Plasmamedizin

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Anwendungsbeispiel: Koagulation mit einem Argonplasma

Plasmamedizin ist die zusammenfassende Bezeichnung für die Anwendung von physikalischen Plasmen für therapeutische Zwecke. Es handelt sich dabei um ein vergleichsweise neues und interdisziplinäres Wissenschaftsgebiet an der Schnittstelle zwischen Physik, Medizin und Biologie.

Mögliche Einsatzgebiete von Plasmen im Bereich der Medizin umfassen beispielsweise die Desinfektion oder Sterilisation von Medizinprodukten, von Körperoberflächen und von lebendem Gewebe, die Beeinflussung der Wundheilung, der Blutgerinnung und der Geweberegeneration, die Behandlung von Hautkrankheiten und von entzündlichen Erkrankungen, die Nutzung für Inzisionen in der Chirurgie sowie die Oberflächenmodifikation von medizinischen Implantaten mit dem Ziel, deren Interaktion mit dem sie umgebenden Gewebe zu steuern und dabei insbesondere ihr Einwachsen nach der Implantation zu verbessern. Zum Einsatz kommen dabei Niederdruckplasmen verschiedener Zusammensetzung.

Die meisten dieser Anwendungen befinden sich noch im Stadium der experimentellen und vorklinischen Erforschung. Erfahrungen aus der klinischen Praxis beschränken sich bisher in der Regel auf Einzelfallberichte beziehungsweise kleine Fallserien. Therapiegeräte, die kaltes Plasma zur Desinfektion und Wundheilung verwenden, waren bislang nur für Anwendung innerhalb wissenschaftlicher Studien zugelassen.

Seit 2013[1] sind Geräte erhältlich, die eine Zulassung nach dem Medizinproduktgesetz erhalten haben. Somit kann das medizinische elektrische Gerät als zugelassenes Plasma-Medizinprodukt in Verkehr gebracht werden. Der Einsatz am Menschen ist in allen Arztpraxen durch jede medizinische Fachkraft möglich. Es erzeugt kaltes Plasma direkt aus der umgebenden Atmosphäre, das reaktive Radikale enthält, die in Verbindung mit geringer Ultraviolettstrahlung die Zellwände von Bakterien beziehungsweise Hüllen von Viren zerstören. Zur Gewährleistung eines hohen Sicherheitsstandards wurde das Gerät für den Betrieb ohne Netzanschluss entwickelt und vom VDE auf elektromagnetische Verträglichkeit geprüft. In klinischen Studien wurde eine Keimreduktion bis zu 99,9 Prozent nachgewiesen.

Nationales Zentrum für Plasmamedizin[Bearbeiten]

Im Juni 2013 wurde in Berlin der Verein Nationales Zentrum für Plasmamedizin gegründet, ein deutschlandweites Netzwerk aller Forschergruppen auf dem Gebiet der Plasmamedizin. Das Netzwerk dient dem Zweck, „Forschung und Entwicklung im Bereich Plasmamedizin deutschlandweit zu fördern“.[2]

Literatur[Bearbeiten]

  • Gregory Fridman, Gary Friedman, Alexander Gutsol, Anatoly B. Shekhter, Victor N. Vasilets, Alexander Fridman: Applied Plasma Medicine. In: Plasma Processes and Polymers. 5/2008. WILEY-VCH, S. 503−533, ISSN 1612-8850
  • Mounir Laroussi: Low Temperature Plasmas for Medicine? In: IEEE Transactions on Plasma Science. 37(6)/2009. IEEE Nuclear and Plasma Sciences Society, S. 714−725, ISSN 0093-3813
  • Michael G. Kong, Gerrit Kroesen, Gregor E. Morfill, Tetyana. Nosenko, Tetsuji Shimizu, Jan van Dijk, Julia L. Zimmermann: Plasma Medicine: An introductory Review. In: New Journal of Physics. 11/2009. IOPscience, doi:10.1088/1367-2630/11/11/115012, ISSN 1367-2630
  • Sacha Campbell, Ruby Alexander-Lindo, Tara Dasgupta, Donovan McGrowder: Gas Plasmas and Plasma modified Materials in Medicine. In: Journal of Applied Biomedicine. 8/2010. Südböhmische Universität České Budějovice, S. 55−66, ISSN 1214-021X
  • Klaus-Dieter Weltmann, Eckhard Kindel, Thomas von Woedtke, Marcel Hähnel, Manfred Stieber, Ronny Brandenburg: Atmospheric-pressure Plasma Sources: Prospect Tools for Plasma Medicine. In: Pure and Applied Chemistry. 82(6)/2010. International Union of Pure and Applied Chemistry, S. 1223−1237, ISSN 0033-4545

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Pressemitteilung des INP Greifswald vom 6. Juni 2013
  2. plasma-medizin.de, aufgerufen am 29. August 2013: Selbstvorstellung des Vereins.