Pithom

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Pithom / Pitom in Hieroglyphen
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Pithom / Pitom / Per-Tum
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Haus des Atum [1]
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Pithom / Pitom / Per-Tum
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Haus des Atum [1]

Pithom oder Teku (auch Pitom; altägyptisch Per-Tum [1], Per-Tem; assyrisch Nathu) liegt in der östlichen Nildelta-Region des Halbtrockentales Tjeku. Aufgrund der vorhandenen Zuordnungsschwierigkeiten und teilweisen Widersprüche besteht bezüglich einer sicheren Lokalisierung von Pithom bis heute unter den Wissenschaftlern kein Konsens darüber, welcher der archäologisch erschlossenen Ruinenhügel dem biblischen Pithom beziehungsweise Heroonpolis entspricht, wobei die Region auf die Orte Tell er-Retaba und Tell el-Maschuta eingegrenzt werden konnte. Pithom (Tjeku) war die Hauptstadt des 8. unterägyptischen Gaues.

Hintergrund[Bearbeiten]

Ältere Grabungsbefunde[Bearbeiten]

Pithom (Ägypten)
Tell er-Retaba
Tell er-Retaba
Tell el-Maschuta
Tell el-Maschuta
Tell er-Retaba und Tell el-Maschuta in Ägypten

1883 untersuchte Édouard Naville die etwa 16 km westlich von Ismailia gelegenen Ruinen von Tell el-Maschuta im östlichen Wadi Tumilat. Er kam nach seinen Recherchen zu dem Ergebnis, dass es sich um Pithom handeln müsse, da sich unter Ausgrabungsgegenständen mehrere Denkmäler aus der Zeit von Ramses II. befanden.

Auf einer Statue aus der 22. Dynastie wird das „Haus des Atum (Per-Atum)“ erwähnt. Eine weitere große Stele aus ptolemäischer Zeit, bekannt als „Pithomstele“, enthält die Namen Tjeku und Per-Atum.

Aus römischer Zeit ist eine lateinische Inschrift mit dem Ortsnamen Ero (castra) erhalten, was dem griechischen „Heroonpolis“ entspricht. In der Septuaginta wird in Gen. 46,28 die hebräische Ortsbezeichnung Gosen mit Heroonpolis wiedergegeben. Die koptische Bibelübersetzung nennt statt Heroonpolis den Ort Pethom. Naville schloss daraus die Gleichsetzung von Tell el-Maschuta mit Pithom. Tjeku solle dagegen die gesamte Region bezeichnen.

Flinders Petrie hatte 1905 bei Tell er-Retaba (Nähe heutiges al-Qaṣṣāṣīn), etwa 15 km westlich von Tell el-Maschuta, eine Festung aus dem Neuen Reich freigelegt. Ramses II. hatte dort einen Tempel für den Kult des Atum als Herr von Tjeku errichtet. Eine Stele und Statue zeigen ihn mit Atum. Ramses III. errichtete ebenso an diesem Ort Denkmäler und verstärkte die Festung.[2] Während der Zeit des Neuen Reiches wurde das Gebiet unter anderem auch von den Schasu-Stämmen genutzt:

„Die Schasu-Stämme aus Edom (šʒśw n jdwm) passierten das Fort des Merenptah in Tjeku, um bei den Teichen des Atum-Tempels ihr Vieh weiden zu lassen. Ich habe sie am Tag des Geburtstags von Seth (3. Heriu-renpet) zu dem Ort gebracht, wo sich auch bereits die anderen Schasu-Stämme aufhalten, die vor Tagen das Fort des Merenptah in Tjeku passierten. Bericht eines ägyptischen Grenzbeamten[3]

Die Aussage im Alten Testament (Gen 47,11), dass sich Josephs Familie im Lande Ramses ansiedelte, ist von der Tradierung des Auszugmotivs beeinflusst, das eine Mitwirkung beim Bau der Städte Pi-Ramesse und Pithom voraussetzt.[4] Alan Gardiner hatte vorgeschlagen, Tell er-Retaba mit Pithom gleichzusetzen, während Tjeku als Ortsbezeichnung sowohl ein größeres Gebiet als auch eine bestimmte Stadt benennen kann und mit Tell el-Maschuta gleichzusetzen ist.[5]

Neue Grabungskampagnen[Bearbeiten]

Seit 1977 wurde Tell el-Maschuta mehrmals durch neue Grabungskampagnen untersucht. In der zweiten Zwischenzeit (1648 bis 1550 v. Chr.) existierte in Tell el-Maschuta eine Siedlung der Hyksos. Dagegen ist für den Zeitraum während des Neuen Reiches (1550 bis 1070 v. Chr.) und der dritten Zwischenzeit (1070 bis 652 v. Chr.) keine Besiedlung festzustellen, wie der Grabungsbefund der gefundenen Keramik ergab.

Die Festungsstadt Tell er-Retaba war während des Neuen Reiches im Wadi Tumilat der einzige größere Ort und nur von 600 bis 400 v. Chr. unbewohnt. Durch diese Ergebnisse ergibt sich, dass es sehr wahrscheinlich erscheint, dass Tell el-Maschuta nach Tell er-Retaba ein Stück weiter östlich neu gegründet wurde. In dieser Zeit ließ Necho II. (610 bis 595 v. Chr.) den Bubastis-Kanal zum Roten Meer anlegen, der durch das Wadi Tumilat führte.

Die älteren Denkmäler der Ramessiden- und dritten Zwischenzeit, die aus Tell el-Maschuta stammen, müssten deshalb einen späteren Transport dorthin erfahren haben. Kenneth Anderson Kitchen widersprach dieser Rekonstruktion. Nach seiner Meinung existierten Tell er-Retaba (Pithom) und Tell el-Maschuta (Tjeku) im Neuen Reich gleichzeitig als bedeutende Siedlungen. Die keramischen Befunde ließ Kitchen bei seiner Annahme allerdings unberücksichtigt.

Identifikationen[Bearbeiten]

Tell er-Retaba und die Nachfolgesiedlung Tell el-Maschuta wurden sowohl mit Tjeku und Pithom bezeichnet. Sicher belegt ist jedoch nur die Gleichsetzung von Pithom mit Tell el-Maschuta. Die von Naville betitelten ausgegrabenen Gebäude als „Handelshäuser“ , die er auf Ex 1,11 bezog, wurden erst in ptolemäischer Zeit errichtet, als Ptolemaios II. den Kanal erneuern ließ. Herodot[6] ortete den von Necho II. gebauten Kanal geografisch einem Nilarm bei Bubastis zu, der im weiteren Verlauf durch das Wadi Tumilat zum Roten Meer führte und an „der arabischen Stadt Patumos“ vorbeifloss.

Vom 1. Jahrhundert v. Chr. bis zum 2. Jahrhundert n. Chr. fehlen Besiedlungsspuren. Kurze Zeit später, unter Trajan, erreichte der Ort durch den erneuten Kanalausbau die größte Ausdehnung. Die in hellenistischer Zeit angeblich verwendete Bezeichnung als Heroonpolis ist nicht gesichert. Strabo[7] verortete Heroonpolis „zum äußersten Winkel des arabischen Meerbusens[8] Dann aber kann Heroonpolis nicht die Siedlung Tell el-Maschuta gewesen sein.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans Bonnet: Pithom. In: Hans Bonnet: Lexikon der ägyptischen Religionsgeschichte. Nikol, Hamburg 2005, ISBN 3-937872-08-6, S. 596.
  • Alan Gardiner: The Delta Residence of the Ramessides, IV. In: The Journal of Egyptian Archaeology. Bd. 5, Nr. 4, 1918, ISSN 0307-5133, S. 242–271.
  • Pithom. In: Wolfgang Helck, Eberhard Otto: Kleines Lexikon der Ägyptologie. 4., überarbeitete Aufl. Harrassowitz, Wiesbaden 1999, ISBN 3-447-04027-0, S. 225.
  • John S. Holladay: Tell el-Maskhuṭa. Preliminary report on the Wadi Tumilat Project 1978–1979 (= Cities of the Delta. Bd. 3 = American Research Center in Egypt. Reports. Nr. 6). Undena Publications, Malibu CA 1982, ISBN 0-89003-084-7.
  • John S. Holladay: Tell el-Maschuta. In: Kathryn A. Bard, Steven Blake Shubert (Hrsg.): Encyclopedia of the archaeology of ancient Egypt. Routledge, London u. a. 1999, ISBN 0-415-18589-0, S. 786–789.
  • Ellen Fowles Morris: The architecture of imperialism. Military bases and the evolution of foreign policy in Egypt's New Kingdom (= Probleme der Ägyptologie. PdÄ. Bd. 22). Brill, Leiden u. a. 2005, ISBN 90-04-14036-0 (Zugleich: Philadelphia PA, Universität, Dissertation, 2001).
  • Édouard Naville: The Store-city of Pithom and the Route of the Exodus (= Memoir of the Egypt Exploration Fund. Bd. 1, ISSN 0307-5109). Trübner, London 1885, (online).
  • Mohamed I. Bakr, Helmut Brandl: Various Sites in the Eastern Nile Delta: Tell el-Maskhuta. In: Mohamed I. Bakr, Helmut Brandl, Faye Kalloniatis (Hrsg.): Egyptian Antiquities from the Eastern Nile Delta. = ʾĀṯār misrīya (= Museums of the Nile Delta. Bd. 2). Opaion, Kairo/ Berlin 2014, ISBN 978-3-00-045318-2, S. 78 und 266-267, Katalog 72.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Der Gott ist im Original mit dem Zeichen A45b (Extended Library) wiedergegeben, das jedoch nicht im Zeichensatz von Wikipedia vorhanden ist. Daher erfolgt die Darstellung hier hilfsweise mit dem Zeichen C12. Hieroglyphen gemäß Edouard Naville: The Store-city of Pithom and the Route of the Exodus. 1885, S. 5.
  2. Ellen-Fowles Morris: The architecture of imperialism. 2005, S. 504–508 und 740–741.
  3. Kurt Galling (Hrsg.): Textbuch zur Geschichte Israels. (TGI). 3., durchgesehene Auflage. Mohr, Tübingen 1979, ISBN 3-16-142361-5.
  4. Herbert Donner: Geschichte des Volkes Israel und seiner Nachbarn in Grundzügen. Teil 1: Von den Anfängen bis zur Staatenbildungszeit (= Das Alte Testament deutsch. ATd. Ergänzungsreihe. Bd. 4, 1). 4., unveränderte Auflage. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2007, ISBN 978-3-525-51679-9, S. 103.
  5. Alan Gardiner: The Delta Residence of the Ramessides, IV. 1918, S. 267–269.
  6. Herodot II, 158; sowie Texte griechischer und lateinischer Autoren.
  7. Strabo XVII 1, 21 und 26.
  8. Ähnlich äußerten sich auch Plinius und Claudius Ptolemäus.