Pinus merkusii

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Pinus merkusii
Pinus merkusii Toba.jpg

Pinus merkusii

Systematik
Klasse: Coniferopsida
Ordnung: Koniferen (Coniferales)
Familie: Kieferngewächse (Pinaceae)
Unterfamilie: Pinoideae
Gattung: Kiefern (Pinus)
Art: Pinus merkusii
Wissenschaftlicher Name
Pinus merkusii
Jungh. & de Vriese

Pinus merkusii oder Merkus Kiefer[1] ist ein immergrüner Nadelbaum aus der Gattung der Kiefern (Pinus) mit 15 bis 20 Zentimeter langen Nadeln und meist 6 bis 10 Zentimeter langen Samenzapfen. Das natürliche Verbreitungsgebiet liegt auf Sumatra und auf den Philippinen, die Art wird jedoch in ganz Indonesien wirtschaftlich genutzt. Aus dem Harz wird in großem Umfang Terpentin hergestellt.

Beschreibung[Bearbeiten]

Habitus[Bearbeiten]

Pinus merkusii wächst als immergrüner, bis 45 vielleicht sogar 70 Meter hoher Baum mit aufrechtem, geradem Stamm und Stammdurchmessern von bis zu 200 Zentimetern. Die Stammborke ist rötlich braun oder dunkelbraun, entweder dünn und mehr oder weniger glatt oder dick, schuppig und rau und zerbricht in viele kleine, dunkelgraue Platten. Die Äste stehen waagrecht oder aufgerichtet und bilden eine offene, breit konische oder unregelmäßige Krone. Die benadelten Zweige sind kräftig, unbehaart, braun oder dunkelbraun.[2]

Knospen und Nadeln[Bearbeiten]

Zweige mit Nadeln

Die Knospen sind zylindrisch und nicht harzig, endständige Knospen erreichen eine Länge von 1,5 bis 2 Zentimetern. Die Knospenschuppen sind braun. Die Nadeln wachsen paarweise in einer bleibenden, 12 bis 18 Millimeter langen, rötlich braunen, basalen Nadelscheide. Die Nadeln sind matt grün, lang und sehr dünn, gerade oder leicht gekrümmt, biegsam, 15 bis 20 Zentimeter lang und etwa 1 Millimeter dick. Der Nadelrand ist fein gesägt, das Nadelende spitz. Auf allen Nadelseiten gibt es feine Spaltöffnungslinien. Die Nadeln fallen nach zwei Jahren ab.[2]

Zapfen und Samen[Bearbeiten]

Die Pollenzapfen wachsen aufrecht und spiralig angeordnet in Gruppen. Sie sind zylindrisch, 1,5 bis 2,5 Zentimeter lang bei Durchmessern von 5 Millimetern. Die Samenzapfen wachsen meist einzeln selten paarweise an jungen Trieben. Sie haben einen kräftigen Stiel und stehen beinahe im rechten Winkel von den Zweigen ab. Sie sind geschlossen länglich-konisch, manchmal nur 5 meist 6 bis 10 und selten bis 11 Zentimeter lang und 4 bis 8 Zentimeter breit. Geöffnet sind sie breit-eiförmig. Die Samenschuppen sind hell rötlich braun, dünn, steif, länglich und in der Mitte des Zapfens etwa 3 Millimeter lang und 1,2 bis 1,5 Millimeter breit. Die Apophyse ist glänzend rotbraun bis dunkelbraun, erhöht, mit rhombischem oder unregelmäßig fünfeckigem Umriss, deutlich quer gekielt und radial gestreift oder gerillt. Der Umbo ist flach oder etwas eingesenkt, zum Ende hin stumpf und unbewehrt. Die Samen sind verkehrt-eiförmig, 5 bis 7 Millimeter lang, etwa 4,5 Millimeter breit, leicht angedrückt und graubraun. Der Samenflügel ist schmal, 20 bis 25 Millimeter lang und bleibend. Die Zapfen reifen im zweiten Jahr.[3][4]

Verbreitung, Ökologie und Gefährdung[Bearbeiten]

Am Tobasee auf Sumatra

Das natürliche Verbreitungsgebiet von Pinus merkusii liegt in Malesien im Norden und in der Mitte von Sumatra und auf den philippinischen Inseln Luzon und Mindoro.[5][6] Nach anderen Angaben zählen auch Gebiete in Südostasien zum natürlichen Verbreitungsgebiet der Art[4][7], doch werden die Bäume dieser Gebiete der vikarianten Art Pinus latteri zugeordnet.[6] Auf Sumatra gibt es die umfangreichsten Bestände rund um den Tobasee und entlang des Barisangebirge, die über 2° südliche Breite nach Süden reichen. Damit hat Pinus merkusii das südlichste Verbreitungsgebiet aller Kiefern und ist die einzige Kiefernart die auch südlich des Äquators vorkommt. Pinus merkusii wächst in bergigen Gebieten und bildet offene Kiefernwälder oder durch Feuer geprägte Kiefern-Savannen. Diese Ökosysteme sind stark durch den Menschen beeinflusst oder möglicherweise erst durch dessen Einfluss entstanden. Die Art bildet ein „Grasstadium“ als Anpassung an die häufigen Feuer. Das Verbreitungsgebiet wird der Winterhärtezone 10 zugeordnet mit mittleren jährlichen Minimaltemperaturen von -1,1 bis +4,4 °C (30 bis 40 °F).[6][4]

In der Roten Liste der IUCN wird Pinus merkusii als gefährdet („Vulnerable“) geführt. Hauptursache ist die starke Nutzung, die auf den Philippinen zu einem sehr starken Rückgang der Bestände geführt hat. Auch auf Sumatra wird das Holz weiterhin genutzt, doch ist die Situation dort besser. Es wird jedoch darauf hingewiesen, dass eine Neubeurteilung ausständig ist.[5]

Systematik und Forschungsgeschichte[Bearbeiten]

Pinus merkusii ist eine Art aus der Gattung der Kiefern (Pinus), in der sie der Untergattung Pinus, Sektion Pinus und Untersektion Pinus zugeordnet ist. Sie wurde 1845 von Franz Wilhelm Junghuhn und Willem Hendrik de Vriese erstmals wissenschaftlich beschrieben.[7] Der Gattungsname Pinus wurde schon von den Römern für mehrere Kiefernarten verwendet.[8] Das Artepitheton merkusii erinnert an Leutnant Hendrik Merkus de Kock, der von 1826 bis 1830 Generalgouverneur von Niederländisch-Indien war.[2] Pinus merkusii ähnelt stark der in Südostasien heimischen vikarianten Art Pinus latteri. Als wichtiges Unterscheidungsmerkmal zwischen den beiden Arten wurde das Grasstadium der Sämlinge als Anpassung an häufige Steppenfeuer gesehen. Da dieses Stadium inzwischen bei beiden Arten beobachtet wird, ist es fraglich ob die Unterschiede in der Morphologie, die nur quantitativen Charakter haben, den Artstatus rechtfertigen. Falls nicht müsste Pinus latteri als Varietät Pinus merkusii var. latteri (Mason) Silba oder Unterart Pinus merkusii subsp. latteri (Mason) D.Z.Li von Pinus merkusii aufgefasst werden.[9]

Synonyme der Art sind Pinus finlaysoniana Wall. ex Blume und Pinus sumatrana Mirb.[10]

Verwendung[Bearbeiten]

Pinus merkusii wurde schon von den Niederländern während der Kolonialzeit auch außerhalb des natürlichen Verbreitungsgebiets in ganz Indonesien flächendeckend gepflanzt, was später von den Indonesiern fortgesetzt wurde. Die Art ist dort der wichtigste Lieferant von Kiefernharz, und damit ist Indonesien weltweit einer der Hauptproduzenten von Terpentin, das durch Destillation aus dem Harz gewonnen wird. Auf den Philippinen wird Harz sowohl aus Pinus merkusii als auch Pinus kesiya gewonnen. Je Baum und Jahr können 3 bis 4 Kilogramm gewonnen werden. Dabei liefern jüngere Bäume mehr Harz als ältere, deren Holz dann weiter zu Zellstoff für die Papierherstellung verarbeitet wird. Hochwertiges Holz wird auch als Bauholz und zur Herstellung von Paneelen und Möbel verwendet. Die Art wird nicht als Zierbaum verwendet, man findet sie jedoch in Botanischen Gärten in Indonesien und auf den Philippinen.[6][4]

Quellen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Aljos Farjon: A Handbook of the World's Conifers. 2, Brill, Leiden-Boston 2010, ISBN 9004177183, S. 699, 710, 711.
  •  Helmut Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. 3. Auflage. Nikol, Hamburg 2005, ISBN 3-937872-16-7, S. 487.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Deutscher Name nach Zander: Handwörterbuch der Pflanzennamen, 17. Auflage, 2002, zitiert nach Pinus merkusii. In: Germplasm Resources Information Network (GRIN). United States Department of Agriculture, abgerufen am 12. März 2013 (englisch).
  2. a b c Aljos Farjon: A Handbook of the World's Conifers, Band 2, S. 710
  3. Aljos Farjon: A Handbook of the World's Conifers, Band 2, S. 710–711
  4. a b c d Christopher J. Earle: Pinus merkusii. In: The Gymnosperm Database. www.conifers.org, 23. November 2012, abgerufen am 9. März 2013 (englisch).
  5. a b Pinus merkusii in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2012. Eingestellt von: Conifer Specialist Group, 2000. Abgerufen am 12. März 2013
  6. a b c d Aljos Farjon: A Handbook of the World's Conifers, Band 2, S. 711
  7. a b Pinus merkusii. In: Germplasm Resources Information Network (GRIN). United States Department of Agriculture, abgerufen am 12. März 2013 (englisch).
  8. Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. S. 487
  9. Aljos Farjon: A Handbook of the World's Conifers, Band 2, S. 699
  10. Pinus merkusii. In: The Plant List. Abgerufen am 16. März 2013.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Pinus merkusii – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien