Pilocarpin

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Wechseln zu: Navigation, Suche
Strukturformel
Allgemeines
Freiname Pilocarpin
Andere Namen

[(3S)-cis-3-Ethyl-4-(1-methyl-5-imidazolylmethyl)-dihydro-2(3H)-furanon]

Summenformel C11H16N2O2
CAS-Nummer
  • 92-13-7
  • 54-71-7 (Hydrochlorid)
PubChem 5910
ATC-Code
DrugBank DB01085
Kurzbeschreibung ölige Flüssigkeit od. Kristalle
Arzneistoffangaben
Wirkstoffklasse

Parasympathomimetika

Fertigpräparate

u.a.

  • Salagen® (D, CH, A)
  • Pilocarpin ankerpharm® (D)
  • Pilomann® (D)
  • Spersacarpin® (D, CH)
  • Pilocarpin® (A)
Verschreibungspflichtig: ja
Eigenschaften
Molare Masse 208,257 g·mol−1
Schmelzpunkt

34 °C [1]

Siedepunkt

260 °C (600 Pa) [2]

pKs-Wert

6,78 [1]

Sicherheitshinweise
Gefahrstoffkennzeichnung aus RL 67/548/EWG, Anh. I [3]

T+
Sehr giftig
R- und S-Sätze R: 26/28
S: (1/2)-25-45
Bitte beachten Sie die eingeschränkte Gültigkeit der Gefahrstoffkennzeichnung bei Arzneimitteln
LD50

402 mg·kg−1 (Ratte p.o.) [1]

WGK 3 (stark wassergefährdend) [2]
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.

Pilocarpin ist ein Arzneistoff, der anregend auf den parasympathischen Anteil des vegetativen Nervensystems wirkt (sogenanntes Parasympathomimetikum). Es ist ein Alkaloid, welches natürlich in Jaborandiblättern (Rutakraut, Pilocarpus sp.) vorkommt.

[Bearbeiten] Wirkungen

Pilocarpin steigert die Sekretion exokriner Drüsen (Schweiß-, Speichel-, Tränen-, Magen-, Bauchspeichel- sowie Darmdrüsen) und die Schleimproduktion durch die Becherzellen in den Atemwegen. Außerdem erhöht es den Tonus der glatten Muskulatur und des Pupillenverengers (Musculus sphincter pupillae).

[Bearbeiten] Verwendung

Pilocarpin wird vor allem in der Augenheilkunde bei einer Erhöhung des Augeninnendruckes (Glaukom) angewendet. Es wirkt direkt erregend auf den Musculus sphincter pupillae (Pupillenverenger) und löst somit eine Verkleinerung (Miosis) der Pupille aus. Der Abfluss des Kammerwassers wird dadurch erleichtert, wodurch der Augeninnendruck sinkt. Pilocarpin wird dabei direkt am Auge angewendet, wodurch die Wirkung des Mittels lokal auf dieses begrenzt bleibt.

Ein weiteres Anwendungsgebiet ist strahleninduzierte Mundtrockenheit (Xerostomie). Dabei wird ein Gel mit 0,1 % Pilocarpingehalt benutzt.

Pilokarpin-Öl tötet Filzläuse durch Hemmung ihrer Atmung, kommt also zur Anwendung bei Befall der Wimpern mit Phthiriasis palpebrarum.

Weiters wird der Pilocarpin-Iontophorese-Schweißtest zur Diagnose der Mukoviszidose verwendet.

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. a b c Pilocarpin bei ChemIDplus
  2. a b Eintrag zu Pilocarpin in der GESTIS-Stoffdatenbank des BGIA, abgerufen am 10.07.2008 (JavaScript erforderlich)
  3. Eintrag zu CAS-Nr. 92-13-7 im European chemical Substances Information System ESIS


Gesundheitshinweis
Bitte beachten Sie den Hinweis zu Gesundheitsthemen!
Persönliche Werkzeuge