Pilsen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Plzeň)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt die Stadt; zu anderen Bedeutungen siehe Pilsen (Begriffsklärung).
Plzeň
Wappen von Plzeň
Pilsen (Tschechien)
Paris plan pointer b jms.svg
Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Plzeňský kraj
Bezirk: Plzeň-město
Fläche: 13765 ha
Geographische Lage: 49° 44′ N, 13° 23′ O49.74138888888913.3825308Koordinaten: 49° 44′ 29″ N, 13° 22′ 57″ O
Höhe: 308 m n.m.
Einwohner: 168.034 (1. Jan. 2014) [1]
Postleitzahl: 301 00
Kfz-Kennzeichen: P (alt: PM, PN)
Verkehr
Bahnanschluss: 160 Plzeň–Žatec
170 Praha–Plzeň–Cheb
180 Plzeň–Furth im Wald
183 Plzeň–Železná Ruda
190 Plzeň–Č. Budějovice
Struktur
Status: Statutarstadt
Ortsteile: 10 Stadtbezirke
31 Ortsteile
Verwaltung
Oberbürgermeister: Martin Baxa (Stand: 2011)
Adresse: náměstí Republiky 1
306 32 Plzeň
Gemeindenummer: 554791
Website: www.plzen.eu

Pilsen (tschechisch Plzeň Aussprache?/i) ist die viertgrößte Stadt Tschechiens im Westen von Böhmen und der Verwaltungssitz des Plzeňský kraj. Bekannt geworden ist Pilsen durch das Pilsner Bier und die Škoda-Werke. Die Universitäts- und Bistumsstadt hat weithin eine bedeutende Stellung als Industrie-, Handels-, Kultur- und Verwaltungszentrum und knapp 168.000 Einwohner.

Geographie[Bearbeiten]

Klima und Geographie[Bearbeiten]

Altstadt mit Kathedrale von Osten

Pilsen liegt im Pilsener Becken am Zusammenfluss der Flüsse Mies, Radbusa, Úhlava und Úslava. Die Innenstadt liegt um 310 m n.m., einige Anhöhen innerhalb des Stadtgebiets erreichen bis 452 m n.m.. Die Altstadt steht auf Arkoseuntergrund. Pilsen gehört in die warmgemäßigte Zone mit langen, trockenen Sommern, wärmeren Übergangsperioden und sehr trockenen Wintern mit kurzem Andauern der Schneedecke. Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 7,5 °C, der durchschnittliche Jahresniederschlag um 520 mm. Die höchste gemessene Temperatur war 40,1 °C (1983, Pilsen-Bolevec) und die niedrigste −27,6 °C (1987, Pilsen-Bolevec). Die Sonnenscheindauer schwankt jährlich zwischen 1400 und 1700 Stunden.

Bevölkerung[Bearbeiten]

In den Zeiten nach der Stadtgründung in der 2. Hälfte des 14. Jh. wird die Stadtbevölkerung auf 3000 Einwohner geschätzt. Der Dreißigjährige Krieg brachte einen massiven Rückgang. In der Mitte des 19. Jh. überschritt die Einwohnerzahl die Zehntausendgrenze. In den folgenden Jahren entwickelte sich Pilsen zu einem der wichtigsten Industriestandorte Österreich-Ungarns, und die Bevölkerungszahl wuchs sprunghaft. Bereits 1890 hatte die Stadt über 50.000 Einwohner. Im Jahr 1991 wurde das bisherige Maximum von 173.008 Einwohnern erreicht. Seitdem nimmt die Einwohnerzahl erstmals wieder leicht ab.

Jahr 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011
Einwohnerzahl [2] 166 759 164 336 163 791 164 180 162 627 162 759 163 392 165 238 169 273 169 935 168 808 167 302

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Stadtbezirke von Pilsen

Die Stadt Plzeň gliedert sich in 10 Stadtbezirke, zu denen 31 Ortsteile gehören:

