Pinchas Rosen

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Pinchas Rosen (1951)

Pinchas Rosen (* 1. Mai 1887 in Berlin; † 3. Mai 1978; eigentlich Felix Rosenblüth) war ein israelischer Politiker und mehrmals Justizminister, der vor 1933 Chef der deutschen Zionisten im Deutschen Reich gewesen war.

Leben[Bearbeiten]

Rosen absolvierte nach dem Schulbesuch von 1904 an ein Studium der Rechtswissenschaften und Staatswissenschaften an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg sowie der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin, das er 1908 mit der Zulassung zum Rechtsanwalt abschloss. 1910 erfolgte seine Promotion zum Dr. iur. bei Georg Jellinek mit dem Thema "Zur Begriffsbestimmung von Volk und Nation".[1] Bereits als Student trat er mehreren zionistischen Studentenorganisationen bei und war 1911 Mitgründer der Jüdischen Jugendbewegung Blau-Weiß. Während des Ersten Weltkrieges diente er in der deutschen Armee als Offizier. Von 1920 bis 1923 war er Vorsitzender der Zionistischen Vereinigung für Deutschland.

1926 siedelte Rosen nach Israel und war Treuhänder der von der Histadrut gegründeten öffentlichen Baugesellschaft Solel Boneh sowie von 1926 bis 1931 Mitglied des Zionistischen Direktorats in London und zugleich Direktor von dessen Organisationsabteilung und einer der Gründer der Zentraleuropäischen Immigrantenvereinigung. Im Anschluss daran arbeitete Rosen zwischen 1932 und 1948 als Rechtsanwalt. Zwischen 1935 und 1950 war er Mitglied des Stadtrates von Tel Aviv, 1942 Gründer und Vorsitzender der Neuen Aliyah-Partei und für diese 1944 auch Delegierter der Repräsentantenversammlung.

Nach der Gründung des Staates Israel, zu deren Gründungsvätern Rosen gehörte[2], war er 1948 Mitbegründer der Progressiven Partei (Miflaga Progresivit), die sich als Bündnis aus der Neuen Aliyah-Partei, Ha'Oved Ha'Zioni sowie Gruppen von Zionisten bildete. Am 14. Mai 1948 wurde er von Ministerpräsident David Ben Gurion zum ersten Justizminister ernannt und behielt dieses Amt zunächst bis zum 8. Oktober 1951. Für die Progressive Partei wurde er am 14. Februar 1949 auch erstmals zum Abgeordneten der Knesset gewählt, der er bis zum 23. Dezember 1968 ununterbrochen angehörte. Vom 24. Dezember 1952 bis zum 13. Februar 1956 war Rosen dann erneut Justizminister, ebenso wie vom 7. Januar 1958 bis zum 2. November 1961. Als Justizminister setzte er sich für Diplomatische Beziehungen mit der Bundesrepublik Deutschland ein.[3] Bei den kontroversen Auseinandersetzungen in der Knesset um die Entschädigungszahlungen der Bundesrepublik Deutschland im Januar 1952 spielten letztendlich wirtschaftliche Faktoren eine entscheidende Rolle und bei dem Gesetz zur Bestrafung von Nationalsozialisten und deren Kollaborateuren (1950) ging es vorrangig um die "Reinigung" Israels von "jüdischen Verbrechern", die mit den Nationalsozialisten kollaboriert hätten.[4]

1961 war Rosen auch einer der Führer der aus einem Zusammschluss der Progressiven Partei und den Allgemeinen Zionisten (Tzionim Klalim) entstandenen Liberalen Partei (Miflaga Liberalit Yisraelit). Nach der Gründung des Liberalen Cherut-Blocks (Gahal) 1965 trat er aus der Liberalen Partei aus und wurde Vorsitzender der Unabhängigen Liberalen Partei (Libralim Atzma'im).

In Erinnerung an seinen 100. Geburtstag wurde 1987 eine Sonderbriefmarke herausgegeben.[5]

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

The Jubilee Book of Pinhas Rosen. 1962

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Pinchas Rosen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ausstellung "Juden an der Universität Heidelberg"
  2. Shelley Kleiman: The State of Israel Declares Independence. In: The Israel Review of Arts and Letters - 1998/107-8. Israel Ministry of Foreign Affairs, 27. April 1999, abgerufen am 6. Februar 2011 (englisch, Hier als Felix Rosenbluth genannt).
  3. Neuberger, Benyamin: "Israel und Deutschland: Emotionen, Realpolitik und Moral", Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 15/2005)
  4. Kurths, Anja: "Die Bedeutung der Shoah in der israelischen Gesellschaft 1948-1960", Bundeszentrale für politische Bildung
  5. Sondermarke 1987