Pleyel
Pleyel ist eine französische Klavierfabrik, die 1807 in Paris vom österreichischen Komponisten Ignaz Josef Pleyel gegründet wurde. Nach dessen Tode im Jahr 1831 übernahm sein Sohn Camille die Arbeit und führte die Manufaktur zu Ruhm.
Auf dem Höhepunkt der Romantik arrangierten Marie und Camille Pleyel die berühmten Pariser “Salons”, angesehene Treffpunkte für die Pariser Musikszene der Zeit, wo viele Virtuosen und Komponisten gehört werden konnten. Einer davon war Frédéric Chopin, der ab seinem ersten Pariser Auftritt in Camille Pleyels "Salon" (Salle Pleyel) 1832 fortan ausschließlich auf den Pleyel-Flügeln spielte, deren leichtgängige Mechanik und warmer süß-samtiger sonorer Ton gerühmt wurde. Marie Moke-Pleyel (1811-1875), Konzertpianistin und Ehefrau Camilles bis 1835, war Chopins erste Gastgeberin in Paris.
Das Unternehmen Pleyel wurde ab 1855 von Mitarbeitern fortgeführt: Auguste Wolff übernahm die Leitung des Unternehmens. 1885 wurde in Saint-Denis im Pariser Norden eine 55.000 Quadratmeter große neue Fabrik erbaut. Gustave Lyon, der das Unternehmen 1887 übernahm, war Ingenieur und ein Pionier der Akustik-Architektur.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts engagierte sich Pleyel für die Wiederbelebung des Baus historischer Tasteninstrumente, insbesondere zweimanualiger Konzertcembali. Ein für die Pariser Weltausstellung 1889 gebautes Modell, das die Cembalomechanik mit den Errungenschaften des zeitgenössischen Klavierbaus kombinierte, fand Anerkennung.
Weltweite Verbreitung fand dieser Bautyp, als die polnische, von Frankreich aus wirkende Pianistin und Cembalistin Wanda Landowska im Jahre 1912 zusammen mit Pleyel einen eigenen Cembalotyp entwickelte und dieses Instrument fortan in Serie gebaut wurde. Die Wiederbelebung von Cembalospiel und -bau im 20. Jahrhundert begründet sich auf dieser Zusammenarbeit zwischen dem Klavierbauer und der Interpretin. Im Museum Haus Eller in Bergheim-Ahe steht ein zweimanualiges Pleyel-Konzertcembalo mit 16-Fuß-Registern, das für Wanda Landowska 1927 erbaut wurde. Dieser Cembalotyp wurde nur in wenigen Exemplaren gebaut und stellt eine späte Krönung des Cembalobaus dar. Das Instrument integriert Erkenntnisse aus dem Flügelbau und hat ebenso wie Flügel einen gusseisernen Rahmen. Es bildet einen Entwurf aus dem 17. Jahrhundert nach, besitzt eine komplexe Anordnung der Saiten und Stege in drei Ebenen und verfügt über eine Steuerung der Züge für die die Saiten anzupfenden Stecher mittels sieben Pedalen.
Im selben Jahr 1927 schuf das Unternehmen die neue Salle Pleyel in der Rue du Faubourg Saint Honoré, einen Konzertsaal nach höchsten Ansprüchen. Seit den 1970er Jahren fand die Produktion von Pleyel-Klavieren in Deutschland statt. 1996 wurde eine neue Pleyel-Fabrik in Alès (Gard) erbaut.
Pleyel stellt heute jährlich etwa 1000 Instrumente her, davon 900 Pianos und 60 Flügel.
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Historische Einordnung des Werkes von Pleyel [Bearbeiten]
Pleyel ist durch das Gründungsdatum 1807 nunmehr (nach Ende der Fertigung bei Ibach) das älteste kontinuierlich produzierende Klavierbauunternehmen der Welt.[1]
Hammerflügel von Pleyel zählten zu ihrer Zeit um die Mitte des 19. Jahrhunderts zusammen mit den Produkten seines Konkurrenten Erard zu den Spitzenprodukten des Tasteninstrumentenbaus. Zuvor galt dies für Cembalos der Antwerpener Ruckers, für Hammerklaviere der Augsburger Familie Johann Andreas Stein und für die Flügel von John Broadwood & Sons, dann für die Hersteller Pleyel und Erard, und seit Ende des 19. Jahrhunderts für Steinway & Sons. Daher gehören Flügel von Pleyel aus der Mitte des 19. Jahrhunderts zu den Ikonen der historischen Musik-Aufführungspraxis und auch der Sammler.
Sie waren die Instrumente der Wahl von Frederic Chopin, die er im Vergleich zu den Instrumenten Erards und Broadwoods oft bevorzugte. Es existieren heute noch zwei Konzertflügel von Pleyel, von denen verbürgt ist, dass sie im persönlichen Gebrauch von Chopin standen. Einer, der Pleyel-Konzerter auf der Hurstwood Farm in England, zählt zu den schönsten, an Klangfarben reichsten Instrumenten der Welt. Von Chopin ist über einen seiner Schüler ein Ausspruch überliefert, dass er, wenn er sich wohlfühle, ein Instrument von Pleyel mit seinem komplexen, feinst nuancierbaren Klang bevorzuge. Wenn er hingegen nicht gut aufgelegt sei, spiele er lieber auf einem Erard, weil der Flügel in seiner Klanggestaltung einfacher zu einem guten Ergebnis führe.
Quellen [Bearbeiten]
Siehe auch [Bearbeiten]
- Salle Pleyel
- Klavierbauer
- (11524) Pleyel, Asteroid des Hauptgürtels
Weblinks [Bearbeiten]
- Internetseite des Unternehmens (französisch)
- Internationale Ignaz J. Pleyel-Gesellschaft - Ignaz-Pleyel-Museum in Österreich