Pionierpanzer

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Pionierpanzer sind gepanzerte Kettenfahrzeuge der Pioniere. Sie dienen dazu, der kämpfenden Truppe den Weg zu ebnen, Hindernisse zu überwinden, zu beseitigen oder zu räumen. Des Weiteren zählt zu ihren Aufgaben das Anlegen von Deckungen, sowie Berge- und Kranarbeiten. Um diesen Anforderungen gerecht werden zu können, sind sie mit den erforderlichen Spezialgeräten ausgestattet.

Da die Armeen der verschiedenen Länder teilweise völlig unterschiedliche Anforderungen an das Gerät stellen, bestehen innerhalb der nur kleinen Kategorie der Pionierpanzer gravierende Unterschiede. Bei allen gleich ist nur die Komponente „Erdbewegung“.

Räumpanzer M48 A2 Dozer blade
Ein Pionierpanzer 1 in Baumholder beim Bergen eines Kpz M48
PiPz Dachs GebPiUstKp 240 (2007)

Bundeswehr[Bearbeiten]

Räumpanzer[Bearbeiten]

Bei der im Aufbau begriffenen Bundeswehr wurden die Panzerpionierkompanien zunächst mit einem Fahrzeug aus Beständen der US Army ausgerüstet. Es handelte sich hierbei um den „Räumpanzer“; ein Kampfpanzer M 48 A2, der frontseitig mit einem Räumschild ausgestattet war, der vom Fahrer bedient werden musste. Es konnten nur grobe Arbeiten ausgeführt werden. Die Bezeichnung für dieses Fahrzeug lautete: M48A2DB (DB – Dozer blade), bei der Bundeswehr dann M48RPz und zuletzt ohne Kanone M48A2CR

Pionierpanzer 1[Bearbeiten]

Nachfolgemodelle[Bearbeiten]

Ende der siebziger Jahre begann man mit der Entwicklung eines verbesserten Nachfolgers. Von der „Gepanzerten Pioniermaschine“ (GPM) wurden zwei Prototypen auf Fahrgestell der „Leopard-1-Familie“ hergestellt.

  • GPM 1 MAK (Maschinenbau Kiel)
Rahmenarm-Knickbagger auf einem Drehturm (ähnlich einem Kampfpanzerturm), Schwenkbereich 360°
Anordnung Kommandant und Baggerführer im Turm wie beim Kampfpanzer Kommandant und Ladeschütze
teilbarer Räumschild mit Schnittwinkelverstellung
Bergewinde für 35 t
Gewicht 55 t max
Aus Gewichtsgründen wurde die Motorabdeckplatte aus Aluminium gefertigt.
Da die Baggerschaufel seitlich bis unter die Kette greifen konnte, war es theoretisch möglich, das Fahrzeug in Eigenleistung umzuwerfen.
  • GPM 2 EWK (Eisenwerke Kaiserslautern)
2 Teleskoparm Bagger mit Drehschemeln links und rechts vorn, Baggerarme nach hinten abgelegt, Schwenkbereich je 195°.
Dazwischenliegender Besatzungsraum (vorn Fahrer, dahinter Bediener, dahinter Kommandant), Bedienung des rechten Baggers durch den Fahrer, des linken Baggers durch den Bediener, der auch den Fahrer übersteuern konnte.
Räumschild mit Schnittwinkelverstellung.
Bergewinde für 35 t
Gewicht 57 t max.
Die Bedienung der Aggregate erfolgte hier bereits über indirekt manuell/hydraulische gesteuerte Ventile. (sog. vorgesteuerte Ventile.)
Rückwärtsfahrend konnten (mit Hilfe der Teleskopbaggerarme) Steigungen von 85 % überwunden werden.

Da die Fahrzeuge viel zu schwer, dadurch hoffnungslos untermotorisiert und auch die Hydraulikanlage zu kompliziert war, sowie wegen der ausufernden Kosten, wurde das Vorhaben eingestellt.

Man entschied sich dann für den Pionierpanzer Dachs als Nachfolger, der keine Neuentwicklung, sondern eine Verbesserung des bisherigen Konzepts ist.

