Plankstadt

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Plankstadt
Plankstadt
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Plankstadt hervorgehoben
49.3933333333338.5941666666667103Koordinaten: 49° 24′ N, 8° 36′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Karlsruhe
Landkreis: Rhein-Neckar-Kreis
Höhe: 103 m ü. NHN
Fläche: 8,39 km²
Einwohner: 10.009 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 1193 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 68723, 68739–68740
Vorwahl: 06202
Kfz-Kennzeichen: HD
Gemeindeschlüssel: 08 2 26 063
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Schwetzinger Straße 28
68723 Plankstadt
Webpräsenz: www.plankstadt.de
Bürgermeister: Jürgen Schmitt
Lage der Gemeinde Plankstadt im Rhein-Neckar-Kreis
Bayern Hessen Rheinland-Pfalz Heidelberg Heilbronn Landkreis Heilbronn Landkreis Karlsruhe Mannheim Neckar-Odenwald-Kreis Eberbach Altlußheim Angelbachtal Bammental Brühl (Baden) Dielheim Dossenheim Eberbach Eberbach Eberbach Edingen-Neckarhausen Edingen-Neckarhausen Epfenbach Eppelheim Eschelbronn Gaiberg Heddesbach Heddesheim Heiligkreuzsteinach Helmstadt-Bargen Hemsbach Hirschberg an der Bergstraße Hockenheim Ilvesheim Ketsch Ladenburg Laudenbach (Bergstraße) Leimen (Baden) Leimen (Baden) Lobbach Malsch (bei Wiesloch) Mauer (Baden) Meckesheim Mühlhausen (Kraichgau) Neckarbischofsheim Neckargemünd Neidenstein Neulußheim Nußloch Oftersheim Plankstadt Rauenberg Reichartshausen Reilingen Sandhausen St. Leon-Rot Schönau (Odenwald) Schönbrunn (Baden) Schriesheim Schwetzingen Schwetzingen Sinsheim Spechbach Waibstadt Walldorf (Baden) Weinheim Weinheim Wiesenbach (Baden) Wiesloch Wilhelmsfeld ZuzenhausenKarte
Über dieses Bild
Blick auf Plankstadt von Südwesten
Plankstadt und Umgebung 1907

Plankstadt (kurpfälzisch: Plankschd[2]) ist eine Gemeinde im Rhein-Neckar-Kreis im Nordwesten von Baden-Württemberg. Zur Gemeinde Plankstadt gehören außer dem gleichnamigen Dorf keine weiteren Ortschaften. Der rund 10.000 Einwohner zählende Ort wurde 771 erstmals erwähnt und gehörte jahrhundertelang zur Kurpfalz.

Geographie[Bearbeiten]

Lage und Naturraum[Bearbeiten]

Plankstadt liegt in der Metropolregion Rhein-Neckar in der Oberrheinischen Tiefebene auf dem südwestlichen Neckarschwemmkegel auf einer fast ebenen Gemarkung ohne größere Erhebungen. Aufgrund des fruchtbaren Bodens wurde der letzte Wald bereits zur Mitte des 19. Jahrhunderts gerodet, um das Land zu bewirtschaften.

Das Gemeindegebiet erstreckt sich über 839 Hektar. Davon sind 29,4 Prozent Siedlungs- und Verkehrsfläche und 70,2 Prozent werden landwirtschaftlich genutzt.[3]

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Direkt angrenzende Nachbargemeinden sind Schwetzingen im Westen, Heidelberg mit der Gemarkung Grenzhof im Norden, Eppelheim im Osten, Heidelberg mit dem Patrick-Henry-Village im Südosten, und Oftersheim im Südwesten. Für ca. 200 m gibt es auch eine gemeinsame Grenze mit Mannheim am Dossenwald in Richtung des Stadtteils Friedrichsfeld im Nordosten.

Geschichte[Bearbeiten]

Eine erste Siedlung wird für die Zeit um 500 n. Chr. vermutet, die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahre 771 im Lorscher Kodex unter der Bezeichnung Blanckenstat. In den Schenkungsurkunden werden mindestens 14 Höfe aufgeführt. Die nächsten schriftlichen Belege stammen aus dem 13. Jahrhundert. Für das Jahr 1256 wird der Pfalzgraf als Besitzer des Dorfes vermerkt. Drei Jahre später, 1259 ging der Grundbesitz mehrheitlich an das Zisterzienser-Kloster Schönau über. Die Mönche versuchten die Bewohner umzusiedeln und ein isoliertes Klostergut zu errichten, scheiterten aber am jahrelangen Widerstand der Bevölkerung. 1296 wurde die Gemeinde Plankstadt gebildet und gelangte wieder zur Kurpfalz, in der sie zur Kirchheimer Zent gehörte.

1462 wurde das Dorf im Zuge der Schlacht bei Seckenheim, einem kriegerischen Ereignis im Rahmen der Mainzer Stiftsfehde, niedergebrannt. Auch der Dreißigjährige Krieg und andere Auseinandersetzungen hinterließen ihre Spuren in der Gemeinde. Für die nächste Zerstörung trug der französische Feldherr und General Mélac die Verantwortung. Im Pfälzer Erbfolgekrieg fiel 1689 ein Großteil der Region, darunter das Heidelberger Schloss seinen Truppen zum Opfer. 1803 wurde die Kurpfalz aufgelöst und Plankstadt gelangte zu Baden, wo es dem Amt Schwetzingen zugeordnet wurde. 1924 erfolgte die Einteilung zum Amtsbezirk Mannheim, dem späteren Landkreis Mannheim.

1895 vernichtete ein Brand einen halben Straßenzug. Noch größer war die Brandkatastrophe fünf Jahre später, der mehr als 60 Gebäude in drei Straßen zum Opfer fielen. Das Geschehen erregte landesweite Aufmerksamkeit. Innenminister August Eisenlohr besichtigte die Brandstätte und Großherzog Friedrich spendete für das Hilfskomitee für die Brandgeschädigten.

Politisch war seit der Reichsgründung 1871 rasch das Zentrum die stärkste Strömung in Plankstadt. Es konnte seine Vormachtstellung bis zum Ende der Weimarer Republik behaupten. Bei der Reichstagswahl 1933 erhielt das Zentrum 36,3 Prozent, die NSDAP 35,7 Prozent und die KPD 16,9 Prozent der Stimmen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm die Gemeinde mehr als 1000 Heimatvertriebene auf. Im Jahr 1971 konnte Plankstadt sein 1200-jähriges Jubiläum feiern. Als bei der Kreisreform 1973 der Landkreis Mannheim aufgelöst wurde, wurde Plankstadt in den Rhein-Neckar-Kreis integriert. Bei der parallel durchgeführten Gemeindereform gab es zunächst Pläne, eine große Verwaltungseinheit mit Schwetzingen, Brühl, Ketsch, Oftersheim und Plankstadt zu bilden. Nachdem dies verworfen worden war, sollten Oftersheim und Plankstadt zu Schwetzingen eingemeindet werden. Letztlich konnte Plankstadt aber seine Selbständigkeit behaupten.

Jahr 1439 1577 1777 1834 1875 1905 1925 1950 1967 1980 2000 2012
Einwohner[4][5] 125 220 380 1123 2532 2766 5303 7294 8784 8977 9599 9910

Politik[Bearbeiten]

Das Rathaus von Plankstadt
Freiwillige Feuerwehr im Gemeindezentrum am Marktplatz
Gemeindewappen am Rathaus (über Haupteingang)
Wegweiser auf dem Marktplatz

Plankstadt gehört dem Nachbarschaftsverband Heidelberg-Mannheim an, der für die Erstellung des regionalen Flächennutzungsplans zuständig ist.

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat hat 18 Sitze und wird in direkter Wahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Hinzu kommt der Bürgermeister als Gemeinderatsvorsitzender. Bei der Wahl 2009 lag die Wahlbeteiligung bei 54,05 Prozent. Die Mandatsverteilung ist wie folgt:

  • PlaLi 37,6 % (+10,1) – 7 Sitze (+2)
  • CDU 33,1 % (-7,4) – 6 Sitze (-1)
  • SPD 18,2 % (-3,3) – 3 Sitze (-1)
  • GLP 11,1 % (+0,6) – 2 Sitze (=)

Bürgermeister[Bearbeiten]

Der Bürgermeister wird in direkter Wahl für eine Amtszeit von acht Jahren gewählt. Seit dem 1. Oktober 2008 ist Jürgen Schmitt Bürgermeister von Plankstadt.

Bisherige Amtsinhaber:

  • 1894–1901: Friedrich Treiber
  • 1901–1918: Peter Helmling
  • 1919–1928: Ludwig Ahlheim
  • 1928–1933: Peter Helmling
  • 1933–1945: Valentin Treiber
  • 1945–1946: Georg Gerlach (kommissarisch)
  • 1946–1948: Karl Eberwein
  • 1948–1966: Georg Baust
  • 1966–1992: Werner Weick
  • 1992–2008: Wolfgang Huckele
  • seit 2008: Jürgen Schmitt

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Wappens lautet: In Blau ein glevenbesetztes silbernes Kreuz, belegt mit einer grünbesamten roten Rose mit grünen Kelchblättern, bewinkelt von vier fünfstrahligen goldenen Sternen.

Aus dem Jahre 1487 stammt der erste urkundliche Nachweis eines Gerichtssiegels aus dem sich das spätere Gemeindewappen ableitet, das 1896 vom badischen Generallandesarchiv vergeben wurde. Eine Bedeutung des Bildes ist nicht bekannt.

Die Flagge ist Weiß-Blau und wurde 1959 vom Innenministerium verliehen. Die Farben nehmen Bezug auf die pfälzisch-wittelsbachischen Farben.[6]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Seit 1981 besteht eine Partnerschaft zu Castelnau-le-Lez im Département Hérault (Frankreich).

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Eingang zum Vogelpark

Museen[Bearbeiten]

Plankstadt verfügt über ein Heimatmuseum.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Der Vogelpark zeigt seit 1967 exotische und einheimische Vogelarten in Gehegen: neben dem einheimischen Uhu, dem Weißstorch und Austernfischern gehören beispielsweise zahlreiche Papageienarten, Kanarienvögel und der Goldfasan zu den Bewohnern des Parks.

Die Pflege und Unterhaltung des Parkes und seiner etwa 300 Bewohner obliegt dem Kanarien-, Exoten- und Vogelschutzverein 1961 Plankstadt. Der Eintritt ist frei, um Spenden für die Erhaltung des Parks und das Futter wird gebeten. Außerdem wird der Park durch den Verkauf von Nachzuchten teilfinanziert.

Motivwagen der Landjugend Schwetzingen beim Backenbläserumzug am 15. Februar 2009

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Plankstadts Backenbläser-Fastnachtsumzug findet traditionell schon am Sonntag vor Fastnacht statt, wodurch auch viele Gruppen aus den Nachbargemeinden teilnehmen und sich auf ihre eigenen Umzüge einstimmen können, die zumeist neun Tage später am Fastnachtsdienstag stattfinden.

Freizeit[Bearbeiten]

Der größte Verein Plankstadts ist die TSG/Eintracht Plankstadt. Er besteht aus Abteilungen für Turnen, Leichtathletik, Badminton, Fußball, Handball, Karate und Tischtennis.

Der Musikverein Plankstadt, der besser als BigBand MV Plankstadt bekannt ist, betreibt ein Programm von Tanzmusik bis zur BigBand-Musik.

Der Heimat- und Kulturkreis Plankstadt setzt sich für Erhalt und Pflege der einheimischen Kultur ein.

Außerdem gibt es in der Nähe der Weldebräu einen Dirt-Park, eine Strecke für Dirt Bikes, Mountainbikes und BMX-Fahrräder. Daneben existiert ein Streetpark, speziell für BMX-Räder. Hinter der Weldebrauerei liegt versteckt ein Jugendtreff, der von Dienstag bis Freitag geöffnet ist.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Auf der Gemarkung Plankstadt sowie den Gemarkungen umliegender Gemeinden befand sich bis zu Beginn des Jahrtausends Deutschlands einziges größeres Anbaugebiet für Tabak. Die Bauernhöfe in Plankstadt und Umgebung fallen durch eine oder mehrere charakteristische Scheunenbauten auf, die früher zur Tabaktrocknung genutzt werden. In Plankstadt und umliegenden Gemeinden finden sich außerdem vereinzelt noch aktive Ackerbürger-Anwesen mit alten Tabaktrocknungsscheunen. Der Tabakanbau wurde infolge der geänderten EU-Förderrichtlinien (Wegfall der Subventionen) eingestellt. Die freiwerdenden Ackerflächen dienen jetzt vermehrt dem Anbau von Getreide und Hackfrüchten bzw. Sonderkulturen wie Mais und Spargel.

