Piratenpartei

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Für die Piratenpartei in Deutschland siehe Piratenpartei Deutschland, weitere Bedeutungen sind unter Piratenpartei (Begriffsklärung) aufgeführt.
Logo der Piratenpartei

Als Piratenpartei bezeichnen sich Parteien verschiedener Länder, die in ihrem Programm die Stärkung der Bürgerrechte, mehr direkte Demokratie und Mitbestimmung, die Reform des Urheber- und Patentrechts,[1] freien Wissensaustausch (Open Access), besseren Datenschutz, die Achtung der grundrechtlich garantierten Privatsphäre, mehr Transparenz und Informationsfreiheit,[2] freie Bildung und verwandte Themen propagieren.

Die Piratenparteien und ihre Politik werden auch Piratenbewegung genannt.[3]

Programm[Bearbeiten]

Eine Piratenpartei setzt sich die Aufgabe, Bürgerrechte zu stärken und Rechte an immateriellen Gütern zu reformieren, da in deren Austausch der eigentliche Wert liege. Des Weiteren tritt sie für informationelle Selbstbestimmung (Datenschutz und Privatsphäre) und direkte Demokratie ein – sei es in Form von Volksbegehren oder liquider Demokratie. Inzwischen werden weitere politische Themen erschlossen wie z. B. Bildung, Umweltschutz oder Verbraucherschutz.

Die Uppsala-Erklärung

Auf der Konferenz der Pirate Parties International 2009 im schwedischen Uppsala verabschiedeten die europäischen Piratenparteien eine gemeinsame Erklärung zum Programm zur Europawahl 2009. Die wichtigsten Punkte der Erklärung sind:[4][5]

  • Die Reform des Urheberrechts, insbesondere die Legalisierung von Privatkopien und die Verkürzung von Schutzdauer im Urheberrecht; Ablehnung von pauschalen Medien- oder Hardwareabgaben und Verbot von DRM-Techniken;
  • Reform des Patentrechts, um Innovationen nicht zu behindern; gefordert wird unter anderem eine EU-Studie zu den wirtschaftlichen Auswirkungen des Patentrechts;
  • Stärkung der Bürgerrechte durch Transparenz in der Regierungsarbeit, schnelle und faire Gerichtsverfahren, Recht auf freie Meinungsäußerung und Recht auf anonyme Kommunikation auch auf digitalen Kommunikationswegen.

Öffentliche Wahrnehmung und Kritik[Bearbeiten]

Der Allgemeinheit sind die Piratenparteien wegen ihres Eintretens zur Reform des Urheberrechts, unter anderem zur Legalisierung des Filesharings von Privatkopien bekannt.[6] Die Piratenpartei Deutschlands erhielt eine Abmahnung wegen illegaler Uploads von Musik.[7] Positiv gelangten die von Piraten initiierten Organisationen wie die Musikpiraten,[8] die für Kindergärten kostenlos Liederbücher organisierten, für die keine Lizenzgebühren entrichtet werden müssen, in die Wahrnehmung. In Russland wurde die Gründung einer „Piratenpartei“ verweigert, da die Justiz eine solche Bezeichnung als gesetzeswidrig einstufte.[9]

Geschichte[Bearbeiten]

Piratenparteien bei
nationalen Parlamentswahlen
Wahl Termin  %
Deutschland 27. September 2009 2,1*
Vereinigtes Königreich 6. Mai 2010 0,4*
Tschechien 28./29. Mai 2010 0,8
Niederlande 9. Juni 2010 0,1
Belgien 13. Juli 2010 0,3*
Schweden 19. September 2010 0,7
Finnland 17. April 2011 0,5
Kanada 2. Mai 2011 0,7*
Schweiz 23. Oktober 2011 0,5
Neuseeland 26. November 2011 0,6*
Spanien 20. November 2011 0,5*
Griechenland 6. Mai 2012 0,5
Frankreich[10][11] 10. Juni 2012 0,7*
Griechenland 17. Juni 2012 0,2
Niederlande 12. September 2012 0,3
Tschechien (Senat) 12.-20.10.2012 9,1*
Ukraine 28. Oktober 2012 9,0*
Island 27. April 2013 5,1
Australien 7. September 2013 0,4*
Norwegen 9. September 2013 0,3
Deutschland 22. September 2013 2,2
Österreich 29. September 2013 0,8
Luxemburg 20. Oktober 2013 2,9
Tschechien 25./26. Oktober 2013 2,7
Piratenparteien
bei Europawahlen
Wahl Termin  %
Schweden 7. Juni 2009 7,1
Deutschland 7. Juni 2009 0,9
Deutschland 25. Mai 2014 1,4
Kroatien 14. April 2013 1,1

Fett gedruckt: Mandatsgewinn
*Durchschnitt der Wahlkreise, in denen die Partei antrat

Die erste Piratenpartei war die schwedische Piratpartiet, die am 1. Januar 2006 unter der Führung von Rickard Falkvinge gegründet wurde. Ihren Namen hatte sie von der Anti-Copyright-Organisation Piratbyrån, welche zuvor bereits den BitTorrent-Tracker The Pirate Bay gegründet hatte. Die Musik- und Filmindustrie prägte den Begriff „Piraten“, um damit Personen, die unrechtmäßig Inhalte kopierten, eine besonders negative Konnotation zu verleihen. Die Piraten griffen absichtlich diese Bezeichnung auf, um im öffentlichen Diskurs eine Neubewertung herbeizuführen, den Begriff politisch positiv zu besetzen und als sogenanntes Geusenwort zu benutzen. Piratpartiet (deutsch: die Piratenpartei) prägte auch die Namen der anderen Piratenparteien, die sich im Anschluss an das schwedische Vorbild in verschiedenen Staaten gründeten. Im deutschsprachigen Raum waren dies kurz darauf die Piratenpartei Österreichs (Juli 2006) und die Piratenpartei Deutschland (September 2006). Im Oktober 2006 wurde die Dachorganisation Pirate Parties International gegründet. Im deutschsprachigen Raum wurde im Juli 2009 schließlich die Piratenpartei Schweiz und im Oktober 2009 in Luxemburg die Piratepartei Lëtzebuerg gegründet.

Den ersten Wahlerfolg einer Piratenpartei erzielte die schwedische Piratpartiet bei der Europawahl 2009; sie erreichte mit 7,1 Prozent zunächst ein Parlamentsmandat. Mit dem Vertrag von Lissabon gewann sie einen Sitz dazu. Im August 2009 wurden von der deutschen Piratenpartei erstmals zwei kommunale Mandate in Aachen und Münster gewonnen. Später folgten bis Anfang 2013 über 200 weitere kommunale Mandate in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Tschechien und Spanien. Bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin 2011 erreichte die Piratenpartei Berlin 8,9 Prozent und zog ins Landesparlament ein. 2012 zog man in die Landtage des Saarlands, Schleswig-Holsteins sowie Nordrhein-Westfalens ein. Im Oktober 2012 wurde mit dem parteilosen Libor Michálek erstmals ein von der tschechischen Piratenpartei nominierter Kandidat in ein nationales Parlament gewählt. Der isländischen Píratar gelang es bei der Althingwahl im April 2013, als erste Piratenpartei in Fraktionsstärke in ein nationales Parlament einzuziehen.

Historisch gehen die von den Piratenparteien vertretenen Positionen teilweise auf Organisationen wie die Electronic Frontier Foundation und den Chaos Computer Club zurück, die eine aus der technikbegeisterten Hacker-Kultur entstandene Hackerethik vertreten. Danach nehmen die Informationsfreiheit und der freie Wissensaustausch einen sehr hohen Stellenwert ein, und Information wird angesichts ihrer immateriellen Qualität nicht mit Besitz oder Eigentum assoziiert. Einen sehr wichtigen historischen Text stellt hier die Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace von John Perry Barlow dar.

Internationale Organisationen[Bearbeiten]

Pirate Parties International[Bearbeiten]

Die Pirate Parties International (PPI) ist die Dachorganisation der Piratenparteien. Diese Organisation existiert seit 2006 als loser Zusammenschluss[12] der bis dahin existierenden nationalen Parteien. Seit Oktober 2009 hat sie den Status einer Nichtregierungsorganisation (Feitelijke vereniging) mit Sitz in Belgien.[12][13] Die offizielle Gründung mit der Verabschiedung der Statuten erfolgte auf einer Konferenz vom 16. bis 18. April 2010 in Brüssel durch 22 vertretene nationale Piratenparteien.[14]

Die PP International unterstützt und koordiniert Gründungsplanungen von Piratenparteien weltweit. Außerdem dient sie der internen Kommunikation. Dazu betreibt sie internationale Foren und Mailinglisten. Angeführt wird die PPI von einem Board, Co-Vorsitzende sind Koen De Voegt und Maša Utković-Čorak.

Piraten ohne Grenzen[Bearbeiten]

Die Piraten ohne Grenzen (engl. Pirates without borders) sind ein internationaler Zusammenschluss von Piraten. Im Gegensatz zur PPI (welche nur Parteien als stimmberechtigte Mitglieder sowie Organisationen als beobachtende Mitglieder aufnimmt) können bei den Piraten ohne Grenzen auch Einzelpersonen Mitglied werden. Die POG sieht sich als Basis für internationale Projekte. Durch die globale Zusammenarbeit sollen auf verständliche Weise die Auswirkungen supranationaler Handels- und Wirtschaftsabkommen für alle Menschen dieser Welt aufgezeigt und somit das Bewusstsein über die globale Natur von Menschenrechten gestärkt werden, um in der Gesellschaft mehr Freiheit und Demokratie zu verwirklichen.[15] Die Piraten ohne Grenzen entstanden aus dem Umkreis des als DACHLuke (DACHL = Deutschland-Österreich-Schweiz-Luxemburg) bezeichneten, unabhängigen Komitees für Exekutivaufgaben, der Arbeitsgemeinschaft zur Koordination der deutschsprachigen Piratenparteien.

Seit der PPI Conference 2011 am 12./13. März 2011 sind die Piraten ohne Grenzen „Observer Member“ der Pirate Parties International.

Seit dem 3. Mai 2011 gehört das vorher eigenständige Projekt „Piraten-Streaming“ zu den Piraten ohne Grenzen.

Europäische Piratenpartei[Bearbeiten]

Hauptartikel: Europäische Piratenpartei

Im Hinblick auf die Europawahl 2014 wurde die Europäische Piratenpartei (engl. European Pirate Party, auch Europäische Piraten, Abkürzung PPEU) gegründet.[16] Die Organisation bearbeitet die gemeinsamen Inhalte der europäischen Piratenparteien für die Europawahl. Sie strebt die offizielle Anerkennung als Politische Partei auf europäischer Ebene an. Die Partei wurde am 4. September 2013 in Luxemburg gegründet und hat ihren Sitz in Brüssel. Neben Piratenparteien der Europäischen Union gehören auch Piratenparteien aus anderen europäischen Ländern der PPEU an. Spitzenkandidaten für die Europawahl 2014 sind Amelia Andersdotter und Peter Sunde.

Young Pirates of Europe[Bearbeiten]

Hauptartikel: Young Pirates of Europe

Die Jugendorganisationen der europäischen Piratenparteien sind in der Organisation Young Pirates of Europe (YPE). Die YPE wurde am 9. August 2013 in Vingåker (Schweden) gegründet.[17] Vorsitzende ist die ehemalige Junge-Piraten-Vorsitzende Julia Reda aus Deutschland. Die YPE versteht sich als Jugendorganisation der Europäischen Piratenpartei.

African Pirate Party[Bearbeiten]

Die African Pirate Party wurde von der Parti Pirate Tunisie und dem tunesischen Thinktank Takriz gegründet. Ihre Aktivitäten sind auf Tunesien, Nigeria, Algerien und Kongo beschränkt.[18]

Parti Pirate Francophone[Bearbeiten]

In Parti Pirate Francophone sind die französischsprachigen Piratenparteien organisiert. Derzeitige Mitglieder sind die Piratenparteien Belgiens, der Elfenbeinküste, Frankreichs, Kanadas und der Schweiz.[19]

Nationale Piratenparteien[Bearbeiten]

Mandate von Piratenparteien in nationalen, supra- und subnationalen Parlamenten
SchwedenSchweden Piratpartiet 2 Europaparlament
IslandIsland Píratapartýið 3 Nationalparlament
TschechienTschechien Česká pirátská strana 1 Nationalparlament
DeutschlandDeutschland Piratenpartei Deutschland 44 regional
SchweizSchweiz Piratenpartei Schweiz 1 regional

Derzeit sind weltweit 36 Piratenparteien offiziell registriert, davon sieben eigenständige Parteien auf regionaler Ebene. Dazu existieren Piratenparteien mit unterschiedlichem Organisationsgrad in etwa 20 bis 30 weiteren Ländern.