  • Plzeň 1: Bolevec und Severní Předměstí
  • Plzeň 2-Slovany: Božkov, Černice, Doudlevce, Hradiště, Koterov, Lobzy und Východní Předměstí
  • Plzeň 3: Doudlevce, Jižní Předměstí, Litice, Nová Hospoda, Radobyčice, Skvrňany, Valcha, Vnitřní Město und Východní Předměstí
  • Plzeň 4: Bukovec, Červený Hrádek, Doubravka, Lobzy, Újezd und Východní Předměstí
  • Plzeň 5-Křimice: Křimice
  • Plzeň 6-Litice: Litice
  • Plzeň 7-Radčice: Radčice
  • Plzeň 8-Černice: Černice
  • Plzeň 9-Malesice: Dolní Vlkýš und Malesice
  • Plzeň 10-Lhota: Lhota

Geschichte[Bearbeiten]

Stadtgründung[Bearbeiten]

Die Stadt wurde als Neugründung um 1295 von Lokator Heinrich und im Auftrag von König Wenzel II. unter dem Namen Neu Pilsen als Königsstadt gegründet. Der Name Pilsen wird erst ab dem 16. Jh. geläufig, bis dahin gehörte er dem einst gleichnamigen frühmittelalterlichen Verwaltungszentrum der Region, welches später als Alt Pilsen bezeichnet wurde und heute Starý Plzenec heißt. Die Stadt sollte eine der größten und bedeutendsten böhmischen Städte werden, deshalb wurde sie sehr großzügig angelegt. Der Hauptmarkt mit dem Ausmaß von 139 x 193 m ist einer der größten Marktplätze Europas, auch die Straßenbreite war für mittelalterliche Verhältnisse ungewohnt groß. Der Stadtgrundriss wurde regelmäßig ausgemessen und besteht aus rechteckigen Hausblöcken. Pilsen bekam die nach Prag bisher größte Landfläche zugeteilt. Im Jahre 1300 wurde Pilsen zum ersten Mal in einem Dokument des Basler Bischofs Peter von Aspelt konkret erwähnt. Obwohl die Stadt die jüngste königliche Stadt in Westböhmen war, entwickelte sie sich sehr schnell zum politischen und wirtschaftlichen Zentrum der Region.

Aus wirtschaftlich-geographischer Sicht wurde die Stadt am Handelsweg aus Prag angelegt, der sich in Pilsen in Zweige teilte, die weiter nach Nürnberg (im Mittelalter der bedeutendste Fernhandelsweg Böhmens), Regensburg und Cheb (Eger) verliefen. Als bedeutendster Exportartikel wird bis in das 16. Jh. Rindvieh aufgeführt, welches die Pilsener Stadtbürger in ganz Böhmen oder sogar in der Slowakei aufkauften und hauptsächlich nach Bayern ausführten. Nach 1400 wurden in Pilsen 46 verschiedene Handwerke genannt.

Reformation und Hussitenkriege[Bearbeiten]

Stadtansicht, 1602

Im Jahre 1417 kam es in Pilsen zu einem Putsch, und die Anhänger der Hussiten übernahmen städtische Posten. Pilsen wurde zum Zentrum des radikalen, chiliastischen Hussitentums. 1419 verließen radikale hussitische Anhänger Prag und wechselten nach Pilsen; die Stadt wurde so zum Zentrum der Bewegung. Neben dem radikalen Priester Václav Koranda gehörte auch Jan Žižka zu den bedeutenden Persönlichkeiten der Stadt. Die Stadt wurde vom westböhmischen katholischen Adel blockiert, und bei den verschiedenen Rangeleien erzielte Žižka im Jahre 1419 einen ersten Sieg in der Schlacht bei Nekmíř.

Die Gesamtlage der hussitischen Stadt wurde aber immer schwieriger, und 1420 verließ sie der radikale Teil der Hussiten. Pilsen wechselte sofort die Seite und wurde zum festen Bestandteil der königlichen Macht und des Katholizismus. Die Hussiten versuchten in folgenden Jahren insgesamt fünfmal, die Stadt wieder einzunehmen (1421, 1422, 1423, 1427 und 1433-1434), jedes Mal aber ohne Erfolg. Der schlimmste Versuch war die Belagerung der Stadt ab Juli 1433 bis Mai 1434. Im Januar 1434 gelang es den Pilsenern, bei einem Gegenangriff ein Kamel als Trophäe zu erbeuten, dieses wurde ab den sechziger Jahren des 15. Jh. Bestandteil des Stadtwappens. Im Frühling 1434 wurde die Stadt von dem Überläufer und ehemaligen Hauptmann der Taboriten Přibík von Klenová mit Lebensmitteln versorgt (angeblich in insgesamt 120 Wagen!). Anfang Mai wurde die Belagerung aufgegeben, und die hussitischen Truppen zogen ab. In den folgenden Kriegen wechselte die Stadt mehrmals die Seite. Im Jahre 1468 wurde in Pilsen erstmals in Böhmen die Technologie des Buchdrucks angewandt.

Dreißigjähriger Krieg[Bearbeiten]

Belagerung der Stadt im Dreißigjährigen Krieg

In Zeiten einer Pestepidemie in Prag zog 1599-1600 Kaiser Rudolf II. mit Hofstaat kurzzeitig nach Pilsen um. Später entschied sich der Kaiser, in Pilsen einen Nebensitz zu errichten, und ließ 1606 das sog. Kaiserliche Haus in Pilsen erbauen, das er aber danach nie nutzte.

Der Dreißigjährige Krieg bedeutete für Pilsen gleich zu Anfang den Absturz in die Armut und riesige Schulden. Nach dem Ausbruch des Ständeaufstandes 1618 blieb Pilsen dem Kaiser treu. Am 21. November 1618 wurde die Stadt nach kurzer Belagerung von einem Heer der Stände unter Ernst von Mansfeld eingenommen und mit verheerenden Folgen bis April 1621 besetzt.[3] In dieser Zeit diente die Stadt als Hauptstützpunkt und auch als Haupteinkommensquelle der Armee.

Ab 1631 war Pilsen Basis eines kaiserlichen Heeres, welches zum Schutz der Stadt vor einer sächsischen Armee aus Bayern abkommandiert wurde. Die kaiserliche Armee bot zwar Schutz, aber ihre Unterbringung und Verpflegung belastete die Stadt wirtschaftlich schwer und führte zu großer Verschuldung. Am Ende des Krieges und noch einige Zeit später zogen mehrmals schwedische Armeen durch die Stadtumgebung.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg war die städtische Wirtschaft ruiniert, die Vorstädte abgebrannt, die Stadtbevölkerung dezimiert, ein Drittel der Bürgerhäuser in der Innenstadt war wüst. Die Beseitigung der Schäden und der wirtschaftliche Wiederaufbau dauerten beinahe ein Jahrhundert. Die Fernhandelsbeziehungen sanken auf ein Minimum. Allgemeinen Verfall erlitt das gesellschaftliche Leben. Erst am Ende des 18 Jh. erreichte die Einwohnerzahl wieder den Vorkriegsstand. Pilsen blieb auch danach bis ins 19. Jh. eine Provinzstadt ohne größere Bedeutung.

Industriezeitalter[Bearbeiten]

Haus am Hauptmarkt, 1856

In der zweiten Hälfte des 19. Jh. stand Pilsen nach Größe und Bedeutung hinter Prag wieder an zweiter Stelle in Böhmen. Im Jahre 1869 entstand das wichtigste und in folgenden Jahren für die Stadt prägende Maschinenbauunternehmen Škoda. Das zweitgrößte Werk dieser Zeit war nach 1898 das Eisenbahnwerk der Staatsbahnen mit etwa 2.000 Angestellten. Es handelte sich um das größte Ausbesserungswerk in Österreich-Ungarn. Zwischen 1861 und 1877 wurde der Pilsener Eisenbahnknoten fertiggestellt. Im Jahre 1899 verkehrte in Pilsen die erste Straßenbahnlinie.

Trotz dieser Wirtschaftsblüte waren die Wohn- und hygienischen Verhältnisse besonders für die Arbeiterschaft Pilsens schlecht. Diesen Zuständen versuchte in den Jahren 1911 bis 1919 Škoda mit dem Bau der Arbeiterwohnsiedlung Karlov abzuhelfen. Insgesamt blieben die Wohnbauaktivitäten aber unzureichend. Die Škoda-Werke spezialisierten sich immer mehr auf Rüstungsgüter und wurden in späteren Jahren zur größten Waffenschmiede Österreich-Ungarns. Pilsen lieferte etwa schwerste Artilleriegeschütze wie den 30,5-cm-Belagerungsmörser, der auch im Ersten Weltkrieg eingesetzt wurde. 1917 arbeiteten bei Škoda ca. 32.000 Arbeiter. Am 25. Mai 1917 kamen bei einem Explosionsunglück in der Munitionsfabrik im Pilsner Vorort Bolevec etwa 300 Menschen ums Leben. In den folgenden zwanzig Jahren war die Industriestadt Pilsen mit dem benachbarten Montangebiet ein wichtiges Wirtschaftszentrum der 1918 gegründeten Tschechoslowakischen Republik.

Vor der Besetzung durch NS-Deutschland von 1939 bis 1945 lebten in Pilsen (1938) etwa 3200 Juden (unter 125.000 Einwohnern). 3000 von ihnen wurden im Januar 1942 in drei Transporten nach Theresienstadt und in weitere Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert.

Von 1939 bis 1945 arbeitete die Rüstungsindustrie in Pilsen für das Deutsche Reich. Deshalb waren im Zweiten Weltkrieg die Škoda-Werke Ziel von Luftangriffen zunächst der Royal Air Force, später auch der US Army Air Force. Am 6. Mai 1945 befreiten Einheiten der 3. US-Armee Pilsen. Ende November 1945 zogen die US-Truppen wieder ab. Die deutsche Bevölkerung der Stadt wurde ab 1945 vertrieben.

Am 1. Juni 1953 kam es aufgrund einer Währungsreform zu schweren Unruhen in der Stadt. 20.000 Menschen, vor allem Arbeiter der Škoda-Werke demonstrierten gegen das kommunistische Regime. Demonstranten drangen in das Rathaus ein und warfen kommunistische Symbole, Möbel und andere Gegenstände aus den Fenstern. Ab Nachmittag wurde die Demonstration von der Staatsmacht gewaltsam beendet.

Am 21. August 1968 beendete der Einmarsch sowjetischer Truppen auch in Pilsen den Prager Frühling.

Politik[Bearbeiten]

Rathaus
St. Bartholomäus-Kathedrale

Folgende Fraktionen sind in der Stadtvertretung der Statutarstadt (zastupitelstvo statutárního města) vertreten: ODS: 14 Sitze, ČSSD: 14 Sitze, TOP 09: 7 Sitze, KSČM: 5 Sitze, OBČANÉ.CZ: 5 Sitze, Pravá volba pro Plzeň: 2 Sitze. Die Sitzverteilung ist das Ergebnis der Kommunalwahlen vom 15. Oktober – 16. Oktober 2010. Die Wahlbeteiligung lag bei 39,44 Prozent.

Liste der Oberbürgermeister (seit 1989)[Bearbeiten]

  • Stanislav Loukota, 2. März 1990 – 5. Dezember 1990
  • Zdeněk Mraček (OF), 1990–1994
  • Zdeněk Prosek (ODS), 1994–1998
  • Jiří Šneberger (ODS), 1998–2004
  • Miroslav Kalous (ODS), 2004–2006
  • Pavel Rödl (ODS), 2006–2010
  • Martin Baxa (ODS), seit 2010

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Pilsen unterhält Städtepartnerschaften mit folgenden Städten:[4]

Bildung[Bearbeiten]

Das öffentliche Schulwesen ist mit 29 Grundschulen, 5 Gymnasien und 18 Fachgymnasien vertreten. In Pilsen befinden sich zwei Universitätseinrichtungen. Die kleinere ist die Medizinische Fakultät in Pilsen, ein Bestandteil der Prager Karls-Universität mit etwa 1400 Studenten. Die jüngere und größere Hochschule ist die Westböhmische Universität in Pilsen mit etwa 17.200 immatrikulierten Studenten (Stand: Herbst 2006). In Pilsen befindet sich das tschechische Büro des Koordinierungszentrums Deutsch-Tschechischer Jugendaustausch Tandem.

Bistum[Bearbeiten]

Hauptartikel: Bistum Pilsen

Seit 31. Mai 1993 ist Pilsen Sitz des römisch-katholischen Bistums Pilsen. Der erste und bisher einzige Amtsinhaber ist Bischof František Radkovský. Die Diözese umfasst fast das gesamte Gebiet des Plzeňský kraj (der südliche Teil ist beim Bistum Budweis verblieben) und des Karlovarský kraj mit insgesamt 818.700 Einwohnern (davon 149.000 Katholiken). Bistumskirche ist die St.-Bartholomäus-Kathedrale auf dem Platz der Republik in Pilsen. Das Bistum ist in 10 Vikariate mit insgesamt 72 Pfarreien gegliedert.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Kennzahlen[Bearbeiten]

Die Arbeitslosigkeit betrug 2004 6,90 %.

Traditionsunternehmen[Bearbeiten]

Škoda[Bearbeiten]

Hauptartikel: Škoda (Maschinenbau)

Das Maschinenbauunternehmen Škoda war für Pilsen wirtschaftlich und auch vom Stadtbild her prägend. Das Werk wurde 1859 von Graf Ernst von Waldstein gegründet und 1869 von dem Ingenieur Emil von Škoda gekauft. Dieser modernisierte das Unternehmen. Škoda stellte Zuckerfabriken, Brauereien und Dampfmaschinen her. Später orientierte sich das Unternehmen immer mehr auf die Rüstungsindustrie. Ab 1886 wurden in Pilsen Geschütztürme für Schlachtschiffe hergestellt. Während des Ersten Weltkrieges wurde das Werk dann zum größten Waffenproduzenten der habsburgischen Monarchie Österreich-Ungarn mit ca. 32000 Arbeitern im Jahr 1917.

Nach Kriegsende wurden als erstes Lokomotiven hergestellt. In den folgenden Jahren baute Škoda in aller Welt Zuckerfabriken, Mühlen, Brauereien, Kraftwerke, Bergwerke oder Schlachtwerke. Im Jahr 1925 übernahm das Unternehmen den Automobilhersteller Laurin & Klement, heute Škoda Auto.

Nach dem Zweiten Weltkrieg orientierte sich das Pilsener Hauptwerk vorwiegend auf die Schwerindustrie, anfangs Dampf- und später E-Lokomotiven, Turbinen und Kraftwerksanlagen. Nach wie vor wurden schlüsselfertige Industrieanlagen im Ausland gebaut. Ab den fünfziger Jahren begann in Pilsen ein ziviles Nuklearprogramm. Nach der Wende 1989 wurde der Konzern privatisiert und in einzelne Bereiche geteilt. Gegenwärtig tragen einige unabhängige Unternehmen den Namen Škoda, diese sind auch heute noch die größten Arbeitgeber der Stadt.

Brauereien[Bearbeiten]

Hauptartikel: Plzeňský Prazdroj
Tor der Brauerei

Aufgrund der ursprünglich sehr schlechten Bierqualität entschlossen sich Mitte des 19. Jahrhunderts die brauberechtigten Bürger Pilsens zum Bau einer neuen Brauerei, um damit die technischen Voraussetzungen für die Herstellung eines moderneren, untergärigen Bieres zu schaffen. Im Frühling 1842 beriefen sie den Bayern Josef Groll zum ersten Braumeister. Dieser wird als Urheber der weltberühmten so genannten Pilsner Brauart bezeichnet. Das Bürgerliche Brauhaus wurde in den folgenden Jahren ständig erweitert, es beschäftigte Ende des Jahrhunderts bereits ca. 600 Mitarbeiter. 1898 wurde die Schutzmarke Pilsner Urquell eingetragen. Ab 1874 exportierte die Brauerei ihr Bier in die Vereinigten Staaten. Im Jahr 1912 besaß sie 336 eigene Eisenbahnwaggons. Im Jahr 1913/1914 überschritt die Jahresproduktion erstmals 1 Million Hektoliter.

Neben dem Bürgerlichen Brauhaus entstand im Jahr 1869 die Erste Pilsener Aktienbrauerei, die zuerst nur für ihr Bier, später auch als Brauereinamen, die bis heute existierende Marke Gambrinus verwendete. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden beide Brauereien verstaatlicht und unter dem Namen Pilsener Brauereien zusammengeschlossen. 1992-1994 wurde das Staatsunternehmen privatisiert und erhielt den Namen Plzeňský Prazdroj a.s. (deutsch: Pilsner Urquell AG). Seit 1999 gehört das Unternehmen zum Konzern South African Breweries plc (seit 2004: SABMiller).

Ansässige Industriebereiche[Bearbeiten]

In der Stadt befinden sich weiterhin Teile des ehemaligen Škoda-Konzerns, orientiert auf Schwermaschinenbau, Kraftwerkbau (inkl. Nuklearkraftwerke) und Schienenfahrzeugtechnik. Die Škoda-Unternehmen sind auch heute noch die größten Arbeitgeber der Stadt und der Region. Eine bedeutende Rolle spielt die Brauerei- und Spirituosenindustrie, vertreten durch die Pilsner Urquell AG und den Spirituosenhersteller Stock Plzeň-Božkov.

Ein außergewöhnliches Projekt ist der Bau des Industrieparks Borská pole ab 1996. Im Dezember 2005 waren hier 42 Unternehmen ansässig mit insgesamt 9790 Arbeitsplätzen, vorwiegend in den Bereichen Elektrotechnik, Kraftfahrzeugkomponenten und (Leicht-)Maschinenbau. Der Industriepark errang im Wettbewerb um das Industriegebiet des Jahres wiederholt erste, zweite und dritte Plätze. In diesem Industriepark befindet sich u.a. die Produktionsstätte für Panasonic Flachbildschirme. Ein weiteres Industriegebiet entsteht im sanierten Komplex des ehemaligen Škoda-Konzerns nahe der Innenstadt. Nennenswert ist der gegenwärtig im Entstehen begriffene Pilsener Forschungs- und Technologiepark.

Verkehr und Verkehrsanbindung[Bearbeiten]

Öffentlicher Nahverkehr[Bearbeiten]

Straßenbahnen in der Altstadt

Im Jahr 1899 wurde in Pilsen die erste elektrifizierte Straßenbahnlinie in Betrieb genommen (die heutige Linie 4). In der Stadt verkehren zurzeit drei Linien.

  • Linie 1 (Bolevec–Innenstadt–Slovany)
  • Linie 2 (Skvrňany–Innenstadt–Světovar)
  • Linie 4 (Košutka–Innenstadt–Bory)

Seit 1941 verkehren in Pilsen Oberleitungsbusse, gegenwärtig mit 9 Linien (Nr. 10 - 18). Des Weiteren gibt es etwa 25 Buslinien. Der Nachtverkehr wird mit drei Sonderbuslinien (N1, N2, N3) gewährleistet. Das Stadtumland ist in einem Verkehrsverbund (Integrovaná doprava Plzeňska) zusammengeschlossen.

Straßenverbindung[Bearbeiten]

Autobahnen:

Europastraßen:

Eisenbahnverbindung[Bearbeiten]

Hauptbahnhof

Die wichtigste Eisenbahnverbindung verläuft von Osten (Prag) nach Westen (Cheb / Nürnberg).

Flugverbindung[Bearbeiten]

Der nächstgelegene Flughafen für Fernreisende ist der Flughafen Prag (ca. 60 Min. per Autobahn). Gut erreichbar sind auch der 210 km entfernte Flughafen Nürnberg und der 280 km entfernte Flughafen München. Zu den kleineren Flughäfen gehört der 75 km entfernte Flughafen Karlsbad. Südwestlich von Pilsen liegt der frühere Militärflugplatz, heute der nichtöffentliche internationale Flugplatz Pilsen-Líně (ICAO: LKLN) mit einer 1450 x 60 m Startbahn und VFR-Regime. Hier ist außerdem ein Teil der 243. Hubschrauberstaffel der tschechischen Luftstreitkräfte stationiert, die im ununterbrochenen Betrieb den SAR- und Luftrettungsdienst für die Regionen Pilsen und Karlsbad gewährleistet. Südöstlich von Pilsen befindet sich der Sportflugplatz Pilsen-Letkov (ICAO: LKPL) mit einer 700 m langen, mit Gras bewachsenen Startbahn.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Das historische Stadtzentrum wurde 1989 zum städtischen Denkmalreservat erklärt.

Kulturhauptstadt Europas 2015[Bearbeiten]

Am 8. September 2010 setzte sich Pilsen im innertschechischen Wettkampf gegen Ostrava um die Kulturhauptstadt Europas 2015 durch.[6] Das Programm 2015 wird über 50 Shows und 600 Veranstaltungen umfassen, es beginnt offiziell mit der Eröffnungsfeier am 17. Januar 2015.[7]

Theater und Bühnen[Bearbeiten]

Großes Theater

Josef-Kajetán-Tyl-Theater[Bearbeiten]

Ein erstes Theatergebäude war bereits 1832 in Pilsen entstanden. Die deutschen Bürger der Stadt errichteten im Jahr 1869 ein deutsches Theater in der Goethe-Str. – das sog. Kleine Theater. Das Kleine Theater schloss 1966 seine Pforten, 1977 wurde das Gebäude abgerissen. Das heutige Große Theater wurde im Jahr 1869 gebaut und 1965 das Kammertheater eröffnet. 1980 begannen die Aufführungen im Theater im Klub, der dritten Bühne des Tyl-Theaters. Heute hat das Josef-Kajetán-Tyl-Theater ein Schauspiel-, Opern-, Ballett- und Operetten- und Musicalensemble.

Marionettentheater und Alfa-Theater[Bearbeiten]

Marionetten- und Puppenspiel haben in Pilsen eine lange Tradition. Zwischen 1930-1943 siedelte in Pilsen das erste professionelle Marionettentheater der Tschechoslowakei von Josef Skupa (Schöpfer von Spejbl und Hurvínek), das nach dem Zweiten Weltkrieg nach Prag umzog. Danach entstand erst 1966 wieder ein professionelles Marionettentheater. Dieses trug erst nur im Volksmund und später auch offiziell den Namen des Gebäudes "Alfa". Seit 1967 ist das Theater Mitveranstalter des Festivals Skupova Plzeň. Seit 1928 – mit unfreiwilliger Unterbrechung von 1939-1946 – besteht das Laien-Puppentheater V boudě. Träger seit 1991 ist der Puppentheater-Verein V boudě.

Kleine Bühnen[Bearbeiten]

Fester Bestandteil der Pilsener Theaterwelt sind das Miroslav-Horníček-Theater, das Kabarett-Theater Pluto und das Dialog-Theater, eine kleine Szene u. a. für die zahlreichen Laientheater-Gruppen. Als Alternativ-Bühne dient das zum Reiseverkehr nicht mehr genutzte Abfertigungsgebäude des Bahnhofs Pilsen-Süd.

Bibliotheken[Bearbeiten]

Die größte Bibliothek der Stadt ist die 1950 errichtete Wissenschaftliche Bibliothek des Kreises Pilsen mit einem Gesamtbestand von 1.734.327 Medien (Stand 2005). Die 1876 gegründete Bibliothek der Stadt Pilsen besitzt heute ca. 400.000 Bände. Die Universitätsbibliothek der Westböhmischen Universität in Pilsen verfügt über einen Gesamtbestand von 365.232 Medien (Stand 2005). Die kleinste Einrichtung ist die 1880 gegründete Bibliothek des Westböhmischen Museums mit etwa 70.000 Medien.

Museen[Bearbeiten]

Das Westböhmische Museum in Pilsen ist eine Einrichtung des Plzeňský kraj und gehört zu den wichtigsten Museumseinrichtungen der Region. Ein wichtiger Teil des Museumsalltags ist der Forschungsarbeit gewidmet. Das Museum hat 10 Fachabteilungen: Volkskunde, Neuere Geschichte, Urgeschichte, Mittelalter, Paläontologie, Botanik, Zoologie, Restaurierung, Abteilung für Archäologische Rettungsgrabungen und das Museum für Kunsthandwerk. Derzeit werden zwei größere Dauerausstellungen betrieben: das Zeughaus und regionale Volkskunde im Volkskundemuseum. Zweigstellen sind das Marionettenmuseum in Pilsen und das Dr.-Šimon-Adler-Museum in Hartmanice mit einer Ausstellung zur Geschichte der jüdischen Bevölkerung Westböhmens.

Das Brauereimuseum entstand 1959 als Teil des Westböhmischen Museums. Im Jahre 1987 wurde es dem Staatsbetrieb Pilsener Brauereien übergeben und befindet sich heute in Trägerschaft der Pilsener Urquell-Brauerei. Das Museum zeigt eine Dauerausstellung zur Geschichte des Bieres, dessen Herstellung und damit verbundener Handwerke. Weitere Museumseinrichtungen sind das Diözese-Museum im ehemaligen Franziskanerkloster mit einer Dauerausstellung christlicher Gegenstände der bildenden Kunst. 2008 wurde von der Škoda Holding und der Westböhmischen Universität in Pilsen das Regionale Technische Museum „Techmania“ eröffnet.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Pilsener historische Keller

Die historischen Keller sind ein weit reichender Komplex unterirdischer Räume und Gänge, der sich unter der gesamten Altstadt erstreckt. Ursprünglich handelte es sich um mittelalterliche Keller von Kaufleuten und zahlreiche Brunnen. Diese wurden ab den 1970er Jahren miteinander verbunden und dienen heute als Grundwasserentwässerungssystem der Altstadt. Ein Teil der Räume ist für Besucher zugänglich. Der Rundgang umfasst u. a. das frühneuzeitliche städtische Wasserwerk, einen historischen Abwasserstollen und mehrere Ausstellungsstücke zur Geschichte der städtischen Wasserversorgung.

Turm der St.-Bartholomäus-Kathedrale[Bearbeiten]

Der Turm der St.-Bartholomäus-Kathedrale ist der höchste Kirchenturm in Böhmen und Stadtdominante Pilsens. Die Gesamthöhe beträgt 102,26 m, der Rundgang für Besucher befindet sich in einer Höhe von 62 m. Der Turm ist ganzjährig für Besucher offen. Bei gutem Wetter ist der 70 km entfernte Böhmerwald zu sehen.

360° Panorama vom Turm der St.-Bartholomäus-Kathedrale

Zoologischer und Botanischer Garten[Bearbeiten]

Der Zoologische und Botanische Garten der Stadt Pilsen liegt auf einem 21 ha großen, reich gegliederten Gelände im Stadtteil Lochotín. Vertreten sind um die 1100 Taxa verschiedener Tierarten in 6000 Exemplaren. Bei 23 Tierarten beteiligt sich der Zoo an Europäischen Erhaltungszuchtprogrammen. Der Zoologische Garten wurde 1926 gegründet. 1957 kam dann der bis 1981 selbstständige Botanische Garten hinzu.

Nachtleben und regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Das Pilsener Nachtleben findet hauptsächlich in den zahlreichen Bierstuben, Gaststätten und mehreren Musikklubs statt. Von den regelmäßig stattfindenden Veranstaltungen sind besonders folgende zu nennen:

Monat Jahrgang im
Jahr 2007
Name Beschreibung
Februar-März 27. Smetana-Tage Festival der klassischen Musik
April 20. Finále Plzeň Filmfestival
Juni 27. Skupova Plzeň Marionettentheaterfestival
September 15. Theater Internationales Theaterfestival
Weitere
Mai 17. Freiheitsfest Fest zur Erinnerung an die Befreiung der Stadt
durch US-amerikanische Streitkräfte und an
das Ende des Zweiten Weltkrieges
Oktober Pilsner Fest Jubiläum des ersten Biersudes Pilsner Urquell

Architektur[Bearbeiten]

Das dominanteste Bauwerk der Stadt ist die St. Bartholomäus-Kathedrale, welche kurz nach der Stadtgründung erstmals belegt ist. Es handelt sich um ein mächtiges gotisches, dreischiffiges Bauwerk mit der spätgotischen Sternberg-Kapelle und einem 102,26 m hohen viereckigen Turm. Der zweite Turm wurde nicht fertiggestellt. Das Rathaus wurde von Giovanni de Statio in den Jahren 1554-1559 im Renaissancestil erbaut. Zwischen Rathaus und Kathedrale befindet sich die im Jahre 1691 errichtete Pestsäule. Die Große Synagoge ist Europas zweitgrößte Synagoge aus dem 19. Jahrhundert (nach der in Budapest). Das Bauwerk wurde 1893 in maurisch-romanischem Stil vollendet. Erwähnenswert sind zahlreiche Jugendstilbauten. In Pilsen befinden sich einige Interieurs von Adolf Loos. Die Altstadt steht unter Denkmalschutz.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Bekannte Persönlichkeiten der Stadt sind in der Liste von Persönlichkeiten der Stadt Plzeň aufgeführt.

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2014 (PDF; 504 KiB)
  2. Český statistický úřad[1]
  3. Historische Karte von 1627 Abriß der Statt Pilsen Wie dieselbige Belagert gestürmet undt Eingenohmen worden Anno 1619 als (Digitalisat)
  4. Informační server Magistrátu města Plzně: Partnerská města
  5. Offizielle Website der Stadt Gera: [2]
  6. Pilsen jubelt: 2015 wird man Gäste als europäische Kulturhauptstadt empfangen
  7. Pilsen 2015 - eine Stadt stimmt sich ein. Website des Magazins reisen EXCLUSIV, abgerufen am 16. September 2014.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Plzeň – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Pilsen – Reiseführer