Pitcairnia

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Pitcairnia
Pitcairnia wendlandii

Pitcairnia wendlandii

Systematik
Monokotyledonen
Commeliniden
Ordnung: Süßgrasartige (Poales)
Familie: Bromeliengewächse (Bromeliaceae)
Unterfamilie: Pitcairnioideae
Gattung: Pitcairnia
Wissenschaftlicher Name
Pitcairnia
L’Hér.

Pitcairnia ist eine Pflanzengattung in der Unterfamilie Pitcairnioideae innerhalb der Familie der Bromeliengewächse (Bromeliaceae). Sie ist mit 300 bis 400 Arten, die zweitartenreichste Gattung der Familie.

Beschreibung und Ökologie[Bearbeiten]

Heterophylle Art: Habitus mit Niederblättern in der Trockenzeit von Pitcairnia piepenbringii
Heterophylle Art: Laubblätter mit Saugschuppen und Blütenstände mit zygomorphen Blüten von Pitcairnia piepenbringii
Habitus und Blütenstand von Maisblättrige Pitcairnia (Pitcairnia maidifolia). Beachte die für Bromelien untypische Form der glattrandigen Blätter
Zygomorphe Blüte im Detail von Pitcairnia elvirae, mit Kelchblättern, Kronblättern und gebogenen Staubblättern
Offene, dreiklappige Kapselfrüchte mit Samen von Pitcairnia spicata
Flugfähige Samen von Pitcairnia sceptrigera

Erscheinungsbild[Bearbeiten]

Die Pitcairnia-Arten wachsen meist als ausdauernde krautige Pflanzen. Die Sprossachsen können gestaucht sein, dann wachsen die Arten rosettenförmig, oder die Sprossachsen sind nicht gestaucht, dann sehen die Pflanzen Mais etwas ähnlich oder im Extremfall sind es kletternde Arten. Die größten Arten (Pitcairnia villetaensis) erreichen Wuchshöhen von 3 Metern, die klein bleibenden Arten (beispielsweise Pitcairnia tabuliformis, Pitcairnia andreana) erreichen nur Wuchshöhen von gut 15 Zentimetern. Einige Arten bilden Rhizome. Die meisten Arten sind immergrün. Alle Arten sind nicht winterhart.

Blätter[Bearbeiten]

Die Laubblätter sind sehr vielgestaltig. Einige Arten besitzen in Blattstiel und Blattspreite gegliederte Blätter, das ist für Bromelien ungewöhnlich, sogar innerhalb der Einkeimblättrigen Pflanzen ist das nicht sehr häufig. Der Blattrand kann je nach Art glatt oder stachelig sein.

Einige Arten sind heterophyll (d. h. sie bilden unterschiedliche Blätter). Sie werfen ihre grünen Laubblätter während der Trockenzeit ab und bilden sie mit Beginn der Regenzeit neu. In der Trockenzeit haben sie nur derbe, trocken wirkende, bewehrte, kleine Blätter, es sind chlorophyllfreie Niederblätter. Diese Arten blühen in der Trockenzeit, also wenn sie keine Laubblätter haben.

Blütenstände und Blüten[Bearbeiten]

Die oft dekorativen Blütenstände besitzen laubblattähnliche oder häutige Hochblätter oft in unterschiedlichen Rottönen. Die endständigen Blütenstände können traubig, ährig oder zusammengesetzt sein.

Sowohl die Einzelblüten als auch die Blütenstände sind nicht lange haltbar, deshalb werden Pitcairnia-Arten von Gärtnereien nicht angebaut. In privaten Sammlungen sind sie selten, aber die meisten botanischen Gärten haben einige Arten.

Die häufig sehr schönen Blüten können weiß oder gelb sein oder häufig haben sie unterschiedliche rote Farbtöne. Die zwittrigen, dreizähligen Blüten sind (meist leicht) zygomorph. Einige Arten werden von Vögeln bestäubt. Manche Arten haben zurückgerollte Kronblätter. Die Kronblätter besitzen oft an der Basis Schüppchen (Ligula). Es sind zwei Kreise mit je drei freien Staubblättern vorhanden. Die drei Fruchtblätter sind zu einem halbunterständigen Fruchtknoten verwachsen.

Nur wenige Pitcairnia-Arten blühen in der Nacht - Beispiele sind Pitcairnia stenophylla und Pitcairnia loki-schmidtiae.[1]

Die Blütenformel lautet:  \downarrow \; K_3 \;  C_3 \; A_{3+3} \; G_{\overline{(3)}}\;

Früchte und Samen[Bearbeiten]

Es werden dreiklappige Kapselfrüchte gebildet. Die Früchte enthalten viele flugfähige Samen, die kamm- oder haubenförmige Anhängsel haben. Samen sind nicht lange keimfähig. Die Samen keimen sehr leicht, man kann also leicht Jungpflanzen heranziehen.

Verbreitung[Bearbeiten]

Das Areal der Gattung reicht vom südlichen Mexiko über die Karibischen Inseln bis zum nördlichen Argentinien und Peru. Eine Art aus dieser Gattung, Pitcairnea feliciana hat ihre ursprüngliche Heimat in Westafrika. Alle anderen Bromeliaceae sind rein neuweltlich beheimatet.

Heute findet man Arten in tropisch feuchten bis semiariden Gebieten. Es gibt terrestrisch und epiphytisch wachsende Arten, sogar wenige kletternde Arten kennt man. Einige Arten wachsen direkt an Felsen. Als Besonderheit gedeiht Pitcairnia flammea an amphibischen Standorten in Bergbächen (Rheophyt).

Systematik[Bearbeiten]

Die Gattung Pitcairnia wurde am 7. Januar 1789 durch Charles Louis L’Héritier de Brutelle in Sertum Anglicum, S. 7 aufgestellt. Der Gattungsname Pitcairnia ehrt den englischen Arzt und Botaniker William Pitcairn (1711–1791). Typusart ist Pitcairnia bromeliifolia L'Hér. Pitcairnia L'Hér. nom. cons. wurde konserviert gegenüber Hepetis Sw. nom. rejic. (Nova Genera et Species Plantarum seu Prodromus, 4, Juli 1788, S. 56). Weitere Synonyme für Pitcairnia L'Hér. nom. cons. sind: Cochliopetalum Beer, Conanthes Raf., Lamproconus Lem., Melinonia Brongn. ex E. Morren, Neumannia Brongn., Orthopetalum Beer, Phlomostachys Beer, Spirastigma L'Hér. ex Pfeiffer, Willrussellia A.Chev., Pepinia Brongn. ex André.[2]

Einige Arten wurden in eine Gattung Pepinia Brongn. ex André (so dargestellt z. B. bei Luther 2004) ausgegliedert; beispielsweise Untersuchungen von Ralf Horres 2003 bestätigen diese Trennung nicht und bevorzugen den alten Umfang der Pitcairnia (wie in BromeliadEncyclopaedia).

Es gehören 300 bis 400 Arten in die Gattung Pitcairnia (Stand Ende 2014):[3][2]
Habitus und Laubblätter von Pitcairnia altensteinii
Habitus, Laubblätter und Blütenstände der kleinbleibenden Art Pitcairnia andreana
Habitus, Laubblätter und Blütenstand von Pitcairnia atrorubens
Habitus, Laubblätter und Blütenstände von Pitcairnia bifrons im Habitat
Blütenstand mit roten Blüten von Pitcairnia bifrons im Habitat mit jüngeren Pflanzen im Hintergrund
Blütenstand von Pitcairnia carnososepala
Habitus, Laubblätter und Blütenstand von Pitcairnia echinata
Blütenstand von Pitcairnia echinata
Habitus, Laubblätter und Blütenstände von Pitcairnia elvirae
Habitus, Laubblätter und Blütenstand von Pitcairnia flammea var. flammea
Ausschnitt eines Blütenstandes mit zygomorphen Blüten von Pitcairnia grafii
Habitus, Laubblätter und Blütenstände von Pitcairnia heydlauffii
Habitus, Laubblätter und Blütenstände von Pitcairnia imbricata
Blütenstand mit weißlichen Blüten von Pitcairnia imbricata
Habitus, Laubblätter und Blütenstände von Pitcairnia lanuginosa im Habitat
Habitus, Laubblätter und Blütenstand von Pitcairnia loki-schmidtiae
Dreizählige Blüte in Detail von Pitcairnia loki-schmidtiae
Habitus, Laubblätter und Blütenstand von Pitcairnia macrochlamys
Zygomorphe Blüte im Detail von Pitcairnia macrochlamys
Blütenstand mit roten Hochblättern und weißen Blüten von Pitcairnia olivaestevae
Blütenstand von Pitcairnia prolifera
Habitus und Laubblätter von Pitcairnia punicea
Habitus und Laubblätter von Pitcairnia sanguinea
Habitus, Laubblätter und Blütenstände von Pitcairnia sceptrigera
Ausschnitt des Blütenstandes mit zygomorphen Blüten in unterschiedlichen Entwicklungsstadien von Pitcairnia sceptrigera
Laubblätter und Blütenstände von Pitcairnia smithiorum
Habitus, Laubblätter und Blütenstände von Pitcairnia spicata
Habitus und Laubblätter der kleinbleibenden Art Pitcairnia tabuliformis
Habitus, Laubblätter und Blütenstände von Pitcairnia ulei im Habitat
Blütenstand von Pitcairnia villetaensis

Quellen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Werner Rauh: Bromelien − Tillandsien und andere kulturwürdige Bromelien. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 1990, ISBN 3-8001-6371-3.
  • Lyman B. Smith, Robert Jack Downs: Flora Neotropica, Monograph 14, Part 1, Pitcairnioideae (Bromeliaceae), Hafner Press, New York, 1974, ISBN 0-89327-303-1: Pitcairnia ab S. 224.
  • Eric J. Gouda: Studies on the Flora of the Guianas: The Genus Pitcairnia (Bromeliaceae). In: Selbyana, Volume 30, Issue 1, 2009, S. 80-88. JSTOR 41760350

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Werner Rauh, Wilhelm A. Barthlott: Pitcairnia loki-schmittiae. (PDF; 230 kB)
  2. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z aa ab ac ad ae af ag ah ai aj ak al am an ao ap aq ar as at au av aw ax ay az ba bb bc bd be bf bg bh bi bj In „Species Index“ auf Pitcairnia klicken bei Eric J. Gouda, Derek Butcher, Kees Gouda: Encyclopaedia of Bromeliads, Version 3.1 (2012). zuletzt eingesehen am 19. Januar 2015
  3. Harry E. Luther: An Alphabetical List of Bromeliad Binomials, 2008 in The Marie Selby Botanical Gardens, Sarasota, Florida, USA. Veröffentlicht durch The Bromeliad Society International. (PDF-Datei; 314 kB)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Pitcairnia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Georeferenzierung Karte mit allen verlinkten Seiten: OSM, Google oder Bing