Pleyel

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Chopins Pleyel-Klavier, heute in der Kartause von Valldemossa

Pleyel war eine französische Klavierfabrik, die 1807 in Paris vom österreichischen Komponisten Ignaz Josef Pleyel gegründet wurde. Nach dessen Tode im Jahr 1831 übernahm sein Sohn Camille die Arbeit und führte die Manufaktur zu Ruhm. Ende 2013 wurde die Fertigung von Klavieren eingestellt.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Auf dem Höhepunkt der Romantik arrangierten Marie und Camille Pleyel berühmte „Salons“. Diese „Salons“ waren Treffpunkte der Pariser Musiker und Musikliebhaber, wo Komponisten ihre Werke aufführten und Virtuosen ihr Können zeigten. Einer von ihnen war Frédéric Chopin. Denn Marie Moke-Pleyel (1811–1875), Konzertpianistin und Ehefrau Camilles bis 1835, war Chopins erste Gastgeberin in Paris. So wählte Chopin 1832 als Ort seines ersten Pariser Auftritts den Salon von Camille Pleyel („Salle Pleyel“, womit zunächst der Salon, später verschiedene Konzertsäle gemeint waren). Fortan spielte Chopin ausschließlich auf Pleyel-Flügeln, die für ihre leichtgängige Mechanik und für ihren warmen, süß-samtigen, sonoren Ton gerühmt wurden.

Das Unternehmen Pleyel wurde ab 1855 vom Schwiegersohn Camilles fortgeführt: Auguste Wolff übernahm die Leitung des Unternehmens. Etwa ab 1875 wandte sich die Firma Pleyel, im Gegensatz zum größeren Konkurrenten Érard, im Flügelbau dem „amerikanischen“ System mit Bassüberkreuzung und einteiliger Gussplatte zu.[2] 1885 wurde in Saint-Denis im Pariser Norden eine 55.000 Quadratmeter große neue Fabrik erbaut. Gustave Lyon, der Ehemann der Enkelin Camille Pleyels und Tochter der Wolffs, übernahm 1887 die Unternehmensleitung. Er war Ingenieur und ein Pionier der Akustik-Architektur.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts engagierte sich Pleyel für die Wiederbelebung des Baus historischer Tasteninstrumente, insbesondere zweimanualiger Konzertcembali. Ein für die Pariser Weltausstellung 1889 gebautes Modell, das die Cembalomechanik mit den Errungenschaften des zeitgenössischen Klavierbaus kombinierte, fand Anerkennung.

Pleyel-Konzertcembalo "Wanda Landowska" von 1927

Weltweite Verbreitung fand dieser Bautyp, als die polnische, von Frankreich aus wirkende Pianistin und Cembalistin Wanda Landowska im Jahre 1912 zusammen mit Pleyel einen eigenen Cembalotyp entwickelte und dieses Instrument fortan in Serie gebaut wurde. Die Wiederbelebung von Cembalospiel und -bau im 20. Jahrhundert begründet sich auf dieser Zusammenarbeit zwischen dem Klavierbauer und der Interpretin. Im Museum Haus Eller in Bergheim-Ahe steht ein zweimanualiges Pleyel-Konzertcembalo mit 16-Fuß-Registern, das für Wanda Landowska 1927 erbaut wurde. Dieser Cembalotyp wurde nur in wenigen Exemplaren gebaut und stellt eine späte Krönung des Cembalobaus dar. Das Instrument integriert Erkenntnisse aus dem Flügelbau und hat ebenso wie Flügel einen gusseisernen Rahmen. Es bildet einen Entwurf aus dem 17. Jahrhundert nach, besitzt eine komplexe Anordnung der Saiten und Stege in drei Ebenen und verfügt über eine Steuerung der Züge für die die Saiten anzupfenden Stecher mittels sieben Pedalen.

Im selben Jahr 1927 schuf das Unternehmen die neue Salle Pleyel in der Rue du Faubourg Saint Honoré, einen Konzertsaal nach höchsten Ansprüchen.

Seit 1972 wurden die Pleyel-Klaviere in der Wilhelm Schimmel Pianofortefabrik in Braunschweig hergestellt.[3] 1996 wurde eine neue Pleyel-Fabrik im südfranzösischen Alès gebaut, in der anfangs bis zu 1700 Instrumente jährlich hergestellt wurden,[4] davon etwa 60 Flügel. Doch bald sanken Absatz und Produktion; schon im Jahre 2007 wurde die Fabrik wieder geschlossen.

Danach wurden die letzten 25 Flügel in einer Manufaktur in Saint-Denis gefertigt.[5] Die Pleyel-Manufaktur in Saint-Denis schloss zum Jahresende 2013.

Historische Einordnung des Werkes von Pleyel[Bearbeiten]

Pleyel war durch das Gründungsdatum 1807 (nach Ende der Fertigung bei Ibach) das älteste kontinuierlich produzierende Klavierbauunternehmen der Welt.[6]

Hammerflügel von Pleyel zählten zu ihrer Zeit um die Mitte des 19. Jahrhunderts zusammen mit den Produkten seines Konkurrenten Sébastien Érard zu den Spitzenprodukten des Tasteninstrumentenbaus. Zuvor galt dies für Cembalos der Antwerpener Ruckers, für Hammerklaviere der Augsburger Familie Johann Andreas Stein und für die Flügel von John Broadwood & Sons, dann für die Hersteller Pleyel und Érard, und seit Ende des 19. Jahrhunderts für Steinway & Sons. Daher gehören Flügel von Pleyel aus der Mitte des 19. Jahrhunderts zu den Ikonen der historischen Musik-Aufführungspraxis und auch der Sammler.

Sie waren die Instrumente der Wahl von Frederic Chopin, die er im Vergleich zu den Instrumenten Érards und Broadwoods oft bevorzugte. Es existieren heute noch zwei Konzertflügel von Pleyel, von denen verbürgt ist, dass sie im persönlichen Gebrauch von Chopin standen. Einer, der Pleyel-Konzerter bei der Hurstwood Farm in England, zählt zu den schönsten, an Klangfarben reichsten Instrumenten der Welt. Von Chopin ist über einen seiner Schüler ein Ausspruch überliefert, dass er, wenn er sich wohlfühle, ein Instrument von Pleyel mit seinem komplexen, feinst nuancierbaren Klang bevorzuge. Wenn er hingegen nicht gut aufgelegt sei, spiele er lieber auf einem Érard, weil der Flügel in seiner Klanggestaltung einfacher zu einem guten Ergebnis führe.[7]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.francetvinfo.fr/la-derniere-manufacture-de-pianos-de-france-fermera-ses-portes-a-la-fin-de-l-annee_456750.html Artikel auf der Internetseite des französischen Fernsehens vom 12. November 2013, Abruf am 14. November 2013.
  2. Website zur Geschichte bedeutender französischer Klavierbauer, abgerufen am 6. Januar 2014.
  3. Michael Stallknecht: Welch ein Flöten im Diskant. Der legendäre französische Klavierbauer Pleyel beendet die Produktion: ein Zeichen des Umbruchs. In: Süddeutsche Zeitung vom 30. Dezember 2013, S. 9.
  4. http://www.francetvinfo.fr/la-derniere-manufacture-de-pianos-de-france-fermera-ses-portes-a-la-fin-de-l-annee_456750.html Artikel auf der Internetseite des französischen Fernsehens vom 12. November 2013, Abruf am 14. November 2013.
  5. Michael Stallknecht: Welch ein Flöten im Diskant. Der legendäre französische Klavierbauer Pleyel beendet die Produktion: ein Zeichen des Umbruchs. In: Süddeutsche Zeitung vom 30. Dezember 2013, S. 9.
  6. http://www.carbodydesign.com/2012/10/pleyel-piano-concept-by-peugeot-design-lab/
  7. Michael Stallknecht: Welch ein Flöten im Diskant. Der legendäre französische Klavierbauer Pleyel beendet die Produktion: ein Zeichen des Umbruchs. In: Süddeutsche Zeitung vom 30. Dezember 2013, S. 9.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Pleyel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien