Plumpsklo

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Plumpsklo mit traditionellem Herz-Loch in der Tür
Plumpsklo im Gebäude
Schultoilette aus Portz um 1900 im Volkskunde- und Freilichtmuseum Roscheider Hof

Plumpsklo ist der umgangssprachliche Begriff für eine Toilette ohne Wasserspülung (Trockentoilette), bei der der Kot samt Urin in einen Kasten oder eine Grube fällt (plumpst) und dort verbleibt, bis die Grube beziehungsweise der Kasten gefüllt ist und sein Inhalt entsorgt wird. Alternativ wird die Grube – Sickergrube genannt – zugeschüttet und eine neue in einiger Entfernung ausgehoben. Dieser Vorgang wiederholt sich zyklisch („wanderndes Plumpsklo“). Plumpsklos sind von anderen Trockentoiletten, wie zum Beispiel Komposttoiletten oder Trockentrenntoiletten, zu unterscheiden.

Historisches[Bearbeiten]

In Städten ohne Abwasserentsorgung waren Plumpsklos früher weit verbreitet. Die Fäkalien wurden in Jauchegruben gesammelt und regelmäßig abgepumpt. Der Komfort dieser Toiletten war weitgehend den Wasserklosetts nachempfunden. Gespült wurde aber nicht, sondern stattdessen eine Klappe am unteren Ende des Keramikbeckens geöffnet und eventuell mit etwas Wasser aus einer daneben stehenden Kanne nachgeputzt.

Verbreitet waren auch Plumpsklos mit mehreren Sitzen (ohne Trennwand) zur gleichzeitigen Benutzung. Im alten Rom zum Beispiel galt dies als gesellige Angelegenheit, Händler konnten über Geschäftliches reden, noch heute spricht man von der Verrichtung des Geschäfts. Das Plumpsklo kann als Weiterentwicklung des Stehklos mit einem horizontal angebrachten Balken zum Sitzen (im Volksmund „Donnerbalken“) gelten.

Laut einer Entscheidung des LG Hamburg[1] reicht für ein Ferienhaus auf einem naturbelassenen Grundstück ein Plumpsklo aus, ohne dass der Vermieter explizit darauf hinweisen muss.

Plumpsklos heute[Bearbeiten]

Insbesondere in ärmeren Ländern sind Plumpsklos auch heute noch häufig zu finden.

Auch in den ländlichen Gegenden Schwedens und Finnlands kommen Plumpsklos noch relativ häufig vor. Man findet sie vor allem im Zusammenhang mit älteren Gebäuden, die heute als Freizeithäuser verwendet werden. Die schwedische Bezeichnung ist „Dass“ oder „Utedass“ (Außenklo), was auf das deutsche Wort bzw. den Artikel des Wortes „das Haus“ zurückzuführen ist. Für die Entsorgung der Fäkalien sorgt, gegen Gebühr, die Gemeinde. Ein Entsorgungsabonnement kann auf die Sommermonate beschränkt werden. Auch an schwedischen Stränden oder finnischen Nationalparks werden Plumpsklos aufgestellt, meist direkt neben den Parkplätzen, da es dort meist keine eigens dafür gebauten Häuschen gibt.

Plumpsklos in Eisenbahnzügen[Bearbeiten]

Bis heute finden Plumpsklos (Fallrohrtoilette; „Offene Bauart“) in vielen Eisenbahnzügen Verwendung. Dabei werden Fäkalien und Urin durch eine Klappe und ein Gummi- und/oder Metallrohr auf die Gleise abgelassen, weswegen der Gebrauch in Bahnhöfen verboten ist. Vorteilhaft ist, dass diese Toiletten kaum Wartung benötigen. Gelegentlich muss, abgesehen von der regelmäßigen Reinigung, der über der Decke angebrachte Wassertank nachgefüllt und Toilettenpapier nachgelegt werden. Außerdem sind die dicken Fallrohre relativ unempfindlich gegen Verstopfungen.

Nachteilig ist die Verschmutzung der Schwellen und des Bahndamms mit Fäkalien. In Deutschland sind die Plumpsklos inzwischen weitgehend durch Vakuumtoiletten ersetzt worden, die ein geschlossenes Abwassersystem erlauben.

Offene Zugtoiletten sind für die Arbeiter im Tunnel, bei den Baustellen und für Bahnhöfe ein zusätzliches Problem. Auf der Baustelle im unterirdischen Teil des Zürcher Hauptbahnhofs führte die Verschmutzung durch Fäkalien im Herbst 2011 sogar zum Streik der Bauarbeiter.[2] Bei den Schweizer SBB haben 2011 noch 42 % der Züge oder rund 1300 Wagen offene Toiletten, die erst bis 2019 komplett umgerüstet oder ersetzt werden sollen.

Hochgeschwindigkeitszüge können nicht mit Toiletten dieser Bauart ausgestattet werden, da der bei Einfahrt in einen Tunnel mit hoher Geschwindigkeit entstehende Luftdruck den Inhalt des Fallrohres zurück drücken könnte. Bei Hochgeschwindigkeitszügen mit Druckkabine wäre eine offene Verbindung nach außen ohnehin nicht möglich.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Plumpsklo – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. LG Hamburg, Urteil vom 23. August 2002, Az. 313 S 78/02.
  2. Kot und Urin auf Arbeiter