Pilkington

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Dieser Artikel behandelt das britische Unternehmen Pilkington. Für Personen dieses Namens siehe Pilkington (Begriffsklärung).
Pilkington Group Limited
Pilkington-Logo
Rechtsform Public limited company
Gründung 1826
Sitz St Helens, Vereinigtes Königreich
Website www.pilkington.com
Pilkington Flachglaswerk Weiherhammer (oben rechts)
Spezialfahrzeug zum Glastransport am Werk Weiherhammer

Pilkington Group Limited ist ein britisches Unternehmen, das seit 1826 im Bereich der Glasherstellung und -verarbeitung tätig ist. Es war bis 1970 in Privatbesitz und bis 2006 eine Aktiengesellschaft. Die Aktien wurden an der Börse in London gehandelt. Nach der Übernahme durch Nippon Sheet Glass (NSG) wurde die Gesellschaft von der Börse genommen.

Geschichte[Bearbeiten]

Den Durchbruch erreichte das Unternehmen mit der Erfindung des Floatglas-Prozesses, bei dem das ca. 1000 °C heiße Glas über eine mit flüssigem Zinn gefüllte Wanne geleitet wird. Dadurch war es erstmals möglich, Glastafeln mit hochpräzisen planparallelen Oberflächen zu erzeugen, die ohne vorheriges Schleifen und Polieren eine störungsfreie Optik aufweisen. Dies war gegenüber dem vorher üblichen maschinengezogenen Glas eine revolutionäre Neuerung.

Diese Erfindung war der Beginn eines kontinuierlichen Wachstums. Heute beschäftigt Pilkington weltweit 24.000 Mitarbeiter und setzt mit seinen Produkten etwa drei Mrd. GBP um. Die Umsätze werden je zur Hälfte mit Automobil- und Bauglas erzielt.

1986 erwarb Pilkington den Geschäftsbereich Glas von Libbey-Owens-Ford.[1]

Der Stammsitz des Unternehmens ist das mittelenglische St Helens (zwischen Manchester und Liverpool). Seit Juli 2010 steht Craig Naylor als President & CEO dem Unternehmen vor.

Im März 2006 empfahl der Vorstand der Pilkington plc den Aktionären, ein von dem japanischen Glashersteller NSG (Nippon Sheet Glass) ausgesprochenes Übernahmeangebot anzunehmen. Am 19. April 2006 haben die Aktionäre in einer außerordentlichen Hauptversammlung diesem Vorschlag zugestimmt.

Die deutschen Pilkington-Tochterunternehmen konzentrieren sich auf die Herstellung von Floatglas Optifloat (in den Werken Gladbeck und Weiherhammer), von veredelten Halbzeugen und Profilbauglas Profilit (Bauglasindustrie GmbH, Schmelz) sowie auf die Produktion von Brandschutzglas (Pyrostop und Pyrodur). Eine Innovation stellt das Glas Pilkington Activ dar. Es verfügt über selbstreinigende Eigenschaften, die durch eine spezielle Beschichtung auf der Außenseite hervorgerufen werden. Im Automobilbereich ist Pilkington einer der weltgrößten Hersteller, sowohl für die Erstausrüstung (OEM) als auch für die Ersatzteilversorgung (AGR).

Werk Witten

Die Standorte in Deutschland sind: Gelsenkirchen, Gladbeck, Weiherhammer, Schmelz, Witten, Aken, Braunschweig und Wesel sowie vier Verkaufsbüros in Neu-Isenburg (nahe Frankfurt), Stuttgart, Güglingen und München. Pilkington ist seit 1980 die Mutter der Flachglas AG.

In Österreich hat das Unternehmen einen Standort in Graz sowie ein Produktionswerk in Eisenerz, das im April 2012 endgültig geschlossen wurde.[2] Die Österreichzentrale der Pilkington Austria GmbH liegt in Bischofshofen.

In der Schweiz war Pilkington vertreten in Wikon, Thun und Münchenbuchsee. In Wikon und Thun wurde hauptsächlich Isolierglas produziert und in Münchenbuchsee wurden Brandschutzglas und Ganzglasanlagen hergestellt. Im Juli 2009 wurden die Schweizer Standorte von der bayerischen Flachglas Wernberg GmbH übernommen.[3]

Aktuelle Firmenentwicklungen[Bearbeiten]

Im November 2007 verhängte die Europäische Union durch EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes gegen das Unternehmen eine Geldstrafe von 140 Millionen Euro. Pilkington war an einem internationalen Kartell mit den Unternehmen Guardian aus den Vereinigten Staaten, AGC aus Japan und Saint Gobain aus Frankreich beteiligt, die illegale Preisabsprachen für Bauglas getroffen hatten.[4]

Im November 2008 wurde gegen das gleiche Glaskartell, diesmal erweitert um das belgische Unternehmen Soliver, eine neuerliche Geldstrafe aufgrund von Preisabsprachen, in diesem Fall im Bereich Automobilglas, festgelegt. Der für Pilkington festgesetzte Anteil an der Geldstrafe (Gesamtsumme: 1,35 Mrd. Euro) beläuft sich auf 370 Millionen Euro.

Am 31. Dezember 2009 wurde das Werk in Braunschweig geschlossen.

Standort Flachglaswerk Weiherhammer[Bearbeiten]

Das Werk in Weiherhammer ist eines der größten Flachglaswerke in Deutschland mit einer Tagesproduktion von 1600 Tonnen und einem Personalstand von 560 Personen.[5]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Los Angeles Times vom 11. März 1986: [_http://articles.latimes.com/1986-03-11/business/fi-3296_1_profitable-glass Libbey-Owens-Ford is selling its glass division.]
  2. Johanna Birnbaum: Pilkington: Letzte Scheibe geschliffen, Kleine Zeitung vom 15. März 2012
  3. glaswelt.de: Flachglas Wernberg übernimmt Pilkington Schweiz
  4. tagesschau.de: Halbe Milliarde Euro Strafe für Glashersteller (Die ursprüngliche Seite ist nicht mehr abrufbar.)[1] [2] Vorlage:Toter Link/www.tagesschau.de → Erläuterung, 28. November 2007
  5. Bayerische Staatszeitung: Die Oberpfalz ist Zukunft vom 18. November 2011

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Pilkington – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien