Pisanica

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Pisanica
Wappen fehlt
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Pisanica (Polen)
Pisanica
Pisanica
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Ermland-Masuren
Landkreis: Ełk
Gmina: Kalinowo
Geographische Lage: 53° 49′ N, 22° 35′ O53.81666666666722.583333333333Koordinaten: 53° 49′ 0″ N, 22° 35′ 0″ O
Einwohner: 3000 (2006)
Postleitzahl: 19-314
Telefonvorwahl: (+48) 87
Kfz-Kennzeichen: NEL
Wirtschaft und Verkehr
Straße: SędkiBorzymy
Schienenweg: Lycker Kleinbahn
Nächster int. Flughafen: Danzig
Szczytno-Szymany
Verwaltung (Stand: 2008)
Bürgermeister: Stanisław Dadura

Pisanica (deutsch: Pissanitzen, 1926–1945 Ebenfelde) ist ein zur Gemeinde Kalinowo zählendes Dorf im nordöstlichen Masuren in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren, Landkreis Ełk.

Das Dorf befindet sich südwestlich der Ortschaft Kalinowo (deutsch Kallinowen), ein Kilometer unterhalb des Skomantener Sees an einer Landstraße zwischen Sędki (Sentken) und Borzymy (Borschimmen).

Geschichte[Bearbeiten]

Die Herkunft des masurischen Ortsnamens ist nicht eindeutig geklärt.

Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes datiert aus dem Jahr 1496. Die Handfeste als Zinsdorf, verliehen durch dem Komtur zu Rhein, Rudolf von Diepoltskirchen, erlangte 1504 der erste Dorfschulze Jan Kanneffk. 1565 bekam Pissanitzen neben einer Dorfschule seine erste Holzkirche. Erster Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde war Hieronymus Maletius (1552–1567), ein Sohn des ursprünglich aus Krakau stammenden Lycker Buchdruckers und evangelischen Erzpriesters Johannes Maletius (Jan Malecki). 1567 folgte Hieronymus Maletius seinem Vater in Lyck im Amt des Erzpriesters. Sein Nachfolger auf der Pfarrstelle wurde der als Spross einer im polnischen Masowien stark verbreiteten Adelsfamilie nach Preußen zugewanderte Georg von Helm (bis 1588), der seinen Familiennamen schließlich nach dem Dorf in Pisanski änderte. Die Familie Pisanski brachte nachfolgend von besagtem Pfarrer abstammend viele prominente preußische Gelehrte, Theologen, Schriftsteller, Pädagogen und Wissenschaftler hervor, darunter der Königsberger Schriftsteller Georg Christoph Pisanski (1725–1790).

Herbst 1656 fielen die mit Polen verbündeten Tataren in weite Teile Masurens und damit in Pissanitzen ein. Überliefert ist wie sie während einen Sonntagsgottesdienst in die Kirche eindrangen und mehrere Anwesende erstachen. Pfarrer Trentovius (auch: von Trentowski), der zu diesem Zeitpunkt gerade auf der Kanzel predigte, konnte entkommen und flüchtete ins nahe Polen. Das Dorf mitsamt der Holzkirche wurde niedergebrannt. Insgesamt wurden beim Tatareneinfall 54 Menschen getötet, 329 gefangen genommen und dann meist in Gefangenschaft und Sklaverei verschleppt. Eine neue Holzkirche wurde dann 1667 errichtet. 1710 wurde Pissanitzen Opfer einer Pest-Epidemie, was die Einwohnerzahl des Dorfes abermals stark reduzierte.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war Pissanitzen vor allem geprägt durch Landwirtschaft und Pferdezucht. 1868 brannte abermals die Kirche nieder. Es entstand Jahre später dann erstmals eine Kirche aus Ziegelsteinen.

Am 27. Mai 1874 entstand nach einer preußischen Gemeindegebietsreform der Amtsbezirk Pissanitzen aus den Landgemeinden Czybulken, Groß Lasken, Kulissen, Loyen, Makoscheyen, Pissanitzen, Ropehlen und Sieden.

1895 lebten in Pissanitzen 516 Einwohner, davon waren 496 evangelischen, 6 katholischen und 12 anderen Glaubens.

Oktober 1913 wurde Pissanitzen über die Lycker Kleinbahnen an das Eisenbahnnetz und damit an die Kreisstadt Lyck angebunden.

1913 wurde auch die Kirche umfassend nach Plänen des preußischen Baumeisters Arthur Kickton renoviert, was aber nicht von langem Bestand war. 1914 wurde in den ersten Kampfhandlungen des Ersten Weltkrieges Pissanitzen mit hereingezogen und die Kirche durch russischen Artilleriebeschuss stark zerstört. Die Kirchenruine wurde nach dem Krieg 1922/23 in ihrem neogotischem Stil wieder aufgebaut.

Pissanitzen wurde am 14. Mai 1926 im Zuge der massiven Eindeutschung von Ortsnamen masurischer, polnischer oder litauischer Herkunft in Ebenfelde umbenannt. Analog wurde auch der Amtsbezirk umbenannt. 1931 wurde der Amtsbezirk Ebenfelde neugegliedert und umfasst statt der bisherigen acht Landgemeinden die Gemeinden Ebenfelde, Groß Lasken, Kulessen, Loyen, Makoscheyen und Sieden.

1939 lebten in Ebenfelde (Pissanitzen) 562 Einwohner. Daneben gab es 122 Häuser und 64 landwirtschaftliche Betriebe im Ort. Letzter Amtsvorsteher des Amtsbezirkes war von 1938 bis 1945 Wilhelm Kunke.

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Ebenfelde stark zerstört. Nach Ende des Krieges 1945 fiel das zum Deutschen Reich (Ostpreußen) gehörende Ebenfelde an Polen. Die ansässige deutsche Bevölkerung wurde, soweit sie nicht geflüchtet war, nach 1945 größtenteils vertrieben bzw. ausgesiedelt und neben der angestammten masurischen Minderheit durch Neubürger aus anderen Teilen Polens ersetzt. Der Ort Ebenfelde wurde nach der polnischen Schreibweise des historischen Ortsnamens Pissanitzen in Pisanica umbenannt.

In den 1950er Jahren entstand in Pisanica eine Fabrik für Backsteinproduktion als weiterer wichtiger Wirtschaftsfaktor. Ab 1961 entstand im Zuge dieser wirtschaftlichen Entwicklung am Rande von Pisanica ein Neubaugebiet, wodurch die Bevölkerungszahl auf 3.000 Einwohner (2006) anwuchs. In den 1970er Jahren entstand in Pisanica ein chemisches Werk. Pisanica bekam ein Gymnasium. Von 1975 bis 1998 gehörte Pisanica zur damaligen Woiwodschaft Suwałki, kam dann 1999 zur neu gebildeten Woiwodschaft Ermland-Masuren.

2001 wurde der reguläre Betrieb auf der durch Pisanica führenden Eisenbahnlinie, der Ełcka Kolej Dojazdowa, eingestellt.