Poesie- und Bibliotherapie

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Die Poesie- und Bibliotherapie ist eine alternative psychotherapeutische Künstlerische Therapie. Im deutschsprachigen Raum waren vor allem Hilarion Petzold und Ilse Orth (Fritz Perls Institut) maßgeblich an der Entwicklung der integrativen Poesie- und Bibliotherapie beteiligt. Silke Heimes hat ebenfalls dazu beigetragen, der Poesietherapie zu einer größeren Beachtung zu verhelfen. Die Therapieform ist allerdings in den USA und Skandinavien als Bibliotherapie in Kliniken, Schulen, Gefängnissen, Rehabilitationszentren, Beratungsstellen, Kinder- und Altersheimen weiter verbreitet. Die Effektivität dieser Therapieform ist noch nicht zur Gänze anerkannt [1], aber neuere Studien liefern Belege für die Effektivität der Poesie- und Bibliotherapie. [2][3][4][5][6]

Therapie mittels selbst verfasster Texte[Bearbeiten]

Die Poesie- und Bibliotherapie arbeitet mit Mitteln des Lyrischen, Epischen und Dramatischen. Die Patienten werden angeregt, unter Anleitung eines Therapeuten Texte zu verfassen und darüber zu sprechen. Inhalte der Texte können z. B. Erlebnisse, Beschwerden oder auch Fiktionen des Patienten sein. Im Schreiben kann eine Konzentrierung von Gedanken, eine Klärung und Entlastung entstehen. Das Schreiben soll Erlebnisse, Phantasien, Ängste oder andere Beschwerden ausdrücken und öffentlich machen.

Therapie mittels Büchern[Bearbeiten]

Als bibliotherapeutische Materialien kommen imaginative Literatur (Dichtung und Fiktion), Schicksalsberichte oder konkrete Problemlösebücher (Selbsthilfe-Bücher, psychologische Ratgeber) in Betracht. Der Therapeut wählt dabei die Literatur aus.

Die Ziele der Bibliotherapie bestehen darin, dass sich die Wahrscheinlichkeit einer positiven kognitiven und emotionalen Veränderung beim Leser erhöht, er Wissen erwirbt, seine Einstellungen modifiziert oder sein Verhalten verändert. Sie soll dem Leser Einsicht in sein Problem vermitteln, Lösungsmöglichkeiten aufzeigen, ihm Vergleiche mit anderen Menschen ermöglichen und Mut zur Veränderung machen.

Bücher können auch dadurch die (Haupt-)Therapieform unterstützen, indem sich der Patient unabhängig über die Therapie informieren kann. Er soll das therapeutische Verfahren besser verstehen lernen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hilarion Petzold, Ilse Orth (Hrsg.): Poesie und Therapie. Über die Heilkraft der Sprache. Poesietherapie, Bibliotherapie, Literarische Werkstätten. Aisthesis, 2005, ISBN 3-89528-528-5.
  • Uwe Henrik Peters: Lexikon Psychiatrie, Psychotherapie, Medizinische Psychologie. Elsevier, Urban & Fischer, 2007, ISBN 978-3-437-15061-6, S. 78.
  • J. Weis, S. Seuthe-Witz, G.A. Nagel (Hrsg.): Das Unbeschreibliche beschreiben, das Unsagbare sagen. Poesie- und Bibliotherapie mit Krebskranken. Ergebnisse eines Forschungsprojektes. Regensburg 2002, ISBN 3-89783-334-4.
  • Die heilende Kraft der Sprache: Poesie- und Bibliotherapie in der Praxis. Verl. Der Setzkasten, Düsseldorf 2002, ISBN 3-00-009333-8.
  • Silke Heimes: Warum Schreiben hilft. Die Wirksamkeitsnachweise zur Poesietherapie. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2012. ISBN 978-3-525-40161-3

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. M. Merten: Nicht darauf vertrauen – nur hoffen. In: Deutsches Ärzteblatt. (online) Dezember 2002, S. 558.
  2. Silke Heimes, Hans-Ulrich Seizer, Michael Soyka, Christian Zingg: Die Heilkraft der Sprache in der Poesietherapie. In: Musik-, Tanz- und Kunsttherapie. 19(1) 2008, S. 36-47.
  3. Silke Heimes, Hans-Ulrich Seizer, Michael Soyka: Kreative Bewältigung einer Lebenskrise mit Hilfe der Poesietherapie. In: Musik-, Tanz- und Kunsttherapie. 19(2) 2008, S. 93-97.
  4. Karen A. Baikie, Kay Wilhelm: Emotional and physical health benefits of expressive writing. In: Advances in Psychiatric Treatment. 11/2005, S. 338-346. (online)
  5. Literatur zur Wirksamkeit, zusammengestellt von James W. Pennebaker unter Selected Pennebaker Reprints
  6. Nancy P. Morgan, Kristi D. Graves, Elizabeth A. Poggi, Bruce D. Cheson: Implementing an Expressive Writing Study in a Cancer Clinic. In: Oncologist. 13(2) 2008, S. 196-204. (abstract)