Pistole

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Pistole (Begriffsklärung) aufgeführt.
Moderne Selbstladepistole (Browning 9 mm, Halbautomatik)

Die Pistole (Faustfeuerwaffe) ist eine Schusswaffe die zur Kategorie der Handfeuerwaffen gehört. Sie wird u. a. durch das deutsche Waffenrecht (WaffG) als Kurzwaffe definiert. Unterschieden werden Pistolen heute in einschüssige Pistolen, Selbstladepistolen und Revolver.

Etymologie[Bearbeiten]

Das Wort Pistole stammt aus dem Tschechischen (píšťala) und wird im Deutschen mit Rohr und im Englischen mit Pfeife (whistle) übersetzt, es fand über das Französische den Einzug in den deutschen Sprachgebrauch und verdrängte das ursprüngliche deutsche Wort Fäustling, mittelhochdeutsch faistling oder fustling[1].

Entwicklungsgeschichte[Bearbeiten]

Die Geschichte der Pistole beginnt parallel zur Geschichte des Gewehrs. War das Handrohr die erste Feuerwaffe im 14. Jahrhundert, so wurde es nach der Weiterentwicklung zur Arkebuse notwendig, diese Waffen kleiner, handlicher und mobiler zu machen. Im Besonderen drängte die Reiterei der Armeen des ausklingenden Mittelalters auf eine Alternative zur Arkebuse.

Frühe Pistolen[Bearbeiten]

Luntenschlosspistole eines Samurai
Radschlosspistole „Puffer“ um 1580
Steinschlosspistolen, England 18. Jahrhundert
Perkussionspistole Frankreich, Kavallerie, „Mle 1842“

Die Entwicklung der frühen Pistolen wurde von der Entwicklung der Zündsysteme maßgeblich mit geprägt. Die Übergänge der Pistolengrundtypen und der Zwang zur Modernisierung der jeweiligen Armeebestände hat seinerzeit dazu geführt, dass zum Teil die Waffen auf modernere Zündsysteme aptiert wurden.

  • Luntenschlosspistolen sind lediglich von wenigen chinesischen und japanischen Pistolen bekannt, die allerdings bis ins 19. Jahrhundert in Gebrauch waren.
  • Durch die Erfindung des Radschlosses im Jahre 1517 wurde es ermöglicht, eine kompaktere und sichere Zündungsmethode im Gegensatz zu den Luntenschlössern zu haben. Die Pistole (Faustrohr, Faustbüchse, Fäustling, im 16. und 17. Jahrhundert auch Puffer) wurde ursprünglich als Schusswaffe für Reiter entwickelt, erste Modelle tauchten um 1510 auf. Die in den 1540er Jahren aufkommende Truppengattung der Kürassiere war mit Pistolen ausgerüstet. Erstmalige Verwendung in einer größeren Kampfhandlung fand die Pistole in der 1547 ausgefochtenen Schlacht bei Mühlberg. Im 17. Jahrhundert versuchte Philipp von Zesen erfolglos, das Wort Pistole durch Meuchelpuffer zu ersetzen.



  • Im 17. Jahrhundert kamen Steinschlosspistolen auf und ersetzten bis etwa zum Anfang des 18. Jahrhunderts die Radschlosspistolen, weil sie weniger witterungsanfällig und preiswerter in der Herstellung waren.
  • Die Perkussionspistole stellte am Anfang des 19. Jahrhunderts den nächsten und letzten Entwicklungsschritt der Vorderladerpistole dar. Die Pistole war für lange Zeit die einzige Faustfeuerwaffe, bis sie in der Mitte des 19. Jahrhunderts im militärischen Bereich vom mehrschüssigen Revolver abgelöst wurde. Einschüssige Pistolen wurden in der Folge hauptsächlich zum Scheibenschießen und als Duellwaffen eingesetzt.

Revolver[Bearbeiten]

1837 begann Samuel Colt in der Patent Arms M'g Co Paterson mit der serienmäßigen Herstellung von Perkussionsrevolvern, deren Weiterentwicklungen im Amerikanischen Bürgerkrieg eine wichtige Rolle spielten. Bereits 1858 brachte die Firma Smith & Wesson mit dem kleinkalibrigen S & W No 1 den ersten Revolver als Hinterlader auf den Markt, der vorgefertigte Patronen, die in eine rotierende Trommel geladen wurden, verschoss. Bereits 1869, nach dem Auslaufen des Rollin White Patents, das die Herstellung von Revolvern mit durchbohrter Trommel schützte, wurden grosskalibrige Revolver entwickelt, die bis zum Ende des Jahrhunderts den Markt beherrschten. Bekannte Beispiele sind der Colt Single Action Army, der Smith & Wesson No 3 und der englische Webley-Revolver. Diese fanden weltweit Verwendung als militärische und polizeiliche Dienstwaffen.

Moderne Pistolen[Bearbeiten]

P80 (Glock 17)

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts begann die Entwicklung moderner Pistolen. Selbstladekonstruktionen, ursprünglich für Gewehre entwickelt, wurden bald für die ersten modernen Pistolenmodelle verwendet. Zu den ersten funktionstüchtigen Selbstladepistolen zählten die Borchardt C93 und die daraus entwickelte Parabellum (Luger), die Mauser C96 sowie Modelle von Bergmann und Browning.

Die moderne Pistole stieß recht bald auf großes Interesse bei den Armeen, da sie sich durch einige Vorzüge vom mittlerweile vielfach verwendeten Revolver abhob. Pistolen verfügten meist über eine höhere Munitionskapazität als Revolver, zudem war nach dem Schuss der Zündmechanismus bereits gespannt, das beim Revolver notwendige Spannen des Hahns entfiel. Darüber hinaus konnten sie schneller nachgeladen werden, da hier das geleerte Magazin entfernt und durch ein volles ersetzt wurde. Selbst Ladestreifen (verwendet bei Modellen ohne Wechselmagazin) waren schneller und einfacher zu bedienen. Auch waren gefüllte Pistolenmagazine handlicher und leichter zu verstauen als einzelne Patronen, dadurch konnten auch problemlos größere Mengen Munition mitgeführt werden.

Lediglich die aufwendige Wartung der Pistole ist ein Nachteil gegenüber dem Revolver. Um eine einwandfreie Funktion zu gewährleisten, ist deren regelmäßige Wartung unumgänglich, Revolver sind dagegen weniger störanfällig. Darüber hinaus können bei der Pistole gelegentlich Ladehemmungen auftreten. Trotzdem setzte sich die Pistole gegenüber dem Revolver als Ordonnanzwaffe beim Militär durch. Schon im Ersten Weltkrieg waren in fast allen Armeen die meisten Offiziere und Ordonnanzen mit Pistolen ausgestattet. Eine der wenigen Ausnahmen war die britische Armee, die im Ersten Weltkrieg noch traditionell Revolver einsetzte.

Heute gibt es eine Vielfalt an Pistolen für den sportlichen, polizeilichen und militärischen Einsatz.

Konstruktiv[Bearbeiten]

Konstruktionsmerkmal einer Pistole ist, dass Patronenlager und Lauf aus einem Stück bestehen; dies im Gegensatz zum Revolver (Ausn. Bündelrevolver), bei dem die Patronenlager vom Lauf getrennt in einer drehbaren Trommel untergebracht sind.

Unterscheidungen[Bearbeiten]

Es werden unterschieden:

Heute gebräuchlich ist fast nur noch die Selbstladepistole, Repetierpistolen mit Magazinzufuhr sind weitgehend Sammelobjekte und Kuriositäten.

Einzelladerpistole[Bearbeiten]

Moderne Einzelladerpistolen werden für das sportliche Präzisionsschießen auf Kurzdistanz (Kleinkaliber-Matchpistolen) und zum Schießen auf größere Distanzen eingesetzt. Auch die meisten Signalpistolen sind Einzellader. Einzelladerpistolen sind in erster Linie Vorderladerpistolen (historische oder nachempfundene). Zudem gibt es Einzelladerpistolen, so die amerikanischen Derringer, die als Taschenpistolen, ggf. auch doppelläufig ausgeführt sind.

Mehrladerpistole[Bearbeiten]

Repetierpistole[Bearbeiten]

Repetierpistolen verfügen über einen, wenn auch meist geringen, Munitionsvorrat, aus dem einzelnen Patronen über einen manuellen Repetiervorgang nachgeladen werden können. Dabei handelt es sich meist um ältere Pistolenmodelle (z. B. Semmerling LM4) oder mehrschüssige Sportpistolen für das Silhouettenschießen auf größere Distanzen (meist mit Gewehr-Repetiersystemen ausgerüstet), wie z.B. die Remington XP-100R Pistole.

Selbstladepistole[Bearbeiten]

Im Gegensatz zu vollautomatischen Pistolen (Maschinenpistolen oder Reihenfeuerpistolen) muss zum Abfeuern der Selbstladepistole (Halbautomatik) jedes weiteren Schusses der Abzug erneut betätigt werden. Im heutigen Sprachgebrauch werden Selbstladepistolen allgemein nur als Pistolen bezeichnet.

Ab 1893 wurden Selbstladepistolen hergestellt. Der Nachladevorgang wird durch den Rückstoß ausgelöst. Bei Taschenpistolen ist der Verschluss meist ein unverriegelter Masseverschluss. Für starke Ladungen müssen Lauf und Verschluss jedoch verriegelt sein, was mit einem Kniegelenk (Pistole 08), einem Schwenkriegel (Walther P38), Drehverschluss (Steyr M1912) oder abkippbaren Lauf (Browning-System) geschehen kann. Seltener sind Pistolen mit verzögertem Masseverschluss. Der Antrieb des Nachladevorganges kann auch durch abgeleitetes Gas erfolgen, solche als Gasdrucklader funktionierenden Pistolen sind jedoch selten (Desert Eagle).

Selbstladepistolen werden technisch generell nach Art des Verschlusses und des Schlosses unterschieden. Bei den Verschlussarten unterscheidet man zwischen unverriegelten und verriegelten Systemen, wie schon oben angeführt. Beim Schloss einer Pistole, also dem Abfeuerungsmechanismus, unterscheidet man zwischen dem Schlagbolzen-, Hahn- und Schlagstück-Schloss. Pistolen mit einem Schlagbolzenschloss sind z. B. die Browning 1900, FN 1910 bis zur Glock. Die Arbeit macht hier der gespannte gefederte Bolzen, dessen Masse und seine Zündspitze die Patrone zündet (Bolzen der selber schlägt). Beim Hahnschloss, schlägt ein durch den Daumen fassbarer Hahn auf einen Zündstift (Stift, welcher geschlagen wird, um zu zünden), der die Kraft weitergibt und die Patrone zündet. Die Colt-Pistole M. 1911, so auch die Walther PP, und viele andere moderne Pistolen wären als Beispiel zu nennen. Das Schlagstückschloss, welches umgangssprachlich auch als innenliegendes Hahnschloss (Hammerless) bezeichnet wird, besitzt keinen mit der Hand fassbaren Hahn, deshalb diese Bezeichnung. Das Schlagstück schlägt ebenfalls auf einen Zündstift, welcher die Kraft zum Abfeuern überträgt. Deshalb gibt es im waffentechnischen Begriffswesen den Unterschied zwischen Schlagbolzen und Zündstift.

Funktionsprinzip[Bearbeiten]

Nach Abfeuern einer Patrone schiebt der Rückstoß oder Gasdruck den Verschluss (Schlitten oder Verschlussstück) nach hinten, dabei wird der Verschluss bei verriegelten Systemen entriegelt. Dabei zieht der am Verschluss angebrachte Auszieher (Auszieherkralle) die leere Patronenhülse an der hierfür bestimmten Rille aus dem Patronenlager.

Die Verriegelung zwischen Lauf und Verschluss ist ab einer bestimmten Leistung erforderlich, da sich der Verschluss ohne die Verriegelung öffnen würde, solange sich das Geschoss noch im Lauf befindet. Die Folge wäre, dass die Patronenhülse, die ohne das sie umgebende Patronenlager dem Gasdruck nicht standhalten kann, durch den Gasdruck gesprengt würde. Durch die aus dem Auswurffenster fliegenden Hülsenteile könnten der Schütze oder Dritte verletzt werden, außerdem wäre die Funktion der Waffe nicht mehr gewährleistet.

Im weiteren Rücklauf trifft die vom Auszieher gehaltene Hülse auf den Auswerfer, der meist innen am Griffstück der Pistole angebracht ist. Dadurch wird die Hülse seitlich nach oben durch das Auswurffenster des Verschlusses ausgeworfen, während der Verschluss weiter zurück läuft und ein eventuell vorhandenes Schlagstück (Hammer, Hahn) spannt.

In seiner hinteren Position angekommen, schiebt die Verschlussfeder (Schließfeder, Vorschubfeder) den Verschluss wieder nach vorne. Dabei führt der Verschluss mit der Unterkante eine neue Patrone aus dem Magazin dem Patronenlager zu, dabei greift der Auszieher wieder in die Rille am Boden der Hülse. Bei verriegelten Systemen verriegelt im weiteren Vorlauf der Verschluss. In der vordersten Stellung angekommen, befindet sich eine neue Patrone im Patronenlager und das Schlagstück ist gespannt. Für einen weiteren Schuss muss der Schütze nun lediglich den Abzug loslassen und erneut betätigen.

Verwendung[Bearbeiten]

Selbstladepistolen werden von den meisten Armeen, Polizeieinheiten, Sicherheitsdiensten, etc. eingesetzt.

Sportlich sind Selbstladepistolen bei den meisten Schießsportverbänden in Gebrauch.

Im Bereich der Jagd werden Selbstladepistolen bei der Nachsuche bzw. für den Fangschuss eingesetzt.

Reihenfeuerpistole[Bearbeiten]

Reihenfeuerpistolen sind auf Serienfeuer (ggf. begrenzte Schusszahl) umschaltbare Selbstladepistolen. Neben einer oftmals verstärkten Konstruktion verfügen sie über eine größere Magazinkapazität und zusätzlich montierbare Griff- und Schulterstützen. Typische Vertreter moderner Reihenfeuerpistolen sind die Beretta 93R und die VP70.

Sonderformen[Bearbeiten]

Sportpistole[Bearbeiten]

Eine Sportpistole ist eine Pistole, die zum Zweck des sportlichen Wettkampfs (Sportschießen) hergestellt und verwendet wird.

Maschinenpistole[Bearbeiten]

Klassische Maschinenpistolen sind mit einem Schaft versehen und können wie Gewehre ab der Schulter geschossen werden. Sie verschießen in der Regel Pistolenmunition. Die Zuordnung zu den Pistolen ist aufgrund unterschiedlicher Größe, Konstruktion und verwendeter Munition umstritten.

Raketenpistole[Bearbeiten]

Bei einer Raketenpistole treten die heißen Gase durch Düsen am Rand des Patronenbodens aus und beschleunigen so die gesamte Patrone – diese wird damit insgesamt zum Projektil. Bekanntestes Beispiel ist die 1960 in den USA hergestellte Gyrojet-Pistole.

Signalpistole[Bearbeiten]

Bei Signalpistolen, (auch Leuchtpistole, in der Schweiz fälschlicherweise Raketenpistole genannt) handelt sich um großkalibrige, glattläufige Schusswaffen, mit denen Signalpatronen in Form von unterschiedlich wirkenden Leuchtpatronen oder akustisch wirkenden Signalpatronen verschossen werden können. Es gibt einläufige, selten zweiläufige Varianten dieser Pistolen, die in der Regel einen Kipplaufverschluss haben.

Von Interesse ist auch, dass im Zweiten Weltkrieg auf deutscher Seite eine Variante der Leuchtpistole, die Kampfpistole zum Verschießen von Granaten im Kaliber 26,25 mm zum Einsatz kam. Sie unterschied sich von der Leuchtpistole mit glattem Lauf durch ihren gezogenen Lauf und durch ein aufgeprägtes Z links am Gehäuse.

Schreckschusspistole[Bearbeiten]

Schreckschusspistolen erzeugen nur Lärm, ohne ein Geschoss zu verschießen. Bei Sportanlässen können sie auch als Startpistolen verwendet werden.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • David Harding (Hrsg.): Waffenenzyklopädie. 7000 Jahre Waffengeschichte. Motorbuch-Verlag, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-613-02894-4.
  • Gerhard Bock, Georg Seitz, Heinz Habersbrunner, Wolfgang Weigel: Handbuch der Faustfeuerwaffen. 8. neubearbeitete und erweiterte Auflage. Neumann-Neudamm, Melsungen 1989, ISBN 3-7888-0497-1.
  • Rolf Hennig: Pistole und Revolver. Sicherer Umgang mit Faustfeuerwaffen. 6. völlig neubearbeitete Auflage (Neuausgabe). BLV-Verlagsgesellschaft, München u. a. 1982, ISBN 3-405-12678-9.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. [1] Schmitthenner, Friedrich, Kurzes Deutsches Wörterbuch für Etymologie: Synonymik und Orthographie, Darmstadt, 1834

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Pistole – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Pistole – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen