Pizzica

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Tarantel im Feld

Die Pizzica ist ein ursprünglich therapeutischer Tanz mit mythischen Wurzeln,[1] der heute als italienischer Volkstanz der Halbinsel Salento im Süden Apuliens (Italien) von Jung und Alt getanzt wird. Der Name stammt vom italienischen Wort „pizzicare“ ab, das „stechen“ oder „beißen“ bedeutet.

Siehe auch: Tarantella

Geschichte[Bearbeiten]

Der Ursprung dieses Tanzes geht auf das Ende des 14. Jahrhunderts zurück, als die Bevölkerung vom Salento auf dem Land arbeitete und in engem Kontakt mit der Natur lebte, welche auch Taranteln beherbergte. Ursprünglich galt der Tanz als Heilungsritual nach dem Biss einer Tarantel, welcher der Bevölkerung bei der Feldarbeit in den Sommermonaten drohte.

Die Pizzica - Eine Reise zwischen Träumen und Hoffnungen des Salentos einer vergangenen Zeit[2]

Erzählungen zufolge, eilten die lokalen Musiker zum Haus des Gebissenen und spielten auf ihren Instrumenten, die traditionellerweise Geigen, Mandolinen, Gitarren, Flöten, Harmonikas und Tamburine waren.[3] Dort musizierten sie zuerst langsam und der Gebissene, der zu diesem Zeitpunkt meist bereits unter hohem Fieber litt, begann zu tanzen.
Der streng im Dialekt gesungene Text begleitet würdig den ergreifenden Rhythmus. Mit der schneller werdenden Musik werden die Schritte des Tanzenden schneller. Ziel war es, das Gift mit der Kraft der Bewegung und des Schweißes auszutreiben.[4] Meist tanzten die Familienmitglieder und Dorfbewohner zum Ausdruck ihrer Solidarität mit, bis der Gebissene auf dem Boden erschöpft zusammenbrach und hoffentlich geheilt war.[5]

Pizzicatanz[Bearbeiten]

Im Pizzicatanz (genannt Pizzica Pizzica) findet sich der Stolz der apulischen Frauen genauso wieder, wie das Werben um sie, das Spielen der Geschlechter miteinander und der Respekt vor den Grenzen der Persönlichkeiten und der Sitten. Sie ist ein Umwerbungstanz, in dem das Taschentuch ein unentbehrliches Zubehör ist womit der Partner angeregt wird. Das Winken des Taschentuches belebt den Tanz in dem die männlichen und weiblichen Rollen sehr ausgeprägt sind. Der Mann muss seine eigene Kraft und Männlichkeit durch die Bewegung der oberen Glieder ausdrücken, die Umarmungen vortäuschen ohne die Dame zu berühren, die dagegen den Partner aufreizt und ihn zur Umwerbung einlädt.[6] Die Pizzica ist ein Tanz, der in der Lage ist das Lebensgefühl der Menschen zu transportieren, weshalb der Tanz auch heute eine große Popularität erfährt. Diese wichtige Volkstradition wird jedes Jahr im August mit dem Fest „La Notte della Taranta“ gefeiert.[7]

Bekannte Musikgruppen der Pizzica[Bearbeiten]

Musik und Film[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • J. Birringer, J. Fenger (Hrsg.): Tanz & WahnSinn / Dance & ChoreoMania. (Tanzforschung 2011). Henschel Verlag, Leipzig 2011, ISBN 978-3-89487-710-1.
  • E. De Martino: The Land of Remorse: A Study of Southern Italian Tarantism. Free Association Books, London 2005, ISBN 1-85343-784-0.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gestern und heute - von der Tarantel gestochen
  2. Pennetta,/ S., Anglani, F., Weber, P.: La Pizzica - Travel between dreams and hopes of Salento of a past time, 2011, www.selenepennetta.com
  3. Mauro Gioielli: Una danza chiamata pizzica (1779-1818), «Utriculus», anno XII, n. 46, aprile-giugno 2008, S. 21–24 (PDF; 695 kB)
  4. Daboo, J.: Ritual, Rapture and Remorse: A Study of Tarantism and Pizzica in Salento, ISBN 978-3-03911-092-6, Verlag Peter Lang; Auflage: 1 (8. März 2010)
  5. Gianluca Di Sario; Luca Lodi. Ragni velenosi del Salento e Danze di guarigione, IPASVI Lecce - "Tarante" veleni e guarigioni – Proceedings, Atti del Convegno interdisciplinare di Lecce, 31 ottobre 2000 a cura di Roberto Pepe, Michele Fortuna e Genuario Belmonte.
  6. www.salentomio.it/
  7. www.lanottedellataranta.it/