Pille danach

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Die Pille danach ist die umgangssprachliche Bezeichnung für ein hormonell wirksames Präparat zur postkoitalen Empfängnisverhütung, das nach einem Geschlechtsverkehr eingenommen eine ungewollte Schwangerschaft verhindern kann. Die wirksamen Substanzen sind das Gestagenderivat Levonorgestrel oder der Progesteron-Rezeptor-Modulator Ulipristalacetat. „Die Pille“ ohne Zusätze ist hingegen der verbreitetste umgangssprachliche Begriff für die Antibabypille.

Die Arzneimittel müssen so früh wie möglich, innerhalb einer vom Arzneistoff abhängenden Frist nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr eingenommen werden. Sie sind nicht zur regelmäßigen Empfängnisverhütung geeignet und stören den natürlichen Menstruationszyklus.[1] Die Wirkungsweise der Pille danach ist dominiert von ihrer ovulationshemmenden Wirkung. Zusätzlich werden andere Mechanismen wie die Behinderung der Spermien diskutiert. Auch eine Hemmung der Nidation (Einnistung) einer bereits befruchteten Eizelle wird insbesondere bei Ulipristalacetat diskutiert.[2] Die Wirkung gegen unbefruchtete oder bereits befruchtete Eizellen ist für die ethische Einstellung vieler Menschen gegenüber den Präparaten wesentlich.[3] Eine Spirale danach ist bis spätestens fünf Tage nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr möglich.[4]

Die Pille danach ist nicht zu verwechseln mit der „Abtreibungspille“, die als Wirkstoff Mifepriston enthält.

Wirkungsmechanismus[Bearbeiten]

Levonorgestrel[Bearbeiten]

Die Wirksamkeit von Levonorgestrel hängt ab vom Zeitpunkt der Einnahme, die bis spätestens 72 Stunden (drei Tage) nach dem Geschlechtsverkehr folgen muss. Eine mögliche Schwangerschaft wird umso wahrscheinlicher verhindert, je früher sie eingenommen wird. Bei Einnahme der ersten Dosis innerhalb von 24 Stunden liegt die Rate der Schwangerschaften bei etwa 0,6 %. Wird die Pille danach erstmals am zweiten Tag nach dem Geschlechtsverkehr genommen, beträgt die Schwangerschaftsrate etwa 1,2 % und 2,7 % bei Einnahme am dritten Tag.[5][6]

Der genaue Wirkungsmechanismus der Wirkstoffe ist nicht vollständig geklärt. Als Hauptwirkung der Pille danach wird in der medizinischen Fachliteratur die Verhinderung des Eisprungs (Ovulation) angegeben, also die ovulationshemmende Wirkung. Sollte sich die Wirkung darauf beschränken, könnte sie keine Schwangerschaft verhindern, wenn die Pille danach erst nach dem Eisprung eingenommen wird.

Der Eisprung ist die Voraussetzung für eine Befruchtung der Eizelle durch ein Spermium.[5][6] Die Reifung der Eizelle und der Eisprung werden durch Hormone gesteuert. Ein sprunghafter Anstieg der Konzentration des Luteinisierenden Hormons (LH) im Blut löst ca. 14 bis 16 Tage vor der nächsten Menstruation den Eisprung aus. Hormone aus der Gruppe der Gestagene hemmen die Ausschüttung von LH. Levonorgestrel – der Wirkstoff der Pille danach – ist ein künstlich hergestelltes Gestagen, das gezielt die LH-Ausschüttung und damit den Eisprung verhindert. Ist der LH-Anstieg bereits erfolgt (12 bis 24 Stunden vor dem Eisprung), so hat Levonorgestrel auf die finale Reifung des Follikels und auf den Eisprung keinen Einfluss mehr.

Neben der Wirkung auf den Eisprung wurde experimentell eine Verminderung der Beweglichkeit und Funktionsfähigkeit von Spermien durch die Wirkstoffe festgestellt. Die Gabe von Levonorgestrel führt zu einer verminderten Zahl von Spermien in der Gebärmutter. Levonorgestrel bewirkt, dass das Sekret der Drüsen der Gebärmutterschleimhaut weniger sauer wird (der pH-Wert des Sekretes erhöht sich), was eine verminderte Beweglichkeit der Spermien zur Folge hat. Daneben bewirkt Levonorgestrel ein zäheres Sekret des Gebärmutterhalses. Infolgedessen wird die Wanderung weiterer Spermien aus der Vagina in die Gebärmutter unwahrscheinlicher.[5]

Ob Levonorgestrel die Einnistung (Nidation) befruchteter Eizellen in die Gebärmutterschleimhaut hemmt, ist wissenschaftlich umstritten. Direkte Hinweise für eine solche Nidationshemmung existieren nicht. Für indirekte Hinweise, wie beispielsweise Veränderungen der Struktur und Funktion der Gebärmutterschleimhaut durch die Gabe der Pille danach, die möglicherweise die Einnistung der befruchteten Eizelle verhindern könnten, existieren sowohl bestätigende als auch verneinende Untersuchungen. Insgesamt werden solche Effekte, die nach Befruchtung der Eizelle stattfinden können (post-fertilization effects), als wenig relevant für die empfängnisverhütende Wirkung der Pille danach angesehen. Diskutiert wird, ob die Fehlschläge der postkoitalen Schwangerschaftsverhütung darauf zurückzuführen sind, dass die Pille danach möglicherweise keinen Einfluss auf die Einnistung einer befruchteten Eizelle hat[5].

Wissenschaftlich gesichert ist, dass Levonorgestrel (ebenso wie Ulipristalacetat, siehe unten) wirkungslos ist, wenn sich die befruchtete Eizelle bereits in der Gebärmutterschleimhaut eingenistet hat. Die irrtümlich zu späte Einnahme von Levonorgestrel wirkt sich nicht negativ auf bereits bestehende Schwangerschaften aus.[5][7]

Ulipristalacetat[Bearbeiten]

Ulipristalacetat (Handelsname ellaOne) steht als Notfallkontrazeptivum in Deutschland seit Ende 2010 zur Verfügung. Es verhindert den Eisprung noch bis zu einer Follikelgröße von 18 mm, also bis wenige Stunden vor dem Eisprung, auch dann, wenn bereits ein LH-Anstieg erfolgt ist. Es muss innerhalb von 120 Stunden (fünf Tagen) nach dem Geschlechtsverkehr eingenommen werden; allerdings ist auch hier wie bei LNG die Sicherheit umso höher, je früher das Medikament nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr eingenommen wird. Ulipristalacetat ist ein selektiver Progesteron-Rezeptormodulator (SPRM): Es verhindert das Andocken des körpereigenen Sexualhormons Progesteron, so dass dieses nicht wirken kann. Der Eisprung wird verhindert oder verzögert. Die Bildung von Proteinen, die für den Beginn und Erhalt einer Schwangerschaft notwendig sind, wird unterdrückt.

Ulipristalacetat wurde von der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin im Februar 2013 als Standardmedikament für die Notfallkontrazeption bezeichnet.[8]

Eine bereits bestehende Schwangerschaft muss vor Einnahme des Medikamentes ausgeschlossen werden, da unzureichende Daten zur Reproduktionstoxizität vorliegen.[9]

Unerwünschte Wirkungen[Bearbeiten]

Sehr häufig (bei über 10 %) auftretende, unerwünschte Wirkungen nach Einnahme von Levonorgestrel sind Übelkeit, Kopfschmerzen und Unterbauchschmerzen. Unabhängig von der Menstruation können Blutungen auftreten (Zwischenblutungen). Die nachfolgende Menstruationsblutung kann verspätet einsetzen; allerdings sollte ein Schwangerschaftstest durchgeführt werden, wenn die Menstruation eine Woche nach dem erwarteten Zeitpunkt noch nicht eingesetzt hat oder schwächer als üblich ausfällt. Bei Erbrechen bis zu drei Stunden nach Einnahme der Pille danach wird eine erneute Einnahme von Levonorgestrel empfohlen. Übelkeit und Erbrechen können mit Metoclopramid behandelt werden.[6] Auch nach der Gabe von Ulipristalacetat sind die häufigsten Nebenwirkungen Unterleibsschmerzen, Menstruationsstörungen, Übelkeit und Kopfschmerzen.

Frauen mit einem Risiko für Eileiterentzündungen, Eileiter- oder Bauchhöhlenschwangerschaften müssen mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt klären, ob die Pille danach als Notfallverhütung für sie in Frage kommt.[10]

Verschreibungspraxis von Levonorgestrel[Bearbeiten]

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt aufgrund der relativ guten Verträglichkeit von Levonorgestrel, und weil eine ärztliche Untersuchung vor der Einnahme nicht nötig ist, die Pille danach rezeptfrei zugänglich zu machen, weil so ungewollte oder unerwünschte Schwangerschaften und Schwangerschaftsabbrüche vermieden werden können.[11] In fast allen europäischen Ländern ist Levonorgestrel zur postkoitalen Empfängnisverhütung ohne Rezept erhältlich.[12][13] Ausnahmen sind Deutschland, Polen und Italien. Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtskunde hat sich gegen eine Entlassung aus der Rezeptpflicht ausgesprochen.[14] Andere deutsche Verbände und Experten sprechen sich jedoch für eine Rezeptfreistellung aus. Unterstützt werden sie darin auch von Österreich, wo die Rezeptpflicht seit 2009 aufgehoben ist, und Vertreter der dortigen Behörde die Rezeptfreistellung als Erfolgsgeschichte bezeichnen. [15] [16]

Für das seit 2009 in den Ländern der EU zugelassene und verschreibungspflichtige Ulipristalacetat prüft die Europäische Arzneimittel-Agentur die Entlassung aus der Verschreibungspflicht für die Verwendung zur Notfallkontrazeption.[17]

Staat Status Beschreibung
Deutschland verschreibungspflichtig Die Pille danach war und ist in Deutschland immer verschreibungspflichtig. Obwohl sich der zuständige Ausschuss des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) Mitte 2003 dafür ausgesprochen hat, die Pille danach auf der Basis des Hormons Levonorgestrel aus der Rezeptpflicht zu entlassen, wurde die Abgaberegelung nicht geändert.

In den Jahren 2004 und 2005 wurde das Bundesministerium für Gesundheit (Ministerin: Ulla Schmidt; damals regierte eine rot-grüne Koalition unter Gerhard Schröder) in dieser Frage nicht aktiv (als Grund gilt, dass rot-grün keine Mehrheit im Bundesrat hatte). Der nach der Bundestagswahl 2005 zwischen Union und SPD geschlossene Koalitionsvertrag (große Koalition, 2005–2009) enthielt keine Vereinbarung zur 'Pille danach'.[13]

Pro familia startete im Mai 2012 die Kampagne „Pannenhilfe nach 6“ mit dem Ziel, die Pille danach rezeptfrei zu machen.[18] In einem offenen Brief an den Deutschen Bundestag sprachen sich der Berufsverband der Frauenärzte (BVF) und die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) im November 2012 gegen die Rezeptfreiheit von Levonorgestrel aus.[19] Das wichtigste Argument der beiden Verbände ist, dass die Sicherheit von Levonorgestrel nicht hoch genug ist, und dass Frauen mit Ulipristalacetat eine bessere und sichere Notfallverhütung durchführen können. Ulipristalacetat jedoch könne – siehe oben – nicht aus der Rezeptpflicht entlassen werden. Die europäische Arzneimittel-Agentur widerspricht dieser Auffassung unter Berufung auf die Tatsache, dass Ulipristalacetat durch die EU zugelassen wurde.[20]

2012 forderten SPD und Linke die Regierung in zwei Anträgen im Bundestagsausschuss für Gesundheit auf, die Arzneimittelverschreibungsverordnung zu ändern. Unionsparteien und FDP lehnten am 15. Mai 2013 - etwa vier Monate vor der Bundestagswahl 2013 - die Anträge auf Freigabe des Medikaments ab.[21]

Im Frühjahr 2013 arbeiteten die Landesregierungen von Baden-Württemberg (Kabinett Kretschmann) und Nordrhein-Westfalen (Kabinett Kraft II) einen gemeinsamen Bundesratsantrag mit dem Ziel der rezeptfreien und kostenlosen Abgabe des Präparates aus.[22] Am 8. November 2013 stimmte der Bundesrat mehrheitlich für diesen Antrag. Falls die Bundesregierung eine einschlägige Verordnung erlassen würde, würde die 'Pille danach' rezeptfrei.[23] Der Hersteller HRA Pharma rechnet in diesem Fall damit, dass sich die Zahl der abgegebenen Packungen verdoppelt.[24]

Österreich rezeptfrei seit 2009 2005 setzten Bestrebungen ein, Levonorgestrel als Pille danach rezeptfrei zugänglich zu machen. Im Jahr 2007 sprachen sich die Grünen und die SPÖ eindeutig für eine Liberalisierung aus; die FPÖ (bis Oktober 2008 noch unter Jörg Haider) war gegen die Aufhebung der Rezeptpflicht und die ÖVP ohne klare Position. Ein Streitpunkt war, dass durch die Aufgabe der Rezeptpflicht auch das Werbeverbot entfallen würde.[25][26]

Mit Bescheid vom 18. Dezember 2009 wurde Pille danach rezeptfrei erwerbbar gemacht.[27] Übergangsweise hatte bis dahin eine „Notfallregelung“ auf Länderebene existiert, so dass in den östlichen Bundesländern die Apotheker im freien Ermessen das Präparat auch ohne Rezept aushändigen durften.

Schweiz rezeptfrei seit 2002 In der Schweiz ist die Pille danach seit November 2002 als einzelne Tablette zu 1,5 mg Levonorgestrel rezeptfrei[28] erhältlich. Das Arzneimittel darf ohne Rezept nur nach einem ausführlichen Gespräch mit dem Apotheker abgegeben werden.
Belgien rezeptfrei seit 2001 [12]
Dänemark rezeptfrei seit 2001 [12]
Estland rezeptfrei seit 2003 [12]
Finnland rezeptfrei seit 2002 [12]
Frankreich rezeptfrei seit 1999 [12] Wird in Schulen bei Bedarf an Schülerinnen abgegeben. 'pilule du lendemain'[29]
Griechenland rezeptfrei seit 2005 [12]
Großbritannien und Nordirland rezeptfrei seit 2001 Rezeptfrei seit 1. Januar 2001.[30][12] Wird in Schulen bei Bedarf an Schülerinnen abgegeben. 'morning-after pill'.[31]
Irland rezeptfrei seit 2011 Rezeptfrei seit 12. Januar 2011 [32] nur NorLevo (1.5mg Levonorgestrel)
Island rezeptfrei seit 2006 [12]
Italien verschreibungspflichtig In Italien besteht eine Verschreibungspflicht. Zudem kann sich der Arzt weigern, die „pillola del giorno dopo“ zu verschreiben, wenn er sich auf sein Recht zur „Weigerung aus Gewissensgründen“ beruft.[33]
Lettland rezeptfrei seit 2003 [12]
Litauen rezeptfrei seit 2005 [12]
Luxemburg rezeptfrei seit 2005 [12]
Niederlande rezeptfrei seit 2004 [12]
Norwegen rezeptfrei seit 2000 [12]
Polen verschreibungspflichtig [33]
Portugal rezeptfrei seit 2000 [12]
Schweden rezeptfrei seit 2001 [12]
Schweiz rezeptfrei seit 2002 [12]
Slowakei rezeptfrei seit 2006 [12]
Spanien rezeptfrei seit 2009 [12] 'Píldora del día después'[34]
Tschechien rezeptfrei [35]
Türkei rezeptfrei
Ungarn verschreibungspflichtig [36][37]
USA rezeptfrei seit 2013 Die Pille danach mit dem Arzneistoff Levonorgestrel war in den USA seit April 2009, nach einer richterlichen Anweisung an die FDA, für Frauen ab 17 Jahren rezeptfrei abzugeben.[38] Für jüngere Frauen war sie verschreibungspflichtig; im April 2013 wurde auch diese Rezeptpflicht aufgehoben.[39]

Auffassung der Kirchen[Bearbeiten]

Römisch-katholische Kirche[Bearbeiten]

Grundsätzlich lehnt die Römisch-Katholische Kirche die Pille danach sowohl bzgl. einer ovulationshemmenden, als auch bzgl. einer nidationshemmenden Wirkung ab. Ersteres auf Grund ihrer Position zur Empfängnisverhütung, letzteres weil dies für sie bereits eine Abtreibung darstellt. Dies hat die Kongregation für die Glaubenslehre unter anderem in ihrer lehramtlichen Instruktion Donum vitae von 1987 folgendermaßen begründet: „Von dem Augenblick an, in dem die Eizelle befruchtet wird, beginnt ein neues Leben, welches weder das des Vaters noch das der Mutter ist, sondern das eines neuen menschlichen Wesens, das sich eigenständig entwickelt. Es würde niemals menschlich werden, wenn es das nicht schon von diesem Augenblick an gewesen wäre.“[40] Die kirchliche Lehre sieht sich hier in den „Forschungsergebnissen der Humanbiologie bestätigt, die anerkennt, dass in der aus der Befruchtung hervorgehenden Zygote sich die biologische Identität eines neuen menschlichen Individuums bereits konstituiert hat.“[40]

Ausnahmen in der Ablehnung der Pille danach macht die Kirche allerdings im Falle einer Vergewaltigung. Im Januar 2013 war berichtet worden, dass eine vergewaltigte Frau in zwei katholischen Krankenhäusern nicht behandelt worden sei, weil sich die Ärzte nicht zur Verschreibung der Pille danach in der Lage sahen. Der zuständige Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner führte daraufhin aus: „Wenn nach einer Vergewaltigung ein Präparat, dessen Wirkprinzip die Verhinderung einer Zeugung ist, mit der Absicht eingesetzt wird, die Befruchtung zu verhindern, dann ist dies aus meiner Sicht vertretbar. Wenn ein Präparat, dessen Wirkprinzip die Nidationshemmung ist, mit der Absicht eingesetzt wird, die Einnistung der bereits befruchteten Eizelle zu verhindern, ist das nach wie vor nicht vertretbar, weil damit der befruchteten Eizelle, der der Schutz der Menschenwürde zukommt, die Lebensgrundlage aktiv entzogen wird.“ Bezüglich der Beurteilung der zentralen Wirkprinzipien der einzelnen Präparate fügte er hinzu: „Die Kirche kann dazu nur die moralischen Prinzipien erklären. Der einzelne Arzt einer katholischen Einrichtung muss sich dann unter Voraussetzung dieser Prinzipien gewissenhaft kundig machen und so zu einer verantwortungsvollen Entscheidung kommen.“ Zur kirchlichen Position ließ er erläutern: „Es geht beim Thema Vergewaltigung nicht um die Ganzheitlichkeit eines liebenden Aktes, sondern um die Verhinderung einer verbrecherischen Befruchtung.“[41][42] Anschließend bekräftigte auch die Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz, „dass in katholischen Krankenhäusern Frauen, die Opfer einer Vergewaltigung geworden sind, selbstverständlich menschliche, medizinische, psychologische und seelsorgliche Hilfe erhalten. Dazu kann die Verabreichung einer ‚Pille danach‘ gehören, insofern sie eine verhütende und nicht eine abortive Wirkung hat. Medizinisch-pharmazeutische Methoden, die den Tod eines Embryos bewirken, dürfen weiterhin nicht angewendet werden. Die deutschen Bischöfe vertrauen darauf, dass in Einrichtungen in katholischer Trägerschaft die praktische Behandlungsentscheidung auf der Grundlage dieser moraltheologischen Vorgaben erfolgt. Auf jeden Fall ist die Entscheidung der betroffenen Frau zu respektieren.“[43] Der Präsident der zuständigen Päpstlichen Akademie für das Leben hat diese Line daraufhin mit dem Hinweis auf die Enzykliken Casti connubii[44] und Humanae vitae[45] öffentlich unterstützt. Er erinnerte daran, dass katholische Krankenhäuser empfängnisverhütende Mittel unter bestimmten Umständen bereits seit 50 Jahren verabreichen, seitdem es während der Kongokrise zu massenhaften Vergewaltigungen kam.[46][47] Die Erlaubnis galt später auch im Bosnienkrieg, als Vergewaltigungen insbesondere von katholischen Ordensschwestern als gezieltes Mittel der Kriegsführung eingesetzt wurden.[48] Einige katholische Krankenhäuser wie die in Köln, so der Präsident, seien sich dieser Kriterien allerdings offenbar nicht bewusst.[49]

Dementsprechend erklärte Ende Februar 2013 auch die Spanische Bischofskonferenz die Verschreibung der Pille danach an vergewaltigte Frauen für zulässig, sofern die Medikamente keine abtreibende Wirkung hätten. Den spanischen Bischöfen sei aber nicht bekannt, ob eine Pille danach ohne abtreibende Wirkung entwickelt worden sei: „Wenn es in Deutschland so etwas gibt, wissen wir nichts davon.“[50]

Evangelisch-lutherische Kirchen[Bearbeiten]

In der evangelischen Kirche ist Lebensschutz ebenfalls ein wichtiges Thema, ebenso aber auch die individuelle Verantwortung. Paul Metzger vom konfessionskundlichen Institut Bensheim der evangelischen Kirche betont, es gebe in der evangelischen Kirche keine bindende Meinung. Um den Wirkstoff Ulipristalacetat, dessen nidationshemmende Wirkung noch nicht bewiesen sei, werde auch in der evangelischen Kirche gestritten. Für „radikale Evangelen“ sei dies nach Ansicht Metzgers ein Problem.

Eine Notfallversorgung gibt es nach Aussage von Norbert Groß, Direktor des Evangelischen Krankenhausverbandes, in allen evangelischen Krankenhäusern unabhängig davon, welche Position das Haus oder der behandelnde Arzt zum Lebensschutz allgemein hat. Ein Streitfall sei die Pille danach im Verband noch nie gewesen.[51]

Handelspräparate[Bearbeiten]

Levonorgestrel: PiDaNa 1,5 (DE), Duofem, NorLevo (DK) NorLevo Uno (CH), Vikela (AT), Postinor, Plan B (USA, CAN)

Die meisten Packungen enthalten nur eine Tablette mit 1,5 mg Levonorgestrel. Teilweise gibt es Präparate zu 2 Tabletten mit jeweils 0,75 mg Levonorgestrel. Für die Wirkung ist es unerheblich, ob die notwendige Dosis auf eine oder zwei Tabletten aufgeteilt wird. Die Kombination aus den Hormonen Östrogen und Gestagen (Yuzpe-Methode, z.B. Tetragynon) wird wegen der erheblichen Nebenwirkungen nicht mehr verwendet.

Ulipristalacetat: ellaOne (EU)[52]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Trutz Fries: Die Pille danach. Abgerufen am 8. Juni 2010.
  2. J. A. Keenan: Ulipristal acetate: contraceptive or contragestive? In: The Annals of pharmacotherapy. Band 45, Nummer 6, Juni 2011, S. 813–815, ISSN 1542-6270. doi:10.1345/aph.1Q248. PMID 21666088.
  3. K. Gemzell-Danielsson: Mechanism of action of emergency contraception. In: Contraception. Band 82, Nummer 5, November 2010, S. 404–409, ISSN 1879-0518. doi:10.1016/j.contraception.2010.05.004. PMID 20933113. (Review).
  4. Gerhard I. Geburtshilfe integrativ. Kap. 18.1.2 Intrauterinpessar (IUP), 349-50 in der Google-Buchsuche, Elsevier, Urban und Fischer Verlag, 2005, ISBN 3-437-56510-9
  5. a b c d e Horacio B. Croxatto, Maria E. Ortiz, Andrés L. Müller: Mechanisms of action of emergency contraception. In: Steroids. 2003 Nov;68(10–13):1095–8.
  6. a b c Freimut Leidenberger, Thomas Strowitzki, Olaf Ortmann (Hrsg.): Klinische Endokrinologie für Frauenärzte. 3. Auflage. Springer Verlag, Heidelberg 2005. ISBN 3-540-44162-X. S.226–228
  7. David A. Grimes, Elizabeth G. Raymond: Emergency contraception. In: Ann Intern Med. 2002 Aug 6;137(3):180–9. PMID 12160366. Volltext, zuletzt eingesehen am 18. Dezember 2008.
  8. Stellungnahme des Berufsverbandes der Frauenärzte e.V. und der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin e.V., 4. Februar 2013 (PDF; 268 kB)
  9. ellaOne®: Produktinformation (PDF; 187 kB)
  10. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung -
  11. Fact sheet on the safety of levonorgestrel-alone emergency contraceptive pills (LNG ECPs) (PDF, englisch; 275 kB), Department of Reproductive Health and Research, World Health Organization.
  12. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s Die Pille danach —Mythen und Wirklichkeit (PDF; 530 kB) Bericht von ProFamilia, 2010, abgerufen am 23. Dezember 2010 (Version bei archive.org; PDF; 530 kB)
  13. a b Nicola Kuhrt: Frauenärzte blockieren Freigabe ohne Rezept. In: Spiegel Online. 29. März 2012, abgerufen am 2. April 2012.
  14. Gynäkologen: Pille danach nicht an der Notdienstklappe. In: apotheke-adhoc.de. 11. Februar 2013.
  15. Rezeptfreigabe der "Pille danach" umstritten, In Österreich eine Erfolgsgeschichte. In: deutscher Bundestag, Gesundheitsausschusssitzung vom 02.07.2014. 2. Juli 2014, abgerufen am 4. Juli 2014.
  16. Pille danach: Für und Wider vor dem Ausschuss, Christoph Baumgärtel von der Österreichischen AGES bezeichnete Freigabe als Erfolgsgeschichte. In: Pharmazeutische Zeitung online. 2. Juli 2014, abgerufen am 4. Juli 2014.
  17. http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=51096
  18. Pannenhilfe nach 6. Pille danach* muss rezeptfrei sein! Abgerufen am 31. Dezember 2012.
  19. An die Abgeordneten des Deutschen Bundestages Offener Brief von BVF und DGGG zur Rezepfreiheit von Levonorgestrel vom 9. November 2012
  20. Pille danach: Europäische Arzneimittelbehörde prüft Freigabe von "Ellaone", Spiegel online, 24. Februar 2014.
  21. Deutsches Ärzteblatt Nr. 21/2013, S. 882: Notfallkontrazeption. „Pille danach“ bleibt rezeptpflichtig
  22. SPD und Grüne starten Initiative für „Pille danach“, Focus, 21. Juni 2013
  23. Verhütung: Bundesrat stimmt für rezeptfreie Pille danach. In: Spiegel Online. 8. November 2013.
  24. Carolin Bauer: Interview HRA Pharma: „Apotheken sind ganz klar eine Alternative“. In: apotheke-adhoc.de. 31. Januar 2014.
  25. Silke Farmer, Christian Mayr: Streit um rezeptfreie „Pille danach“. Wiener Zeitung, 2. März 2007. Siehe: web.achieve.org, 15. März 2011
  26. Frauenministerin erhofft sich davon weniger Abtreibungen - Appell an Gesundheitsministerin Kdolsky
  27. Kleinezeitung.at: Pille danach ab sofort rezeptfrei, abgerufen am 18. Dezember 2009
  28. NorLevo® Uno Webseite auf den Seiten von Sandoz, ohne Datum, abgerufen am 23. Januar 2010
  29. siehe auch französische Wikipedia
  30. http://diestandard.at/414840
  31. siehe auch englische Wikipedia
  32. http://www.breakingnews.ie/ireland/boots-to-offer-morning-after-pill-without-prescription-488778.html
  33. a b Die Pille danach - ein europäischer Vergleich. 2009. (online)
  34. siehe auch spanische Wikipedia
  35. Pro Familia, Beratungsstelle Regensburg, undatiert
  36. Emergency Contraception Availability in Europe
  37. HáziPatika.com
  38. Pressemitteilung der FDA: FDA Action on Plan B (levonorgestrel) Tablets, 22. April 2009
  39. US-Bundesgericht kippt Rezeptpflicht für Teenager, Spiegel online, 5. April 2013
  40. a b Donum Vitae
  41. Domradio.de: Kardinal Meisner erlaubt Form der "Pille danach", 31. Januar 2013
  42. Kath.net: 'Pille danach', Vergewaltigung und 'verbrecherische Befruchtung', 31. Januar 2013
  43. Pressebericht des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, anlässlich der Pressekonferenz zum Abschluss der Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Trier am 21. Februar 2013 (PDF; 55 kB)
  44. Casti connubii
  45. Humanae Vitae
  46. Vatican Insider: German bishops’ decision on morning-after pill is an example to be followed, 22. Februar 2013
  47. Kath.net: Vatikan unterstützt deutsche Bischöfe bei Pille danach, 23. Februar 2013
  48. Katholisch.de: “Kongo-Pille” seit langem erlaubt, 3. Februar 2013
  49. Vatican Insider: German bishops’ decision on morning-after pill is an example to be followed, 22. Februar 2013
  50. Spaniens Bischöfe für „Pille danach“ bei Vergewaltigung, 27. Februar 2013
  51. für beide Aussagen (Metzger und Groß) Miriam Bunjes: Die „Pille danach“: Ein umstrittenes Mittel. evangelisch.de, 8. Februar 2013
  52. Ärzte Zeitung online: Neue „Pille danach“ bis fünf Tage nach dem Sex wirksam
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