Pneumant

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Pneumant war ein deutscher Reifenhersteller, der heute zu dem japanischen Konzern Sumitomo Rubber Industries gehört (Dunlop in einem Joint-Venture mit Goodyear). Produkte sind Sommer- und Winterreifen. Bis 1989 war das Unternehmen ein volkseigenes Kombinat, das die gesamte ostdeutsche Reifenindustrie vereinigte. Unter der Marke PNEUMANT wurden auch allgemein Kunststoffteile für Industrie, für Fahrzeuge (Transportkoffer), Handwerk und Haushalt sowie Spielwaren im VEB Kombinat Plast- und Elastverarbeitung hergestellt. Das Portfolio reichte von Kunststofftanks über Transportbehälter bis hin zu Haushaltswaren wie etwa Kunststofftrichtern, Kinderbadewannen, Wäschekörben, Kunststoffbesteck für Kinder.

Geschichte[Bearbeiten]

Von der Gründung bis zum Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Auch Kunststoffartikel für Küche und Bad wurden unter dem Markennamen verkauft
Das Auftaktrennen zur 23. Pneumant-Rallye im März 1983 vor der Werner-Seelenbinder-Halle in Berlin

Im Jahr 1906 erfolgte die Gründung des Bereichs Gummireifen bei der Deutschen Kabelwerke AG (DeKaWe) in Berlin. Die Reifenfabrik DEKA Pneumatik GmbH wurde 1922 selbständig. 1936 setzt Pneumatik als erster Reifenhersteller den Synthese-Kautschuk BUNA ein. Im Jahr 1937 erfolgt der Bau neuer Produktions- und Lagergebäude in Ketschendorf bei Fürstenwalde/Spree.

Monopolist in der DDR[Bearbeiten]

1946 wurde das Reifenwerk Riesa für Runderneuerung und Neureifenproduktion neu gegründet und nahm 1956 die Produktion schlauchloser Reifen auf. Ein Jahr später begann die Herstellung von runderneuerungsfähigen Flugzeugreifen. Die neue Wort-Bild-Marke «Pneumant» wurde 1959 eingeführt. Ab 1961 engagierte sich der Betrieb erstmals im Motorsport: Die erste Pneumant-Rallye wurde ausgetragen. Um die Stückzahlen zu steigern, entstand in Dresden-Gittersee ein weiteres Reifenwerk.

1968 wurde die gesamten DDR-Reifenindustrie unter dem Namen VEB Reifenkombinat Fürstenwalde zusammengefasst. Der neu entstandene Monopolist hatte 11.000 Mitarbeiter. Neben dem Stammbetrieb, dem VEB Reifenwerk Fürstenwalde, gehörten vier Neureifenhersteller (in Riesa, Heidenau, Dresden und Neubrandenburg) zum Unternehmen. Weiterhin waren 5 Werke zur Runderneuerung von Reifen, ein Forschungszentrum sowie der Außenhandelsbetrieb PNEUMANT BEREIFUNG angeschlossen. 1984 wurden 2,27 Millionen Reifen produziert. 1983 exportierte das Kombinat Reifen im Wert von 230 Millionen VM.[1]

1973 begann in Riesa der Bau von PKW-Radialreifen nach Lizenz von Kléber-Colombes (heute Michelin).

Nach der Wende[Bearbeiten]

Die Wende von 1989/90 brachte auch für Pneumant einschneidende Veränderungen mit sich: 1990 entstanden an Stelle des bisherigen Kombinats Kapitalgesellschaften, aus denen drei Jahre später die Pneumant Reifen & Gummi Werke GmbH wurde. 1995 ging sie an die Dunlop-Tochter SP Reifenwerke GmbH. 1998 feierte Pneumant ein großes Jubiläum: Der 100-millionste Reifen ging in Riesa vom Band. Zwei Jahre später bekam Pneumant den europäischen Wirtschaftspreis Milestones in der Kategorie «Turnaround» verliehen. 2006 wurden in Fürstenwalde die ersten Run-Flat-Reifen für Dunlop produziert.

Doch auf lange Sicht rentierte sich die ausschließlich in der ehemaligen DDR bekannte Marke nicht mehr, zumal die Umsätze schwanden: So gab Dunlop im Januar 2012 die Einstellung der Marke bekannt.[2]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Pneumant – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Horst Seidler: Konsumgüterversorgung in der DDR und Wechselwirkungen zum innerdeutschen Handel, 1985, ISBN 3428059549, Seite 154, Online
  2. Adé Ostprodukt: Aus für Pneumant. Artikel auf berlin.de vom 10. Januar 2012.