Eisbär

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Eisbär (Begriffsklärung) aufgeführt.
Eisbär
Eisbär (Ursus maritimus)

Eisbär (Ursus maritimus)

Systematik
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Überfamilie: Hundeartige (Canoidea)
Familie: Bären (Ursidae)
Unterfamilie: Ursinae
Gattung: Ursus
Art: Eisbär
Wissenschaftlicher Name
Ursus maritimus
Phipps, 1774

Der Eisbär (Ursus maritimus, nach engl. polar bear manchmal auch Polarbär genannt) ist eine Raubtierart aus der Familie der Bären (Ursidae). Er bewohnt die nördlichen Polarregionen und ist eng mit dem Braunbären verwandt. Er ist vor dem Kamtschatkabär und dem Kodiakbär das größte an Land lebende Raubtier der Erde.

Merkmale und Eigenschaften[Bearbeiten]

Felle gejagter Bären in Ittoqqortoormiit (NO Grönland)
Eisbären am Cape Churchill (Wapusk-Nationalpark, Manitoba, Kanada)
Schädel (Sammlung Museum Wiesbaden)

Größe und Gewicht[Bearbeiten]

Erwachsene männliche Eisbären erreichen im Durchschnitt eine Kopf-Rumpf-Länge von 2,40 bis 2,60 Metern, in Einzelfällen sogar von bis zu 3,40 Metern; die Schulterhöhe beträgt bis zu 1,60 Meter. Das Gewicht variiert zwischen 300 und 800 (durchschnittlich 420 bis 500) Kilogramm. Bei Weibchen erreicht die Kopf-Rumpf-Länge im Durchschnitt 1,90 bis 2,10 Meter, doch wurden auch schon 2,50 Meter gemessen; das Körpergewicht liegt bei ihnen zwischen 150 und 300 Kilogramm. Das Gewicht hängt wesentlich vom Ernährungszustand der Tiere ab: im Sommer wiegen ausgehungerte Eisbären deutlich weniger als während der Zeit winterlicher Robbenjagd. Eine Rolle spielen auch regionale Größenunterschiede. Die kleinsten Tiere leben auf Spitzbergen und die größten in der Nähe der Beringstraße. Wie alle Bärenarten besitzen auch Eisbären nur einen Stummelschwanz von 7 bis 13 Zentimetern Länge.

Fell und Haut[Bearbeiten]

Das gelblich-weiße Fell stellt in eisigem Umfeld eine Tarnung dar. Es ist zudem sehr dicht, ölig und wasserabweisend; unter der bei ausgewachsenen Tieren schwarzen Haut (bei Babys ist sie noch rosa) befindet sich eine 5 bis 10 Zentimeter dicke Fettschicht. Die äußeren Fellhaare des Eisbären sind hohl, was zusätzlich zur dicken Fettschicht für eine hervorragende Wärmedämmung sorgt. Außerdem erhöhen die Haare zusammen mit der Speckschicht den Auftrieb beim Schwimmen. Die verringerte Wärmeabstrahlung lässt Infrarotaufnahmen des Eisbären praktisch nicht zu. Da das Fell Ultraviolettstrahlung nicht reflektiert, wurde die These aufgestellt, dass die Haare als Lichtleiter die Strahlung auf die Haut leiten. Diese These wurde jedoch widerlegt, das Fell selbst absorbiert die Strahlung.[1]

Aufgerichteter, auf den Hinterbeinen stehender Eisbär im ZOOM Gelsenkirchen

Körperbau und Gang[Bearbeiten]

Behaarte Hintertatze

Beim Körperbau unterscheiden sich Eisbären von anderen Bärenarten durch einen langen Hals und einen relativ kleinen, flacheren Kopf. Im Gegensatz zu den nahe verwandten Braunbären fehlt ihnen der Muskelberg am Nacken. Die Augen sind verhältnismäßig klein. Die Ohrmuscheln sind nach vorne aufgerichtet und rund geformt. Wie die meisten Bären besitzen Eisbären 42 Zähne, und wie alle Bären sind sie Sohlengänger. Ihre Vorderbeine sind lang und kräftig; die großen Vordertatzen sind paddelförmig ausgebildet und mit Schwimmhäuten versehen, was ein schnelles Schwimmen ermöglicht. Auf den muskulösen Hinterbeinen können sich die Eisbären zu maximaler Höhe erheben (etwa bei Kämpfen oder für besseren Rundblick); die Hintertatzen dienen beim Schwimmen als Steuerruder. Die Fußsohlen sind dicht behaart, was dem Kälteschutz dient und auch das Ausrutschen auf dem Eis verhindert. Alle vier Pfoten sind jeweils mit fünf nicht einziehbaren Krallen bewehrt.

Sinne[Bearbeiten]

Der Geruchssinn der Eisbären ist – im Vergleich mit anderen Raubtieren – ungewöhnlich gut ausgebildet. Auch das Gehör ist recht empfindlich. So ertasten Eisbären die Dicke der Eisfläche, indem sie auf das Eis schlagen und die Wasserreflektionen hören, um optimale Ansatzpunkte für das Aufbrechen von Wasserlöchern zu finden. Die Sehkraft dürfte dagegen ungefähr der des Menschen entsprechen.

In der Leber speichern Eisbären große Mengen an Vitamin A.[2] Der Verzehr von Eisbärenleber kann beim Menschen deshalb zu einer A-Hypervitaminose führen, einer schwerwiegenden Gesundheitsstörung, die mit neurologischen Symptomen (Kopfschmerzen, Übelkeit, Pseudotumor cerebri) und Hautschäden wie Mundwinkelrhagaden einhergehen kann.

Lebenserwartung[Bearbeiten]

Das potentielle Höchstalter von Eisbären in freier Natur wird auf 25 bis 30 Jahre geschätzt, in menschlicher Obhut können sie 45 Jahre alt werden.

Verbreitungsgebiet und Lebensraum[Bearbeiten]

Verbreitungsgebiet des Eisbären

Eisbären sind ausschließlich in der Arktis verbreitet und zwar zirkumpolar, also in der Polarregion rund um den Nordpol. Die meisten hocharktischen Eisbären halten sich das ganze Jahr über an den Küsten oder auf dem Meereseis auf, um dort Robben zu jagen. Sie bevorzugen dabei Gebiete, in denen das Eis durch Wind und Meeresströmungen in Bewegung bleibt und immer wieder aufgerissen wird, wodurch eisfreie Stellen entstehen (Polynjas). Im Sommer halten sich Eisbären überwiegend an den südlichen Rändern des Treibeises auf. Mit Wintereinbruch wandern sie südwärts, den offenen Stellen folgend. An der Südküste der Hudson Bay (Kanada) sind die Tiere während des Sommers allerdings gezwungen, an Land zurückzukehren. Nach kilometerweiten Wanderungen ins Landesinnere müssen sie sich dann mit dem wenigen begnügen, was ihnen Tundra und Taiga an Fressbarem bieten.

Lange Zeit galt die Auffassung, Eisbären seien ausgesprochene Wanderer, die der Bewegung des Eises großräumig rund um den Nordpol folgen. Neuere Beobachtungen ergaben jedoch, dass es eine größere Anzahl standorttreuer Populationen gibt. Hierzu gehören etwa die Eisbären des Wapusk-Nationalparks und des Ukkusiksalik-Nationalparks.

Eisbären kommen in jeweils meist mehreren Populationen in folgenden sechs Erdregionen vor:

Die nördlichste geographische Breite, auf der Eisbären beobachtet wurden, beträgt 88°, die am weitesten südlich vorkommenden Tiere halten sich entlang der Hudson Bay und der Nordwestküste der sich etwas weiter südöstlich anschließenden James Bay auf. Regelmäßig werden vereinzelt Eisbären auch auf Neufundland und Island gesichtet.

Lebensweise[Bearbeiten]

Aktivitätszeiten[Bearbeiten]

Eisbären sind tagaktiv und vor allem während des ersten Tagesdrittels in Bewegung. Etwa 29 Prozent ihrer Zeit nehmen Wandern und Schwimmen in Anspruch und nur 5 Prozent sind dem Jagen und Fressen zuzurechnen. Etwa 66 Prozent ihrer Zeit verbringen sie jedoch schlafend, ruhend oder auf Beute lauernd. Das Säugen der Jungen erfolgt überwiegend zur Mittagszeit (Sonnenhöchststand).

Die Eisbären an der Südküste der Hudson Bay, die im Grenzbereich von Tundra und Taiga leben, legen sich während des Sommers zuweilen Erdmulden an, um den Permafrostboden zur Kühlung zu nutzen. Im Gegensatz zu anderen Bärenarten halten Eisbären jedoch keine Winterruhe, da der Winter für sie optimale Bedingungen zur Robbenjagd bietet. Bei extremen Wetterverhältnissen lassen sie sich einschneien und trotzen so auch starken Schneestürmen und Blizzards.

Höhlen benutzen nur trächtige Weibchen (→ Fortpflanzung). Sie ziehen sich von Oktober oder November bis März in eine von ihnen selbst angelegte oder wieder hergerichtete frühere Geburtshöhle zurück. Während des Aufenthalts in der Höhle gehen Atemfrequenz und Herzschlag deutlich zurück. Da die Körpertemperatur dennoch nur leicht sinkt, stellt dieser Zustand keinen echten Winterschlaf, sondern nur eine Winterruhe dar. Die Körpertemperatur passt sich somit, anders als bei übrigen Bären, nicht an ein verringertes Nahrungsangebot an, sondern soll den Jungtieren nach der Geburt größtmöglichen Schutz bieten.

Sozialverhalten[Bearbeiten]

Eisbären sind wie alle Bären Einzelgänger, Mütter mit ihren Jungen ausgenommen. Das Jagdrevier eines Eisbären erstreckt sich zwar über einen Radius von rund 150 Kilometern, doch zeigen die Tiere kein ausgeprägtes Territorialverhalten und die Reviere überlappen sich weitgehend. An Stellen mit reichem Nahrungsangebot jagt oft eine größere Zahl von Tieren in verhältnismäßig geringem Abstand. Sogar während des wochenlangen Wartens auf das Zufrieren des Meeres zeigen selbst ausgewachsene männliche Eisbären untereinander oft erstaunlich tolerantes Verhalten, etwa bei ritualisierten Kampfspielen (dem „Sparring“).

Fortbewegung[Bearbeiten]

Tauchender Eisbär

Eisbären sind sehr gute Schwimmer, jagen jedoch üblicherweise nicht im Wasser nach Beute. Schwimmend können sie mehr als fünf Kilometer in der Stunde zurücklegen. Tauchgänge von zwei Minuten bereiten ihnen keinerlei Schwierigkeit; die Tauchtiefe beträgt aber selten mehr als zwei Meter. An Land wandern Eisbären oft stundenlang über weite Strecken und bringen in der Stunde mehr als sechs Kilometer hinter sich. Kurze Sprints mit 30 Kilometer pro Stunde sind ihnen leicht möglich. Da sie sich dabei jedoch stark erhitzen, sind sie nicht in der Lage, solche Geschwindigkeiten lange durchzuhalten. So sind Eisbären in dieser Hinsicht Rentieren oder Karibus unterlegen.

Zwischen dem Spätaugust und Spätoktober 2008 schwamm ein mit einem Senderhalsband versehener ausgewachsener, weiblicher Eisbär ununterbrochen eine Strecke von 687 km in neun Tagen. Danach legte das Weibchen schwimmend und über Eisschollen laufend, noch eine Strecke von 1800 km zurück und verlor insgesamt 22 % ihres Gewichts.[3] Die gleiche Langzeitstudie von 52 weiblichen Eisbären legt den Schluss nahe, dass Langstreckenschwimmen eine Verhaltensreaktion auf die veränderten Eisbedingungen im Rahmen der globalen Erwärmung ist.[4][5]

2014 gelang es erstmals, aus einer Eisbärenspur im Schnee Gewebsstücke zu gewinnen und die DNA eines (weiblichen) Eisbären zu analysieren. Der WWF sieht darin eine kostengünstige Methode zur Bestimmung von Populationsgrößen auch anderer Tierarten.[6]

Ernährung und Jagdverhalten[Bearbeiten]

Eisbär beim Fressen
Eisbär beim Fressen eines Stückes Rind im Zoo Hannover

Von allen Bärenarten sind Eisbären am ausgeprägtesten auf Fleischversorgung angewiesen. Sie stehen an der Spitze der natürlichen arktischen Nahrungskette, sind also Spitzenprädatoren. Den Hauptbestandteil ihrer Nahrung machen Robben aus, vorwiegend Ringelrobben, aber auch Bart- und Sattelrobben, Klappmützen sowie junge oder geschwächte Walrosse. In Ausnahmefällen können große Eisbären auch erwachsene Walrosse erbeuten.[7]

Im offenen Wasser gelingt es Eisbären kaum, Robben zu erbeuten. Während des Winters bieten sich dagegen auf Packeisfeldern an Eisspalten beste Jagdbedingungen. Eisbären können Robben mit ihrem Geruchssinn in mehr als einem Kilometer Entfernung oder unter ein Meter dicken Eis- oder Schneeschichten aufspüren. Üblicherweise erbeuten sie Robben an deren Atemlöchern. Durch sein helles Fell getarnt ist der Eisbär an die Umgebung angepasst und wird vom Beutetier unter dem Wasserspiegel nur schwer wahrgenommen. An den Eislöchern harren die Jäger oft stundenlang aus, bis eine Robbe zum Luftholen an die Oberfläche kommt, und erlegen dann die Beute durch blitzschnellen Zugriff mit Gebiss und Pranken. Bei einer anderen beobachteten Jagdmethode wittern sie die oft winzigen Luftlöcher, unter denen sich sogenannte Robbenhöhlen befinden, aus enormen Entfernungen. Hier durchbrechen sie dann die Eisschicht unter Verwendung ihrer enormen Kraft und zerren die Beute dank des kräftigen Halses an die Oberfläche. Allerdings verläuft nur rund einer von zehn Fangversuchen erfolgreich.

Wohlgenährte Eisbären fressen vom frisch erlegten Beutetier nur Haut und Speck, der Rest bleibt liegen. Über die Beutereste machen sich schwächere Bären oder Polarfüchse her, aber auch aasfressende Seevögel wie Möwen. Viele Polarfüchse haben sich regelrecht darauf spezialisiert, Nahrungsreste von Eisbären zu verwerten.

Exakte Zahlen zur Menge der Nahrungsaufnahme der Eisbären lassen sich nicht angeben, da sie sehr unregelmäßig und an ihre arktischen Lebensverhältnisse angepasst fressen. Sie verzehren ein enormes Quantum, wenn sie wochen- oder monatelang gehungert haben. Mit ihrem großvolumigen Magen, der im Vergleich zu anderen Raubtieren überdimensioniert ist, sind sie in der Lage, auch sehr große Nahrungsmengen zu sich zu nehmen und dann wieder wochenlang zu hungern.

Eisbären sind die Raubtiere mit dem größten Fettverzehr. Extremfälle sind bekannt, bei denen sich Eisbären bis zu 150 Kilogramm über ihr Durchschnittsgewicht angefressen haben und so über einen im Körper gespeicherten Vorrat von mehr als einem Jahr verfügten. Generell stellen sich Eisbären in Regionen, wo sie nicht regelmäßig Beute machen können, von normalem Stoffwechsel auf Fasten um und halten dies 4 bis 8, selten sogar 12 Monate durch, in denen sie sich dann meist nur Seetang oder Seegras zuführen, um das Verdauungssystem aktiv zu halten.

Zur Nahrung von Eisbären zählen außer Robben und jungen Walrossen auch Kleinsäuger, etwa Erdhörnchen, Lemminge und Wühlmäuse, sowie Vögel, Vogeleier und Fische. Gelegentlich erlegen sie laufbehinderte Rentiere und noch seltener kleine Narwale und Weißwale. Vor allem im Sommer, wenn das Nahrungsangebot gering ist, verzehren Eisbären Kadaver oder von Jägern zurückgelassene Fleischreste und pflanzliche Materialien.

Bei ausgewachsenen männlichen Eisbären ist Kannibalismus nicht ungewöhnlich. Junge Eisbären laufen immer wieder Gefahr, von einem älteren männlichen Bären gefressen zu werden. Muttertiere weichen daher mit ihren Jungen den Männchen aus oder verjagen diese mit Drohgebärden.

Fortpflanzung[Bearbeiten]

Junge Eisbären

Die rund eine Woche dauernde Paarungszeit fällt, je nach nördlicher Breite, in die Monate März bis Juni. Die Zeit von der Befruchtung bis zur Geburt beträgt etwa acht Monate. Allerdings kommt es erst Ende August, Anfang September zur Einnistung des Eies und damit zu einer zwei bis drei Monate dauernden eigentlichen Tragzeit. Dies ist ein natürlicher Schutzvorgang; falls die werdende Mutter nämlich durch Nahrungsmangel im Sommer zu sehr ausgehungert ist, wird das Ei vor der Einnistung resorbiert und die Trächtigkeit abgebrochen.

Die Geburt der Bären erfolgt zwischen November und Januar, also im Winter. Trächtige Weibchen beziehen etwa einen Monat vor der Geburt eine Geburtshöhle, in der sie Winterruhe halten (s. o.). Die Höhle besteht aus einer Vertiefung, die in den womöglich torfigen Boden gegraben und mit Schnee überwölbt wird. Hierdurch ergibt sich ein ein bis drei Meter langer, oft steil nach oben gerichteter Tunnel mit einer ovalen Kammer, die ein Volumen von etwa drei Kubikmetern besitzt. Der Eingang dieser Geburtshöhlen wird gewöhnlich als Kältefalle ausgestaltet. Die Weibchen verlassen diese Geburtshöhle mit ihren Jungen erst vier Monate später (im März oder April). Die Gegenden, in denen die Weibchen ihre Jungen gebären, werden als „Denning Areas“ (Höhlengebiete) bezeichnet.

Das in seiner Ausdehnung größte Geburtshöhlengebiet der gesamten Arktis liegt im kanadischen Wapusk-Nationalpark, der sich an der Südküste der Hudson Bay rund 70 Kilometer südöstlich der Stadt Churchill, zwischen dem Nelson River und Cape Churchill ausdehnt („Wapusk“ ist die Bezeichnung der Cree-Indianer für „weißer Bär“). Große kanadische Höhlengebiete erstrecken sich außerdem um die Mündung des Winisk River in die Hudson Bay (südöstlich des Wapusk-Nationalparks), um die Agu Bay an der Westküste der Baffin-Insel nahe dem westlichen Ende der Fury-und-Hecla-Straße und entlang der zum Ukkusiksalik-Nationalpark gehörenden Wager Bay sowie in der Nordwestecke der Hudson Bay. Außerhalb Kanadas befinden sich ausgedehnte Geburtshöhlengebiete in Alaska, auf Grönland, auf Spitzbergen und auf der Wrangelinsel im Nordosten Sibiriens.

Der Wurf besteht aus einem bis (äußerst selten) vier, überwiegend jedoch zwei etwa kaninchengroßen, bei der Geburt sehr fein behaarten, zunächst noch blinden und tauben Jungen von 400 bis 900 Gramm Gewicht. In den ersten beiden Monaten erreichen sie ein Gewicht von 10 bis 15 Kilogramm und ihr weißes Fell wird immer dichter. Die Jungen werden 1½ bis 2½ Jahre gesäugt. Während dieser Zeit lernen sie das Jagdverhalten der Mutter und werden schließlich von ihr verlassen. Unter den harten Bedingungen der Arktis überlebt nur etwa die Hälfte der Jungtiere die ersten fünf Jahre nach der Geburt.

Eisbären werden mit etwa fünf bis sechs Jahren geschlechtsreif. Ab 20 Jahren geht die Fruchtbarkeit der Weibchen deutlich zurück.

Eisbären und Menschen[Bearbeiten]

Spielkampf zweier Eisbären

Bedrohungen und Schutz[Bearbeiten]

Schon vor der Berührung mit Europäern jagten die indigenen Völker Nordasiens und Nordamerikas Eisbären, insbesondere wegen des Eisbärfells und des Specks. Im 20. Jahrhundert intensivierte sich die Bejagung aufgrund der kommerziellen Nutzung aller Körperteile, vor allem aber aus reiner Vergnügung (Trophäenjagd). Die ausgiebige Nutzung von Flugzeugen zur Lokalisierung der Tiere und als Transportmittel führte zur drastischen Schrumpfung der Populationen in den 1950er- und 1960er-Jahren auf weltweit insgesamt 5.000 bis 10.000 Tiere (geschätzt). Im Jahr 1973 beschlossen Kanada, die Vereinigten Staaten, Dänemark (für Grönland), Norwegen (für Svalbard) und die Sowjetunion ein Abkommen, das die Jagd einschränken, die Habitate schützen und die gemeinsame Forschung verstärken sollte. Die Jagd durch Trophäenjäger ist weiterhin in Kanada, dem Land mit dem größten Eisbärbestand, sowie seit 2005 wieder in Grönland erlaubt und wird offiziell durch Jagdquoten beschränkt.[8] Hobbyjäger zahlen für die Jagd auf einen Eisbären bis zu 30.000 Euro.[9] Kanada und Grönland unterzeichneten im Oktober 2009 ein Abkommen, welches die Jagdquoten auf ein nachhaltiges Maß begrenzen soll.[10] Darüber hinaus gibt es Sonderregelungen für indigene Völker. Durch solche Schutzmaßnahmen nahm die Zahl von Eisbären nach Schätzungen der IUCN weltweit auf derzeit etwa 20.000 bis 25.000 Tiere zu.[11] Ein Antrag der USA nach einem strikten Handelsverbot außerhalb der fünf Länder mit Eisbär-Population wurde im März 2010 auf der Konferenz der Vertragsstaaten des Washingtoner Artenschutzabkommens in Doha unter anderem mit den Stimmen der Europäischen Union abgelehnt.[12]

In jüngerer Zeit sind allerdings zwei weitere Faktoren für die Bedrohung der Eisbären maßgeblich geworden. Zum einen wird durch die verstärkte Förderung von Erdöl und Erdgas in den arktischen Regionen ihr Lebensraum eingeschränkt. Insbesondere die Gebiete, in denen sich die Weibchen zur Winterruhe und zur Geburt zurückziehen, werden hierdurch in Mitleidenschaft gezogen. Zum anderen wird befürchtet, dass die Lebensräume der Eisbären durch die globale Erwärmung generell drastisch zurückgehen werden.[13] Bei dem prognostizierten Rückgang des arktischen Meereises ist zu erwarten, dass bis Mitte des Jahrhunderts 2/3 der gegenwärtigen Eisbärenpopulation verloren gehen.[14] Verschwindet das Meereis komplett, ist es unwahrscheinlich, dass die Eisbären als Art überleben.[15]

So berichteten Forscher der US-Wissenschaftsbehörde Geological Survey im Juni 2006 in der Zeitschrift Polar Biology, dass sie seit 2004 wiederholt Überreste von erwachsenen weiblichen Tieren gefunden hätten, die von männlichen Artgenossen getötet und teilweise aufgefressen worden seien. In einem Fall habe man Fußabdrücke eines Jungtieres neben dem toten Weibchen entdeckt. Das Jungtier habe entkommen können, weil das angreifende Männchen ihm nicht gefolgt sei. Die Forscher um Teamleiter Steven Armstrup werteten dieses Verhalten als Anzeichen dafür, dass Hunger die treibende Kraft für den Angriff war und nicht das Töten eines fremden Jungtieres. Alle Fälle ereigneten sich in Gebieten, in denen das Polareis mehr und mehr wegschmilzt. Die Tiere in diesen Regionen seien zudem auffallend dünn.[16]

Auch nach Beobachtungen der Inuit sind die Eisbären wegen der Eisschmelze im Polarmeer gefährdet. Sie ertrinken, weil das Eis auf Grund der Klimaerwärmung nicht dick genug ist. Dabei sind sie durchschnittlich 50 Kilogramm leichter als noch 20 Jahre zuvor.[17]

Die IUCN führt den Eisbär im Status gefährdet (vulnerable) und rechnet mit einem Rückgang der Bestände.[18]

Angriffe auf Menschen[Bearbeiten]

Verglichen mit anderen Bären neigen Eisbären stärker dazu, Menschen als Beutetiere anzusehen. Wenn es auch wegen der dünnen Besiedlung der Arktis verhältnismäßig selten zur Konfrontation kommt, wird trotzdem von Zeit zu Zeit über für Menschen tödliche Begegnungen berichtet. Am häufigsten erfolgen Angriffe durch Halbwüchsige sowie Muttertiere mit Kindern.[19]

Eisbären in der Kultur[Bearbeiten]

In der Mythologie der Inuit spielt „Nanuq“ (Inuktitut-Wort für Eisbär, englisch geschrieben: Nanook) generell eine bedeutende Rolle. Regional gab es sogar einen Mythos, wonach ein besonders hervorgehobener Eisbär „Herr der Eisbären“ sei und entscheiden könne, ob sich die Jäger den Regeln gemäß verhielten; erst danach sei eine erfolgreiche Eisbärenjagd möglich. Auch von anderen arktischen Völkern sind ähnliche Mythen bekannt. Bis heute ziert der Eisbär das Wappen Grönlands und auch andere Wappen und Flaggen nordischer Länder.

In Literatur und Film, vor allem für Kinder, kommen immer wieder Eisbären vor. Die Beliebtheit von Fernsehsendungen und Fotobüchern über Eisbären ist seit Jahren ungebrochen. Ein bekanntes Beispiel ist die Bilderbuchserie Der kleine Eisbär von Hans de Beer.

2007 und 2008 wurden zwei junge Eisbären namens Knut und Flocke ein globales Medienphänomen.

Systematik[Bearbeiten]

Äußere Systematik[Bearbeiten]

Aufgrund der Unterschiede im Körperbau wurde der Eisbär zeitweise in eine eigene Gattung Thalarctos eingeordnet. Jüngere Systematiken ordnen ihn aber generell in die Gattung Ursus ein, zu der unter anderem auch Braunbär und Schwarzbär gezählt werden. Der nächste Verwandte des Eisbären ist der Braunbär.

Aus einer DNA-Analyse der Mitochondrien wurde 2010 abgeleitet, dass sich die Arten vor rund 150.000 Jahren aufspalteten.[20][21] Diese genetischen Untersuchungen von mitochondrialer DNA hatten nahegelegt, dass manche Braunbärpopulationen näher mit dem Eisbären verwandt seien als untereinander. Daher galt der Braunbär bis vor kurzem als Paradebeispiel für eine „paraphyletische Art“, das angeführt wurde, um das traditionelle Artkonzept infrage zu stellen. Eigentlich hätte man dann nämlich den Eisbären als Unterart des Braunbären ansehen können.

Neue genetische Studien haben diese Sichtweise nun widerlegt. Ein umfassender Vergleich des Erbguts aus dem Zellkern kam zum Ergebnis, dass sich die Abspaltung von Eis- und Braunbär bereits vor 338.000 bis 934.000 Jahren ereignete, also viel früher, als auf der Basis von Analysen mitochondrialer DNA abgeschätzt wurde.[22][23] Diese Studie wurde seither durch weitere Studien bestätigt, und nun gilt der Eisbär phylogenetisch gesehen als eigenständige und wohl differenzierte Art, als Geschwisterart des Braunbären. Dem biologischen Artbegriff folgend müssen Braun- und Eisbären jedoch als Unterarten einer einzigen Art gesehen werden.

Hybridbildung zwischen Eis- und Braunbär[Bearbeiten]

Eis- und Braunbären sind untereinander kreuzbar und können fruchtbare Nachkommen zeugen. Eine Hybridisation zwischen beiden Arten war lange nur von Zootieren bekannt. Am 16. April 2006 erlegte jedoch ein Sportjäger, Jim Martell aus dem US-Staat Idaho, in der Nähe von Sachs Harbour auf Banks Island (Nordwest-Territorien, Kanada) einen vermeintlichen Eisbären, dessen Fell nicht richtig weiß oder gelblich war. Das Fell des Bären zeigte eher ein sehr helles Braun, wie es bei hellen Grizzlybären vorkommt. Eine DNA-Analyse durch Experten des Umweltministeriums der Nordwest-Territorien ergab, dass es sich bei dem erlegten Tier überraschenderweise um einen Hybriden aus Eisbär und Grizzlybär (eine Unterart des Braunbären) handelte. Normalerweise verhalten sich beide Bärenarten sehr feindselig, falls sie sich überhaupt in der Arktis begegnen. Außerdem paaren sich Eisbären üblicherweise auf dem Eis und Grizzlys auf dem Festland, weshalb eine Paarung zwischen beiden Arten bislang als unwahrscheinlich galt.[24][25]

Literatur[Bearbeiten]

  • Douglas P. DeMaster, Ian Stirling: Ursus maritimus. In: Mammalian Species. Nr. 145, S. 1–7.
  •  Ronald M. Nowak: Walker’s mammals of the world. 6. Auflage. Johns Hopkins University Press, Baltimore 1999, ISBN 0-8018-5789-9, LCCN 98-23686.
  • Bernhard Grzimek: Säugetiere 3. Bechtermünz, Augsburg 2001, ISBN 3-8289-1603-1 (Grzimeks Tierleben, Band 12).
  • Savva M. Uspenski: Der Eisbär. Thalarctos maritimus. 2. Auflage. Westarp-Wissenschaften, Magdeburg 1995, ISBN 3-89432-647-6 (Die Neue Brehm-Bücherei, Band 201; Nachdruck der 1. Auflage von 1979).
  • Mechtild und Wolfgang Opel: Eisbären - Wanderer auf dünnem Eis, ISBN 978-3-95503-010-0, Mana-Verlag Berlin, 2014

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Eisbär – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Eisbär – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Artikel von Daniel W. Koon, Professor an der St.-Lawrence-Universität, New York
  2. H. Senoo, K. Imai, Y. Mezaki, M. Miura, M. Morii, M. Fujiwara, R. Blomhoff: Accumulation of vitamin A in the hepatic stellate cell of arctic top predators. In: Anatomical record (Hoboken, N.J. : 2007). Band 295, Nummer 10, Oktober 2012, S. 1660–1668, ISSN 1932-8494. doi:10.1002/ar.22555. PMID 22907891.
  3. George M. Durner, John P. Whiteman, Henry J. Harlow, Steven C. Amstrup und Eric V. Regehr, et al.: Consequences of long-distance swimming and travel over deep-water pack ice for a female polar bear during a year of extreme sea ice retreat, Polar Biology, 2011, Volume 34, Number 7, Seiten 975-984, doi:10.1007/s00300-010-0953-2
  4. A.M. Pagano, G.M. Durner, S.C. Amstrup, K.S. Simac, G.S. York: Long-distance swimming by polar bears (Ursus maritimus) of the southern Beaufort Sea during years of extensive open water, Canadian Journal of Zoology, 2012, doi:10.1139/z2012-033
  5. Spiegel online Wissenschaft - Wander-Wunder: Eisbären schwimmen Hunderte Kilometer ohne Pause, v. 3. Mai 2012
  6. http://science.orf.at/stories/1745431 Erstmals Erbgut aus Eisbärenspuren isoliert, ORF.at 2. September 2014
  7. YouTube-Video: polar bear vs walrus
  8. Eisbärenjagd in Grönland Prowildlife Pressebericht 28. Januar 2005
  9. Bericht auf Prowildlife Klima, Jagd, Eisbär vom 7. September 2009
  10. Nachricht auf N24 über Abkommen zu den Jagdquoten 31. Oktober 2009
  11. Ergebnisbericht über das 14. Arbeitstreffen der IUCN 2005 in Seattle; siehe S. 33–35 (PDF, englisch)
  12. Artenschutzkonferenz gegen Handelsverbot für Eisbären (Die ursprüngliche Seite ist nicht mehr abrufbar.)[1] [2] Vorlage:Toter Link/www.tagesschau.de → Erläuterung tagesschau.de, 19. März 2010
  13. Stirling, Ian und Claire L. Parkinson (2006): Possible Effects of Climate Warming on Selected Populations of Polar Bears (Ursus maritimus) in the Canadian Arctic, in: Arctic, Vol. 59, Nr. 3, September, S. 261–275 (PDF)
  14. Amstrup et al. (2007): Forecasting the Range-wide Status of Polar Bears at Selected Times in the 21st Century, USGS, (PDF; 2,40 MB)
  15. Derocher et al. (2004): Polar Bears in a Warming Climate, in: Integrative and Comparative Biology, Vol. 44, S. 163-176, online
  16. Spiegel-Online vom 13. Juni 2006 und Agentur AFP vom 15. Juni 2006
  17. Angaangaq, geistiger Repräsentant der Inuit in einem Interview mit Publik-Forum. Das. Nr. 6, 23. März 2007
  18. * Ursus maritimus in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2008. Eingestellt von: S. Schliebe u. a., 2008. Abgerufen am 31. Dezember 2008
  19. Polar Bears – Behaviour auf der Webseite von Seaworld, abgerufen am 31. Mai 2014 (englisch)
  20. Charlotte Lindqvist u. a.: Complete mitochondrial genome of a Pleistocene jawbone unveils the origin of polar bear. In: Proceedings of the National Academy of Sciences. Band 107, Nr. 11, 2010, S. 5053–5057, doi:10.1073/pnas.0914266107
  21. Bären-Trennung vor 150.000 Jahren: Eisbär evolutionär sehr jung. In: n-tv. 7. März 2010
  22. Frank Hailer, Verena E. Kutschera, Björn M. Hallström, Denise Klassert, Steven R. Fain, Jennifer A. Leonard, Ulfur Arnason & Axel Janke: Nuclear Genomic Sequences Reveal that Polar Bears Are an Old and Distinct Bear Lineage. In: Science. Band 336, Nr. 6079, 20. April 2012, doi:10.1126/science.1216424, S. 344–347
  23. 600.000 Jahre: Analyse enthüllt lange Geschichte der Eisbären. In: Spiegel Online. 20. April 2012
  24. Süddeutsche Zeitung Nr. 112 vom 16. Mai 2006, S. 22
  25. Grizzly end for polar bear crossbreed
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