Plumploris

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Plumploris
Zwerglori (Nycticebus pygmaeus)

Zwerglori (Nycticebus pygmaeus)

Systematik
Überordnung: Euarchontoglires
Ordnung: Primaten (Primates)
Unterordnung: Feuchtnasenprimaten (Strepsirrhini)
Teilordnung: Loriartige (Lorisiformes)
Familie: Loris (Lorisidae)
Gattung: Plumploris
Wissenschaftlicher Name
Nycticebus
E. Geoffroy, 1812

Die Plumploris (Nycticebus) sind eine Primatengattung aus der Familie der Loris (Lorisidae). Es sind nachtaktive, baumbewohnende Tiere, die in Südostasien leben. Je nach Systematik werden drei bis fünf Arten unterschieden.

Merkmale[Bearbeiten]

Plumploris sind deutlich stämmiger gebaut als die nahe verwandten Schlankloris. Sie erreichen eine Kopfrumpflänge von 18 bis 38 Zentimeter, ein Schwanz ist nicht vorhanden. Das Gewicht beträgt je nach Art 0,3 bis 2 Kilogramm, der Zwerglori ist deutlich kleiner als die übrigen Arten. Die Gliedmaßen sind kräftig, die Daumen und ersten Zehen sind opponierbar, die zweiten Finger der Hände sind zurückgebildet. Diese Modifikationen der Hände ermöglichen einen kräftigen, kaum zu lösenden Griff um die Äste. Mit Ausnahme der zweiten Zehen, die die für Feuchtnasenaffen typischen Putzkrallen tragen, weisen die Finger und Zehen Nägel auf.

Die Anzahl der Brust- und Sakralwirbel ist erhöht, wodurch sich die Tiere sehr beweglich um die Äste winden können. Das Fell ist kurz und dicht, seine Färbung variiert von weißgrau bis zu rotbraun, die Unterseite ist etwas heller. Die Augen sind groß, rund und nach vorne gerichtet, die Ohren sind klein, rundlich und fast im Fell verborgen.

Plumploris zählen zu den wenigen giftigen Säugetieren. Eine Drüse am Arm produziert ein Sekret, das in Verbindung mit Speichel seine Giftigkeit entfaltet. Sie schlecken sich ab, das Gift vertreibt so etliche potentielle Fressfeinde, es kann aber auch mit Bissen übertragen werden.

Verbreitung und Lebensraum[Bearbeiten]

Plumploris sind in Südostasien beheimatet, ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich vom östlichen Indien und dem südlichen China über die Malaiische Halbinsel bis nach Borneo und Java. Ihr Lebensraum sind Regenwälder und andere Waldformen, in den Bäumen halten sie sich meist in der Kronenregion auf.

Lebensweise und Ernährung[Bearbeiten]

Wie alle Loris sind Plumploris nachtaktive Baumbewohner. Tagsüber schlafen sie auf Ästen oder im dichten Pflanzenwuchs zusammengerollt, in der Nacht begeben sie sich auf Nahrungssuche. Ihre Bewegungen sind langsam und bedächtig, sie geben auch relativ wenig Laute von sich.

Über ihr Sozialverhalten ist wenig bekannt. Die Männchen sind territorial und verteidigen ihr Revier gegenüber anderen Männchen, sie leben entweder einzelgängerisch oder in kleinen Familiengruppen. Sie urinieren auf ihre Hände und hinterlassen bei ihren Streifzügen so eine Duftspur, die Artgenossen auf ihre Anwesenheit aufmerksam macht.

Plumploris sind Allesfresser, die hauptsächlich Früchte und Insekten und manchmal auch Baumsäfte zu sich nehmen. Weitere Bestandteile ihrer Ernährung sind kleine Wirbeltiere, Eier und diverse Pflanzenteile. Bei der Jagd schleichen sie sich mit ihren bedächtigen Bewegungen an die Beute heran, um sie dann blitzartig einzufangen.

Fortpflanzung[Bearbeiten]

Nach rund 190-tägiger Tragzeit bringt das Weibchen ein einzelnes Jungtier (selten Zwillinge) zur Welt. Das Neugeborene klammert sich zunächst an den Bauch der Mutter. Später lässt sie es während der Nahrungssuche im Geäst zurück. Dabei schleckt sie es ab, um es so mit ihrem Gift zu schützen. Nach etwa fünf bis sieben Monaten ist es entwöhnt und wird mit eineinhalb bis zwei Jahren geschlechtsreif. In menschlicher Obhut können diese Tiere über 25 Jahre alt werden.

Plumploris und Menschen[Bearbeiten]

Menschen in Südostasien verbinden eine Reihe von abergläubischen Vorstellungen mit den Plumploris: wenn das Fell auf eine Wunde gelegt wird, heile diese schneller, und ein Schiff, das so ein Tier an Bord hat, gerate in keine Flaute. Die Bejagung stellt eine der Hauptbedrohungen dar, hinzu kommt die Zerstörung ihres Lebensraums. Ein großer Teil der Tiere wird lebend gefangen, um sie als Heimtiere zu verkaufen. Die Haltung als Heimtiere erfolgt vor allem in Japan, China und den Ländern in denen die Tiere auch natürlich vorkommen. Plumploris gelten als besonders niedlich und zutraulich, da sie sich ohne Gegenwehr hochheben lassen. Stilles Verharren ist jedoch Teil der Abwehrstrategie der Tiere[1]. Auch das Fangen der Primaten ist durch dieses Verhalten für den Menschen sehr einfach. Plumploris sind auf den Märkten Süd-Ost-Asiens die am meisten gefundene bedrohte Tierart[2]. Nach dem Fangen werden den Tieren meist ihre Giftzähne mit Nagelkneifern oder anderem Werkzeug abgeknipst oder gezogen, was oft zu schweren Entzündungen oder sogar zum Tod führt. Bisher ist das natürliche Fressverhalten der nachtaktiven Tiere kaum erforscht, daher sterben viele Plumploris in Gefangenschaft durch Fehlernährung[3]. Die IUCN listet alle Arten als „gefährdet“ (vulnerable) oder „stark gefährdet“ (endangered).

Systematik[Bearbeiten]

Wilson und Reeder unterscheiden 2005 drei Arten der Plumploris. Bis Ende 2012 wurden weitere beschrieben.

  • Der Bengalische Plumplori (Nycticebus bengalensis) ist vom nordöstlichen Indien bis ins südliche Thailand verbreitet.
  • Der Sunda-Plumplori (Nycticebus coucang) lebt auf der Malaiischen Halbinsel und auf Sumatra.
  • Der Java-Plumplori (Nycticebus javanicus) kommt auf Java vor[4].
  • Der Zwerglori (Nycticebus pygmaeus) ist die kleinste Art. Er ist von Südchina bis Kambodscha verbreitet.

Auf Borneo kommen vier Plumploriarten vor:

Literatur[Bearbeiten]

  • Thomas Geissmann: Vergleichende Primatologie. Springer-Verlag, Berlin u. a. 2002, ISBN 3-540-43645-6.
  • Ronald M. Nowak: Walker’s Mammals of the World. 6th edition. Johns Hopkins University Press, Baltimore MD 1999, ISBN 0-8018-5789-9.
  • Don E. Wilson, DeeAnn M. Reeder (Hrsg.): Mammal Species of the World. A taxonomic and geographic Reference. Johns Hopkins University Press, Baltimore MD 2005, ISBN 0-8018-8221-4.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Plumploris (Nycticebus) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. mongabay.com
  2. webcitation.org
  3. regenwald.org
  4. C. Groves, I. Maryanto (2008). Craniometry of slow lorises (genus Nycticebus) of insular Southeast Asia (PDF, 183 kB)". in M. Shekelle, T. Maryano, C. Groves et al. Primates of the Oriental Night. West Java, Indonesia, LIPI Press. Seite 115–122. ISBN 978-979-799-263-7
  5. R. Munds, S. Ford, K.A.I. Nekaris. 2012. Taxonomy of the Bornean Slow Loris, with New Species Nycticebus kayan (Primates: Lorisidae). American Journal of Primatology, December 2012, doi:10.1002/ajp.22071 [1] (PDF)