Pirelli-Hochhaus

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Pirelli-Hochhaus
Pirelli-Hochhaus
Pirelli-Hochhaus mit Hauptbahnhof
Basisdaten
Ort: Mailand, Italien
Bauzeit: 1958–1960
Status: Erbaut
Baustil: Moderne
Architekt: Giò Ponti, Pier Luigi Nervi
Nutzung/Rechtliches
Nutzung: Bürogebäude
Eigentümer: Region Lombardei und Stadt Mailand
Technische Daten
Höhe bis zur Spitze: 127.1 m
Höhe bis zum Dach: 124.1 m
Etagen: 31
Nutzfläche: 24.000
Baustoff: Tragwerk: Stahlbeton
Höhenvergleich
Mailand: 4. (Liste)
Anschrift
Anschrift: Piazza Duca D'Aosta;

Via Fabio Filzi 22[1]

Stadt: Mailand
Land: Italien

Das Pirelli-Hochhaus ist das vierthöchste Gebäude der italienischen Metropole Mailand und eines ihrer Wahrzeichen. Es befindet sich im zentral gelegenen Geschäftsviertel und nahe dem Hauptbahnhof Milano Centrale.

Baudaten[Bearbeiten]

Das Büro-Gebäude wurde im Jahre 1958 als Zentrale des Reifenherstellers Pirelli erbaut (daher die volkstümliche Bezeichnung Pirellone = ital. "der große Pirelli") und 1960 eingeweiht, ist aber seit 1978 Sitz der Regierung[2] und des Parlaments der Region Lombardei. Das Pirelli-Hochhaus war bei seiner Fertigstellung mit 127,10 Metern das zweithöchste Gebäude Europas. Die Architekten des sechseckigen Hochhauses waren Gio Ponti und Pier Luigi Nervi.

Baubeschreibung[Bearbeiten]

Das Gebäude ist 124,0 m hoch, an der Schmalseite 18,5 m tief und an der Breitseite 70,40 m breit. Das Dach auf 127,10 m scheint über dem Gebäude zu schweben. Die durchgehende Vorhangfassade wird durch eine Isolierverglasung, welche von Aluminiumrahmen getragen wird, gebildet. Die beiden Schmalseiten laufen spitz zusammen und bilden einen Spalt in der Mitte.

Konstruktion[Bearbeiten]

Das Tragwerk besteht aus zwei dreieckigen Elementen an den Schmalseiten, einem Aufzugskern in der Mitte des Gebäudes, sowie innen liegenden Pfeilern. Das vertikale Betonskelett folgt dem Kräfteverlauf, was daran ersichtlich wird, dass sich die Pfeiler in den unteren Geschossen von 2 m Dicke auf 50 cm Dicke in den oberen Stockwerken verjüngen. Die innen liegende Tragstruktur erlaubt einen weitestgehend stützenfreien Bürobereich und ermöglicht eine große Flexibilität in der Unterteilung der Grundrissgestaltung und innerhalb der einzelnen Großraumbüros.

Bodenbelag[Bearbeiten]

Da Pirelli auch Kautschuk-Beläge herstellte, wurde von Gio Ponti ein spezieller Bodenbelag entworfen. Er setzte sich mit den Produktionsabläufen der Kautschukbeläge intensiv auseinander und experimentierte mit verschiedenen Farben und Designs. Die schließlich verwendeten Farben Gelb, Schwarz und Weiß gelten als die Farben der Firma Pirelli. Ponti schuf einen besonders ausdrucksstarken, grob durchmischten Kautschukbelag, den er „giallo fantastico“ (phantastisches Gelb) nannte.[3]

Sonstiges[Bearbeiten]

Nach diesem architektonischen Vorbild erbaute Ponti Ende der 1950er Jahre in Bagdad das irakische Planungsministerium. Das zeitgleich errichtete Telefunken-Hochhaus in Berlin (1958–60) ist in Konstruktion und Grundriss sehr ähnlich angelegt, verzichtet jedoch auf die Vorhangfassade und betont statt dessen die konstruktiven Details, die sich verjüngenden Stützen sind klar an der Fassade ablesbar. Von 1960 bis 1962 wurde in Basel mit dem Lonza-Hochhaus ein Gebäude errichtet, das große Ähnlichkeiten mit dem Pirelli-Hochhaus aufweist.

Am 18. April 2002 stürzte der Schweizer Pilot Luigi Fasulo mit seinem Kleinflugzeug der Marke Rockwell Commander A112TC mit der Kennung HB-NCX in das Pirelli-Hochhaus (drei Tote und 70 Verletzte).[4]

Ab 2003 wurde das Gebäude allumfassend renoviert. Der 26. Stock ist in einen „Ort der Erinnerung“ (luogo della memoria) umgewandelt worden. Im März 2009 wurde das neugestaltete Belvedere eröffnet, in dem die Struktur der Konstruktion ersichtlich wird.

Das Gebäude in Filmen[Bearbeiten]

  • Die Eingangssequenz des italienischen Films La Notte von Michelangelo Antonioni aus dem Jahr 1961 zeigt das Pirelli Hochhaus kurz nach Fertigstellung. Der anschließende Vorspann beginnt auf dem Dach des Gebäudes. Ein außen liegender Lift fährt vom 31. Stockwerk abwärts. Die Stadt spiegelt sich dabei in der Glasfassade.[5]
  • In Maurizio Lucidi Spielfilm der Todesengel betreibt Tomas Milian eine Werbeagentur in dem Gebäude.
  • Im Spielfilm The International (2009) diente das Gebäude als Kulisse für ein politisches Attentat auf der davor liegenden Piazza Duca d'Aosta.

Literatur[Bearbeiten]

  • BauNetz Wissen: Das Pirelli-Hochhaus in Mailand
  • Francesco DalCo, Sergio Polano, Antonio Martinelli: Milano. The 20th Century Architecture and Urbanism, Tokyo 1991.
  • Sandra Hofmeister: Grattacielo Pirelli in Mailand, in: Baumeister, 2006, Heft 2, S. 74-82.
  • Roman Hollenstein: Verletztes Wahrzeichen. Das Pirelli-Hochhaus von Gio Ponti in Mailand, in: Neue Zürcher Zeitung, 20. April 2002.
  • Jürgen Joedicke: Entwurf für das Verwaltungsgebäude der Pirelli-Werke in Mailand, in: Baukunst und Werkform, 1957, Heft 4, S. 204-205.
  • Terry Kirk: The Architecture of Modern Italy. Volume 2: Visions of Utopia, 1900-present, New York 2005, S. 166-170.
  • Pier L. Nervi: Neue Strukturen, Stuttgart 1963.
  • Rudolf Pfister: Entwurf der Hauptverwaltung der Gesellschaft Pirelli Mailand, in: Baumeister, 1956, Heft 2, S. 106-109.
  • Lisa L. Ponti: Gio Ponti. The Complete Work 1923-1978, Cambridge, MA 1990.
  • Deyan Sudjic (Hg.): Design Cities. 1851-2008. Eight moments that changed the world, Ausst. Kat. London 2008.
  • Claudia J. Ziegler: Out of Ashes and Rubble. The Pirelli Tower, in: Places, 2009, Heft 21/1, S. 14-17, online verfügbar auf escholarship.org.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Pirelli-Hochhaus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://skyscraperpage.com/cities/?buildingID=906
  2. Die Regionalregierung hat heute ihren Sitz im Palazzo Lombardia
  3. Baunetz Wissen: Das Pirelli-Hochhaus in Mailand
  4. Atropedia, Die Unfalldatenbank: Pilot rast mit seiner Aero Commander 112 TC in Pirelli-Hochhaus
  5. Der Vorspann kann auch im Internet angeschaut werden. Siehe: La Notte. Opening Titles

45.4846388888899.2014472222222Koordinaten: 45° 29′ 4,7″ N, 9° 12′ 5,2″ O