Pitten

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Dieser Artikel beschreibt den Ort . Für den Fluss siehe Pitten (Fluss), für die historische Herrschaft siehe Grafschaft Pitten.
Pitten
Wappen von Pitten
Pitten (Österreich)
Pitten
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Niederösterreich
Politischer Bezirk: Neunkirchen
Kfz-Kennzeichen: NK
Fläche: 13,09 km²
Koordinaten: 47° 43′ N, 16° 11′ O47.71611111111116.186388888889376Koordinaten: 47° 42′ 58″ N, 16° 11′ 11″ O
Höhe: 376 m ü. A.
Einwohner: 2.532 (1. Jän. 2014)
Bevölkerungsdichte: 193 Einw. pro km²
Postleitzahlen: 2822, 2823
Vorwahl: 02627
Gemeindekennziffer: 3 18 23
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Wiener Neustädterstraße 24
2823 Pitten
Website: www.pitten.gv.at
Politik
Bürgermeister: Günter Moraw (SPÖ)
Gemeinderat: (2010)
(21 Mitglieder)
12 SPÖ, 4 ÖVP, 3 Bürgerforum, 2 Grüne
Lage der Marktgemeinde Pitten im Bezirk Neunkirchen
Altendorf Aspang-Markt Aspangberg-St. Peter Breitenau Breitenstein Buchbach Bürg-Vöstenhof Edlitz Enzenreith Feistritz am Wechsel Gloggnitz Grafenbach-St. Valentin Grimmenstein Grünbach am Schneeberg Höflein an der Hohen Wand Kirchberg am Wechsel Mönichkirchen Natschbach-Loipersbach Neunkirchen (Niederösterreich) Otterthal Payerbach Pitten Prigglitz Puchberg am Schneeberg Raach am Hochgebirge Reichenau an der Rax Scheiblingkirchen-Thernberg Schottwien Schrattenbach Schwarzau am Steinfeld Schwarzau im Gebirge Seebenstein Semmering St. Corona am Wechsel St. Egyden am Steinfeld Ternitz Thomasberg Trattenbach Warth Wartmannstetten Willendorf Wimpassing im Schwarzatale Würflach Zöbern NiederösterreichLage der Gemeinde Pitten im Bezirk Neunkirchen (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
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Pitten: Burg und Bergkirche
Pitten: Burg und Bergkirche
(Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria)
Pitten in einem Stich von 1882
Die Bergkirche hl. Georg samt Felsenkapelle ist das weithin sichtbare Wahrzeichen von Pitten
Schloss Pitten
Eingang zum Georgi-Stollen

Pitten ist eine Marktgemeinde mit 2532 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2014) im Bezirk Neunkirchen in Niederösterreich.

Geografie[Bearbeiten]

Pitten liegt im nördlichen Teil der Buckligen Welt und ist namensgebend für Tal (Pittental) und Fluss (Pitten). Einige Kilometer nördlich von Pitten tritt die Pitten in das Steinfeld aus und vereinigt sich mit der Schwarza zur Leitha. Pitten war ursprünglich sogar namensgebend für die ganze Region, hieß doch die Bucklige Welt bis ins 19. Jahrhundert hinein „Pittener Waldmark“ (historisch wird auch oft von einer Grafschaft Pitten gesprochen). Die Fläche der heutigen Marktgemeinde umfasst 13,08 Quadratkilometer. 53,75 Prozent der Fläche sind bewaldet.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Das Gemeindegebiet umfasst folgende fünf Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand 31. Oktober 2011[1]):

  • Inzenhof (78)
  • Leiding (180)
  • Pitten (1682)
  • Sautern (527)
  • Weinberg (5)

Die Gemeinde besteht aus den Katastralgemeinden Inzenhof, Leiding, Pitten und Sautern.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

An Pitten grenzen

Geschichte[Bearbeiten]

Einmalige Funde aus der mittleren Bronzezeit, die etwa 3.500 Jahre alt sind, weisen die frühe Besiedlung von Pitten nach. Erstmals urkundlich erwähnt wird Pitten 869 bei der Schenkung des Besitzes der Nonne Peretcunda an das Hochstift Freising.

Erzbischof Konrad von Salzburg machte die Pfarre 1144 dem Stift Reichersberg zehentpflichtig. Im Jahr 1456 wurde die Pfarre Pitten schließlich dem Stift Reichersberg inkorporiert. Seit dieser Zeit wirken Augustiner-Chorherren aus Reichersberg als Seelsorger in Pitten.

Pitten war seit jeher alter historischer Boden. Bis Anfang des 16. Jahrhunderts war die Grafschaft Pitten – diese umfasste etwa den Bezirk Neunkirchen, den östlichen Teil des Bezirks Wiener Neustadt-Land und einen Teil des Bezirks Hartberg-Fürstenfeld – Teil der Steiermark. Im Dialekt der Bevölkerung in der Buckligen Welt merkt man dies teilweise heute noch.

Der Name Pitten wurde 1855 amtlich festgelegt, da er einem ständigen Wandel unterworfen war. Von ad Putinnu, um 1144 parrochia Putina, 1180/90 Butinna, „Putina urbs“ um 1205 und im 18. Jahrhundert wechselte die Schreibweise zwischen Pütten und Pitten. Die dem Namen zugrundeliegende Form geht auf das slawische Buda (entspricht Schilf, Schilfgras) zurück, was einen Hinweis auf den damals versumpften Talboden in dieser Gegend gibt.

Im 18. Jahrhundert wurde begonnen, in Pitten Eisenerz abzubauen, das sich durch große Reinheit und hohen Gehalt an Mangan auszeichnete. Ab 1789 wurde das Erz auch im Ort verhüttet. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde die Roheisenproduktion auf 300 bis 400 Zentner pro Woche gesteigert; die Verarbeitung erfolgte in einer ebenfalls im Ort gelegenen Gießerei. Nach einem Eigentümerwechsel wurde das Roh- und Gusseisen im Walzwerk der neuen Besitzer in Lilienfeld verarbeitet.

Pitten (oben Mitte) um 1880 (Aufnahmeblatt der Landesaufnahme)

1828 etablierte Vinzenz Sterz kurz vor seinem Tod in einer ehemaligen Mahl- und Sägemühle die Pittener Papier-Manufaktur S. & Co., besser bekannt unter dem Namen k.k. priv. Pittener Papierfabrik. Das staatliche Privileg kam daher, dass Vinzenz Sterz schon 1819 die erste funktionsfähige Papiermaschine der Habsburgermonarchie gebaut hatte und für zehn Jahre das Privileg erhalten hatte, mit dieser zu produzieren.[2] 1853 erzeugte Wilhelm Hamburger (* 1821 in Blumenfeld, Großherzogtum Baden; † 1904 in Pitten) erstmals Holzstoffpapier und leitete damit in Österreich die industrielle Papiererzeugung aus Holz ein.[3]

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts geriet der Bergbau und Hüttenbetrieb immer mehr in Schwierigkeiten. Auf einen kurzen erneuten Aufschwung ab 1866, der auch zu Ausweitungen und Modernisierungen des Betriebs führte, folgte 1879 der Konkurs. Es gelang zwar, den Bergbau und die Verhüttung wieder aufzunehmen; nach letzten Versuchen im Zweiten Weltkrieg wurde der Betrieb 1945 aber endgültig eingestellt.[4]

1881 erhielt Pitten durch die Aspangbahn Anschluss an das Eisenbahnnetz, wodurch Pitten sowohl wirtschaftlich als auch touristisch enorm profitierte.[Anm. 1]

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Januar 1967 wurde die Gemeinde Sautern zu Pitten eingemeindet, am 1. Januar 1971 folgte die Gemeinde Leiding-Inzenhof.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Seit der ersten Volkszählung im Jahr 1869, bei der 1.572 Einwohner gezählt wurden, nahm die Bevölkerung stetig zu und erreichte 1934 mit 2.577 Einwohnern einen ersten Höchststand. Nach einem Rückgang bis 1939 erreichte die Einwohnerzahl 1951 mit 2.692 Einwohnern ihren bisher höchsten Stand. Seither ist eine im Allgemeinen rückläufige Tendenz zu verzeichnen (auch wenn die Abnahme durch einzelne Jahrzehnte mit leichtem Zuwachs unterbrochen war), sodass bei der bisher letzten Zählung 2001 die Einwohnerzahl 2.473 betrug. Der geringe Zuwachs von 13 Personen gegenüber 1991 ist der Zuwanderung zu verdanken (+40), wodurch die negative Geburtenbilanz (-27) wettgemacht wurde.

Bevölkerungsdichte[Bearbeiten]

Auf die Fläche des Gemeindegebietes umgelegt, leben 189 Einwohner pro Quadratkilometer.

Religionen[Bearbeiten]

Größte Religionsgemeinschaft ist die Römisch-katholische Kirche, zu der sich 80,8 Prozent der Einwohner bekennen, gefolgt von der Evangelischen Kirche (3,0 Prozent) und dem Islam (2,7 Prozent). Andere Religionsgemeinschaften bleiben deutlich unter einem Prozent. Ohne religiöses Bekenntnis sind 10,1 Prozent der Einwohner.

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderatswahlen
 %
60
50
40
30
20
10
0
55,63 %
(-1,48 %p)
20,23 %
(-14,78 %p)
14,03 %
(n. k.)
10,11 %
(+2,23 %p)
2005

2010


Bürgermeister ist seit 6. März 2005 Günter Moraw, Vizebürgermeister ist Elfriede Schneider (SPÖ).

Im Gemeinderat gibt es seit der Gemeinderatswahl 2010 bei 21 Mandaten folgende Sitzverteilung: Liste SPÖ Team Pitten 12, Liste Team Pitten ÖVP 4, Bürgerforum Pitten 3, Liste Grüne Pitten 2.

Wirtschaft[Bearbeiten]

In Pitten befindet sich die Papierfabrik der W. Hamburger G.m.b.H. (gegründet 1853)

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Pitten
Der denkmalgeschützte Pfarrhof aus dem 17. Jahrhundert
Freskensaal im Pfarrhof
Die Ortskapelle hl. Laurentius in der Katastralgemeinde Sautern
  • Die Pfarrkirche zum Hl. Georg („Bergkirche“) schmiegt sich auf halber Höhe des Schlossberges, auf dessen Höhe die Burg thront, eng an den Felsen. Mit großer Wahrscheinlichkeit handelt es sich hier bereits um den dritten Sakralbau an ungefähr der gleichen Stelle. Die Läutestube des Glockenturmes besitzt noch ein gotisches Netzrippengewölbe. Sonst gehört die Kirche und ihre gesamte Ausstattung dem Barock an. Im Turm befindet sich ein mittelalterlicher Glockenstuhl aus Lärchenholz, welcher nach einer Restaurierung seit 2011 vier neue Glocken trägt. Die große Glocke des früheren Stahlgeläutes aus dem Jahr 1922 hängt seither läutbar in einem Glockenträger vor der Kirche. Gemeinsam mit den vier neuen Glocken ergibt dies ein 5-stimmiges Geläute, welches wie früher vom charakteristischen Klang der großen Glocke geprägt wird. - Im Glockenträger vor der Kirche befindet sich außerdem ein Glockenspiel, welches im Jahr 1969 zur 1100-Jahr-Feier Pittens angeschafft wurde.
  • Eine Felsenhöhle hinter der Pfarrkirche war vermutlich die erste christliche Kultstätte im südlichen Niederösterreich überhaupt. Während des Mittelalters wurde der Raum mehrmals mit Wandmalereien geschmückt. Später diente die Höhle als Einsiedelei und Karner.
  • Der Pfarrhof aus dem 17. Jahrhundert gehört mit seinen Arkaden und reich stuckierten Fassaden zu den schönsten in Österreich. Festsaal und Bibliothek sind mit herrlichen Fresken und Stuck ausgestattet.
  • Pfarrhofkirche zum Heiligen Martin: Wegen des vor allem im Winter beschwerlichen Weges zur Pfarrkirche wurde im Jahr 1948 die barocke Pfarrhofkapelle durch einen Anbau erweitert. Seit 2013 trägt der Turm drei Glocken, welche auf das Geläute der Bergkirche abgestimmt sind.
  • Die Burg hat mittelalterliche Reste sowie einen 140 m tiefen Brunnen vorzuweisen. Sie wird in der „Klage“ des Nibelungenliedes genannt und widerstand ebenso erfolgreich Matthias Corvinus wie zweimaligen Angriffen der Türken. Der „Pittener Corvinusbecher“, vom Ungarnkönig Matthias Corvinus an den Verteidiger Ritter Wolf Teufel als Zeichen der Hochachtung geschenkt, erinnert an jene Zeit. 1884 wurde die Burg von Otto Hieser zu einem Jagdschloss umgestaltet.
  • Gräber aus der Bronzezeit, mit reichen Beigaben aus Bronzeschmuck.
  • Slawisches Gräberfeld aus dem frühen 9. Jahrhundert.
  • Alleen, Parkanlagen und Wanderwege (Naturlehrpfad)
  • Der Pittentaler Radweg
  • Der 2008 errichtete Rosengarten vor dem Pfarrhof

Neben der regen kulturellen Tätigkeit mehrerer lokaler Vereine ziehen vor allem die beiden jeweils alle zwei Jahre stattfindenden Veranstaltungen „Pitten Classics“ und „loftlinx“ auch überregionales Publikum an:

  • Bei den „Pitten Classics“ handelt es sich um ein seit 1990 stattfindendes internationales Festival klassischer Musik, dessen künstlerischer Leiter David Neiweem aus Vermont (USA) ist. Neben Konzerten finden auch Meisterklassen und zahlreiche Studentenkonzerte an verschiedenen Aufführungsorten statt.
  • Seit 2001 findet alle zwei Jahre im Spätsommer in den Wüster Kunsthallen, im Ambiente einer alten Fabrik „loftlinx“ statt. Auf etwa 2.500 Quadratmetern Ausstellungsfläche präsentieren bildende Künstler ihre Werke (Malerei, Fotografie, Skulpturen und Performance). Eingeleitet wird diese Ausstellung jeweils durch ein Event, mit zuletzt etwa 500 Besuchern, bei dem auch musikalische Akzente gesetzt werden, und das erst im Morgengrauen als Groß-Party ausklingt. 2009 entfiel dieser Event aufgrund des schlechten baulichen Zustands des aufgelassenen Fabriksgeländes und deshalb nicht erteilter behördlicher Bewilligungen. Die Zukunft von loftlinx ist aufgrund des im Raum stehenden Abrisses der alten Fabrikshalle fraglich.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Wilhelm Hamburger (1821–1904), Begründer der industriellen Papiererzeugung aus Holz in Österreich
  • Franz Hamburger (1874–1954), Mediziner, Professor für Kinderheilkunde in Graz und Wien
  • Michael Glawogger (1959–2014), Dokumentarfilmer, Filmregisseur, Drehbuchautor und Kameramann
  • Wolfgang Murnberger (*1960), Filmregisseur und Drehbuchautor
  • Paul Harather (* 1965), Filmregisseur, Produzent und Drehbuchautor

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistik Austria, Registerzählung vom 31. Oktober 2011
  2. Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950. Bd. 13 (Lfg. 60, 2008), S. 240f
  3. Wilhelm Hamburger sen. In: Zentralblatt für die österreichisch-ungarische Papierindustrie. Band 22.1904. Papierfachliteraturverlag, Wien 1904, ZDB-ID 2343894-0, S. 768.
  4. Erik Nowak, Der Eisenabbau in Pitten http://www.montanhistorik.de/content/view/53/120/ (abgerufen 24. Juni 2007, Link ist nicht mehr aktiv)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Pitten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. 1869 zeigte sich der Schriftsteller Ferdinand Kürnberger (1821–1879) verwundert darüber, dass das aufgeweckte und industrierührige Thälchen der Pitten sich nicht schon längst in den Besitz eines Schienenweges (und wär’s auch nur eine Pferdebahn) nach Wiener Neustadt gesetzt habe. Bei zwei Stunden Fahrzeit von Wien nach Pitten würden etwa hundert Wiener Familien mehr eine Sommerprovinz erobern. – Siehe: Ferdinand Kürnberger: Feuilleton. Ein vergessener Winkel. In: Die Presse, Nr. 172/1869 (XXII. Jahrgang), 23. Juni 1869, S. 1 f. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/apr.