Pinus bhutanica

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Pinus bhutanica
Systematik
Ordnung: Koniferen (Coniferales)
Familie: Kieferngewächse (Pinaceae)
Unterfamilie: Pinoideae
Gattung: Kiefern (Pinus)
Untergattung: Strobus
Art: Pinus bhutanica
Wissenschaftlicher Name
Pinus bhutanica
Grierson, D.G.Long & C.N.Page

Pinus bhutanica ist ein großer, immergrüner Nadelbaum aus der Gattung der Kiefern (Pinus) mit zu fünft wachsenden, meist 15 bis 24 Zentimeter langen Nadeln. Die Samenzapfen erreichen eine Länge von 12 bis 20 Zentimetern. Das natürliche Verbreitungsgebiet liegt im Bhutan, im Nordosten von Indien und im Südwesten von China. Die Art wurde erst 1980 erstbeschrieben, zuvor wurden die Bäume der Art der Tränen-Kiefer (Pinus wallichiana) zugerechnet. Pinus bhutanica wird in der Roten Liste der IUCN als nicht gefährdet eingestuft. Das Holz wird nicht genutzt, einzelne Bäume wurden jedoch 1979 in Großbritannien eingeführt, wo man sie und auch in Irland in botanischen Gärten und Arboreten findet.

Beschreibung[Bearbeiten]

Erscheinungsbild[Bearbeiten]

Pinus bhutanica wächst als immergrüner Baum, der eine Höhe von bis zu 25 Metern und mehr erreicht. Der Stamm ist gerade und säulenförmig und erreicht einen Brusthöhendurchmesser von bis zu 80 Zentimeter. Die Stammborke junger Bäume und die Borke der Äste ist hell graubraun und glatt. Die Stammborke älterer Bäume ist graubraun und zerbricht in kleine, durch flache Furchen getrennte Schuppen, die in kleinen Teilen abblättern. Die Äste stehen wirtelig, sie sind weit ausladend und gebogen. Die Äste höherer Ordnung sind hängend mit nach oben gerichteten Enden und bilden eine schmal konische, mehr oder weniger offene Krone. Die benadelten Zweige sind braun, dünn oder kräftig.[1][2] Junge Triebe sind im ersten Jahr drüsig behaart und weiß bereift, im zweiten Jahr haben sie eine dünne, blass graugrüne Rinde.[3]

Knospen und Nadeln[Bearbeiten]

Die vegetativen Knospen sind eiförmig-konisch und etwas harzig. Endständige Knospen sind 10 bis 15 Millimeter lang, die seitständigen sind kleiner und stärker eiförmig. Die Niederblätter sind grau mit einer orangefarbenen Tönung oder hell rötlich braun. Die Nadeln wachsen zu fünft in einer früh abfallenden, selten nur 1,8 meist 2 bis 3 Millimeter langen, basalen Nadelscheide aus zarten, orangebraunen Schuppen. Die Nadeln sind hängend, häufig nur an der Basis gekrümmt und sonst gerade, sehr dünn und biegsam, selten ab 12 meist 15 bis 24 und manchmal bis 28 Zentimeter lang und 1 Millimeter breit mit dreieckigem Querschnitt. Der Nadelrand ist sehr fein gesägt. Die Farbe der Nadeln ist auf der abaxialen Seite hellgrün, auf der adaxialen Seite glauk weiß. Die beiden adaxialen Seiten tragen vier bis sieben[3] dünne Spaltöffnungslinien. Es werden drei bis vier Harzkanäle nahe der Oberfläche gebildet. Die Nadeln bleiben 1,5 bis 2 Jahre am Baum.[1][2]

Zapfen und Samen[Bearbeiten]

Die Pollenzapfen wachsen spiralig angeordnet in kleinen Gruppen an der Basis junger Triebe. Die gelben, bei Reife 10 bis 20 Millimeter langen und kurz zylindrischen Zapfen werden dabei teilweise von acht bis zwölf bleibenden Schuppenblättern bedeckt.[1][2]

Die Samenzapfen wachsen einzeln oder zu zweit bis zu sechst in Wirteln, anfangs aufgerichtet und später hängend auf kräftigen, selten ab 1 meist 4 bis 6 Zentimeter langen Stielen. Die Zapfen sind zylindrisch, meist etwas gekrümmt, 12 bis 20 Zentimeter lang. Sie haben geschlossen Durchmesser von 3 bis 4 Zentimetern und ausgereift und geöffnet Durchmesser von 5 bis 7 Zentimetern. Sie sind üblicherweise harzig und fallen bald nach der Abgabe der Samen zusammen mit dem Stiel ab. Die 60 bis 80 Samenschuppen sind matt rotbraun, keilförmig-länglich, am breitesten knapp unter der Apophyse, dünn holzig und nur wenig biegsam. Sie haben an der adaxialen Basis zwei Einbuchtungen, welche die Samen enthalten. Die Apophyse ist rhombisch, 1 bis 1,5 Zentimeter lang und 1,5 bis 2,5 Zentimeter breit[3], leicht erhöht, stumpf gekielt, mit einem mehr oder weniger spitzen Ende[3] und hellbraun. Der Umbo liegt terminal und ist dunkler als die Apophyse.[1][2]

Die Samen sind braun, verkehrt eiförmig, leicht abgeflacht, 6 bis 8 Millimeter lang und 4 bis 5 Millimeter breit. Der Samenflügel ist graubraun, bleibend, 15 bis 22 Millimeter lang und 7 bis 10 Millimeter breit.[1]

Verbreitung, Ökologie und Gefährdung[Bearbeiten]

Das natürliche Verbreitungsgebiet von Pinus bhutanica liegt im Bhutan, im Distrikt Kameng im Bundesstaat Arunachal Pradesh im Nordosten von Indien und im Nordwesten der Provinz Yunnan und im Südosten des Autonomen Gebiets Tibet im Südwesten von China. Aus Herbarbelegen kann man auf eine Vielzahl von Waldtypen schließen, in den sie auftritt, darunter Wälder aus verschiedenen Kiefernarten, Eichen-Kiefern-Wälder, Laubmischwälder und Sekundärwälder.[1] Typischerweise tritt sie zusammen mit immergrünen Laubbäumen in feuchten Bergwäldern auf, ihr bestes Wachstum hat sie jedoch unter etwas trockeneren Bedingungen.[4] Im Westen des Bhutan und in West-Kameng findet man sie zusammen mit der Tränen-Kiefer (Pinus wallichiana). Im Rong Chu-Tal in China wächst sie in Reinbeständen an steilen Felshängen. Es gibt keine Funde aus Myanmar, doch sind aufgrund des bekannten Verbreitungsgebiets Bestände auch in Kachin wahrscheinlich. Man findet Pinus bhutanica ab Höhen von 1000 Metern in Indien bis in Höhen von 2300 Metern im Tibet. Es gibt auch Berichte über Bestände in 750 Metern Höhe und in 2750 Metern Höhe.[5] Das Verbreitungsgebiet kann wahrscheinlich der Winterhärtezone 8 zugerechnet werden mit mittleren jährlichen Minimaltemperaturen von -12,1 bis -6,7 °Celsius (10 bis 20 °Fahrenheit).[4]

In der Roten Liste der IUCN wird Pinus bhutanica als nicht gefährdet („Least Concern“) eingestuft. Die Bestände in Bhutan, Indien und Tibet gehen kaum zurück und es werden zumindest 700 Quadratkilometer besiedelt (area of occupancy).[5] Trotz des eher seltenen Auftretens scheinen die Bestände auch durch Holznutzung nicht gefährdet zu sein, da Bestände der Tränen-Kiefer und von Pinus roxburghii einfacher zu erreichen sind.[4]

Systematik und Forschungsgeschichte[Bearbeiten]

Pinus bhutanica ist eine Art aus der Gattung der Kiefern (Pinus), in der sie der Untergattung Strobus, Sektion Quinquefoliae, Untersektion Strobus zugeordnet ist.[2][6] Die Art wurde erst 1980 von Andrew John Charles Grierson, David Geoffrey Long und Christopher Nigel Page in Notes from the Royal Botanic Garden, Edinburgh erstbeschrieben.[7] Der Gattungsname Pinus wurde schon von den Römern für mehrere Kiefernarten verwendet.[8] Das Artepitheton bhutanica verweist auf den Bhutan, Exemplare aus diesem Gebiet wurden zuerst beschrieben.[1]

Bäume der Art wurden zuvor den Tränen-Kiefern (Pinus wallichiana) zugeordnet. Es könnten sogar Herbarexemplare von Pinus bhutanica der Tränen-Kiefer zugerechnet worden sein, da sich die beiden Arten hauptsächlich im Erscheinungsbild und in der Gestalt der nicht immer gesammelten jungen Triebe unterscheidet. Pinus bhutanica hat längere und stärker hängende Nadeln mit einer etwas anderen Anordnung der Harzkanäle, die Zapfen und die Samen ähneln sich stark. Manche Autoren rechnen daher die Vertreter der Art auch als Unterart Pinus wallichiana subsp. bhutanica (Grierson, D.G.Long & C.N.Page) Businský[9] zu Pinus wallichiana.[1][4]

Verwendung[Bearbeiten]

Über eine Nutzung des Holzes ist nichts bekannt. Pinus bhutanica wurde 1979 in Großbritannien eingeführt und gedeiht sowohl im Süden von England als auch in Irland gut. Trotz ihres ansprechenden Erscheinungsbilds und der anmutigen hängenden Nadeln beschränkt sich die Kultur der Art auf botanische Gärten und Arboreten.[10]

Quellen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Aljos Farjon: A Handbook of the World's Conifers. 2, Brill, Leiden-Boston 2010, ISBN 9004177183, S. 640–641.
  •  James E. Eckenwalder: Conifers of the World. The Complete Reference. Timber Press, Portland, OR/London 2009, ISBN 978-0-88192-974-4, S. 415–416.
  •  Wu Zheng-yi, Peter H. Raven (Hrsg.): Flora of China. Volume 4: Cycadaceae through Fagaceae, Science Press/Missouri Botanical Garden Press, Beijing/St. Louis 1999, ISBN 0-915279-70-3, S. 24.
  •  Helmut Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. 3. Auflage. Nikol, Hamburg 2005, ISBN 3-937872-16-7, S. 487.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g h Aljos Farjon: A Handbook of the World's Conifers, Band 2, S. 640
  2. a b c d e James E. Eckenwalder: Conifers of the World, S. 415
  3. a b c d Liguo Fu, Nan Li, Thomas S. Elias, Robert R. Mill: Pinus bhutanica, in Flora of China, Band 4, S. 24
  4. a b c d James E. Eckenwalder: Conifers of the World, S. 416
  5. a b Pinus bhutanica in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2013. Eingestellt von: D.Zhang, T.Katsuki, K.Rushforth, 2010. Abgerufen am 18. August 2013
  6. Aljos Farjon: A Handbook of the World's Conifers, Band 2, S. 609
  7. Pinus bhutanica. In: The International Plant Name Index. Abgerufen am 15. August 2013 (englisch).
  8. Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen, S. 487
  9. Pinus bhutanica. In: The Plant List. Abgerufen am 18. August 2013.
  10. Aljos Farjon: A Handbook of the World's Conifers, Band 2, S. 641

Weblinks[Bearbeiten]

  • Christopher J. Earle: Pinus bhutanica. In: The Gymnosperm Database. www.conifers.org, 23. November 2012, abgerufen am 18. August 2013 (englisch).
  • Pinus bhutanica bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. Louis. Abgerufen am 15. August 2013.