Plumpy’nut

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Plumpy’nut, (Plumpy) ist eine energiereiche Paste aus Erdnussbutter zur Behandlung von moderater[1] Unterernährung im Bereich der humanitären Hilfe. Sie wurde von den französischen Wissenschaftlern Michel Lescanne und André Briend entwickelt. Die Bezeichnung setzt sich aus den englischen Wörtern plump (dick) und peanut (Erdnuss) zusammen. Plumpy’nut wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als „therapeutische Fertignahrung“ (englisch Ready to Use Therapeutic Food, RUTF) eingestuft. Eine zweimonatige Versorgung eines Kindes kostet ca. 60 US$.[2]

Ein vergleichbares Produkt auf der Basis von Weizenmehl sind als BP-5 bezeichnete Biskuit-Riegel.

Zusammensetzung und Verwendung[Bearbeiten]

Eine Packung Plumpy’nut

Die Paste setzt sich zusammen aus Erdnussbutter, Milchpulver, Öl und Zucker. Zugesetzt sind zudem lebenswichtige Vitamine und Mineralien. Der Geschmack ist vergleichbar mit einer süßen Erdnussbutter. Der Nährwert einer Packung mit einem Gewicht von 92 Gramm beträgt 500 Kilokalorien. Als Vorteil gegenüber anderer Aufbaunahrung hat sich erwiesen, dass Plumpy’nut auf Öl basiert und nicht auf Wasser. Damit ist es zum einen essbar, ohne dass keimfreies Wasser zugegeben werden muss, zum anderen ist es auch nach dem Auspacken vergleichsweise gut haltbar gegenüber lebensmittelverderbenden Mikroorganismen. Die Haltbarkeitsdauer im verpackten Zustand beträgt rund zwei Jahre.

Da Plumpy’nut direkt verzehrt werden kann, müssen die Patienten für die Behandlung der Unterernährung nicht stationär aufgenommen werden. Kinder können es ohne Hilfe selbst verzehren oder einfach von ihren Eltern versorgt werden, wodurch Pflegepersonal entlastet wird. Aufgrund der weichen Konsistenz kann Plumpy’nut auch von Kindern mit noch nicht vollentwickeltem Gebiss gegessen werden. Die Kosten für eine vierwöchige Behandlung eines Kindes mit Plumpy’nut betragen rund 20 US-Dollar. Aus den genannten Gründen ist die Erdnusspaste zu einem Standardprodukt für Einsätze von Hilfsorganisationen geworden. Zusätzlich von Vorteil für die Logistik beim Transport und bei der Verteilung ist das Verhältnis aus Gewicht und Größe der Riegel.

Verbreitung[Bearbeiten]

Kinder mit Plumpy’nut

Plumpy’nut ist ein eingetragenes Warenzeichen der Firma Nutriset. 2004 machte das Unternehmen zwölf Millionen Euro Umsatz mit dem Produkt, was in etwa einer Verdoppelung seit 2001 entspricht. Aus Kostengründen sind Franchise-Firmen geplant, wobei die Lieferung der Zusätze und die Qualitätskontrolle von Nutriset übernommen wird. Produktionsstätten bestehen bereits in Niger.

Zahlreiche Hilfsorganisationen wie UNICEF[3] oder Ärzte ohne Grenzen[4] setzen die Erdnusspaste ein. UNICEF wirbt mit der direkten Wirksamkeit der Behandlung für Spenden.[5]

Kritik[Bearbeiten]

Ernährungswissenschaftler weisen darauf hin, dass eine Behandlung mit Plumpy’nut nur möglich ist, solange ein Mensch noch selbst schlucken kann, und warnen somit davor, Plumpy’nut als Wunderwaffe gegen Unterernährung zu betrachten.[1] Darüber hinaus besitzen erdnussbasierte Inhaltsstoffe ein höheres allergenes Potential als andere Lebensmittelzutaten.

Jeffrey Sachs, Ökonom und Sonderberater der Millennium Development Goals, weist darauf hin, dass ein Produkt wie Plumpy’nut nur gegen die Mangelernährung in Krisengebieten und akuten Hungersnöten helfen kann, nicht jedoch gegen die sehr viel gravierende und weiter verbreitete chronische Unter- und Fehlernährung.[6] Kritik wird auch an der Werbekampagne von UNICEF für Plumpy’nut geübt, die nicht die eigentlichen Ursachen von Hungersnöten und Unterernährung in den Blick nehme. [7]

Kontrovers wird die patentrechtliche Handhabung durch die Firma Nutriset beurteilt.[8][6] Die Organisation Ärzte ohne Grenzen kritisiert im Rahmen ihrer Kampagne für den Zugang zu unentbehrlichen Arzneimitteln die patentrechtliche Handelsbeschränkung lebensrettender Produkte und die damit einhergehende Verletzung humanitärer Grundsätze.[9] Das Patent aus dem Jahre 1999 wird in wenigen Jahren auslaufen.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Plumpy'nut – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b http://www.sueddeutsche.de/wissen/hungerhilfe-erdnussbutter-fuer-die-welt-1.911685
  2. http://www.nytimes.com/2010/09/05/magazine/05Plumpy-t.html?_r=0
  3. http://www.unicef.de/erdnusspaste
  4. https://www.aerzte-ohne-grenzen.de/article/aerzte-ohne-grenzen-unterstuetzt-doerfer-im-kampf-gegen-mangelernaehrung
  5. http://www.wuv.de/agenturen/jung_von_matt_spot_fuer_unicef_wenn_erdnuesse_sprechen_koennten
  6. a b Huffington Post vom 6. September 2010, abgerufen am 25. Mai 2014
  7. http://www.wildbits.de/2013/12/13/allergisch-gegen-hunger/
  8. The San Diego Union-Tribune vom 16. Januar 2010, abgerufen am 24. Mai 2014
  9. Offener Brief der Kampagne für den Zugang zu unentbehrlichen Arzneimitteln