Pocketkamera

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Hochwertige (links) und einfache Pocketkameras

Als Pocketkamera bezeichnet man in der Fotografie eine Kamera, die in die Hosentasche (Pocket) passt.

Den Eigenname Pocketfilm (Typ 110) verwendet ein 1972 von Kodak eingeführtes System, das mit Filmkassetten arbeitete.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Ende der 1950er-Jahre kamen bereits Fotokameras für 16-mm-Schmalfilm auf; beispielsweise Edixa 16 oder Rollei 16, das Versandhaus Quelle bot die Minolta 16 für 99 DM an. Dennoch fanden diese Modelle keine weite Verbreitung, woran der umständliche Filmwechsel seinen Anteil hatte, handelte es sich doch um offene Spulen, die bei unachtsamer Handhabung leicht belichtet werden konnten.

Die schon seit 1938 gebaute Kleinstbildkamera von Minox verwendete ein nochmals kleineres Bildformat und ist deswegen separat zu betrachten.

Kodak hatte mit dem System Instamatic bereits im 35-mm-Kleinbildformat Kameras für einfach zu wechselnde Filmkassetten vorgestellt und versuchte es nun mit dem 16-mm-Film genauso. 1972 führte Kodak die neue 110-Pocketfilm-Kassette ein und stellte zeitgleich fünf verschiedene Modelle der Kodak-Pocket-Instamatic-Kamera vor, die das neue Filmformat verwendeten. Der Begriff „Instamatic“ wurde von da an von Kodak auch für die Pocketkameras verwendet. Diese Kameras waren die Pocket Instamatic 20, 30, 40, 50 und 60. Alle wurden in den USA produziert. Die Produktreihe war erfolgreich; in knapp drei Jahren wurden über 25 Millionen Kameras hergestellt.

Typen[Bearbeiten]

Die typische Pocketkamera kam im gleichen Design wie die bisherigen 16-mm-Modelle daher, als länglicher, flacher Quader. Zunächst gab es davon wenige Ausnahmen, die bekannteste davon war die Rollei A 110 / E 110 mit einem höheren, aber weniger tiefen Gehäuse. Die Minolta Weathermatic A von 1980 besaß sogar ein wasserdichtes, leuchtend gelbes Gehäuse und Photo Porst bot ein Modell mit Satzobjektiven an, im Set mit Weitwinkel- oder Televorsatz. Im Laufe der Zeit erschienen auch eher exotischen Sondermodellen wie den Action Man von Hasbro[1] oder die Coca-Cola-Dosen-Kamera[2].

Zwei Hersteller boten sogar eine Spiegelreflexkamera für Pocketfilm an: Minolta stellte auf der Photokina 1976 die 110 Zoom SLR vor, mit futuristisch anmutenden, flachen Design und einem Zweifach-Zoom-Objektiv. Asahi Pentax brachte 1979 mit der Auto 110 ein Modell mit Wechselobjektiven und dem Aussehen einer geschrumpften Kleinbildkamera heraus. Es kostete im Set mit Weitwinkel-, Normal- und Teleobjektiv, Blitzgerät, motorischen Filmtransport und Filter rund 1.000 DM.

Die meisten Modelle konnten mit Blitzwürfeln betrieben werden, wobei aber stets ein Verlängerungsstück verwendet werden musste, um die Entfernung vom Objektiv zur Lichtquelle zu vergrößern, andernfalls kam es bei Personenaufnahmen sehr leicht zu rot leuchtenden Augen. Dies führte 1976 zu einer neuen Form der Blitzwürfel, dem Topflash: Dieser war von flacher, länglicher Form und besaß zwei Anschlüsse, um ihn auf der Kamera zu befestigen. Zunächst wurden die oberen vier oder fünf Blitze gezündet, dann konnte man ihn umdrehen, um die übrigen zu zünden. So war ein stets genügender Abstand zum Objektiv gewährleistet. Selbstverständlich gab es auch Elektronenblitze, bei manchen Kameras sogar eingebaut – sie hatten dann gewöhnlich eine längere Form.

"Ritsch-Ratsch-Klick!" - Agfamatic 4000

Für ein typisches Programm möge die Betrachtung der Agfa-Kameras dienen. Es gab die Modelle 1008, 2008, 3008, 4008, 5008 und 6008, wobei die 8 bereits auf den Topflash-Anschluss hinweist. Die 1008 kam als ganz einfache Kamera mit einer Belichtungseinstellung daher, die 2008 für rund 100 DM mit zwei Einstellungen (Sonne und Wolken), die 3008 mit drei Einstellungen. Alle besaßen ein Fixfokus-Objektiv mit Lichtstärke 11,0 beziehungsweise 6,3 bei der 3008. Die 4008 für ca. 180 DM bot Entfernungseinstellung und elektronische Belichtungssteuerung bis zu 15 s Verschlusszeit, was Nachtaufnahmen erlaubte. Die Topmodelle hatten ein mit f/2,7 lichtstarkes Objektiv, das sich bis auf 50 cm fokussieren ließ sowie eine eingebaute Nahlinse, die es sonst als Zubehör gab. Bei allen geschah der Filmtransport durch zusammendrücken der Kamera, was sich mit dem Slogan Ritsch-Ratsch-Klick enorm werbewirksam einsetzen ließ. In der Ruhestellung waren Objektiv und Sucher abgedeckt. Später kamen die Modelle 2008 telepocket und 4008 telepocket mit zuschaltbarer Vorsatzlinse heraus, 1978/79 noch die Serie 901 mit eingebauten Motor, die sich dann aber nicht mehr zusammendrücken ließ.

Mit allen Pocketkameras konnte man aufgrund ihres geringen Gewichts leicht verwackelte Bilder erzeugen, davon abgesehen ließen sich aber problemlos qualitativ gute Ergebnisse erzielen. Dies galt insbesondere für die Spiegelreflexkameras mit ihren erweiterten Möglichkeiten.

Diafilme[Bearbeiten]

Der Pocketfilm wurde auch als Diafilm konfektioniert, aber selbst in größeren Geschäften nur selten vorrätig gehalten. Die Dias konnten mit speziellen Rähmchen in herkömmlichen Kleinbildprojektoren vorgeführt werden, was aber zum einen viel Platz beim Archivieren verschwendete und zum anderen entweder ein Weitwinkel-Objektiv oder einen weit von der Leinwand entfernten Projektorstandort voraussetzte. Deswegen gab es auch spezielle Projektoren für Pocketdias, das Modell von Agfa verwendete ein spezielles Rundmagazin, dann kamen 3×3 cm² große Diarähmchen zum Einsatz.

Marktbedeutung[Bearbeiten]

Der Pocketfilm wurde ein noch größerer Erfolg, als das System Instamatic (Typ 126). Auf dem Höhepunkt, in der zweiten Hälfte der 1970er Jahre, hielten Pocketkameras rund 40 % Marktanteil. Nahezu jeder bedeutende Kamerahersteller hatte ein Modell dafür im Programm. Im Gegensatz zum Typ 126 verkauften sich auch die gehobeneren Modelle um 300 DM ausgezeichnet, wobei viele Amateure dergleichen als Zweitkamera kauften. Lediglich die Diafotografie mit Pocketfilm blieb eine Ausnahme. Mit dem vermehrten Erscheinen der besonders kompakten Kleinbildkameras nach 1980 verloren die Pocketkameras allmählich ihre Existenzberechtigung und gerieten in Vergessenheit. Inzwischen werden teilweise kompakte Digitalkameras als Pocketkamera bezeichnet, obwohl diese natürlich keinen Pocketfilm verwenden.

Hersteller[Bearbeiten]

Pocketkameras wurden u. a. hergestellt von:

Modelle und Modellreihen[Bearbeiten]

Pocket-Kameras von Agfa:

  • Agfamatic 508 pocket sensor[3]
  • Agfamatic 1000 pocket sensor[4]
  • Agfamatic 1000S pocket sensor
  • Agfamatic 1008 Pocket Sensor
  • Agfamatic 1008 tele pocket sensor[5]
  • Agfamatic 2000 pocket sensor[6]
  • Agfamatic 2000 flash pocket sensor
  • Agfamatic 2008 pocket sensor[7]
  • Agfamatic 2008 tele pocket sensor[8]
  • Agfamatic 3000 pocket sensor[9]
  • Agfamatic 3000 flash pocket sensor[10]
  • Agfamatic 3008 pocket sensor[11]
  • Agfamatic 4000 pocket sensor[12]
  • Agfamatic 4000 flash pocket sensor
  • Agfamatic 4008 pocket sensor[13]
  • Agfamatic 4008 tele pocket sensor[14]
  • Agfamatic 5008 macro pocket sensor[15]
  • Agfamatic 6008 macro pocket sensor[16]
  • Optima 5000 pocket[17]
  • Optima 6000 pocket[18]

Pocket-Kameras von Minolta:

  • 1973: Minolta Pocket Autopak 70
  • 1973: Minolta Pocket Autopak 50
  • 1976: Minolta 110-Zoom-SLR
  • 1976: Minolta Pocket Autopak 270
  • 1976: Minolta Pocket Autopak 250
  • 1976: Minolta Pocket Autopak 230
  • 1977: Minolta Pocket-Autopak 450E
  • 1977: Minolta Pocket-Autopak 470
  • 1979: Minolta 110-Zoom-SLR Mark II
  • 1979: Minolta Pocket-Autopak 460T
  • 1980: Minolta Weathermatic-A[19]

Pocket-Kameras von Rollei:

  • Rollei A 110[20]
  • Rollei E 110[21]
  • Rollei Pocketline 100[22]
  • Rollei Pocketline 200[23]
  • Rollei Tele-Pocketline 300[24]

Eine Sonderbauart der Pocketkamera ist die Astrocam von Estes. Die Astrocam ist eine Modellrakete, die auf ihrer Spitze eine Pocketkamera trägt. Mit Hilfe der Astrocam kann man selbst Luftaufnahmen anfertigen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kameramuseum: Abbildung Action Man.
  2. Kameramuseum: Abbildung Coca-Cola-Dosen-Kamera.
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