Pokomo

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Die Pokomo (Wapokomo) sind eine Bantu-Volksgruppe in Kenia, die in der Provinz Coast am Tana-Fluss von Landwirtschaft sowie von Fischerei lebt. Ihre Bevölkerungszahl liegt bei etwa 50.000[1].


Die Pokomo kamen im 17. Jahrhundert von Norden her aufgrund von kriegerischen Auseinandersetzungen (im Zusammenhang mit der Expansion der Oromo[2]) in ihr heutiges Gebiet. Sie sind heute in zwei Gruppen aufgeteilt, die Upper Pokomo am Oberlauf des Flusses (etwa 75 % der Gesamtbevölkerung) und die Lower Pokomo am Unterlauf. Die Lower Pokomo wurden ab den 1870er Jahren durch das Wirken von Missionaren christianisiert und waren bis 1914 praktisch vollständig zum Christentum übergetreten. Die Upper Pokomo sind hingegen seit der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Muslime. Viele vorchristliche und vorislamische Pokomo-Traditionen werden nur mehr von älteren Leuten befolgt.[1] Die den Upper Pokomo flussaufwärts benachbarten Korokoro werden zum Teil als Pokomo bezeichnet; sie sprechen ausschließlich die Sprache der Orma, einer kleineren Untergruppe der Oromo.[3]

Die Pokomo leben in kleinen Dörfern mit 10 bis 60 Hütten mit Grasdächern. Ihre Lebensgrundlagen sind der Anbau von Mais, Kochbananen und Zuckerrohr und die Fischerei im Fluss. Die benachbarten Volksgruppen der Oromo im Westen und der Somali im Osten sind hingegen mehrheitlich nomadische Viehzüchter. Zwischen ihnen und den Pokomo kommt es gelegentlich zu Konflikten um Wasser und Land.[1]

Die Pokomo-Sprache gehört zu den Bantusprachen und bildet innerhalb dieser mit Swahili, den Dialekten der Mijikenda u.a. die Untergruppe der genetisch verwandten Sabaki-Sprachen. Sie lässt sich in Upper und Lower Pokomo unterteilen; das besonders archaische Malankote steht diesen beiden Varianten des Pokomo am nächsten und wird von den Pokomo als Teil des Upper Pokomo gesehen, stellt jedoch womöglich eher eine eigene Sprache dar. Upper und Lower Pokomo bilden ein Dialektkontinuum, zwischen dessen Enden die Unterschiede angesichts der Sprecherzahl und räumlichen Entfernung beträchtlich sind. Sie sind vom nördlichen Swahili, von zentralkenianischen Thagicu-Sprachen (besonders Meru), Orma, Dahalo und Boni beeinflusst, das Malankote enthält zusätzlich Einflüsse des Somali und mindestens einer nicht näher identifizierbaren Sprache.[3]

Ein Lied der Pokomo, das von Müttern für ihre Kinder gesungen wird, diente als Grundlage für die Melodie der Nationalhymne Kenias.[4]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Tribes Travel – Pokomo (englisch)
  2. A. Werner: Some Notes on the Wapokomo of the Tana Valley, in: Journal of the Royal African Society, Vol. 12, No. 48, 1913, S. 359–384
  3. a b Derek Nurse: History from Linguistics: The Case of the Tana River, in: History in Africa, Vol. 10, 1983, S. 207-238
  4. Kenya State House – Origins of the National Anthem (englisch)