Pointe du Hoc

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Ranger klettern die Steilküste herauf, 6. Juni 1944

Pointe du Hoc (fälschlicherweise auch Pointe du Hoe genannt) ist ein 500 Meter langer und etwa 30 Meter hoher Abschnitt an der Steilküste an der Calvadosküste in der Normandie etwa 6,4 km von dem von den Alliierten Omaha Beach getauften Strandabschnitt entfernt. Am D-Day, während der Operation Overlord im Zweiten Weltkrieg, schaltete ein US-amerikanisches Ranger-Bataillon bei Pointe du Hoc deutsche Stellungen aus.

Hintergrund[Bearbeiten]

Karte der Normandie und der Truppenstärken und -bewegungen (Zeichenerklärung siehe in dieser doc-Datei)

Bereits vor Kriegseintritt der USA im Dezember 1941 war ein Engagement am europäischen Kriegsschauplatz absehbar. In der Konferenz von Washington 1941 bestätigten Franklin D. Roosevelt und Winston Churchill, dass eine Landung am europäischen Kontinent erforderlich werden würde, und zwar über das Mittelmeer, von der Türkei aus in den Balkan, oder durch Landungen in Westeuropa. Dem Krieg gegen die deutsche Wehrmacht wurde Priorität gegenüber dem Krieg im Pazifik gegen Japan eingeräumt.

Um die Rote Armee zu entlasten, hatte Josef Stalin die Westalliierten zur Eröffnung einer zweiten Front gedrängt. Auf der Konferenz von Teheran im November 1943 wurden daher Landungen in Nord- und Südfrankreich, die Operationen Overlord und Anvil, beschlossen. Im Gegensatz zu Winston Churchill, der – angeblich aufgrund fehlender Transportmittel – auf einen Verzicht auf die Operation Anvil drängte, favorisierte Stalin die ursprünglich geplante Zangenbewegung. Die Rote Armee hatte diese Taktik schon öfter erfolgreich angewandt. Die Amerikaner hielten eine Invasion in Südfrankreich ebenfalls für sinnvoll, da die Häfen von Toulon und Marseille gute Nachschub- und Versorgungsmöglichkeiten für die alliierten Truppen in Frankreich bieten würden. Die Durchführung einer zeitgleichen Invasion in Südfrankreich (Operation Anvil) wurde aufgegeben und als Operation Dragoon zeitversetzt im August 1944 durchgeführt.

Bei der Casablanca-Konferenz wurde in Abwesenheit Stalins die Gründung eines kombinierten Hauptquartiers, des Supreme Headquarters Allied Expeditionary Force, beschlossen. Die Führung der Supreme Allied Commander sollte Dwight D. Eisenhower übernehmen. Eisenhowers Stabschef wurde unter der Bezeichnung Chief of Staff to the Supreme Allied Commander der Lieutenant-General Frederick E. Morgan, der die Planung für die Operation Overlord leiten sollte. Die Leitung der Landeeinheiten übernahm Bernard Montgomery. Die Seestreitkräfte sollte Admiral Bertram Ramsay befehlen, die Luftstreitkräfte von Air Chief Marshal Trafford Leigh-Mallory. Als Hauptziel der Operation wurde festgelegt, die französische Stadt Caen sowie andere große Städte in der Normandie zu erobern.

Der Plan[Bearbeiten]

Karte von Pointe du Hoc
Lage und Schussbereich der Batterie bei Pointe du Hoc
Pointe du Hoc nach den Bombardements
Bombardierung von Pointe du Hoc durch Bomber der 9. US-Air Force

Bei Pointe du Hoc, das in US-amerikanischen Armee-Dokumenten oft fälschlicherweise als „Pointe du Hoe“ angegeben wird, befand sich eine deutsche Stellung mit sechs 155-mm-Artilleriegeschützen, die den Strand bewachten und somit die amerikanischen Landungstruppen an den Strandabschnitten Utah und Omaha Beach unter Beschuss hätten nehmen können. Obwohl die Stellungen oft von Bomberverbänden und Schiffsartillerie angegriffen wurden, waren die Befestigungen zu stark und hielten dem Beschuss stand. Deshalb wurde dem US-amerikanischen 2. Rangerbataillon der Auftrag gegeben, die Geschütze am Morgen des D-Day zu vernichten.

Die Stellung war von der deutschen Organisation Todt erbaut worden. Das Areal war durch zwei 2-cm-Flugabwehrkanonen, diverse Maschinengewehr-Stellungen, Minenfelder und Stacheldrahtverhaue sowie durch die Klippen geschützt. Laut Berichten der Resistance sollten sich 125 Soldaten der SS und 85 Kanoniere in den Stellungen befinden. Die Batterie war vom 1260. Heeres-Küstenregiment bemannt. Nahegelegen befand sich auch ein Beobachtungs- und Feuerleitposten, der mit einer fünf Kilometer entfernten Radarstation bei Pointe de la Percée verbunden war.

Das aus 225 Männern bestehende Rangerbataillon wurde von Lieutenant Colonel James Earl Rudder angeführt. Der Plan sah für die drei Rangerkompanien (D, E und F) vor, von See aus an den Füßen der Klippen anzulanden und dann mit Seilen, Leitern und ähnlichem die Felswände emporzuklettern. Danach sollten die Truppen das obere Kliff erobern. Der Angriff sollte vor den alliierten Hauptlandungen ausgeführt werden. Es war vorgesehen, den Angriff um 6:30 Uhr morgens zu beginnen. Eine halbe Stunde später sollte eine zweite Gruppe, bestehend aus acht Kompanien, folgen. Daraufhin sollten sie von Truppen, die am Abschnitt „Dog Green“ bei Omaha Beach landeten, abgelöst werden.

Die Ranger wurden für den Angriff auf der Isle of Wight von britischen Kommandoeinheiten trainiert. Fünfzig der Ranger hatten zuvor, im Jahr 1942, bei dem Angriff auf Dieppe an der Operation Jubilee teilgenommen.

Ausführung[Bearbeiten]

Besatzungsmitglieder der USS Texas besichtigen Pointe du Hoc
Ranger ruhen sich auf dem Pointe du Hoc am 6. Juni aus

Nach einigen anfänglichen Rückschlägen aufgrund schlechten Wetters und Navigationsproblemen landeten die Amerikaner 40 Minuten später als vorgesehen am Fuß der Klippen, während der Angriff von alliierten Zerstörern unterstützt wurde. Die Deutschen leisteten jedoch verbissen Widerstand und warfen mit Felsbrocken und Handgranaten auf die heraufkletternden Amerikaner. Gegen 7:45 Uhr erreichten die ersten Ranger das Kliff in Höhe der zerstörten Flak-Stellung und richteten sich zur Verteidigung ein.

Ranger und deutsche Kriegsgefangene am zweiten Tag nach dem D-Day, dem 8. Juni 1944, in Pointe du Hoc

Die Geschütze waren allerdings schon weggeschafft worden, möglicherweise wegen der Bombenangriffe, welche die Invasion einleiteten. Die Ranger formierten sich auf dem Kliff neu, errichteten Verteidigungsstellungen und schickten einige Männer weiter ins Inland, um die Geschütze zu suchen. Eine der Patrouillen fand die Geschütze unbewacht und ohne Munition in einem Obstgarten, etwa einen Kilometer südwestlich von Pointe du Hoc. Die Patrouille zerstörte einige der Geschütze mit Thermit-Granaten, wodurch der Höhen- und Schwenkmechanismus zerstört wurde. Die zweite Patrouille kam hinzu und zerstörte die verbleibenden Geschütze.

Nachdem die Ranger am Rande des Point-du-Hoc einen Brückenkopf errichtet hatten, wurden sie am 6. und 7. Juni mehrmals von deutschen Truppen angegriffen und 200 m vor der Spitze der Klippe eingekesselt. Das 116. US-Infanterieregiment und das 5. US-Rangerbataillon, die von Omaha Beach kamen, rückten ca. 900 m an die eingeschlossenen Ranger heran. In der Nacht vom 7. auf den 8. Juni befahl der Befehlshaber der deutschen Truppen, die die Ranger einkesselten, sich zurückzuziehen, woraufhin die amerikanischen Verstärkungen durchbrechen konnten.

Am Ende des zweiten Tages war die Einheit von mehr als 225 Männern auf 90 noch kampffähige Männer geschrumpft.

Nach der Schlacht waren einige Rangers davon überzeugt, dass französische Zivilisten den deutschen Soldaten zur Seite gestanden hatten. Viele wurden angeklagt, auf die Amerikaner geschossen zu haben oder als Artilleriebeobachter für die Deutschen gedient zu haben. Einige unter ihnen wurden von den Rangers hingerichtet.[1]

Nachwirkungen[Bearbeiten]

US-Präsident Ronald Reagan bei der Gedenkfeier zum 40. Jahrestag des D-Days am 6. Juni 1984 am Pointe du Hoc vor dem Rangerdenkmal auf dem vorderen Beobachtungsbunker. Die Beobachtungsstelle oben auf dem Bunker wurde für die Feierlichkeiten mit Brettern abgedeckt um eine ebene Fläche zu erhalten.

Aufgrund seiner Verdienste in der Normandie wurde Rudder einige Zeit später zum General befördert und leitete daraufhin in Texas die Schule des Rangerregimentes.

Ein Museum in Grandcamp-Maisy[2] und eine Gedenkstätte erinnern heute an den Kampf um Pointe du Hoc. Viele der alten Befestigungen sind heute noch auf den von Bombentrichtern übersäten Klippen sichtbar.

Zum 60-jährigen Jubiläum der Landung in der Normandie wurde das Gelände neu hergerichtet und den USA übereignet. Ein großer PKW-Parkplatz, Busparkplätze und eine Aussichtsplattform ermöglichen es heute Touristen, das Kampfgelände zu erkunden.

Der Pointe du Hoc Heute[Bearbeiten]

Das Gelände des ehemaligen Kampffeldes wurde am 11. Januar 1979 den Vereinigten Staaten von Amerika zur dauerhaften Nutzung überlassen. Die ABMC (American Battle Monuments Commission) pflegt seither das Gelände und versucht es im Zustand von 1944 zu erhalten. Nachdem in den letzten 60 Jahren ca. 10 Meter der Felsenküste erodiert sind, hat die ABMC nach einer Studie von 2004 beschlossen, dieses historische Gelände zu retten. Besonders der Feuerleitstand der Batterie ist durch das Abbröckeln des Felsen darunter gefährdet in die Tiefe zu rutschen. Im Frühjahr 2010 wurde das Ranger-Denkmal entfernt und eine Zufahrtsstraße zum Feuerleitstand gebaut. Seither werden nun die Auswaschungen unter dem Pointe du Hoc mit Beton verfüllt. Weiterhin werden horizontale und vertikale Stabilisierungsbohrungen rund um den Feuerleitstand angelegt um diesen dauerhaft zu stabilisieren. Die Bauarbeiten wurden Ende 2010 abgeschlossen.

Galerie[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Douglas Brinkley: The Boys of Pointe du Hoc. Ronald Reagan, D-Day, and the U.S. Army 2nd Ranger Battalion. William Morrow & Company, New York NY 2005, ISBN 0-06-056527-6.
  • Will Fowler: D-Day. The First 24 Hours. Brown Books, London, 2003, ISBN 1-897884-97-4 (Deutsch: D-day. Der längste Tag. Tosa, Wien 2004, ISBN 3-85492-855-6).
  • Tony Hall (Hrsg.): Operation „Overlord“. Die Landung der Alliierten in der Normandie 1944. Motorbuch-Verlag, Stuttgart 2004, ISBN 3-613-02407-1.
  • JoAnna M. McDonald: The Liberation of Pointe Du Hoc. The 2nd U.S. Ranger at Normandy. June 6–8, 1944. Rank and File Publications, Redondo Beach CA 2000, ISBN 1-888967-06-4.
  • Dan Parry: D-Day. Die dramatische Geschichte der größten Invasion aller Zeiten. Das offizielle Buch des Imperial War Museum. Vgs, Köln 2004, ISBN 3-8025-1618-4.
  • Dan van der Vat: D-Day. Die alliierte Landung in der Normandie. Heyne, München 2004, ISBN 3-89910-199-5.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Pointe du Hoc – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten]

  1. Beevor, Antony. D-Day: The Battle for Normandy. (New York: Penguin, 2009), p106
  2. http://www.normandiememoire.com/lieux_historiques/index_bis.php?marq=1&id=186&lg=de&parcours=2; Abgerufen am 4. November 2008

49.395833333333-0.98888888888889Koordinaten: 49° 23′ 45″ N, 0° 59′ 20″ W