Poikilozytose

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Als Poikilozytose (altgriechisch ποικίλλω poikilo „bunt“, „verschiedenartig“, „mannigfaltig“ und altgriechisch κύτος cýtos „Zelle“) wird das Vorkommen von verschieden geformten, nicht runden Erythrozyten in der zytologischen Erythrozytenbeurteilung (einer mikroskopischen Untersuchung des Blutausstriches) bezeichnet. Diese verschieden geformten, nicht runden Erythrozyten müssen mindestens 3 % ausmachen. Das Vorkommen der Poikilozytose ist unspezifisch, diese kann bei allen schwergradigen Anämien auftreten.

Ätiologie[Bearbeiten]

Am Häufigsten kommt es zu einer Poikilozytose durch eine gestörte Erythropoese. Des Weiteren können maligne Erkrankungen zur Suppression der Erythropoese führen. Ebenfalls können Störungen und Defekte der Erythrozytenmenbran zur Poikilozytose führen.

Bestimmte Erkrankungen und Schädigungen[Bearbeiten]

Die Poikilozytose wird unter anderem verursacht durch:

Eisenmangelanämie[Bearbeiten]

siehe Eisenmangelanämie

Perniziöse Anämie[Bearbeiten]

siehe Perniziöse Anämie

Hereditäre Poikilozytose[Bearbeiten]

Diese seltene Erkrankung auch Pyropoikilozytose genannt, geht zum Teil mit schweren hämolytischen Anämien und der dadurch bedingten regelmäßigen Transfusionspflicht, einher. Es treten ausgeprägte Fragmentierungen der Erythrozyten auf, sowie mikrozytäre Formen (zu Mikrozyt siehe weiter unten im Text) der Erythrozyten sind möglich. Diese Poikilozyten sind hitzeempfindlich und osmotisch instabil. Bei den schweren Formen der hereditären Poikilozytose kann ein Mangel des Spektrins auftreten, so dass Elliptozyten und Sphärozyten vorkommen können. Bei Patienten mit dieser Erkrankung liegt oft eine Homozygotie für eine Defekt des 2-Alpha-Spektrins vor[1].

Knochenmarksschädigung[Bearbeiten]

Zu einer Schädigung des Knochenmarks kann es durch Medikamente (z.B. Azidamfenicol, Cyclophosphamid), Chemikalien, ionisierende Strahlung aber auch durch Infektionskrankheiten (z.B. AIDS) und durch bösartige Erkrankungen wie Leukämien und andere Krebsformen kommen.

Formen der Erythrozyten[Bearbeiten]

Die Formen der Erythrozyten bei der Poikilozytose können einen diagnostischen Hinweis liefern für die Ursache der Poikilozytose.

Auswahl:

  • Anulozyt: hämoglobinarme Erythrozyten mit schmalen Randsaum, Vorkommen bei Eisenmangel und Thalassämie
  • Burr cell: Ein mikrozytärer Erythrozyt mit einer oder mehreren spitzen Ausziehungen. Vorkommen: Verschiedene Anämieformen, besonders Urämie.
  • Dakryozyt oder Tränenzelle: Diese tropfenförmigen Erythrozyten, besitzen eine Ausziehung an einem Zellpol. Vorkommen: Besonders bei der Osteomyelofibrose, seltener bei Eisenmangel, Myelodysplasien und anderen myeloproliferativen Syndromen.
  • Drepanozyt oder Sichelzelle: Die Erythrozyten können sichel-, halbmond- oder schwalbenschwanzförmig sein. Diese Form signalisiert einen HbS-Gehalt über 50 % (siehe Sichelzellenanämie)
  • Elliptozyt: Die Erythrozyten weisen eine elliptische Form auf. Vorkommen: Sehr selten angeboren bei der hereditären Poikilozytose (siehe oben), dann liegen über 50 % aller Erythrozyten in Ellipsenform vor sowie bei der Hyperlipidämie.
  • Fragmentozyt oder Schistozyt: Konvexseitig zeigt sich eine glatt begrenzte, halbrunde, intakte Membran. Auf der konkaven Seite zeigt sich dagegen eine unregelmäßige Begrenzung, die dadurch entsteht, dass dem Erythrozyt dieser Seite ein Teil seines Volumens abgerissen worden ist. Vorkommen: Mechanische Schädigung der Erythrozyten intravasal z. B. bei künstlichen Herzklappen. Thermische Schädigungen bei schweren Verbrennungen.
  • Howell-Jolly-Körperchen
  • Targetzelle: Innerhalb der zentralen Aufhellungszone des Erythrozyten kommt es zu einer kreisförmige Hämoglobinverdichtung, so dass die Erythrozyten ein schießscheibenförmiges Aussehen aufweisen. Vorkommen: Thalassämie, Sichelzellenanämie, posthepatischer Ikterus, Asplenie
  • Sphärozyt: Kugelform des normal großen Erythrozyten.
  • Stomatozyt: schlitz- bzw. mundförmige zentrale Aufhellung

Andere Formen der Änderung der Form der Erythrozyten[Bearbeiten]

Anisozytose[Bearbeiten]

Hierbei handelt es sich um starke Größenschwankungen der Erythrozyten. Es fallen Erythrozyten auf, die Mikro- und/oder Makrozyten sind und deren Anteil mehr als 3 % aller Erythrozyten ausmacht. Die Anisozytose ist die häufigste Erythrozytenanomalie.

  • Makrozyt: Erythrozyt mit einem Durchmesser größer als 10 Mikrometer.
  • Mikrozyt: Abnorm kleiner mit einem Durchmesser kleiner als 6 Mikrometer (das heißt: der Mikrozyt ist kleiner als der Kern eines Lymphozyten).

Literatur[Bearbeiten]

  • Detlev Drenckhahn Anatomie, makroskopische Anatomie, Embryologie und Histologie des Menschen mit Studentconsult-zugang: Band 2: Herz-kreislauf-system, lymphatisches System, endokrine Drüsen, Nervensystem, Sinnesorgane, Haut. Elsevier 2007 ISBN 3-437-42351-7
  • Hanns-Wolf Baenkler Innere Medizin Georg Thieme Verlag 2001 ISBN 3-13-128751-9
  • Kai Joachim Bühling Intensivkurs: Allgemeine und spezielle Pathologie Elsevier 2004 ISBN 3-437-42411-4
Einzelnachweise
  1. Helmut Gadner Pädiatrische Hämatologie und Onkologie Seite 133/134 Springer 2006 ISBN 3-540-03702-0

Weblinks[Bearbeiten]

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