Pokłosie

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Filmdaten
Originaltitel Pokłosie
Produktionsland Polen
Originalsprache Polnisch
Erscheinungsjahr 2012
Stab
Regie Władysław Pasikowski
Drehbuch Władysław Pasikowski
Produktion Dariusz Jabłoński
Kamera Paweł Edelman
Schnitt Jarosław Kamiński
Besetzung

Pokłosie (Nachlese) ist ein polnischer Film aus dem Jahr 2012 von Władysław Pasikowski.

Handlung[Bearbeiten]

Die Handlung spielt in jüngster Vergangenheit in Polen und bezieht sich, obwohl im Film nicht ausdrücklich erwähnt, auf das Massaker von Jedwabne, bei dem am 10. Juli 1941, zur Zeit der deutschen Besatzung, etwa 300 bis 400 Juden von polnischen Tätern zusammengetrieben und in einer Scheune verbrannt worden.

Der in den 80er Jahren nach Chicago ausgereiste Franciszek Kalina kommt in sein Heimatdorf, um seinen Bruder Józef und das Grab seiner Eltern zu besuchen. Dort erfährt er, dass Józef jüdische Grabsteine im ganzen Ort zusammengekauft und auf seinem Feld aufgestellt hat. Einige dieser Grabsteine hatten zuvor als Befestigung einer Straße durch den Wald sowie eines Weges zur Kirche gedient. Józef ist wie alle anderen Gemeindebewohner Katholik ohne jüdische Wurzeln, aber sein Gerechtigkeitsgefühl sagt ihm, dass jüdische Grabsteine genauso würdevoll zu bewahren sind wie andere. Er lebt allein als Kleinbauer, weil ihn seine Frau mit den Kindern verlassen hat. Seine Mission für die umgekommenen Juden geht so weit, dass er sogar Hebräisch lernt, um die Grabinschriften zu entziffern. Franciszek spürt den Widerstand der anderen Dorfbewohner und rät Józef, nicht weiter nach den früheren jüdischen Bewohnern des Dorfes zu forschen, zumal es aggressive Übergriffe auf diesen gibt. Auch wird sein hochstehendes Feld nachts abgebrannt, die örtliche Feuerwehr weigert sich, es zu löschen.

Doch dann interessiert sich auch Franciszek für die Vergangenheit und unternimmt eigene Recherchen. Die Brüder erfahren aus den alten Grundbüchern der Gemeinde, dass ein Großteil der Häuser früher in jüdischem Besitz war und dass die jetzigen Hausbesitzer unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg als neue Eigentümer eingetragen worden sind. Sie erfahren dabei auch, dass der elterliche Bauernhof früher einen jüdischen Besitzer hatte. Ihr Vater besaß noch vor dem Krieg ein kleineres und ärmeres Anwesen auf weitaus weniger fruchtbarem Grund. Auf dem verlassenen Grundstück mit seinem verfallenen Bauernhaus entdecken sie ein Massengrab. Von einem älteren Dorfbewohner erfahren sie, dass ihr Vater an dem Mord an den jüdischen Nachbarn beteiligt war und sich dabei durch besondere Grausamkeit ausgezeichnet hat. Über die Frage, wie sie mit diesem Wissen umgehen sollen, zerstreiten sich die Brüder. Franciszek beschließt, die Rückreise nach Chicago anzutreten. Doch fordert eine Nachbarin des Bruders ihn auf, noch einmal zu dem Hof zurückzukehren. Nachbarn haben in der Zwischenzeit Józef ermordet aufgefunden. Er wurde von unbekannten Tätern mit ausgebreiteten Armen an das Scheunentor genagelt.

Die Schlussszene zeigt eine Gruppe jüdischer Besucher, die gemeinsam mit einem Rabbiner zwischen den Grabsteinen auf dem Feld Józefs das Kaddisch, das jüdische Totengebet, sprechen. Die Szene deutet an, dass der Mord an den jüdischen Einwohnern des Ortes sowie die Ermordung Józefs, beides durch polnische Nachbarn, eine landesweite Debatte über die Pogrome während des Zweiten Weltkrieges ausgelöst hat. Das Feld mit den Grabsteinen wurde zu einer Gedenkstätte.

Hintergrund[Bearbeiten]

Der Film sollte ursprünglich „Kaddisch“ (Kadisz) heißen. Der Beginn der Dreharbeiten musste wiederholt verschoben werden, weil sich zunächst nicht genügend Geldgeber fanden. [1] Erst als das Polnische Institut für Filmkunst (Polski Instytut Sztuki Filmowej) 3,5 Millionen Złoty (damals etwa 850 000 Euro) zusagte,[2] beteiligten sich auch das staatliche Fernsehen TVP sowie Canal+ an der Produktion. Die Dreharbeiten fanden 2011 statt.[3] In Polen kam der Film am 9. November 2012 in die Kinos.

Kontroverse[Bearbeiten]

Wie schon die Berichte über das Massaker von Jedwabne in den Jahren 2000 und 2001 löste auch der davon inspirierte Film eine Kontroverse in Polen aus. Besonders Hauptdarsteller Maciej Stuhr wurde aus dem rechten Lager angegriffen.[4] Die nationalpatriotisch orientierte Presse kritisierte den Film wegen seiner angeblichen Verzerrung der historischen Fakten, er ignoriere die im Vergleich zu Verbrechen einzelner polnischer Täter vielfach größere Schuld der NS-Besatzer,[5], die linksliberale Gazeta Wyborcza verteidigte ihn dagegen.[6] Auch die beiden polnischen Regisseure Andrzej Wajda und Roman Polanski fanden anerkennende Worte für den Film.[7]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Duży format, 24. Juli 2011 (Beilage der Gazeta Wyborcza)
  2. http://www.pisf.pl/pl/dotacje/dofinansowane-projekty/2011/po-produkcja-filmowa/priorytet-1-produkcja-sesja-1-2011?language=pl&print=1
  3. http://www.filmpolski.pl/fp/index.php/1228056
  4. http://kultura.gazeta.pl/kultura/1,114438,12843114,Maciej_Stuhr__Po_roli_w__Poklosiu__przestalem_byc.html
  5. Przegląd recenzji filmu "Pokłosie" autorstwa prawicowych publicystów. Gazeta Wyborcza. Abgerufen am 20. Mai 2013.
  6. http://www.dw.de/verdr%C3%A4ngter-antisemitismus-in-polen/a-16497366
  7. http://www.sueddeutsche.de/kultur/polnischer-antisemitismus-im-film-poklosie-exorzismus-des-gewissens-1.1563038
  8. http://www.filmpolski.pl/fp/index.php/1228056

Weblinks[Bearbeiten]