Siehe auch: Gepanzerte Pioniermaschine
Siehe auch: Kodiak (Panzer)

Andere Armeen[Bearbeiten]

Während der aktiven Zeit des Pionierpanzer 1 verfügten die anderen NATO-Armeen über die folgenden Pionierpanzer:

Armée française de terre[Bearbeiten]

Engin Blindé du Génie
20060714 defile blindes p1040887.jpg
  • EBG (Engin Blindé du Génie) auf Basis des Kampfpanzers AMX 30B2
Länge: 8,29 Meter
Breite: 3,35 Meter
Gewicht: 31000 kg
Kraftstoffvorrat: 990 Liter für ca 500 km Straßenfahrt oder 16–18 Stunden Arbeitseinsatz
Besatzung: 3 Mann
Steigfähigkeit: 60 %
mögliche Querneigung: bis 30 %
Bodenfreiheit: 45 Zentimeter
Räumleistung: ca. 200 m³/h
Räumschild und knickbarer 15-Tonnen-Teleskopkranarm mit Krallengreifer (Stammgreifer)
Erdbohrgerät
Seilwinde: 35 t Zugfähigkeit, 80 Meter Seillänge
Minenwerfer für Antipanzerminen (Mine antichar dispersable - AC DIS Mle F1)
20 Minen an Bord (Wurfweite bis 260 Meter)
Mörser für 10 kg Explosivladungen (Canon de demolition 10 kg d'explosif)
5 Ladungen an Bord (Wurfweite 30–550 Meter)
Maschinengewehr 7,62 mm
Hilfsmotor für Hydraulikanlage
2007 noch im Dienst

US Army[Bearbeiten]

M 728 CEV
  • M 728 CEV (Combat Engineer Vehicle)
Turm und Wanne vom Kampfpanzer M 60 mit am Turm befestigtem „A“-Kranbaum von 15 t Tragfähigkeit
Hydr. Räumschild an der Frontseite
Länge: 8,64 m
Breite: 3,60 m
Höhe: 3,26 m
Gewicht: 54 t
Geschwindigkeit Straße max: 48 km/h
Bewaffnung: 1 Petard 165-mm-(Mörser) für 30-kg-Ladungen, Schussweite 1000 m
1 Maschinengewehr 12,7 mm Browning M2 in Kommandantenkuppel
1 Maschinengewehr M60, koaxial
Entwicklung und Produktion: 1960 erster Prototyp als T 118 mit der Wanne des T-95-Prototyp Kampfpanzers
Truppenversuch: 1966
Eingeführt: 1967
Bei der US Army nicht mehr im Dienst.
M 9 AEV/ACV
  • M 9 AEV (Armored Engineer Vehicle) (Auch als „Armored Combat Earthmover“ bezeichnet)
Nur eine gepanzerte Planierraupe mit einer Ladefläche hinter dem Räumschild. (Eine Art gepanzerter Schubkarre)
Länge: 6,25 m
Breite: 3,10 m
Höhe: 2,70 m
Gewicht: 15 to
Motorleistung: 195 PS (Diesel)
1963 forderte die US Army ein neues Fahrzeug als Universal Engineer Tractor. Entwicklungen durch International Harvester als UET und Caterpillar als UETA. Nach Truppenversuchen wurde die Maschine von International Harvester ausgewählt. Sie sollte ein Konglomerat von vorhandenen Mehrzweck-Pioniermaschinen ersetzen. Erschwert wurde die Entwicklung durch mehrfache Änderung der ursprünglich geforderten Spezifikationen.
Eingeführt: 1977
Besatzung: 1
Bewaffnung: Nebelwurfanlage
ABC geschützt
2013 noch im Dienst (Eine Kampfwertsteigerung wird erörtert)

British Army[Bearbeiten]

  • FV 180 CET (Combat Engineer Tractor)
Combat Engineer Tractor FV 180

Dieses Fahrzeug fällt wahrlich aus dem Rahmen. Schwimmfähig (mit Hilfe von aufblasbaren Gummiwülsten) hat das Gerät den Räumschild (den Schild einer Laderaupe) am Heck. Zwei Mann Besatzung sitzen im Turm in Tandemanordnung auf drehbaren Sitzen hintereinander und fungieren als Vorwärts- (normale Fahrt) und als Rückwärtsfahrer (Arbeiten mit dem Schild).

Weitere Besonderheit ist der riesige Anker aus Profilblech. Er befindet sich auf dem Deck des Panzers und kann mittels Raketenantrieb abgeschossen werden, um nach dem Schwimmvorgang bei Flussüberquerungen das Anlanden zu erleichtern. Am Anker wird das Zugwindenseil befestigt und so die Überwindung einer Böschung unterstützt. Aufgrund der geringen Zielgenauigkeit – der Hersteller gibt eine Abweichung 45° nach jeder Seite an – sind die britischen Pioniere selbst nicht sehr begeistert von diesem System, da der Anker hinfliegt, wo er will.

Länge: 5,30 m (mit Schwimmhüllen 7,50 m)
Breite: 2,90 m
Höhe: 2,67 m
Gewicht: 17,2 t
Geschwindigkeit Straße max: 56 km/h
Geschwindigkeit beim Schwimmen max: 8 km/h
Motor: Rolls Royce C6TCR
Motorleistung: 320 PS
Kraftstofftank: 430 Liter
Bewaffnung: 1 Maschinengewehr 7,62 mm
Produktion: ab 1979
den gepanzerten Schwadronen der Royal Engineers zugeteilt
2007 noch im Dienst – sollte ab 2008 durch den Pionierpanzer „TERRIER“ ersetzt werden. (Laut „Jane's Military Vehicles and Logistics“ waren allerdings im Jahre 2010 die Erprobungen an den ersten vier Vorserienfahrzeugen noch nicht beendet.)

Spanische Streitkräfte[Bearbeiten]

Pionierpanzer Alacrán
  • ALACRÁN CZ 10/25 E

Nach Einführung des Leopard 2 als Hauptkampfpanzer wurden in Spanien einige der nunmehr überzähligen und nicht mehr benötigten Kampfpanzer M60 zu Pionierpanzern umgebaut. Die Kanone wurde dazu entfernt und auf der Kanonenblende ein hydraulischer Bagger befestigt. In Fahrstellung ist dieser Baggerarm auf der Motorplatte abgelegt. Weiterhin wurde das Fahrzeug frontseitig mit einem Räumschild ausgestattet. Die Besatzung besteht aus zwei Mann, die technischen Daten wie Abmessungen und Fahreigenschaften entsprechen nach wie vor denen des M60A3.

Staaten des Ostblocks[Bearbeiten]

Der Warschauer Pakt und die militärtechnisch angelehnten, neutralen Staaten verfügten nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst über nichts, was einem Pionierpanzer entsprochen hätte. Der zu diesem Zeitpunkt vorhandene Bergepanzer T55T (in der DDR Panzerzugmaschine, in der CSSR MT55 genannt) wurde von der NVA der DDR in Eigenleistung zu einem kombinierten Bergepanzer/Pionierpanzer mit der Bezeichnung T55K umgerüstet und, soweit bekannt, auch nur dort verwendet. Das Fahrzeug trat erstmals 1970 in Erscheinung und wurde von der NATO als ACR (Armoured Crane Vehicle angesprochen.)

  • Technische Ausrüstung:
ein frontseitiger Räum- und Stützschild sowie ein heckseitiger Stützschild
ein um 360° drehbarer Kran auf der linken Seite (die Leistungsfähigkeit des Krans wird mit ausreichend für einen Turmzug angegeben)
eine Seilwinde mit einfacher Zugkraft von 25 Tonnen
IMR CEV mit pfeilförmigem Räumschild
IMR CEV mit geradem Räumschild

Ab dem Jahre 1976 verfügten dann die Truppen des Ostblocks erstmals über einen reinen Pionierpanzer. Aus sowjetischer Produktion erschien der IMR (Inzhenernaja Mashina Razgrazhdenija) auf dem Fahrgestell des T55. Dieses Fahrzeug war mit einem Kranarm mit Stammgreifer sowie mit einem großdimensioniertem V-förmigen Räumschild mit Oberflächengleitschuh ausgerüstet. Der V-förmige Räumschild war notwendig, da das Fahrzeug auch zur Schneeräumung eingesetzt werden sollte. Der Oberflächengleitschuh verhinderte in diesem Falle das Unterschneiden. Der Kranarm war an einem gepanzertem Drehturm befestigt, der an Stelle des Gefechtsturmes montiert war. Zur Transportfahrt wurde der Kranarm nach hinten in ein Gestell abgelegt und der Greifer in einer Vorrichtung am Heck befestigt.

  • Abmessungen:
Maximale Breite über Räumschild: 3,48 Meter
Maximale Länge Räumschildspitze bis Ende Kranausleger: 10,60 Meter
Maximale Höhe bis zum aufgelegten Kranarm: 3,37 Meter

Verweise[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • F.M. von Senger und Etterlin: Tanks of the World 1983. Arms and Armor Press, London 1983, ISBN 0-85368-585-1.
  • BmVg 1960, Technische Dienstvorschrift Räumpanzer M 48 Teil 22.
  • BmVg 1974, Vorl. Technische Dienstvorschrift Gepanzerte Pioniermaschine. GPM 1 und GPM 2, Teil 22.