Ein größerer Betrieb ist die 1752 in Schwetzingen gegründete Privatbrauerei Weldebräu, die sich nach Erschließung einer neuen Grundwasserquelle im so genannten zweiten Grundwasserleiter seit 1971 in Plankstadt an der Gemarkungsgrenze zu Schwetzingen befindet.

Verkehr[Bearbeiten]

Im Zuge des Neubaus der Bahnstrecke Heidelberg–Speyer erhielt der Ort 1872/73 einen Bahnhof am Südrand der Gemeinde. Der Betrieb auf dieser Strecke wurde 1967 wieder eingestellt. Denn schon seit 1927 bestand eine Straßenbahnverbindung durch den Ortskern nach Heidelberg und Schwetzingen. Aber auch dieses Nahverkehrsmittel wurde 1974 stillgelegt. Ein Wiederaufbau wurde in einem Bürgerentscheid 2014 abgelehnt. Heute führen nach Schwetzingen und Heidelberg Buslinien. Plankstadt gehört zum Tarifgebiet des Verkehrsverbunds Rhein-Neckar.

Die südliche Ortsumgehung Bundesstraße 535 wurde im Dezember 2010 fertiggestellt.[7] Sie verbindet die nahegelegenen Autobahnen A 6 (Mannheim–Heilbronn) und A 5 (Frankfurt–Karlsruhe).

Einrichtungen[Bearbeiten]

Das Funkfeuer HDL ist eine der wenigen Sendeanlagen, die Holzmasten als Antennenträger nutzt.

Medien[Bearbeiten]

Über das Tagesgeschehen berichtet die Schwetzinger Zeitung.

Friedrichschule

Bildung[Bearbeiten]

In Plankstadt gibt es mit der Friedrichschule eine Grundschule und mit der Humboldtschule eine Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule. Weiterführende Schulen können in Schwetzingen und Eppelheim besucht werden. Die Gemeinde betreibt eine Bücherei.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

Die Jahreszahlen geben den Zeitpunkt der Verleihung der Ehrenbürgerwürde wieder.

  • 1939: Paul Bönner, war der erste Arzt in der Gemeinde
  • 1959: Josef Fleuchaus, war 40 Jahre lang Lehrer und 1919–1933 Gemeinderat in Plankstadt
  • 1966: Georg Baust, war 18 Jahre Bürgermeister
  • 1992: Werner Weick, war 26 Jahre Bürgermeister

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans Huth: Die Kunstdenkmäler des Landkreises Mannheim: Ohne Stadt Schwetzingen. München 1967
  • Staatl. Archivverwaltung Baden-Württemberg in Verbindung mit d. Städten u.d. Landkreisen Heidelberg u. Mannheim (Hrsg.): Die Stadt- und die Landkreise Heidelberg und Mannheim: Amtliche Kreisbeschreibung.
    • Bd 1: Allgemeiner Teil. Karlsruhe 1966
    • Bd 3: Die Stadt Mannheim und die Gemeinden des Landkreises Mannheim. Karlsruhe 1970

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31. Dezember 2013 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Plankschd werd gekehrt. MÜLLSAMMELAKTION DER GEMEINDE: BÜRGER SOLLEN MITMACHEN. Schwetzinger Zeitung, 13. März 2009, abgerufen am 30. Juli 2013.
  3. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, Stand: 31. Dezember 2004
  4. Einwohnerzahlen bis 1967: Kreisbeschreibung Bd. 3, S. 760.
  5. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, Stand: 31. Dezember 2013
  6. Herwig John, Gabriele Wüst: Wappenbuch Rhein-Neckar-Kreis. Ubstadt-Weiher 1996, ISBN 3-929366-27-4, S. 94
  7. Regierungspräsidium Karlsruhe 7. Juli 2006. (Version vom 10. August 2006 im Internet Archive) im Internet Archive

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Plankstadt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien