Podostemaceae

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Podostemaceae
Rhyncholacis penicillata

Rhyncholacis penicillata

Systematik
Eudikotyledonen
Kerneudikotyledonen
Rosiden
Eurosiden I
Ordnung: Malpighienartige (Malpighiales)
Familie: Podostemaceae
Wissenschaftlicher Name
Podostemaceae
Rich. ex Kunth

Die Podostemaceae sind eine Pflanzenfamilie in der Ordnung der Malpighienartigen (Malpighiales) innerhalb der Bedecktsamigen Pflanzen (Magnoliopsida). Die kormusartige Form mit oft stark zurückgebildeten Pflanzenteilen ist eine Anpassung an ihren Standort auf Steinen in Fließgewässern. Viele Arten erinnern im Habitus an Lebermoose und sind für den Laien nur in der Blüte eindeutig als Bedecktsamige Pflanzen zu erkennen.

Beschreibung[Bearbeiten]

Illustration von Apinagia fucoides.
Illustration von Mourera fluviatilis.

Es sind einjährige oder ausdauernde krautige Pflanzen. Es ist die artenreichste Familie der Bedecktsamigen Pflanzen (Magnoliopsida) mit nur untergetaucht lebenden, also submersen Wasserpflanzen, die meist in schnell fließenden Fließgewässerabschnitten und sogar in Wasserfällen gedeihen. Die meist abgeflachten, thalloiden oder fadenförmigen Wurzeln verankern die Pflanzen an Steinen oder Holz. Die zweizeilig an den Stängeln angeordneten Laubblätter sind zerstreut oder schuppenförmig, mit einer flächigen Blattbasis und glatten oder geteilten Blattrand.

Die einzeln stehenden Blüten können von einem spathaähnlichen Hochblatt eingehüllt sein. Die zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch oder zygomorph. Die zwei bis fünf Blütenhüllblätter sind frei bis mehr oder weniger verwachsen. Es sind ein bis vier Staubblätter vorhanden mit freien oder teilweise verwachsenen Staubfäden. Zwei bis drei Fruchtblätter sind zu einem oberständigen Fruchtknoten verwachsen, der viele Samenanlagen in zentraler Plazentation enthält. Es sind zwei oder drei freie Griffel vorhanden.

Es werden septizidale Kapselfrüchte mit vielen Samen gebildet. Die winzigen Samen besitzen kein Endosperm.

Blüten von Apinagia longifolia.
Blüten und Früchte von Mourera fluviatilis.

Systematik und Verbreitung[Bearbeiten]

Die Familie besitzt insgesamt eine pantropische Verbreitung, aber viele der Arten und sogar Gattungen sind nur in engumgrenzten Gebieten heimisch.

Die Familie Podostemaceae wurde 1816 von Louis Claude Marie Richard in Karl Sigismund Kunth: Nova Genera et Species Plantarum, 4. Auflage, 1, S. 246 unter dem Namen „Podostemeae“ erstveröffentlicht und eine weitere Veröffentlichung von ihm erfolgte in Aphor. Bot., 125, 19, 1822. Typusgattung ist Podostemum Michx.. Synonyme sind für Podostemaceae Rich. ex Kunth sind: Marathraceae Dum., Philocrenaceae Bong., Tristichaceae Willis.

Die Familie Podostemaceae wird in drei Unterfamilien unterteilt mit insgesamt 48 bis 52 Gattungen[1] und etwa 270 Arten, viele (41 %) Gattungen sind monotypisch (Verbreitung der Gattungen und Artenzahlen Stand 2007):

  • Weddellinoideae Engl.: Sie enthält nur eine Gattung:
  • Tristichoideae Engler (Syn.: Philocrenaceae Bong., Tristichaceae Willis): Sie enthält drei bis fünf Gattungen mit etwa vier bis zehn Arten:
    • Indotristicha P.Royen: Die nur zwei Arten Indotristicha ramosissima (P.Wight) P.Royen und Indotristicha tirunelveliana Sharma, Karthikeyan & Shetty kommen nur im südlichen Indien vor.
    • Dalzellia R.Wight (Syn.: Lawia Griffith ex Tulasne nom. illeg., Tulasnea R.Wight nom. illeg., Terniola Tulasne, Mnianthus Walpers): Die mindestens vier Arten sind im südlichen Asien und in Südostasien verbreitet.
    • Indodalzellia: Diese 2009 neu aufgestellte Gattung enthält nur eine Art:
      • Indodalzellia gracilis (C.J.Mathew, Jäger-Zürn & Nileena) Koi & M.Kato[2]: Sie gedeiht nur in den südlichen Bereichen der Westghats im indischen Bundesstaat Kerala in den Distrikten Idukki, Malappuram, Kottayam, Thrissur, Palakkad, Pathanamthitta sowie Kasaragode.
    • Terniopsis H.C.Chao
    • Tristicha Thouars (Dufourea Bory ex Willd. nom. illeg., Heterotristicha Tobler, Philocrena Bong., Tristicha Du Petit-Thouars, Philocrena Bongard, Potamobryum Liebmann, Tristichopsis A.Chev. nom. illeg., Terniopsis H.C.Chao, Heterotristicha Tobler, Malaccotristicha C.Cusset & G.Cusset, Dalzellia sensu C.Cusset & G.Cusset non R.Wight): Sie enthälte entweder nur eine sehr variable Art Tristicha trifaria (Bory ex Willdenow) Sprengel oder bis zu sechs Arten. Sie ist in der Neotropis, in Afrika, Madagaskar, auf den Maskarenen, in Malaysia, im östlichen China sowie nordöstlichen Australien weitverbreitet.
  • Podostemoideae Engler (Syn.: Marathraceae Dum.): Mit 45 Gattungen und etwa 260 Arten mit pantropischer Verbreitung:
    • Angolaea Wedd.
    • Apinagia Tul.: Mit etwa 50 Arten.
    • Blandowia Willd.
    • Butumia G.Taylor
    • Castelnavia Tul. & Wedd.
    • Ceratolacis (Tul.) Wedd.
    • Cipoia Philbrick et al.
    • Cladopus H.Möller: Mit vier Arten in Asien.
    • Diamantina A.Novelo et al.
    • Dicraeanthus Engl.
    • Diplobryum C.Cusset
    • Djinga C.Cusset
    • Endocaulos C.Cusset
    • Farmeria Willis ex Trimen
    • Hanseniella C.Cusset
    • Hydrobryum Endl. (Syn.: Euhydrobryum Koidzumi, Hydroanzia Koidzumi, Synstylis C.Cusset, Polypleurella Engl. pro parte): Mit vier Arten in Asien.
    • Jenmaniella Engl.
    • Ledermanniella Engl.
    • Leiothylax Warm.
    • Letestuella G.Taylor
    • Lonchostephus Tul.
    • Lophogyne Tul.
    • Macarenia P.Royen
    • Macropodiella Engl.
    • Maferria C.Cusset
    • Marathrum Humb. & Bonpl.: Mit etwa 25 Arten.
    • Monostylis Tul.
    • Mourera Aubl.
    • Oserya Tul. & Wedd.
    • Paleodicraeia C.Cusset
    • Podostemum Michx.
    • Polypleurum (Tul.) Warm.
    • Rhyncholacis Tul.: Die etwa 26 Arten, vielleicht weniger, Arten sind im nördlichen Südamerika verbreitet.
    • Saxicolella Engl. (Syn.: Pohliella Engl., Aulea C.Cusset ex Lebrun & Stork nom. illeg.): Die etwa fünf Arten sind im tropischen Westafrika von Angola bis Nigeria verbreitet.
    • Sphaerothylax Bisch. ex C.Krauss (Anastrophea Weddell): Die zwei oder vielleicht mehr Arten sind in Madagaskar und im nördlichen tropischen sowie Südlichen Afrika verbreitet.
    • Stonesia G.Taylor: Die etwa vier Arten kommen im tropischen Westafrika in einer relativ kleinen Region in Guinea und Sierra Leone vor.
    • Thawatchaia M.Kato, Koi & Y.Kita: Sie wurde in M. Kato, Koi & Y. Kita: Acta Phytotax. Geobot., 55, 2004, S. 66 aufgestellt und enthält nur eine Art:
    • Thelethylax C.Cusset: Die nur zwei Arten Thelethylax isalensis (Perrier) C.Cusset und Thelethylax minutiflora (Tulasne) C.Cusset kommen nur in Madagaskar vor.
    • Torrenticola Domin (Syn.: Cladopus H.Möller): Sie enthält nur eine Art:
      • Torrenticola queenslandica (Domin) Domin ex Steenis: Sie kommt im südöstlichen Neuguinea (Port Moresby-Region) und in Queensland vor.
    • Tulasneantha P.Royen: Sie enthält nur eine Art:
    • Vanroyenella A.Novelo & Philbrick: Sie enthält nur eine Art:
      • Vanroyenella plumosa Novelo & Philbrick: Sie kommt nur in den mexikanischen Bundesstaaten Jalisco sowie Oaxaca vor.
    • Wettsteiniola Suess.: Die nur drei Arten sind vom südlichen Brasilien bis ins nördliche Argentinien verbreitet.
    • Willisia Warm. (Syn.: Mniopsis Mart. nom. illeg. pro parte): Die nur zwei Arten (Willisia arekaliana Shivamurthy & Sadanand und Willisia selaginoides (Beddome) Warming ex Willis) kommen nur im südwestlichen Indien vor.
    • Winklerella Engl.: Sie enthält nur eine Art:
      • Winklerella dichotoma Engl.: Dieser Lokalendemit gedeiht nur an den Sanaga-Wasserfällen in Edéa in Kamerun. Das Habitat ist kleiner als 1 km².
    • Zehnderia C.Cusset: Sie enthält nur eine Art:
      • Zehnderia microgyna C.Cusset: Dieser Lokalendemit gedeiht nur an den Sanaga-Wasserfällen in Edéa in Kamerun. Das Habitat ist kleiner als 200 m².
    • Zeylanidium (Tul.) Engl. (Syn.: Hydrobryopsis Engl., Podostemum auct. non A.Michaux): Die fünf oder sechs Arten sind von Sri Lanka über das südliche, westliche sowie nordöstliche Indien bis Myanmar verbreitet.

Quellen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Podostemaceae im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland.
  2. S. Koi, R. Rutishauser & M. Kato: Phylogenetic relationship and morphology of Dalzellia gracilis (Podostemaceae, subfamily Tristichoideae) with proposal of a new genus, in International Journal of Plant Sciences, Volume 170, Issue 2, 2009, S. 237-246.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Podostemaceae – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien