Pliezhausen

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Pliezhausen
Pliezhausen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Pliezhausen hervorgehoben
48.5586111111119.2058333333333331Koordinaten: 48° 34′ N, 9° 12′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Tübingen
Landkreis: Reutlingen
Höhe: 331 m ü. NHN
Fläche: 17,31 km²
Einwohner: 9291 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 537 Einwohner je km²
Postleitzahl: 72124
Vorwahl: 07127
Kfz-Kennzeichen: RT
Gemeindeschlüssel: 08 4 15 060
Gemeindegliederung: 4 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Marktplatz 1
72124 Pliezhausen
Webpräsenz: www.pliezhausen.de
Bürgermeister: Christof Dold
Lage der Gemeinde Pliezhausen im Landkreis Reutlingen
Alb-Donau-Kreis Landkreis Biberach Landkreis Böblingen Landkreis Esslingen Landkreis Esslingen Landkreis Göppingen Landkreis Sigmaringen Landkreis Tübingen Zollernalbkreis Bad Urach Dettingen an der Erms Engstingen Eningen unter Achalm Gomadingen Grabenstetten Grafenberg (Landkreis Reutlingen) Gutsbezirk Münsingen Hayingen Hohenstein (Landkreis Reutlingen) Hülben Lichtenstein (Württemberg) Mehrstetten Metzingen Münsingen (Württemberg) Pfronstetten Pfullingen Pfullingen Pliezhausen Reutlingen Riederich Römerstein (Gemeinde) Sonnenbühl St. Johann (Württemberg) Trochtelfingen Walddorfhäslach Wannweil ZwiefaltenKarte
Über dieses Bild

Pliezhausen ist eine Gemeinde in Baden-Württemberg, etwa acht Kilometer nördlich der Kreisstadt Reutlingen gelegen. Sie gehört zur Metropolregion Stuttgart.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Pliezhausen liegt zwischen dem Neckar und dem Schönbuch.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Gemeinde Pliezhausen, sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Norden genannt und gehören zum Landkreis Reutlingen bzw. zu den Landkreisen Esslingen¹ und Tübingen².

Walddorfhäslach, Neckartenzlingen¹, Reutlingen, Kirchentellinsfurt², Tübingen² und Dettenhausen².

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Die Ortslage von Pliezhausen
Das Rathaus von Pliezhausen am Marktplatz

Die ursprüngliche Gemeinde Pliezhausen besteht aus den Ortsteilen Pliezhausen, Dörnach und Gniebel. Nach der Eingemeindung von Rübgarten am 9. Mai 1975 entstand die Gemeinde Pliezhausen in der heutigen Form. Die Ortsteile sind räumlich identisch mit den früher selbstständigen Gemeinden gleichen Namens, die offizielle Benennung der drei zuletzt genannten erfolgt in der Form „Pliezhausen-…“. Sie bilden zugleich Wohnbezirke im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung und mit Ausnahme des Ortsteils Pliezhausen sind in den Ortsteilen Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung mit jeweils eigenem Ortschaftsrat und Ortsvorsteher als dessen Vorsitzendem eingerichtet.[2]

Zu den Ortsteilen Dörnach und Gniebel gehören jeweils nur die gleichnamigen Dörfer. Zum Ortsteil Pliezhausen gehören das Dorf Pliezhausen und die Häuser Im Weiher und Werkstätte an der Rübgartenstraße. Zum Ortsteil Rübgarten gehören das Dorf Rübgarten und die Häuser Reichenbachmühle.

Im Ortsteil Dörnach liegt die abgegangene Burg Mörsberg. Im Ortsteil Pliezhausen liegen die Wüstungen Bütensulz und Scherre und im Ortsteil Rübgarten liegt die abgegangene Burg Wildenau und der Weiler Wildenau.[3]

Geschichte[Bearbeiten]

Reiterscheibe von Pliezhausen

Auf der Gemarkung Pliezhausen wurde eine jungsteinzeitliche Siedlung aus der Zeit um 5.000 v. Chr. nachgewiesen.[4]

In einem alemannischen Frauengrab aus der Merowingerzeit wurde in Pliezhausen u. a. die Reiterscheibe von Pliezhausen gefunden, die im Landesmuseum Württemberg in Stuttgart ausgestellt wird.

Pliezhausen wurde erstmals 1092 als Plidolfeshusin urkundlich erwähnt. Es gehörte zunächst zur Grafschaft Achalm-Urach und kam im 13. Jahrhundert an Württemberg. 1609 verheerte die Pest den Ort, 40 Prozent der 300 Einwohner starben. Ab 1635 führte der Dreißigjährige Krieg zu weiteren Verwüstungen und Toten. Die Gemeinde gehörte ursprünglich zum Oberamt Urach und kam 1842 zum Oberamt Tübingen und im Rahmen der Kreisreform Baden-Württemberg 1973 zum Landkreis Reutlingen.

Ortsteile[Bearbeiten]

Dörnach[Bearbeiten]

Dörnach

Im Jahre 1334 wurde Dörnach erstmals urkundlich erwähnt. 1342 fiel die Gemeinde mit dem Gebiet der Pfalzgrafschaft Tübingen, zu der sie gehörte, an Württemberg. Seit dessen Einführung gehörte Dörnach zum Oberamt Tübingen. Dörnach wurde 1971 nach Pliezhausen eingemeindet.

Hauptartikel: Dörnach

Gniebel[Bearbeiten]

Gniebel

Gniebel gehörte den Grafen von Zollern, die den Ort 1473 an Württemberg abgaben. Dort gehörte die Gemeinde zum Oberamt Tübingen. Gniebel wurde 1971 nach Pliezhausen eingemeindet.

Hauptartikel: Gniebel

Rübgarten[Bearbeiten]

Rübgarten

Die Gegend um Rübgarten gehörte ursprünglich zum Besitz der Volen von Wildenau[5][6] und fiel mit der Pfalzgrafschaft Tübingen 1342 an Württemberg. Der Ort selbst wurde 1363 erstmals urkundlich erwähnt. Seit 1806 gehörte der Ort zum Oberamt Tübingen. Im Rahmen der Kreisreform Baden-Württemberg 1973 fiel Rübgarten an den Landkreis Reutlingen. Rübgarten wurde 1975 nach Pliezhausen eingemeindet.

Hauptartikel: Rübgarten

Religionen[Bearbeiten]

Die Martinskirche in Pliezhausen

Die Martinskirche in Pliezhausen wurde im 11. oder 12. Jahrhundert als romanische Kapelle erbaut; im 16. Jahrhundert wurde sie gotisch umgestaltet. Der ursprüngliche Turm stammt aus dem Jahre 1523, der heutige von 1875.[7] Seit der Einführung der Reformation in Württemberg ist sie evangelisch. Zu dieser Gemeinde gehörte auch die Kirche in Dörnach, das erst spät eine eigene Gemeinde erhielt. Gniebel gehörte ursprünglich zur Kirchengemeinde Walddorf, Rübgarten zur Kirchengemeinde Weil im Schönbuch und erhielt erst im 19. Jahrhundert eine eigene Gemeinde, die aber seit 1872 vom Pfarramt Gniebel mit betreut wird.

Inzwischen gibt es auch wieder eine römisch-katholische Gemeinde im Ort, zu ihr gehört die St.-Franziskus-Kirche. Außerdem sind auch die evangelisch-methodistische und die neuapostolische Kirche in Pliezhausen vertreten.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Die Einwohnerzahlen sind Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamtes (nur Hauptwohnsitze). Zahlen vor 1871 stammen aus der gemeindlichen Geschichtsschreibung.

Stichtag Einwohnerzahl
1608 300
1. Dezember 1871 ¹ 2.446
1. Dezember 1900 ¹ 2.657
17. Mai 1939 ¹ 3.364
13. September 1950 ¹ 3.881
6. Juni 1961 ¹ 4.341
27. Mai 1970 ¹ 5.285
25. Mai 1987 ¹ 7.087
31. Dezember 1995 8.607
31. Dezember 2000 9.237
31. Dezember 2005 9.536
31. Dezember 2010 9.329

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Bei der Gemeinderatswahl am 7. Juni 2009 ergab sich folgendes Ergebnis:

Gruppierung Prozent Sitze
FWV 41,0 % (+6,3) 11 (+3)
UWV 30,0 % (-6,0) 7 (-1)
KLUB 15,7 % (+0,4) 3 (=)
CDU 13,3 % (-0,6) 3 (=)

Bürgermeister[Bearbeiten]

Der Bürgermeister wird für eine Amtszeit von acht Jahren gewählt. Otwin Brucker war seit dem 10. Januar 1967 Bürgermeister der Gemeinde und damit lange Zeit dienstältester Bürgermeister in Baden-Württemberg. Im August 2005 stellte Otwin Brucker mit Vollendung des 65. Lebensjahres sein Amt vor Ablauf der Wahlperiode zur Verfügung. Am 18. Juli 2005 wurde Christof Dold als Nachfolger gewählt.

