Polaroid

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PLR IP Holdings, LLC
Polaroid Logo.svg
Rechtsform Limited Liability Company
Gründung 1937, Neugründung 2001 nach Insolvenz
Sitz Concord Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten
Leitung Scott W. Hardy
Branche Unterhaltungselektronik
Produkte Produkte für Digitalfotografie, Flüssigkristallbildschirme, DVD-SpielerVorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Produkte
Website www.polaroid.com
Polaroid 900
Die Polaroid Electric Eye 44

PLR IP Holdings ist der Rechteinhaber des ehemaligen US-amerikanischen Unternehmens Polaroid Inc., das durch seine Sofortbildkameras derart bekannt geworden ist, dass der Begriff Polaroid zum Gattungsnamen für Sofortbilder und Sofortbildfotografie allgemein wurde. Zu den Hauptprodukten zählten auch Sonnenbrillen. Später wurde außerdem Unterhaltungselektronik unter diesem Markennamen vertrieben.

Geschichte[Bearbeiten]

Anfänge[Bearbeiten]

Der Physiker Edwin Herbert Land entwickelte Polarisationsfolien, für die er 1933 ein Patent erteilt bekam. Diese Polarisationsfilter basierten auf einer gestreckten Polymer-Folie (Polyvinylalkohol) mit eindiffundiertem Jod.[1] Mit ihnen machte sich Land im weiteren Verlauf selbständig, indem er 1937 in Boston eine eigene Firma gründete, die er passend zum Produkt Polaroid nannte. Auch wurden die Folien unter diesem Namen angeboten, sie fanden sich unter anderem in Sonnenbrillen.

Jüngere Geschichte[Bearbeiten]

Nachdem das Unternehmen die Produktion von Sofortbildkameras und Filmen zunächst eingestellt hatte, um sich voll auf Produkte für die Digitalfotografie zu konzentrieren,[2] wurde Anfang Mai 2010 mit der Polaroid 300 wieder eine neue analoge Sofortbildkamera eingeführt.[3]

Am 18. Dezember 2008 hat Polaroid ein Insolvenzverfahren nach Chapter 11 des amerikanischen Insolvenzrechts beantragt. Als Grund wurde ein Betrugsverfahren angegeben, das Polaroid gegen die frühere Muttergesellschaft Petters Group Worldwide und deren Eigentümer Tom Petters führt.[4] Tom Petters wurde im April 2010 zu 50 Jahren Gefängnis verurteilt, da er mit einem Schneeballsystem einen Schaden von über 3,5 Milliarden US-Dollar angerichtet hatte. Einer seiner Rechtsanwälte kündigte Rechtsmittel gegen das Urteil an.[5]

Im Januar 2010 wurde auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas die Sängerin Lady Gaga als Creative Director von Polaroid vorgestellt.[6] Sie soll mit ihrer Kreativität zukünftige Produkte von Polaroid gestalten. Im Januar 2011 präsentierten Polaroid und Lady Gaga auf der CES in Las Vegas das "Grey Label". Es beinhaltet drei Produkte: eine Brille, einen mobilen Drucker und eine neue Kamera. Drucker und Kamera verwenden das schon im PoGo angewendete Zink-Verfahren.

Für die traditionellen Sofortbildkameras entwickelt und produziert die Firma Impossible weiterhin neue Filmmaterialien in der ehemaligen Polaroid-Fabrik in Enschede, Holland.[7]

Sofortbildkameras[Bearbeiten]

Trennbildfilm[Bearbeiten]

Schwarzweiß- Packfilm

Am 21. Februar 1947 stellte Land auf der Versammlung der Optical Society of America eine neuartige Kamera vom Typ folding („Land camera“) vor, der man kurz nach der Aufnahme ein fertiges Positivbild entnehmen konnte. Die eigentliche revolutionäre Neuerung jedoch lag weniger in der Kamera als vielmehr im dazugehörigen Film: Erstmals kam ein Schnellentwicklungsverfahren zum Einsatz, das noch an Ort und Stelle das belichtete Negativ auf ein Positiv übertrug. Die erste Kamera (Typ 95) verkaufte am 26. November 1948 die Jorden Marsh Company in Boston. Handelte es sich zunächst nur um schwarzweiße, in den ersten Jahren genau genommen sepiafarbene (also alten, braungetönten Fotos ähnliche) Bilder, erschien 1963 der Polacolor genannte Farbfilm.

An der Filmhandhabung änderte sich damit jedoch nichts: Nach wie vor wurden die Polaroidbilder nach der Belichtung seitlich aus der Kamera gezogen, wobei der Film zwischen zwei Walzen hindurchlief, die wiederum die Entwicklerpaste zwischen Positiv und Negativ verteilten. Nach ungefähr 30 bis 90 Sekunden Entwicklungszeit konnte man das fertige Positiv abziehen. Das Negativ ließ sich in der Regel nicht weiterverwenden, nur vereinzelte Schwarzweiß-Filmtypen (Polapan 55, 85, 665) lieferten ein nach spezieller chemischer Nachbehandlung (Abwaschen der Chemikalien mit Natriumsulfitlösung = "Klären") weiter für Kopieren und Vergrößern verwendbares Negativ.

Polaroid Cold Clip, Hilfsmittel zur Entwicklung bei niedriger Temperatur

Generelle Schwachstelle der Filme war wie bei jedem fotochemischen Verfahren eine sehr hohe Temperaturempfindlichkeit: Belichtungs- und Entwicklungszeit mussten bei niedrigen Temperaturen stark verlängert werden. Aus diesem Grunde hatten die Kameras für Farbfilme eine entsprechende Vorrichtung an der Rückwand oder im Schwenkdeckel untergebracht, welche aus zwei Leichtmetallplatten bestand, die mit Klebeband an einer Seite verklebt waren. Diese Vorrichtung wurde vor dem Entwickeln der Aufnahme in Körpernähe erwärmt (unter dem Arm, Brusttasche). Die der Kamera nach der Aufnahme entnommene Bildeinheit wurde sodann zwischen die vorgewärmten Platten gelegt, um die Entwicklungszeit zu verkürzen bzw. je nach Außentemperatur überhaupt zu ermöglichen.

Der Trennbildfilm ist in der Herstellung sehr aufwendig. Das Filmpack-Gehäuse besteht aus Metall und Kunststoff. In ihm sind die Bildeinheiten in zusammengelegter Form untergebracht. Beim Einlegen des Trennbildfilms werden die weißen Streifen so verlegt, dass diese nicht verklemmen. Die Rückwand der Kamera wird mit einem Klemmverschluss geschlossen. Nach der Aufnahme wird zunächst ein weißer Streifen aus dem seitlich angebrachten Ausgabefach gezogen. Ihm folgt etwas versetzt aus einem weiteren Schlitz ein meist gelb-schwarz bedruckter Griff aus Papier. Durch kontinuierliches Ziehen wird die Bildeinheit aus der Kamera entnommen, womit gleichzeitig der Entwicklungsprozess beginnt.

Innenaufbau des Modells 80 für Rollfilm

Trennbild-Filme gab es in mehreren Ausführungen und Formaten. Die ersten Polaroidkameras verwendeten eine Art Rollfilm, mit der Polaroid Automatic 100 ging man 1963 aber auf Packfilme über. Auch noch heutzutage Verwendung finden vor allem Packfilme (8,2 × 10,8 cm und 8,2 × 8,6 cm), die u.a. in speziellen Polaroid-Rückteilen für diverse Mittelformatkameras zur Geltung kommen, sowie die etwas weniger verbreiteten Planfilme (10,2 × 12,7 cm und 20,3 × 25,4 cm), deren Einsatzbereich ausschließlich in der Großformatfotografie liegt (eigens auf dieses Filmformat zugeschnittene Polaroidkameras gibt es nicht).

Schon 1957 stellte Polaroid einen Diafilm vor, mit dem man binnen zwei Minuten projektionsfähige Diapositive herstellen konnte. 1959 kam mit dem Typ 3000 ein hochempfindlicher Film auf den Markt, so dass man bei Innenaufnahmen auf ein Blitzgerät verzichten konnte. 1961/62 folgte mit der Mehrzweckkamera MP 3 ein Gerät, mit dem man auch hochwertige Reproduktionen erstellen konnte, beispielsweise in Bibliotheken von alten Schriften. 1964/65 kamen mit dem Typ 413 ein infrarotempfindlicher Film und mit dem XR 7-System eine Röntgendiffraktionskassette für die Kristallografie auf den Markt. Ein spezielles System, genannt ID-2, erlaubte es, in zwei Minuten fälschungssichere Ausweise herzustellen.

Seit Februar 2008 stellt das Unternehmen Polaroid keine Sofortbildkameras mehr her. Am 17. Juni 2008 wurde die Produktion des letzten Polaroid-Films T600 im niederländischen Werk Enschede eingestellt.[2]

Seit 2010 produziert die niederländische Firma ImPossible mit Unterstützung von Ilford eine Neuauflage der Filme in der ehemaligen Polaroid-Fabrik in Enschede. Da eine Reihe von ehemaligen Zulieferern notwendige Vorprodukte nicht mehr herstellen, musste die Zusammensetzung der Filme zum Teil neu entwickelt werden.[8]

Integralfilm[Bearbeiten]

Die SX-70 (geöffnet)

Mit einer aufwendigen Entwicklung versuchte man, die Wartezeit und das Zwischennegativ zu umgehen, das Ergebnis demonstrierte Edwin Land am 25. April 1972 auf einer Generalversammlung, indem er innerhalb von zehn Sekunden fünf Bilder belichtete, die sich binnen vier Minuten selbst entwickelten. Das System nannte sich SX-70, es handelte sich um jenen firmeninternen Codenamen, der bereits für die Entwicklung des Sofortbildverfahrens in den 1940er Jahren benutzt wurde. Es erschien zur Jahreswende 1972/73 auf dem amerikanischen und 1974 auf den europäischen Markt. Die Filmkassette enthielt zehn Farbbilder im Format 7,8 × 7,9 cm (Bildbereich), unter denen eine Polapulse genannte, besonders flache Batterie lag. Die Kameras für das SX-70-System schoben das gerade belichtete Bild stets motorisch unmittelbar nach der Aufnahme heraus, dann konnte man beobachten, wie sich das Bild in den nächsten Minuten entwickelte. Vorgestellt wurde SX-70 mit einer faltbaren Spiegelreflexkamera, für die Einsteiger-Modelle hielt man zunächst noch am Trennbildverfahren fest, erst 1977 stellte man mit der Polaroid 1000 ganz auf das neue System um, für die in Deutschland der Schauspieler Hansjörg Felmy in einer groß angelegten Kampagne warb. Der SX-70-Film lieferte Fotos von ausgezeichneter Qualität, besaß aber nur einen geringen Belichtungsspielraum. Er musste infolgedessen sehr genau belichtet werden und verlangte deswegen bereits bei der billigsten Kamera nach einer Belichtungssteuerung.

Als Nachfolger erschienen zur Jahreswende 1981/82 der Film Typ 600, der mit ISO 640 / 29° anstatt ISO 160 / 23° lichtempfindlicher war, aber nach einem eigenen Kameratyp verlangte, und dann der Image Film mit dem Format 7,9 × 9,1 cm und einem weiteren Kameramodell. Die Filme folgten der gleichen Konstruktion mit Polapulse-Batterie, die aber nun mehr Kapazität besaß und den Elektronenblitz mit versorgen konnte. Mit dem Vision 95 erschien dann noch ein kleineres Format (7,3 × 5,5 cm), wobei die zugehörigen Kameras eine integrierte Bildbox für alle zehn Bilder des Films besaßen.

Funktionsweise des SX-70-Films[Bearbeiten]

Der SX-70-Film ist ein Integralfilm, d. h. alle Filmbestandteile sind im ausgeworfenen Bild integriert – das Bild braucht nicht vom Negativ getrennt werden und hinterlässt somit keinen Abfall. Das Magazin des SX-70-Films besteht aus einem rechteckigen Kunststoffbehälter. Es enthält je nach Film acht, später zehn Fotos und die laminierte Zink-Kohle-Batterie „Polapulse“. Eine dünne Blechfeder liegt über der Batterie und drückt die Bilder nach oben. Zuoberst liegt ein lichtdichtes Deckblatt aus Pappe, das „Darkslide“ genannt wird. Wenn das Magazin in das geöffnete Filmfach der Kamera eingeschoben wird, knickt eine ca. 2 mm breite Kunststoffleiste nach vorne ab und gibt den Bildauswurf frei. Die Kamera stößt nach dem Schließen des Filmfaches automatisch das oberste Blatt des Magazins aus, bei einem neuen Film also das Deckblatt. Eine Folienzunge an der Vorderseite des Kassette erleichtert später das Entfernen des leeren Magazins.

Der SX-70-Film besteht aus insgesamt 16 Schichten. Unten auf dem Bildträger liegen drei farbempfindliche Silberhalogenidschichten (RGB) und die entsprechenden Farbkuppler-Entwicklerschichten (CMY). Zuoberst liegen die Bildempfängerschicht und das transparente Deckblatt.

Beim Auswerfen eines belichteten Bildes verteilen zwei Walzen eine alkalische Paste mit einem lichtundurchlässigen „Verdunkler“ und einem weißen Pigment über die Negativschicht, worauf die Entwicklung beginnt. Die alkalische Paste durchdringt alle Schichten und aktiviert die Farbentwickler. Diese kombinieren sich mit den belichteten Silberhalogenidkörnern und werden blockiert. Die übrigen Farbentwickler steigen in die Deckschicht auf, wo sie zusammen mit dem weißen Pigment das Farbbild erzeugen. Die Verdunklerpaste wird am Ende transparent, und das Bild wird sichtbar.

Der SX-70-Film ist 1975/76 zum ersten Mal verbessert worden und dann noch einmal mit dem Time Zero Supercolor von 1980. Time Zero bedeutete dabei, dass sich das Bild schon innerhalb einer Minute entwickelte, nun war außerdem die Entwicklerpaste schon von Beginn an weiß. Beide Male ist die Bildqualität verbessert worden. Die Produktion des Films wurde Anfang 2006 eingestellt.

SX-70-Film eignet sich für verschiedene – inoffizielle – Kreativitätstechniken, z.B. Verschieben der Emulsion, Durchreiben von Strukturen, Erhitzen.

Später wurden der 600er-Film mit höherer Empfindlichkeit und der breitformatige „Image“-Film als Nachfolger vorgestellt.

Kameras[Bearbeiten]

Polaroid Swinger Model 20
Polaroid Vision (auch Captiva)
Polaroid 636
Polaroid Model 80 mit Blitz Model 281

Da bei den Polaroid-Kameras keine Abzüge vergrößert, sondern das Positivbild vom Negativ direkt chemisch übertragen wurde, handelte es sich um Mittelformatkameras. Eine Sonderform stellten die speziellen Modelle für Passbilder zum Mitnehmen dar, hierfür bauten Mittelformatkamerahersteller für Polaroid Kameras mit zwei oder vier Objektiven, die einen Satz von Passbildern gleichzeitig erzeugen konnten. Die normalen Kameras hatten Objektive von etwa 115 mm Brennweite und einem Öffnungsverhältnis um die 1 : 9, wobei oft Kunststofflinsen zum Einsatz kamen. Bei den Trennbildkameras erhielten die besseren Modelle eine Zeituhr, die mit einem Signalton an das Trennen des Bildes erinnerte.

1965 kam mit der „Swinger“ die erste Sofortbildkamera um 20 US-Dollar auf den Markt. Ihr Objektiv hatte eine Blendenöffnung von f 17 und eine Brennweite von 100 mm. Die Verschlusszeit war fest auf 1/200 sec. eingestellt. Es kam der Polaroid-Rollfilm 83 x 86 mm zum Einsatz.

Neben den Amateurkameras erhielt man auch welche mit Wechselobjektiven für den professionellen Einsatz. Die Polaroid 600 SE wurde von Mamiya gefertigt, sie verwendete Packfilm in der Größe 8,5 × 10,5 cm², und für sie gab es drei Wechselobjektive, mit 75 mm (f/5,6), 127 mm (f/4,7) und 150 mm (f/5,6) Brennweite. Da das große Format auch große Apparate bedingte, kamen auch immer wieder Faltkameras auf den Markt.

Mit dem System SX-70 erschien eine Spiegelreflex-Faltkamera. Sie enthielt einen großen, doppelseitigen Spiegel, dessen Oberseite den Strahl vom Objektiv in den Sucher lenkte. Hochgeklappt reflektierte seine Unterseite den Strahl auf den waagerecht liegenden Film. Diese Kamera wurde ab 1978 unter den Namen Revue auch von Foto Quelle angeboten. Bis zur Einstellung der Produktion 1981 wurde die SX-70 in mehreren Varianten auf den Markt gebracht. Spätere Modelle waren mit einem Ultraschall-Autofocus ausgestattet. Die Modellreihe 3 unterscheidet sich von ihrem Vorgänger durch das Entfallen des Spiegelreflexsystems. Der manipulierbare Integralfilm machte die SX-70 zu einer beliebten Kamera für Künstler.

Die zwischen 1971 und 1973 hergestellte Big Shot war eine einfache, starre Sofortbildkamera für Porträts (Farbfilm Typ 108, Negativformat: 8,5 x 10,5 cm). Die Entfernung war auf etwa einen Meter fixiert. Die Kamera musste so lange nach vor oder zurück bewegt werden, bis zwei Bilder im Sucher übereinstimmten (Prinzip Mischbild-Entfernungsmesser). Der berühmte Künstler Andy Warhol hatte eine besondere Vorliebe für diese eigenwillige Porträtkamera; nicht zuletzt deshalb erhielt sie Kultstatus.

Die Polaroid 660 fokussiert durch Verändern der Brennweite mittels verschiedener Linsen: Zum Objektiv gehört ein bewegliches Segment mit vier Linsen, mit denen sich folgende Brennweiten ergeben: 107 mm (ab 3,9 m Motiventfernung), 105 mm (1,5 m bis 3,9 m), 99 mm (0,9 m bis 1,5 m) und 90 mm (0,6 m bis 0,9 m). So brauchen keine Linsen längs zur optischen Achse verschoben zu werden. Das Prinzip Fokussieren durch Brennweitenänderung nennt sich Innenfokussierung.

Die Captiva- (oder Vision-) Reihe von Polaroid wurde von 1993 bis 1997 gebaut, der Neupreis betrug 269,00 DM. Es waren Spiegelreflexkameras in einer moderner anmutenden Form. Sie verwendeten einen Film des Typs 500, mit einer Bildgröße von 73 x 54 mm (ISO 600). Ein Filmsatz enthielt zehn Bilder. Die Kamera hatte ein Objektiv mit der Blendenöffnung f 12, die Brennweite betrug 107 mm, und der Apparat war mit einem Infrarot-Autofokus und Belichtungsautomatik ausgerüstet. Außerdem besaß sie einen integrierten elektronischen Blitz und einen Selbstauslöser, und sie konnte platzsparend zusammengeklappt werden.

Schließlich hatte Polaroid auch Kameras für die Dokumentation und Archivierung im Programm, wie die MP4, die CU5 oder die Makro 5 SLR. Diese Kameras wurden hauptsächlich im medizinischen Bereich, in der chemischen Analytik (Gelchromatografie, Elektrophorese) und in anderen wissenschaftlichen Dokumentationsaufgaben eingesetzt.

Sofortbild-Rückteile und Sonderkameras[Bearbeiten]

Für Mittelformat-Kameras waren Sofortbild-Rückteile erhältlich, die anstelle der Rollfilm-Kassetten angesetzt werden konnten. So konnten Beleuchtung und einwandfreie Funktion der Kamera überprüft werden, ein unter Studiofotografen äußerst populäres Vorgehen. Verschiedene Firmen boten Sofortbildkameras für Spezialanwendungen an, die Polaroid-Kassetten aufnahmen. Darunter insbesondere Oszilloskop-Hersteller, die damit das Archivieren von Bildschirm-Darstellungen ermöglichten. Der Polaprinter fertigte Sofortbilder von gewöhnlichen Kleinbild-Diapositiven an.

Polavision[Bearbeiten]

1977 stellte Polaroid mit „Polavision“ auch einen 8-mm-Sofortbildfilm vor. Hierzu gab es eine einfach zu bedienende Kamera, die ein schwergängiges Zweifach-Zoomobjektiv mit zwei Entfernungseinstellungen besaß und spezielle Kassetten aufnahm. Nach dem Belichten wurden diese in ein Betrachtungsgerät gesteckt, beim Rückspulen binnen 90 Sekunden entwickelt und nach 45 Sekunden Wartezeit (zum Ausentwickeln) automatisch auf der 30 cm-Mattscheibe vorgeführt. Ein Schneiden des Films war nicht vorgesehen. Eine Kassette enthielt 12 Meter Film, entsprechend 2 Minuten 35 Sekunden Spielzeit – wie bei Super 8 lief der Film mit einer Geschwindigkeit von 18 Bildern/Sekunde. Die Apparate wurden von der österreichischen Firma Eumig produziert. Eine Spezialfirma stellte eine Hochgeschwindigkeitskamera für wissenschaftliche Zwecke vor, die mit bis zu 300 Bildern/Sekunde lief.

Das Filmmaterial beruht auf dem additiven Farbverfahren, enthält also eine Farbfilterschicht aus blauen, roten und grünen Elementen, die als Linienfilter auf dem zum Positiv entwickelten Silberbild aufliegen. Beim Projizieren verschmelzen die Farblinien im Auge zum vollfarbigen Positiv. Das gleiche Prinzip wurde etwas später im „Polachrome“-Sofortdiafilm verwendet. Die Eigenart des eingebauten Filters bedingt eine Grunddichte von ND 0,6 = 2 Blenden Lichtdämpfung schon der hellsten Stellen (Spitzlichter), damit ist Mischen von herkömmlichen Dias und Sofortfarbdias in einem Diavortrag nicht ohne Weiteres möglich.

Digitalfotografie[Bearbeiten]

Seit 2004 kooperiert Polaroid mit Praktica und der Foveon-X3-Technik von Sigma. Entsprechende Kameras wurden unter der Bezeichnung ION im Einstiegssegment vermarktet.

Die neueste Entwicklung von Polaroid ist der „hosentaschengroße“ PoGo-Drucker für digitalen Fotodruck. Der Drucker arbeitet mit Spezialpapier, in dem Farbkristalle eingebettet sind, die beim Druckvorgang aktiviert werden. Bilder können per Bluetooth oder USB auf den Drucker übertragen werden.

Polaroid Studio[Bearbeiten]

Einige bekannte Künstler (u.a. Ansel Adams, der in den 60er Jahren für das Unternehmen tätig war) arbeiten mit Polaroid nicht wegen der Einfachheit des Systems, sondern da mit besonderen Kameras und Filmen außergewöhnliche Aufnahmen möglich sind. Hier sei die Polaroid 20×24 Studiokamera erwähnt, mit der Aufnahmen im Format 20×24 Zoll (50×60 cm) gemacht werden können.[9] Die insgesamt sechs existierenden Balgenkameras werden häufig von Künstlern benutzt, aber mit ihr auch zahlreiche Künstler aufgenommen. Zuletzt entstand mit ihr eine Porträtserie von Lady Gaga.