Piratpartiet (Schweden)[Bearbeiten]

Hauptartikel: Piratpartiet

Die schwedische Piratenpartei war die erste Piratenpartei weltweit. Sie wurde am 1. Januar 2006 gegründet. Bei der Europawahl 2009 erreichte Piratpartiet mit 7,1 Prozent der schwedischen Wählerstimmen zunächst einen Sitz,[20] nach der Vergrößerung des Parlaments durch die Ratifizierung des Vertrags von Lissabon einen zweiten Sitz[21] im Europaparlament. Dabei wurde die Piratenpartei von zahlreichen Medien fälschlich mit dem BitTorrent-Tracker The Pirate Bay gleichgesetzt.[22] Die nachgerückte Abgeordnete Amelia Andersdotter ist mit 24 Jahren zudem die jüngste Abgeordnete des Parlaments.[23] Bei der Reichstagswahl 2010 konnte die Piratpartiet mit 38.491 Stimmen und 0,65 Prozent der Wählerstimmen leichte Gewinne verzeichnen.[24] 2011, mehr als zwei Jahre nach der Europaparlamentswahl, konnte die schwedische Piratenpartei ihren zweiten Sitz im Parlament besetzen.

Piratenpartei Deutschland (PIRATEN)[Bearbeiten]

Logo der Piratenpartei Deutschland
Hauptartikel: Piratenpartei Deutschland

Die Piratenpartei Deutschland wurde am 10. September 2006 beim Bundeswahlleiter registriert. Seit 2008 nahm sie an verschiedenen Landtagswahlen teil (Landtagswahl in Hessen 2008 und 2009, Bürgerschaftswahl in Hamburg 2008, Landtagswahl in Sachsen 2009, Landtagswahl in Schleswig-Holstein 2009) und konnte zwischen 0,2 und 1,9 % der Stimmen erreichen. Bundesweit trat sie seit 2009 an und erreichte bei der Europawahl 2009 0,9 %[20] und bei der Bundestagswahl 2009 2,0 %. Seit 2010 trat sie bei allen stattgefundenen Landtagswahlen an und erzielte zwischen 1,5 und 8,9 %. Zwischen Juni und dem Ende der 16. Legislaturperiode im Oktober 2009 gehörte mit dem von der SPD übergetretenen Jörg Tauss (seit Mai 2010 nicht mehr Mitglied der Piratenpartei) ein Mitglied der Piratenpartei dem Bundestag an.[25] Die ersten gewählten Mandate erhielt sie bei den Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen 2009 (jeweils einen Sitz in Münster und Aachen). Inzwischen hat die Piratenpartei auf kommunaler Ebene über 182 Mandate (Stand: Mai 2012).[26]

Bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus Berlin am 18. September 2011 schaffte die Partei erstmals den Einzug in ein Landesparlament.[27] Am 25. März 2012 wurde die Piratenpartei in das zweite Landesparlament (Saarland) mit 7,4 % gewählt.[28]

Die Mitgliederzahl in Deutschland ist zwischen Mai 2009 (kurz vor der Europawahl) und Oktober 2009 (kurz nach der Bundestagswahl) sprunghaft gestiegen und hat sich innerhalb dieser Zeit auf über 10.000 Mitglieder etwa verzehnfacht. Seit Anfang September 2009 ist die Piratenpartei die größte der nicht im deutschen Bundestag vertretenen Parteien. Im Mai 2012 betrug die Mitgliederanzahl der Piratenpartei Deutschland knapp 30.000.[29]

Bei der Landtagswahl im Saarland am 25. März 2012 erlangte die Piratenpartei 7,4 % der Stimmen und damit vier der 51 Sitze des Saarländischen Landtags. Anfang Mai trat der bis dahin parteilose Bürgermeister der Gemeinde Eixen, André Bonitz, in die Piratenpartei ein. Mit Bonitz, der bereits seit 2009 Bürgermeister der Gemeinde ist, stellt die Piratenpartei erstmals einen Bürgermeister.[59]

Bei der Landtagswahl in Schleswig-Holstein am 6. Mai 2012 erreichte die Piratenpartei ein Ergebnis von 8,2 % und damit sechs der 69 Sitze im Schleswig-Holsteinischen Landtag. Eine Woche später bekam die Partei bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen 7,8 % der Wählerstimmen, womit sie 20 der 237 Abgeordneten im Landtag von Nordrhein-Westfalen stellt.[30]

Bei der Bundestagswahl 2013 konnte die Piratenpartei mit einem Ergebnis von 2,2 % gegenüber 2009 jedoch kaum zulegen und verpasste deutlich den Sprung in den Bundestag.

Piratenpartei Schweiz (PPS)[Bearbeiten]

Hauptartikel: Piratenpartei Schweiz
Logo der Piratenpartei Schweiz

Die Piratenpartei Schweiz (PPS) wurde am 12. Juli 2009 in Zürich gegründet.[31]

Im März 2010 nahm die PPS an den Kommunalwahlen in Winterthur und der Großratswahl in Bern teil. In Winterthur erzielte sie ein Mandat.[32] Im September 2012 wurde in Eichberg zum ersten Mal ein Pirat zum Gemeindepräsidenten gewählt.[33] Durch den Eintritt des Genfer Parlamentariers Didier Bonny in die Piratenpartei Schweiz am 26. April 2013 sind sie erstmals in einem kantonalen Parlament vertreten.[34]

Piratenpartei Österreichs (PIRAT)[Bearbeiten]

Logo der Piratenpartei Österreichs
Hauptartikel: Piratenpartei Österreichs

Die Piratenpartei Österreichs (PIRAT) wurde im Juli 2006 von Florian Hufsky gegründet.[35] Am 14. März 2010 nahmen die Piraten in Bregenz erstmal an einer Gemeindewahl teil und erzielte 1,62 % der Wählerstimmen.[36][37] Das erste Mandat konnte bei der Gemeinderatswahl in Graz 2012 erreicht werden.

Die Piraten haben keinen Bundesvorsitzenden, sondern einen Bundesvorstand,[38] der aus derzeit fünf gleichberechtigten Mitgliedern besteht. Die Piraten verzichten im Interesse der Basisdemokratie bewusst auf einen „Parteichef“, um die Strukturen flach und hierarchiefrei zu halten und statt einer öffentlichen Fokussierung auf das Personal das Programm in den Vordergrund zu stellen.

Piraten Partei Tirol (PPT)[Bearbeiten]

Hauptartikel: Piraten Partei Tirol

Ursprünglich als Landesorganisation der Piratenpartei Österreichs gegründet, wurde die Tiroler Piratenpartei im Januar 2011 nach internen Streitigkeiten ausgeschlossen und existiert seither als eigenständige Partei.

Bei der Wahl zum Innsbrucker Gemeinderat im April 2012 erreichte die Piratenpartei mit 3,8 % der Stimmen ein Mandat.[39] Der Mandatar wurde im Mai 2012 – laut Parteivorstand wegen seines „autoritären Führungsstils“ – aus der Partei ausgeschlossen und aus dem Parteivorstand abgewählt.[40] Seit der Abwahl des Vorstandes der Piraten Partei Tirol (PPT) nähern sich die Piraten und PPT wieder aneinander an,[41] die Fraktion im Innsbrucker Gemeinderat nennt sich nunmehr Innpiraten.

Piratepartei Lëtzebuerg[Bearbeiten]

Hauptartikel: Piratepartei Lëtzebuerg
Logo der Piratepartei Lëtzebuerg

Die Piratenpartei Luxemburgs (Eigenbezeichnung Piratepartei Lëtzebuerg; fr. Parti pirate du Luxembourg) wurde am 4. Oktober 2009 in der Stadt Luxemburg gegründet.[42][43] Sie setzt sich für Bürgerrechte ein, für einen verbesserten Datenschutz und mehr Privatsphäre für Privatpersonen. Sie fordert mehr Transparenz im Staat, freien Zugang zu Informationen und Bildung. Darüber hinaus fordert sie eine grundlegende Reform des Urheberrechts und Patentwesens und ist gegen jegliche Art von Zensur.[44] Grundlegendes Prinzip ist die Basisdemokratie, die es allen Mitgliedern erlaubt, die Zukunft der Partei aktiv mitzubestimmen.[45] Wie die meisten Parteien in Luxemburg ist auch die Piratenpartei stark pro-europäisch („Europa ohne Grenzen“).

Der Präsident und Mitgründer Sven Clement ist gleichzeitig Mitglied der Piratenpartei Deutschland und der Piratenpartei Schweiz. Vize-Präsident der Partei ist seit Oktober 2012 Marc Goergen. Gründungsmitglied und langjähriger Vize-Präsident Jerry Weyer fungierte von März 2010 bis Februar 2011 auch als einer der beiden Co-Präsidenten der Pirate Parties International (PPI).[46]

Die Piratepartei trat bei der Kammerwahl 2013 erstmals an.[47] Sie erreichte 2,9 % der Stimmen, verpasste aber ein Mandat.[48]

Česká pirátská strana (Tschechien)[Bearbeiten]

Hauptartikel: Česká pirátská strana

Die Gründung Česká pirátská strana (ČPS, Kurzbezeichnung: Piráti) wurde Anfang 2009 eingeleitet und wurde am 17. Juni 2009 abgeschlossen. Bei der Parlamentswahl im Mai 2010 erreichte die Partei 0,8 %. Im Oktober 2010 gewann die ČPS erste kommunale Mandate. Bei den Teilwahlen zum tschechischen Senat im Oktober 2012 trat die Partei mit drei Kandidaten ein. Der ČPS-Kandidat im Wahlkreis Prag 2, Libor Michálek, wurde von KDU-ČSL und SZ unterstützt und wurde im zweiten Wahlgang mit 74,4 % in den Senat gewählt.[49]

Kalózpárt (Ungarn)[Bearbeiten]

Die ungarische Piratenpartei Kalózpárt organisierte sich ursprünglich nicht als Partei, sondern als politische Organisation. Diese arbeitete eng mit der Partei Lehet Más a Politika (LMP) zusammen. Unter anderem war das Kalózpárt-Gründungsmitglied Mária Hajdú Vorstandssprecherin der LMP.[50] Die LMP zog 2010 mit 16 Abgeordneten im ungarische Parlament ein. Die Kalózpárt existierte nur als Arbeitsgruppe in der LMP. 2011 verließen die Mitglieder der Arbeitsgruppe die LMP und gründeten schließlich im April 2012 die Kalózpárt offiziell als Partei.[51]

Piratenpartij (Niederlande)[Bearbeiten]

Hauptartikel: Piratenpartij

Die niederländische Piratenpartei wurde am 10. März 2010 offiziell als Partei registriert.

Slovenská Pirátska Strana[Bearbeiten]

Die slowakische Piratenpartei SPS[52] wurde 2007 gegründet. Sie trat erstmals zur Nationalratswahl am 10. März 2012 mit zwei Kandidaten auf der Liste der Obyčajní ľudia a nezávislé osobnost (OĽaNO, „Gewöhnliche Leute und unabhängige Personen“) an. 2010 war die OĽaNO mit vier Abgeordneten auf der Liste der Sloboda a Solidarita in den Nationalrat eingezogen. Bei der Wahl 2012 erreichte die OĽaNO 8,6 % und 16 Sitze.

Piratenpartei Russland (PPRU)[Bearbeiten]

Logo der Piraten- partei Russlands

Die Piratenpartei Russlands (russisch Пиратская партия России) ist eine russische Partei, die sich für eine Reform der Urheberrechte und Redefreiheit einsetzt und mit Pawel Rassudow als Parteivorsitzendem 2009 gegründet wurde. Die Piratenpartei konnte sich jedoch aufgrund ihres Namens nicht als Partei registrieren lassen, bezeichnet sich aber inoffiziell als Piratenpartei Russlands.[53] Das Justizministerium sah das Wort Pirat als kriminell an.[54] Lola Woronina, Mitglied der russischen Piratenpartei, war von 2011 bis 2012 Generalsekretärin des internationalen Dachverbands PPI und ist seit April 2012 neben dem deutschen ebenfalls in Russland geborenen Grégory Engels dort Co-Vorsitzende.[55] Im Januar 2013 wurde erneut die Registrierung unter dem Namen „Piratenpartei“ abgelehnt, da laut Justizministerium „der Name der Partei den in der Satzung festgeschriebenen Zielen zuwiderlaufe“.[56]

Am 14. Oktober beteiligte sich die Partei an der Bürgermeisterwahl Kaliningrads. Auf ihren Kandidaten Dmitry Evsyutkin entfielen 2,17 % der Stimmen.

Parti Pirate Tunesien[Bearbeiten]

Hauptartikel: Tunesische Piratenpartei

Die Tunesische Piratenpartei (Arabisch: حزب القراصنة التونسي – Hizb al-Qarāṣinah at-Tūnisī) wurde am 27. September 2010 gegründet. Wenige Monate später während der Revolution in Tunesien 2010/2011 setzte sie sich insbesondere gegen die Internetzensur des gestürzten Präsidenten Zine el-Abidine Ben Ali ein. Slim Amamou, ein der Partei nahestehender Blogger, wurde schließlich Staatssekretär in der Übergangsregierung Tunesiens. Die formale Zulassung wurde der Partei zunächst verweigert, wodurch eine Teilnahme an der Wahl zur Verfassunggebenden Versammlung Tunesiens 2011 nicht möglich war. Am 12. März 2012 wurde sie schließlich registriert.[57] Sie ist somit die erste offizielle Piratenpartei auf dem afrikanischen Kontinent.

The Pirate Party of New Zealand (PPNZ)[Bearbeiten]

Logo der Pirate Party of New Zealand

Die PPNZ entstand nach Vorbild der schwedischen Piratpartiet 2007. Sie trat am 5. März 2011 erstmals bei den Nachwahlen zum neuseeländischen House of Representatives an. Auf den Kandidaten im Wahlkreis Botany, Hussain Al-Saady, entfielen 0,2 %.[58] Bei den Parlamentswahlen am 26. November 2011 trat sie mit Kandidaten in den Wahlkreisen Hamilton East und Wellington Central an.[59] Für den Wahlkampf erhielt die Partei NZ$ 20.000 Parteienfinanzierung von der zentralen Wahlkommission.[60]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Piratenparteien – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Piratenpartei Deutschland Parteiprogramm.
  2. Parteiprogramm der Piratenpartei Schweiz, Stand: 28. August 2009.
  3. Piratenbewegung erstarkt durch die Zensur-Bestrebungen der Regierung auf www.piraten-sachsen.de, abgerufen am 12. Juli 2014. Piraten-Bewegung entert Südosteuropa auf www.dw.de, 26. April 2012, abgerufen am 12. Juli 2014. Ulrich Clauss: Der intellektuelle Konkurs der Piratenbewegung, Kommentar auf www.welt.de, 14. Oktober 2012, abgerufen am 12. Juli 2014.
  4. Piratpartiet European Pirate Platform 2009.
  5. Piratenpartei Deutschland Uppsala-Deklaration.
  6. Schwedens Piratenpartei: Warum die Raubkopierer nach Brüssel wollen. Abgerufen am 26. August 2013.
  7. Bushido mahnt die Piratenpartei ab. Abgerufen am 26. August 2013.
  8. www.Musikpiraten.de. Abgerufen am 26. August 2013.
  9. Russlands Piratenpartei darf nicht „Piratenpartei“ heißen. Abgerufen am 26. August 2013.
  10. Ministère de l’Intérieur: Les résultats des élections (10 ET 17 JUIN 2012). Abgerufen am 15. September 2012.
  11. Parti Pirate: Liste officielle des candidats du Parti Pirate aux législatives de juin 2012. Abgerufen am 15. September 2012.
  12. a b Selbstdarstellung auf dem Wiki der Pirate Parties International, Abgerufen 10. November 2010.
  13. About PPI auf der Website der PPI, abgerufen 14. April 2010.
  14. Presseerklärung der PPI zur Gründung, Abgerufen 10. November, 2010.
  15. Willkommen bei Piraten ohne Grenzen. Abgerufen am 26. August 2013.
  16. PPEU goes Luxembourg. Abgerufen am 26. August 2013.
  17. Die Jungen Piraten beteiligten sich an der Gründung der europäischen Dachorganisation für die Jugendorganisationen der Piratenparteien in Europa / Diese wurde am 9. August im schwedischen Vingåker aus der Taufe gehoben. Abgerufen am 26. August 2013.
  18. Homepage der African Pirate Party
  19. pp-francophone.net.
  20. a b Andreas Wilkens: Schwedische Piratenpartei schafft Sprung ins Europaparlament [2. Update.] In: heise online. 7. Juni 2009, abgerufen am 11. April 2010 (deutsch).
  21. Daniel Flachshaar: Zweiter Pirat im EU-Parlament. Piratenpartei Deutschland, 5. November 2009, archiviert vom Original am 9. November 2009, abgerufen am 11. April 2010 (deutsch): „Die schwedische Piratenpartei, die sich aus diversen Gründen gegen den Vertrag von Lissabon ausgesprochen hat, wird einen der beiden zusätzlichen schwedischen Sitze erhalten.“
  22. Stefan Niggemeier: Piratenpartei bringt Medien zum Kentern. In: BILDblog. 8. Juni 2009, abgerufen am 11. April 2010 (deutsch).
  23. Pirate To Join European Parliament As Youngest Member (englisch)
  24. Val till riksdagen – Röster. Abgerufen am 26. August 2013.
  25. Jörg Tauss tritt wegen Gesetz zu Kinderporno-Sperren aus SPD aus. Auf: heise.de, 20. Juni 2009.
  26. Kommunalpiraten – Mandate der Piratenpartei in deutschen Kommunalparlamenten
  27. Statistischer Bericht B VII 2-5 – 5j / 11. Abgerufen am 26. August 2013.
  28. Landtagswahl Saarland 2012. Abgerufen am 26. August 2013.
  29. Mitglieder. Abgerufen am 26. August 2013.
  30. Ergebnis der Landtagswahl 2012 – absolut und relativ. Abgerufen am 26. August 2013.
  31. Schweizer Piratenpartei gegründet. heise online, 13. Juli 2009, abgerufen am 11. April 2010 (deutsch).
  32. Wahlergebnis der Erneuerungswahl des Grossen Gemeinderats der Stadt Winterthur.
  33. NZZ Coup in Eichberg
  34. Tribune de Genève Le député indépendant Didier Bonny rejoint le Parti pirate
  35. ppoe.or.at: Presseerklärung zur Gründung der Piraten Partei Österreichs (Version vom 3. November 2007 im Internet Archive), 3. August 2006.
  36. Piratenpartei tritt erstmals bei Wahl an, ORF, 8. Februar 2010.
  37. Vorarlberg Online, Bregenz-Unterseite: Gemeindewahl 2010.
  38. wiki.piratenpartei-sbg.at/Bundesvorstand
  39. Piraten: Mit wenig Programm auf Erfolgswelle, ORF Tirol, 16. April 2012
  40. „Meuterei“: Innsbrucker Gemeinderat Ofer ist kein „Pirat“ mehr, Die Presse, 25. Mai 2012
  41. ORF, 5. Juni 2012: Piraten (fast) wieder gemeinsam auf Kurs, abgerufen am 11. Juni 2012.
  42. Geschicht vun der Piratepartei Lëtzebuerg, Piratepartei Lëtzebuerg.
  43. Piratenpartei Luxemburg macht klar Schiff. In: Luxemburger Wort, 5. Oktober CZE2009. Abgerufen am 6. Januar 2010. 
  44. Parteiprogramm. Abgerufen am 26. August 2013.
  45. Parteiprogramm vun der Piratepartei Lëtzebuerg. Abgerufen am 22. August 2010.
  46. Patrick Mächler steps down – Jerry Weyer Steps up!, PPI, 2. März 2010.
  47. Erste Partei stellt Kandidatenliste für Neuwahlen vor. Abgerufen am 26. August 2013.
  48. Endergebnis Kammerwahl 2013. Abgerufen am 23. Oktober 2013.
  49. Ergebnis (tschechisch)
  50. Piratenfraktion Berlin 31. Dezember 2011: Erster Zwischenbericht der Silvesterreise nach Ungarn
  51. Homepage der Kalózpárt
  52. Slovenská Pirátska Strana. Abgerufen am 11. April 2010 (slowakisch, Slowakische Piratenpartei).
  53. Interview mit Lola Voronina, Flaschenpost der Piratenpartei Deutschland, 3. Januar 2012.
  54. Pirate Party Refused Registration Over Name. Abgerufen am 26. August 2013.
  55. Pirate Parties International Board der PPI auf www.pp-international.net, abgerufen am 2. Mai 2012.
  56. Russlands Justizministerium verweigert Piratenpartei Registrierung. Abgerufen am 26. August 2013.
  57. Tunisia: ‘Pirate Party’ Gets Legal Approval. Abgerufen am 26. August 2013.
  58. elections.org.nz Ten Candidates Stand in Botany By-Election
  59. NZ Elections Comitee
  60. www.elections.org.nz 2011 Broadcasting Allocation Decision Released