon in Paris vorgestellt. In der Zwischenzeit hatte Pilatus aber mit der Umrüstung der PC-6 mit einem Turbopropaggregat eine effektivere und einfachere Leistungssteigerung erreicht (PC-6T), die einzige PC-8 wurde verschrottet.

Ab den späten siebziger Jahren löste die von einer Turboprop getriebene Pilatus PC-7 die P-3 ab. Über 450 Stück konnten davon in den nächsten Jahrzehnten abgesetzt werden. Mitte der 1980er Jahre ergänzte die leistungsstärkere Pilatus PC-9 das Angebot von Pilatus Aircraft im Markt für Trainingsflugzeuge. Das neueste Trainingsflugzeug aus Stans ist die PC-21; das Typenzertifikat wurde Ende 2004 vom Bundesamt für Zivilluftfahrt erteilt. Während eines Trainingsfluges Mitte Januar 2005 ist ein Prototyp der PC-21 abgestürzt. Das darauf verhängte Flugverbot für den Typ konnte jedoch schon bald wieder aufgehoben werden, da sich herausstellte, dass der Unfall durch einen Pilotenfehler ausgelöst worden war.

Da nach dem Ende des Kalten Krieges deutlich weniger Kampfpiloten auszubilden waren und folglich weniger Trainingsflugzeuge abgesetzt werden konnten, fokussierte sich Pilatus Aircraft in den neunziger Jahren wieder stärker auf den Mehrzweckflugzeugmarkt. Die PC-12 schuf ab 1994 eine neue Klasse von effizienten einmotorigen Mehrzweckflugzeugen mit Turboproptriebwerk. Sie wies bei weit niedrigeren Betriebskosten ähnliche oder bessere Flugleistungen als viele ihrer mehrmotorigen Konkurrenten auf. Bis Juni 2012 konnte Pilatus ca. 1350 PC-12 absetzen. Die PC-12 kostet ab 2,9 Mio. USD und ist mit 3,5 Mio. USD schon voll ausgestattet.

Pilatus stellte als Subunternehmen der RUAG Aerospace Teile (Outerwings) für die Schweizer F/A-18 her.[3] Auch vorher war Pilatus bei allen Lizenzfertigungen von Düsenjets und Hubschraubern für die Schweizer Armee als Zulieferer beteiligt und wäre auch bei der FFA-P-16-Produktion (die jedoch storniert wurde) beteiligt gewesen. Pilatus stellt als Subunternehmen der RUAG Teile für Airbus und Boeing her und führt auch im Auftrag von RUAG Wartungsarbeiten an Luftfahrzeugen wie z. B. dem AS332 Superpuma durch.[3]

Im Jahre 2011 begann Pilatus mit den Planungen eines Business Jets unter dem Namen Pilatus PC-24. Die gesamten Entwicklungskosten für den PC-24 sollen sich um die 400 Mio. Schweizer Franken bewegen. Am 21. Mai 2013 enthüllte Pilatus das Flugzeug an der «European Business Aviation Convention & Exhibition» (EBACE) in Genf und präsentierte es zum 75-Jahr-Jubiläum des Unternehmens am 1. August 2014 am Firmensitz in Stans.

Kritik[Bearbeiten]

Trainingsflugzeug Pilatus PC-21

Die Turboprop-Trainingsflugzeuge wurden vor allem an Luftstreitkräfte verkauft. Die Firma kam seit den 1970er Jahren immer wieder in die Schlagzeilen, weil sie mit Waffenbehältern ausrüstbare Versionen in Entwicklungsländer verkaufte.

Der Export von militärischen Trainingsflugzeugen untersteht nicht dem schweizerischen Kriegsmaterialgesetz, sondern dem Güterkontrollgesetz. Deshalb können Lieferungen von solchen Flugzeugen von den Behörden nur unterbunden werden, wenn gegen ein Empfängerland ein von der UNO verhängtes Waffenembargo besteht. Dies wird seit den 1970er Jahren von Menschenrechts- und Friedensorganisationen kritisiert, da Pilatus-Trainingsflugzeuge in verschiedenen Entwicklungsländern und Krisengebieten nachträglich bewaffnet und zur Luftnahunterstützung eingesetzt wurden.

So gab der Bundesrat 1989 bekannt, dass Pilatus-Flugzeuge in Burma und Guatemala gegen die Zivilbevölkerung eingesetzt wurden.[4] Wenig später wurde publik, dass die irakische Armee unter Saddam Hussein mit Pilatus-Flugzeugen Einsätze gegen kurdische Aufständische im Nordirak flog.[5] Im Januar 1994 wurden Pilatus-Flugzeuge gegen zapatistische Bauerndörfer in Chiapas (Mexiko) eingesetzt.[6] Vermutungen, wonach die tschadische Armee Pilatus-Flugzeuge gegen Flüchtlingslager in Darfur einsetzt, bestätigten sich im Januar 2008.[7] Der Export von mehreren PC-9 war bereits im Jahr 2006 von verschiedenen Organisation kritisiert worden.[8][9]

50 PC-9 waren Teil des umstrittenen «Al Yamamah»-Geschäfts zwischen Grossbritannien und Saudi-Arabien, was ebenfalls zu Kritik an Pilatus führte.[10]

Pilatus Britten-Norman[Bearbeiten]

Im Jahr 1979 übernahm Pilatus Aircraft den britischen Flugzeughersteller Britten-Norman, einen Hersteller von robusten, auf einfache Verhältnisse zugeschnittenen Mehrzweckflugzeugen. Bis zum Verkauf des Unternehmens im Jahr 1998 wurden die Typen Islander und Trislander unter dem Firmennamen Pilatus Britten-Norman vertrieben.

Pilatus-Segelflugzeuge[Bearbeiten]

Pilatus Segelflugzeug
Hauptartikel: Pilatus PC-11

In den 1970er Jahren begab sich die Firma Pilatus mit der Serienproduktion des Ganzmetall-Segelflugzeugs B4 auf absolutes Neuland. Die B4 wurde von den deutschen Ingenieuren Ingo Herbst, Manfred Küppers und Rudolf Reinke entwickelt und konnte ihren Erstflug Ende 1966 durchführen. Nach umfangreichen Marktforschungen entschlossen sich die Pilatus-Werke 1970, die B4 in ihr Produktionsprogramm aufzunehmen. Die ganze Konstruktion wurde überarbeitet und den verschärften Bauvorschriften angepasst, sodass die Zusatzbezeichnung PC-11 gerechtfertigt erschien. Die erste B4/PC-11 führte ihren Jungfernflug am 5. Mai 1972 durch. Die B4/PC-11 ist ein Segelflugzeug der Standardklasse und eignet sich für den Gruppenbetrieb wie für den Leistungspiloten, aber auch für Höhen- und Wolkenflüge und vor allem für uneingeschränktes Kunstflugtraining. Bis zum Verkauf der Produktionsrechte an die japanische Firma Nippi konnten weltweit 322 Ganzmetall-Segelflugzeuge B4/PC-11 ausgeliefert werden.

Mit zusätzlichen Stringern am Rumpf sind auch gerissene und gestossene Figuren zulässig, die Bezeichnung ist dann B4/PC-11AF.

Besonderes[Bearbeiten]

1964 wurden das Gelände und die nähere Umgebung der Pilatus-Flugzeugwerke zum Drehort einiger Szenen des dritten James-Bond-Films Goldfinger. Die Pilatus-Flugzeugwerke stellen im Film Goldfingers (Gert Fröbe) Tarnfabrik Auric Enterprises dar, wo der Protagonist die Einzelteile seines als Rolls-Royce getarnten Goldes zu Goldbarren einschmelzen liess. Die Frontansicht und Frontgebäude der Pilatus-Flugzeugwerke haben sich seit 1964 verändert, aber die übrigen Gebäudeteile sind im Vergleich zu den Szenen im Film immer noch grösstenteils identisch vorhanden.

Im 2006 entstandenen Film Vitus von Fredi M. Murer spielt Pilatus Aircraft ebenfalls eine Rolle. Vitus’ Flugbegeisterung überträgt sich auf seinen Grossvater, der in der Folge das Unternehmen besucht und sich eine PC-6 kauft, auf welcher Vitus am Schluss der Geschichte den Ausbruch in «sein» Leben zelebriert.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Pilatus Aircraft – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Zur Gründung siehe Brief von Antoine Gazda der WO an Oberstdivisionär Bandi, in: Peter Hug: Schweizer Rüstungsindustrie und Kriegsmaterialhandel zur Zeit des Nationalsozialismus. Chronos, Zürich 2002, S. 874–876.
  2. Geschichte. Die Zukunft vor Augen – seit 70 Jahren. Geschichte der Pilatus Flugzeugwerke AG, 2009.
  3. a b Chronik – Crafted in Switzerland. Chronik 1939–2013 der Pilatus Flugzeugwerke AG, S. 6 (PDF; 1,242 MB).
  4. El avión de la discordia. In: Swissinfo. 20. Juli 2006 (span.).
  5. Eine Waffe gegen die Waffen: Für mehr Transparenz in den Problemfeldern zwischen Rüstungsindustrie, Rüstungspolitik und humanitärem Völkerrecht in der Schweiz. Dokumentation, herausgegeben von der Gesellschaft für bedrohte Völker, 2004.
  6. Pilatus-Porter. Lieferung von Ersatzteilen an die Regierung Mexikos. Stellungnahme des Bundesrates vom 18. Mai 1994 zur Motion 94.3072 vom 2. März 1994.
  7. Pilatus-Flugzeug für Kriegseinsätze aufgerüstet. In: 10vor10. Informationssendung des Schweizer Fernsehens, 17. Januar 2008.
  8. Felix Birchler: Bürgerkrieg, Armut, Korruption... und Pilatus. In: GSoA-Zeitung. 18. September 2006.
  9. Pilatus-Werke liefern PC-9 nach Tschad. In: NZZ online. 8. Juli 2006.
  10. Auch Pilatus in Al-Yamamah-Deal verwickelt. In: Bündnis gegen Kriegsmaterial-Exporte. 9. März 2007.