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „In Gold unter einer liegenden schwarzen Hirschstange eine grüne Eichel mit zwei grünen Blättern.“

Partnerschaften[Bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die Gemeinde liegt an der Römerstraße Neckar-Alb-Aare und am Neckartal-Radweg, die an vielen Sehenswürdigkeiten vorbeiführen.

Museen[Bearbeiten]

  • Dorfmuseum im Entenhof, einem Bauernhaus von 1570 mit Bauerngarten und Backhaus

Bauwerke[Bearbeiten]

Bürogebäude der Datagroup im Ortsteil Gniebel
  • Der Zwei-Eichen-Turm wurde im Jahre 1930 von der Ortsgruppe Pliezhausen des Schwäbischen Albvereins errichtet. Er steht 410 m ü. NN und bietet einen guten Ausblick auf das Neckartal und die Schwäbische Alb.
  • Das außergewöhnliche Bürogebäude des IT-Unternehmens Datagroup im Ortsteil Gniebel an der Ausfahrt der B 27 entstand im Jahr 1995. Der Entwurf des Architekturbüros Kauffmann Theilig & Partner erhielt 1997 den Hugo-Häring-Preis. Der Grundriss bedient sich der Kreisform, das Prinzip des Glasdachs entspricht der Dachkonstruktion des Münchner Olympiastadions.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Pliezhausen liegt an der Bundesstraße 297 von Tübingen nach Lorch (Württemberg). Die Ortsteile Gniebel und Rübgarten liegen an der B 27 (Blankenburg (Harz)Lottstetten), welche eine gute Verkehrsanbindung an den Großraum Stuttgart bildet, allerdings auch jeden Morgen durch stockenden Verkehr in Richtung Stuttgart blockiert wird.

Der Öffentliche Nahverkehr wird durch den Verkehrsverbund Neckar-Alb-Donau (Naldo) gewährleistet. Die Gemeinde befindet sich in der Wabe 220. Pliezhausen, Gniebel und Rübgarten sind durch die Buslinie 3/31 der Reutlinger Stadtverkehrsgesellschaft an Reutlingen angebunden. An drei Haltestellen in Pliezhausen und Gniebel hält außerdem der Flughafen-Zugbringerbus Expresso, der auch S-Bahn-Haltestellen im VVS anfährt. In Dörnach verkehrt lediglich die Schulbuslinie 105.

Bildung[Bearbeiten]

In Pliezhausen gibt es eine Grund-, Haupt- und Realschule (Otwin-Brucker-Schulzentrum). Zudem gibt es in Rübgarten und in Gniebel je eine Grundschule, wobei die Grundschule Gniebel von Kindern der beiden Teilgemeinden Gniebel und Dörnach besucht wird. Außerdem besteht eine Musikschule im Ort. Für die jüngsten Einwohner bestehen im Ort sieben Kindergärten.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

Persönlichkeiten, die im Ort leben oder gelebt haben[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Hauptsatzung der Gemeinde Pliezhausen vom 22. Dezember 1975, zuletzt geändert am 14. September 2004
  3. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VII: Regierungsbezirk Tübingen. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004807-4. S. 57–59
  4. Geschichtliches auf der Internetseite der Gemeinde Pliezhausen, abgerufen am 18. Juli 2010
  5. Karl Eduard Paulus: Beschreibung des Oberamts Tübingen, Seite 465.
  6. Die Wildenaustraße in Tübingen-Lustnau auf TÜpedia.
  7. Die Martinskirche, Internetauftritt der evangelischen Kirchengemeinde Pliezhausen, abgerufen am 18. Juli 2010

Literatur[Bearbeiten]

  • Der Landkreis Reutlingen Band II. Jan Thorbecke Verlag, Sigmaringen 1997, ISBN 3-7995-1357-4.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Pliezhausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien