Piraterie vor der Küste Somalias

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Das chinesische Fischerboot Tian Yu 8 in der Gewalt somalischer Piraten
Operationsgebiet somalischer Piraten von 2005–2010

Die Piraterie vor der Küste Somalias am Horn von Afrika bedroht wichtige internationale Schifffahrtsrouten sowie die Lieferung von Nahrungsmittelhilfe für Millionen Somalier. Rund tausend Piraten operieren von der Küste Somalias aus im Indischen Ozean und im Roten Meer. Der Bürgerkrieg in Somalia schafft den rechtlosen Raum, in dem die teilweise gut bewaffneten Milizen operieren und den deren Hintermänner für ihre Geschäfte mit Waffen und Munition ausnützen.[1][2] Da die Übergangsregierung Somalias kaum Mittel und Möglichkeiten hat, um gegen Piraten vorzugehen, tun dies teilweise die Marinen anderer Staaten.

Ursachen[Bearbeiten]

Hauptartikel: Somalischer Bürgerkrieg

Seit dem Sturz der Regierung Siad Barre im Jahr 1991


Letzteres beeinträchtigt die Lebensgrundlage der somalischen Fischer. Die Piraten sind zum Teil frühere Fischer, die ihr Tun damit rechtfertigen, dass die ausländischen Schiffe durch den Fischfang in den Hoheitsgewässern Somalias ihren Lebensunterhalt gefährden. Möglicherweise wollten einige von ihnen die Fanggründe vor Eindringlingen schützen. Manche erpressten von Anfang an „Lizenzgebühren“ von auswärtigen Fangflotten und überfielen auch Frachtschiffe und Passagierschiffe. Der kenianische Experte Andrew Mwangura, dessen Seafarers Assistance-Programme in 90 Prozent aller Kaperungen zwischen somalischen Piraten und Reedern vermittelt (Stand 2010), nannte 2010 illegales Fischen als Wurzel der Piraterie.[4]

Nach Angaben des UNO-Umweltprogramms UNEP wird seit 1991 Giftmüll vor Somalia verklappt.[5] 2002 wurden tausende tote Fische an die somalische Küste geschwemmt. Presseberichten[5][6] zufolge brach der Tsunami von 2004 zahlreiche Giftmüllfässer auf, deren Inhalt die somalischen Gewässer und Küsten möglicherweise vergiftete.[7] 2008 berichtete die BBC von Erkrankungen im somalischen Küstenort Harardhere, die auf Giftmüll zurückgeführt werden.[8]

Entwicklung[Bearbeiten]

Der erste Piratenüberfall in neuerer Zeit war die Kaperung des zyprischen Frachters Panagia Tinou am 15. Juni 2002. Sie erfuhr auch in Deutschland Aufmerksamkeit, weil sich die deutschen Fregatten Bremen[9] und Emden an der Bewältigung des Falles beteiligten. Die Kaperung wurde nach 16 Tagen mit der Zahlung eines Lösegeldes beendet.[10][11]

Die Piratenüberfälle konzentrierten sich zu Beginn auf Mogadischu und Umgebung in Südsomalia, verlagerten sich aber bald auf den weitaus ergiebigeren Golf von Aden im Norden. Die meisten Piratenaktivitäten gehen heute von der faktisch autonomen Region Puntland im Nordosten Somalias aus, genauer von den Häfen Eyl sowie Harardheere und Hobyo.

Als sich die Piraterie als einträgliche Tätigkeit erwies, begannen sich Kriminelle und Warlords in diesem Bereich zu engagieren. Sie unterstützten Piraten und teilten das üblicherweise gezahlte Lösegeld mit ihnen.[12] Die Lösegelder wurden genutzt, um die Piraten aufzurüsten, sodass sie heute mit besseren Waffen, modernen Navigationsgeräten und nicht nur direkt von der Küste aus, sondern auch von „Mutterschiffen“ aus auf hoher See operieren.[13]

Somalische Piraten auf der Faina

Die Piratenmilizen sollen sich heute aus drei verschiedenen Personengruppen zusammensetzen: aus den ehemaligen Fischern mit ihren Kenntnissen über das Meer, aus Bürgerkriegskämpfern, die zuvor an Land für verschiedene Warlords gekämpft haben, und aus Technik-Experten, die Navigationsgeräte und Satellitentelefone bedienen. Mit den Lösegeldern können sie schnell reich werden und einen aufwändigen Lebensstil praktizieren. Dies macht die Piraterie attraktiv für junge Männer aus Puntland und ganz Somalia, die ansonsten kaum Zukunftsaussichten haben.[14]

Für die gelegentlich geäußerte Befürchtung, die Piraten stünden mit den in Somalia tätigen Islamisten in Verbindung und diese könnten von der Beute der Piraten profitieren, gibt es (Stand 20xx) keine Anhaltspunkte. Vielmehr hat der Aufstieg der Union islamischer Gerichte in der zweiten Jahreshälfte 2006 die Piraterie stark zurückgehen lassen. Nach der Entmachtung der Union durch die Invasion Äthiopiens im Dezember 2006 nahmen die Piratenaktivitäten wieder zu.

Laut einer Studie von Chatham House wurden von Januar bis Mitte September 2008 insgesamt 61 erfolgreiche oder versuchte Überfälle auf Schiffe vor Somalia gemeldet, wobei sich die von den Piraten kassierten Lösegelder für 2008 insgesamt auf 18 bis 30 Millionen Dollar summieren.[13] Ein Vertreter der kenianischen Regierung gab im November 2008 gar an, die Piraten hätten in Somalia in den vergangenen 12 Monaten Lösegeldzahlungen von mehr als 150 Millionen US-Dollar (etwa 120 Millionen Euro) erhalten.[15] Nach Angaben des International Maritime Bureau wurden im Jahr 2008 42 Schiffe erfolgreich gekapert, wovon 14 weiterhin in der Gewalt der Piraten sind. Infolge der Bekämpfungsmaßnahmen sei die Zahl der erfolgreichen Piratenattacken jedoch stark zurückgegangen, so seien im Dezember 2008 nur mehr zwei Schiffe gekapert worden.[16]

Nach einer Studie vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, unter Berufung auf Zahlen des International Maritime Bureau, hat sich die Anzahl der Piratenangriffe seit Beginn der Militäraktion insgesamt weiter deutlich erhöht. In der ersten Jahreshälfte 2010 wurden 84 Angriffe gemeldet und 27 Schiffe gekapert. Die Piraterie im Golf von Aden ist gesunken, im Somalibecken und dem Indischen Ozean hingegen gestiegen.[17]

Auswirkungen[Bearbeiten]

Seit 2005 haben verschiedene internationale Organisationen einschließlich der International Maritime Organization und des Welternährungsprogramms ihre Sorge über den Anstieg der Piraterie ausgedrückt.[18] Die Piraterie beeinträchtigt die Lieferung von Nahrungsmittelhilfen nach Somalia, die hauptsächlich auf dem Seeweg geschieht. Sie gilt auch als Gefahr für den internationalen Handel, da sie die wichtige Schifffahrtsroute zwischen Asien und Europa durch den Sueskanal und das Rote Meer betrifft.

Schiffseigentümer müssen hohe Kosten für Versicherungen, Sicherheitsmaßnahmen oder Lösegeldzahlungen auf sich nehmen oder aber als Ausweichmöglichkeit den wesentlich längeren und daher kostspieligeren Weg um ganz Afrika (Kap der guten Hoffnung) herum nehmen. Ägypten befürchtete 2010 sinkende Einnahmen aus dem Sueskanal.[19] Auch auf die anderen Anrainerstaaten des roten Meeres wie Oman und Jemen wirkt sich die Piraterie negativ aus. Hier spielt der Rückgang der Schifffahrt, die Erhöhung von Versicherungsprämien und der Rückgang in der Fischereiindustrie eine maßgebliche Rolle.[20] Die norwegische Reederei Frontline, die monatlich rund zehn Öltanker durch die Krisenregion schickt, befürchtet durch notwendig werdende Umwege um das Kap der Guten Hoffnung einen Anstieg der Transportkosten für Erdöl um bis zu 40 Prozent. Die dänische Reederei A. P. Møller-Mærsk, zweitgrößtes Logistikunternehmen der Welt, gab am 21. November 2008 bekannt, die Tankerrouten nicht mehr durch den Sueskanal und den Golf von Aden zu führen.[21]

Durch die Piraterie sind die Lebensmittelpreise für die somalische Bevölkerung um 20 bis 30 Prozent gestiegen, da nur noch wenige Frachtschiffe bereit sind, einen somalischen Hafen anzulaufen. Auch für das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen wurde es zunehmend schwieriger, die Hilfsbedürftigen mit Nahrungsmitteln zu versorgen, da immer weniger Schiffseigentümer bereit sind, ihre Containerschiffe in die Region fahren zu lassen.[22]

Auch die illegale Fischerei vor dem Horn von Afrika ist zurückgegangen, da die ausländischen Fangflotten Piratenangriffe fürchten. Fischer in Somalia und Kenia berichteten 2010, dadurch wieder mehr Fisch zu fangen.[23]

Maßnahmen zur Bekämpfung[Bearbeiten]

Zivile Maßnahmen[Bearbeiten]

Von der MARLO (Maritime Liaison Office) ist zur sicheren Passage für zivile Schiffe ein Korridor (der International Recommended Transit Corridor) eingerichtet worden. Die Bundesregierung prüfte im August 2011 den Einsatz privater Sicherheitsdienste zum Schutz deutscher Handelsschiffe vor Piraten, wie sie von verschiedenen Firmen angeboten werden.[24]

Am 27. Dezember 2011 rief der Verband Deutscher Reeder (VDR) die Bundesregierung erneut auf, endlich die Rechtsgrundlagen für private Sicherheitsdienste an Bord von Handelsschiffen zu schaffen. Die Piratenbekämpfung werde durch etliche Gesetzeshürden teils absurd erschwert. Die Bundesregierung solle das – grundsätzlich bereits gebilligte – Zertifizierungsverfahren für Sicherheitsteams an Bord umsetzen, damit der bewaffnete Schutz deutscher Schiffe endlich möglich wird. Das ist den knapp 500 Frachtern und Tankern unter deutscher Flagge nämlich noch verboten. Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages hatte zum Einsatz privater Sicherheitskräfte ein Gutachten erstellt. Fazit: Ein Kapitän könne sich beim Waffeneinsatz strafbar machen wegen fahrlässiger Körperverletzung oder gar Tötung. Andere Nationen setzen zivile Schutzteams sehr erfolgreich ein. Laut VDR konnte sich (Stand Ende 2011) bislang jedes aktiv geschützte Schiff erfolgreich gegen Piratenangriffe wehren. Der Schutz der deutschen Handelsflotte ist grundsätzlich eine hoheitliche Aufgabe. Die Bundesregierung sieht Rechtsprobleme beim Einsatz von Soldaten auf Handelsschiffen; die Polizei ist dazu befugt.[25]

Somalische Aktivitäten[Bearbeiten]

Die somalische Übergangsregierung verfügt über keine Seestreitkräfte. Sie hat verschiedene Maßnahmen ergriffen, um die Piraterie zu bekämpfen, etwa durch die gelegentliche Freigabe somalischer Gewässer für ausländische Marineschiffe. Häufiger jedoch konnten die somalischen Piraten der Verfolgung dadurch entgehen, dass sie sich in die Hoheitsgewässer Somalias zurückzogen, wo die Kriegsschiffe die Jagd abbrechen mussten.[26][27]

Die Regierung der faktisch autonomen Region Puntland, von wo ein Großteil der Piraterie ausgeht, unternimmt inzwischen (Stand 2008) ebenfalls Anstrengungen im Kampf gegen Piraterie.[28] Im Mai 2008 haben Kämpfer der radikal islamistischen al-Shabaab, die der bewaffneten Opposition gegen die Übergangsregierung Somalias angehören, Piraten bekämpft.[29] Am 21. November 2008 griffen Kämpfer der al-Shabaab Piraten in dem Küstenort Haradhere an. Mutmaßlich war dies eine Reaktion auf das Kapern des Supertankers Sirius Star, ein Schiff aus dem muslimischen Bruderland Saudi-Arabien.[30]

Seit 2009 verfügen auch die Streitkräfte von Somaliland über eine von Großbritannien ausgerüstete Marine, die bereits hunderte Piraten im De-facto-Staat Somaliland vor Gericht stellte und zu Haftstrafen verurteilte.[31]

Vereinte Nationen[Bearbeiten]

Im Mai 2008 forderte der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen mit der Resolution 1814 zum Schutz von Schiffen auf, die Hilfsgüter nach Somalia transportieren. Im Juni 2008 verabschiedete er die Resolution 1816, die es den mit der Übergangsregierung kooperierenden Staaten erlaubt, militärische Operationen im somalischen Hoheitsgebiet zur Bekämpfung der Piraterie auszuführen.[32] In der Resolution 1838 hat der Sicherheitsrat im Oktober 2008 alle Staaten in der Region dazu aufgefordert, mit Kriegsschiffen gegen die Piraten vorzugehen.[33] Sowohl die NATO als auch Russland kündigten daraufhin die Entsendung von Schiffen an, die die EU-Mission vor der somalischen Küste unterstützen sollen.[34] Auf der Sitzung des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen am 20. November 2008 sprach sich Efthimios Mitropoulos, Generalsekretär der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation (IMO), für die Schaffung eines Internationalen Strafgerichts gegen festgenommene Piraten aus. Laut Mitropoulos gab es seit Januar 2008 bereits 120 Piratenüberfälle, darunter wurden 35 Handelsschiffe entführt und bis zu 600 Personen als Geiseln genommen.[35] Im Dezember folgten mit den Resolutionen 1848 und 1851 weitere Aufforderungen zur Unterstützung insbesondere des Schutzes der Schiffe des World Food Programmes (WFP) und zugleich die Mandatierung des Einsatzes der Europäischen Union.

US-geführte Verbände[Bearbeiten]

Unter Führung des United States Central Command befinden sich derzeit zwei multinationale Schiffsverbände am Horn von Afrika.

Combined Task Force 150[Bearbeiten]

Operationsgebiet der Combined Task Force 150
Die USS Farragut (DDG-99) vor einem brennenden Piratenboot im Golf von Aden 2010

Im Rahmen der Operation Enduring Freedom führt seit 2001 die multinationale Flotte Combined Task Force 150 (CTF 150) unter anderem am Horn von Afrika eine Teiloperation des von den Vereinigten Staaten ausgerufenen Krieges gegen den Terrorismus durch und überwacht die Seehandelswege. Der Marine-Einsatzverband untersteht dem Hauptquartier der US-Seestreitkräfte des United States Naval Forces Central Command (USNAVCENT) in Manama, Bahrain. In Dschibuti gibt es außerdem eine logistische Unterstützungseinheit. Im Rahmen dieser Operation ist die Bekämpfung der Piraterie nicht explizit vorgesehen; es gibt Synergieeffekte mit anderen Missionen, zum Beispiel bei der Erstellung des Lagebilds.[36]

Combined Task Force 151[Bearbeiten]

Um der CTF 150 eine Konzentration auf den eigentlichen Auftrag zu ermöglichen, wurde am 8. Januar 2009 die Combined Task Force 151 mit dem Auftrag zur Bekämpfung der Piraterie aufgestellt.[37] Der Führer des Verbands wird wechselnd durch die Teilnehmernationen gestellt. Nach einem amerikanischen und einem türkischen Admiral stellt derzeit erneut die amerikanische Marine den Befehlshaber, der durch einen multinational besetzten Stab unterstützt wird.[38]

Militäroperation der NATO[Bearbeiten]

Von Oktober bis Dezember 2008 führte die NATO die Operation Allied Provider gegen Piratenangriffe auf Schiffe des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen (WFP) durch. Dieser Einsatzverband bestand aus dem italienischen Zerstörer ITS Durand de la Penne (D560), der zugleich Flaggschiff des Einsatzverbandes war, der griechischen Fregatte HS Themistokles (F465), der türkischen Fregatte Gökova und der britischen Fregatte HMS Cumberland aus Teilen der Standing NATO Maritime Group 2 (SNMG 2). Zusätzlich nahm die niederländische Fregatte De Ruyter (F804) unter ausschließlich nationalem Kommando an der NATO-Operation teil.

Im Rahmen der Operation Allied Protector trug die NATO von März bis Ende Juni 2009 mit Schiffen der Standing NATO Maritime Group 1 und von Juni bis August 2009 mit Einheiten der SNMG 2 zur Sicherheit der Seewege am Horn von Afrika bei.[39]

Ab 17. August 2009 löste die Operation Ocean Shield (Task Force 508) die Operation Allied Protector ab. Neben dem Einsatz bewaffneter Kräfte der SNMG 1 auf See zielt diese Operation auch auf eine Unterstützung der Anrainerstaaten des betroffenen Seegebiets beim Aufbau eigener Fähigkeiten zur Bekämpfung der Piraterie ab.

Militäroperation der EU[Bearbeiten]

Hauptartikel: Operation Atalanta

Anfang November 2008 beschloss die Europäische Union, im Rahmen der Mission EU NAVFOR Somalia (Operation Atalanta) unter anderem bis zu sechs Kriegsschiffe und drei Seefernaufklärer zur Bekämpfung der Piraterie vor die Küste Somalias zu entsenden.[40] Vorrangige Aufgabe ist der Schutz von Frachtschiffen des Welternährungsprogramms.

Die EU ergänzt diese Operation zudem durch das Training somalischer Sicherheitskräfte im Rahmen der Ausbildungsmission EUTM Somalia und durch Unterstützung beim Aufbau eines eigenes Küstenschutzes in Somalia und in den benachbarten Staaten Dschibuti, Kenia und den Seychellen im Rahmen der zivil-militärischen Ausbildungsmission EUCAP Nestor.

Marineeinsätze weiterer Staaten[Bearbeiten]

Neben den Einsätzen der NATO, der EU und der von den USA geführten Operation Enduring Freedom nehmen Kriegsschiffe aus Russland (Fregatte Neustraschimy), Indien (Fregatte INS Tabar) und Saudi-Arabien (Fregatte Al-Dammam) unter nationalem Kommando an der Bekämpfung der Piraterie teil. Frankreich nimmt ebenfalls unter nationalem Kommando mit der Fregatte Courbet und einer Korvette teil.

Die Volksrepublik China entsandte im Rahmen ihrer ersten Marine-Kampfoperation außerhalb des Pazifiks die beiden Zerstörer Wuhan und Haikou sowie das Versorgungsschiff Weishanhu (887).[41]

Der Iran beteiligt sich ebenfalls mit einem Kriegsschiff am Schutz seiner Handelsflotte vor der somalischen Küste.[42]

Japan entsandte am 14. März 2009 die zwei Zerstörer Sazanami und Samidare vom Stützpunkt der japanischen Meeresselbstverteidigungsstreitkräfte in Kure vor die somalische Küste.[43]

Gemäß einem Interview von Pascal Couchepin mit der SonntagsZeitung will der Schweizer Bundesrat die 35 Schiffe umfassende Schweizer Hochseeflotte von eigenen Soldaten beschützen lassen. Der Nationalrat, der als Zweitrat über den Einsatz zu befinden hatte, trat jedoch auf die Vorlage nicht ein, obwohl der Ständerat dem Anliegen des Bundesrates bereits zugestimmt hatte. Die Gegner aus dem rechten Spektrum argumentierten damit, dass sich die Schweiz außerhalb ihrer Neutralität bewegen würde, jene aus dem linken Lager wünschten sich mehr humanitäres Engagement an der Wurzel des Problems statt Waffengewalt.[44]

Am 30. Juni 2009 berichtete die jemenitische Zeitung „Al Ayam“, dass elf arabische Staaten in Riad die Bildung eines multinationalen Flottenverbandes zum Schutz der Handelswege in der Bucht von Aden, im Roten Meer und im Westteil des Indischen Ozeans vor Seepiraten beschlossen haben. Nach Angaben der Zeitung wollen sich folgende Staaten beteiligen: Ägypten, Bahrain, Dschibuti, Jemen, Jordanien, Katar, Kuwait, Oman, Saudi-Arabien, Sudan und die Vereinigten Arabischen Emirate.[45]

Strafverfolgung[Bearbeiten]

Am 19. Oktober 2012 verurteilte das Landgericht Hamburg (Az. 603 KLs 17/10) zehn Piraten aus Somalia zu Freiheitsstrafen zwischen zwei und sieben Jahren.[46] Die Piraten hatten im April 2010 den unter deutscher Flagge fahrenden Frachter Taipan vor der Küste ihres Heimatlandes überfallen. Die Besatzung der niederländischen Fregatte Hr. Ms. Tromp (F 803) stellte die Piraten; sie wurden später an Deutschland ausgeliefert. Das Gericht sprach die Piraten des Angriffs auf den Seeverkehr und des erpresserischen Menschenraubes schuldig, blieb mit seinem Urteil jedoch zum Teil deutlich unter den Anträgen der Staatsanwaltschaft.[47] Es war der erste Piratenprozess in Deutschland seit einigen Jahrhunderten.[48]

Ein weiterer Prozess gegen einen mutmaßlichen Piraten, der nach der Entführung des deutschen Chemikalientankers „Marida Marguerite“ nach Deutschland einreiste, startete im Januar 2014 vor dem Landgericht Osnabrück.[49] Dieser mutmaßliche Pirat beantragte unter falschem Namen Asyl und geriet erst durch einen Vergleich seiner Fingerabdrücke in das Visier der Ermittlungsbehörden.[50][51] Denn die gleichen Fingerabdrücke waren auf der „Marida Marguerite“ gesichert worden. Ihm wird unter anderem vorgeworfen als „Commander Salaax“ die Folterung der Crew, in Form von Scheinhinrichtungen sowie in Form von Abbinden der Genitalien und Aufhängen an diesen, angeordnet zu haben.[52][53] Am 17. April wurde das Urteil gesprochen, er wurde zu 12 Jahre Haft verurteilt wegen erpresserischen Menschenraubes und besonders schwerer räuberischer Erpressung. Die Verteidiger kündigten an, Revision einzulegen.[54]

Bewaffnete Sicherheitskräfte an Bord[Bearbeiten]

Der Verband Deutscher Reeder forderte die Bundesregierung auf, schnell Rechtssicherheit für den Einsatz privater bewaffneter Sicherheitskräfte auf Schiffen unter deutscher Flagge zu schaffen. Im Dezember 2012 machte der Deutsche Bundestag mit einem Gesetz den Weg für die Schutzteams an Bord frei; notwendige Rechtsverordnungen sind (Stand März 2013) in Arbeit. Dies wurde auf der Nationalen Maritimen Konferenz (April 2013) thematisiert. Der VDR schrieb: Das geplante Zulassungsverfahren für die Sicherheitsunternehmen muss international anschlussfähig sein und sollte sich daher an den strengen Richtlinien der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation (IMO) orientieren. [55] Die Seeschiffbewachungsverordnung trat am 21. Juni 2013 in Kraft.[56]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Sebastian Bruns: Multipolarity Under the Magnifying-Glass: Establishing Maritime Security Off the Horn of Africa'. In: Sicherheit und Frieden 3-2009, S. 174-179.
  • Marie Kronberg: Seepiraterie und internationales Recht: Pirateriebekämpfung mit Mitteln des Völkerrechts und des Europarechts. Bachelor + Master Publishing, Hamburg 2011, ISBN 978-3-86341-015-5 (zugleich Masterarbeit an der Universität Passau 2010).
  • Michael Stehr: Piraterie am Horn von Afrika. Bedrohung der zivilen Seeschifffahrt vor Somalia 2005 – 2010. Köster, Berlin 2011, ISBN 978-3-89574-775-5 (= Sicherheitspolitik, Band 5).
  • Ralph Klein: Moderne Piraterie. Die Piraten vor Somalia und ihre frühen afrikanischen Brüder. Berlin, Hamburg 2012. ISBN 978-3-86241-416-1.
  • Uwe Jenisch: Die Bekämpfung der Piraterie vor Somalia – Völkerrecht in der Bewährung, in: Krause, Joachim/Witt, Diana (Hrsg.), Jahrbuch Terrorismus 2010, Opladen 2011.
  • Eigel Wiese: Piraterie Neue Dimensionen eines alten Phänomens.Koehler, Hamburg 2010, ISBN 978-3-7822-1008-9.
  • Deutsche Marine: Die maritime Abhängigkeit Deutschlands – Fakten und Zahlen, zum Beispiel

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Piraterie vor der Küste Somalias – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Walter Brehm: Piraterie und die Logik des Westens. St. Galler Tagblatt. 21. November 2008. Abgerufen am 25. Oktober 2010.
  2. Sana Aftab Khan: Tackling Piracy in Somali Waters: Rising attacks impede delivery of humanitarian assistance (Englisch) In: UN Chronicle. United Nations Department of Public Information. 2007. Archiviert vom Original am 22. April 2008. Abgerufen am 24. Oktober 2010.
  3. The State of the Environment in Somalia: A Desk Study (Englisch, PDF) United Nations Environment Programme. Dezember 2005. Archiviert vom Original am 12. Juli 2008. Abgerufen am 24. Oktober 2010.
  4. Illegale Fischerei profitiert von EU-Einsatz am Horn von Afrika. Die Presse. 20. November 2008. Abgerufen am 24. Oktober 2010.
  5. a b Horand Knaup: Reiche Beute, arme Fischer. In: Spiegel Online, 12. April 2008. Abgerufen am 20. März 2012. 
  6. Andrea Böhm, Heinrich Wefing: Seeräuberei: Wer ist hier der Pirat?, DIE ZEIT. Abgerufen am 24. Oktober 2010. 
  7. The State of the Environment in Somalia: A Desk Study (Englisch, PDF) United Nations Environment Programme. Dezember 2005. Archiviert vom Original am 12. Juli 2008. Abgerufen am 24. Oktober 2010. (Seitenangabe fehlt.)
  8. 'World only cares about pirates' (Englisch) In: BBC News. 21. November 2008. Abgerufen am 25. Oktober 2010.
  9. Eckart Lohse: Piraten-Terror, Frankfurter Allgemeine Zeitung. 19. April 2009. Abgerufen am 25. Oktober 2010. 
  10. Vijay Sakhuja: Asymmetric Warfare And Low Intensity Maritime Operations: Challenges For Indian Navy (Englisch, PDF; 702 kB) In: ORF Occasional Paper #5. August 2006. Abgerufen am 25. Oktober 2010.
  11. Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage (PDF) Rainer Stinner. 24. Oktober 2008. Abgerufen am 25. Oktober 2010.
  12. Kathryn Westcott: Somalia's pirates face battles at sea (Englisch) In: BBC News. 23. April 2008. Abgerufen am 25. Oktober 2010.
  13. a b Dominic Johnson: Seeräuber vor Afrika: Somalias lukratives Piratengeschäft. In: taz.de, 3. Oktober 2008. Abgerufen am 25. Oktober 2010. 
  14. Robyn Hunter: Somali pirates living the high life (Englisch) In: BBC News. 28. Oktober 2008. Abgerufen am 26. Dezember 2008.
  15. Goldgrube Golf von Aden: Piraten haben schon 150 Millionen Dollar erpresst. In: Spiegel Online, 21. November 2008. Abgerufen am 25. Oktober 2010. 
  16. Somali pirate clampdown ‘working’. In: BBC News. 1. Januar 2009. Abgerufen am 25. Oktober 2010.
  17. Piraten lassen sich nicht abschrecken. Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung e.V. (DIW Berlin). 21. Juli 2010. Abgerufen am 25. Oktober 2010.
  18. Piracy in waters off the coast of Somalia (Englisch) International Maritime Organization. 2007. Abgerufen am 25. Oktober 2010.
  19. Tages-Anzeiger Piraterie verteuert weltweit die Waren. Abgerufen am 25. Oktober 2010.
  20. Daniel Zadra: Das jemenitische Dilemma – Auswirkungen somalischer Piraterie und Flüchtlingsströme auf den Jemen, ein Land im Spannungsfeld zwischen Stammeskultur und Zentralstaat (Diplomarbeit) (PDF, 4 MB) Universität Wien. 2009. Abgerufen am 25. Oktober 2010.
  21. Islamisten jagen Piraten: Wut über Kaperung "muslimischen Schiffes". In: Frankfurter Rundschau. 22. November 2008. Abgerufen am 25. Oktober 2010.
  22. Matthias Weber, Abdirizak Sheikh: Kein Frieden für Somalia? Die somalische Tragödie und der internationale Terrorismus, 2. Auflage, m.w. Verlag, Frankfurt, ISBN 978-3-934517-11-0.
  23. Piraten – die unfreiwilligen Tierschützer. In: Tages-Anzeiger. 12. Januar 2010. Abgerufen am 25. Oktober 2010.
  24. Meldung des ORF Abgerufen am 19. August 2011
  25. Reeder wollen gegen Piraten aufrüsten
  26. Barbara Starr: U.S. destroyer pursuing hijacked ship in Somali waters, military says (Englisch) CNN. 29. Oktober 2007. Abgerufen am 25. Oktober 2010.
  27. Nick Rankin: No vessel is safe from modern pirates (Englisch) In: BBC News. 11. März 2008. Abgerufen am 25. Oktober 2010.
  28. Abdiqani Hassan: Crew say lucky to be alive after Somali hijack (en), Reuters. 23. April 2008. Abgerufen am 12. November 2010. 
  29. Six killed in clashes between Somali pirates and Islamists, Agence France-Presse via Google News. 24. Mai 2008. Abgerufen am 12. November 2010. 
  30. Somalische Rebellen gehen gegen Piraten vor. Euronews. 21. November 2008. Abgerufen am 25. Oktober 2010.
  31. [1]
  32. Security Council meeting 5902 (englisch) UNdemocracy.com. Abgerufen am 12. November 2010.
  33. UNO sagt Somalias Piraten den Kampf an. In: Die Presse, 8. Oktober 2008. Abgerufen am 12. November 2010. 
  34. Nato: Militäreinsatz vor Somalia bestätigt, Focus. 9. Oktober 2008. Abgerufen am 12. November 2010. 
  35. Piraterie: UN-Gericht für Seeräuber gefordert, RIA Novosti. 21. November 2008. Abgerufen am 25. Oktober 2010. 
  36. Press Conference on the occasion of the launch of the EU NAVFOR (en, PDF; 80 kB) 9. Dezember 2008. Abgerufen am 12. November 2010.
  37. New Counter-Piracy Task Force Established (Englisch) US Navy. 1. August 2009. Abgerufen am 25. Oktober 2010.
  38. Combined Task Force (CTF) 151 (Englisch) USNAVCENT. 13. Mai 2010. Abgerufen am 25. Oktober 2010.
  39. The Standing NATO Maritime Group 2 (SNMG2) (Englisch) Allied Maritime Component Command in Neapel. Abgerufen am 12. Juli 2009.
  40. EU schickt Kriegsschiffe gegen Piraten, Frankfurter Allgemeine Zeitung. 29. September 2010. Abgerufen am 25. Oktober 2010. 
  41. Chinese Navy sends most sophisticated ships on escort mission off Somalia (Englisch), Xinhua. 26. Dezember 2008. Abgerufen am 25. Oktober 2010. 
  42. Iranisches Kriegsschiff nach Somalia (Englisch), Neue Zürcher Zeitung. 21. Dezember 2008. Abgerufen am 25. Oktober 2010. 
  43. Japan entsendet Schiffe der MSDF zur Piratenbekämpfung vor Somalia. Japanische Botschaft in Berlin. 15. März 2009. Abgerufen am 25. Oktober 2010.
  44. Schweizer Soldaten gehen nicht auf Piraten-Jagd. Schweizer Fernsehen. 24. September 2009. Abgerufen am 12. November 2010.
  45. Arabische Länder wollen gemeinsamen Flottenverband gegen Seepiraten einsetzen, RIA Novosti. 30. Juni 2009. Abgerufen am 25. Oktober 2010. 
  46. LG Hamburg, Urteil Az. 603 KLs 17/10 vom 19. Oktober 2012 = openJur 2013, 21850.
  47. Somalische Piraten in Deutschland zu Haft verurteilt Zeit Online, 19. Oktober 2012
  48. Die Zeit "Somalische Piraten in Deutschland zu Haft verurteilt", 19. Oktober 2012.
  49. [2]
  50. Mutmaßlicher Pirat festgenommen. hr-online, 12. Mai 2013, abgerufen am 12. Mai 2013.
  51. Asylbewerber. Mutmaßlicher somalischer Pirat in Hessen gefasst. Die Welt, 13. Mai 2013, abgerufen am 13. Mai 2013.
  52. Neue Osnabrücker Zeitung: Piraten schickten „freundliche Grüße“ vom Folterschiff.
  53. Norddeutscher Rundfunk: Sabine Puls & Jan Liebold Prozess: Was auf dem Folterschiff geschah
  54. NDR.de [3]
  55. Pressemitteilung 9. April 2013
  56. Schutz vor Piraten für Seeschiffe unter deutscher Flagge