Anwendungsgebiete[Bearbeiten]

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Insgesamt waren Polaroid-Bilder um den Faktor zwei bis drei teurer als herkömmliche Bilder. Das kombinierte Film-/Bildmaterial war deutlich aufwändiger, bei misslungenen Aufnahmen konnte auf einen Abzug nicht verzichtet werden. Ökologische Aspekte (Plastikabfall, Batterien) waren damals noch kein Kriterium; abgesehen von der Entwicklung des Integralfilms, der den heftig stinkenden Chemieabfall der Trennbildfilme verhindern sollte, da er oft von Touristen in der Natur hinterlassen wurde.

Typischerweise bevorzugten folgende Benutzergruppen das Verfahren:

  • Anwender, die schnell ein Bild benötigten (z. B. Gutachter oder bei Film- und Fernsehproduktionen, vor allem für Continuity aber auch Kostüm und Maske)[10]
  • Wenig-Fotografierer, die ihre Bilder schneller benötigten, als sie einen konventionellen Film "verbraucht" hätten
  • Pressefotografen, die erste Aufnahmen den Redaktionen vorlegen konnten, während die konventionellen Filme noch entwickelt wurden
  • Studiofotografen, die Polaroids zur Beurteilung von Szenenausleuchtungen verwendeten (meist in Kombination mit Mittel- und Großformatkameras, an die zuerst ein Polaroid-Rückteil angesetzt wurde, das nach erfolgter Belichtungsoptimierung für das eigentliche Bild gegen ein normales Wechselmagazin getauscht wurde).
  • Vor-Ort-Fotografen z.B. in Vergnügungsparks, die ihre Bilder sofort an Käufer übergeben mussten
  • Anwender ohne Zugriff auf ein Fotolabor, wie Mitarbeiter der Entwicklungshilfe
  • Zur medizinischen oder juristischen Dokumentation (Arztpraxen, Unfallstellen, Tatorte)
  • Passbildkabinen
  • Polaroid selbst pries die eigenen Produkte auch als Party- oder Kinderkameras an

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Polaroid-Filter. In: Polarisationszustand des Lichts. auf: uni-jena.de, S. 5. (PDF; 305 kB)
  2. a b Die Polaroid-Bilder feiern ihren letzten Geburtstag. auf: welt.de, 26. November 2008.
  3. Classic Instant. Polaroid. Abgerufen am 23. Mai 2010.
  4. Polaroid meldet Insolvenz an. auf: heise online, 19. Dezember 2008.
  5. Milliardenbetrüger Petters muss 50 Jahre ins Gefängnis. auf: Spiegel Online. 8. April 2010.
  6. Lady Gaga Talks About The Polaroid Partnership With CNBC. auf: youtube.com
  7. Polaroid-Erben verhelfen Analogfilm zum Comeback.Vorlage:Webarchiv/Wartung/Nummerierte_Parameter auf der Webseite der Financial Times Deutschland.
  8. the IMPOSSIBLE project. Abgerufen am 23. Mai 2010.
  9. Polaroid 20x24 Studio auf: polaroid.com
  10. Pat P. Miller: Script supervising and film continuity. Focal Press, 1999.

Literatur[Bearbeiten]

  • Constance Sullivan (Hrsg.): Polaroid: Legacy of Light. A Polaroid Book. A. Knopf, New York 1987, OCLC 702908445. (Sofortbildaufnahmen von 58 Künstler-Fotografen)
  • Meike Kröncke, Barbara Lauterbach, Rolf F. Nohr (Hrsg.): Polaroid als Geste. Hatje Cantz, Ostfildern-Ruit 2005, ISBN 3-7757-1619-X. (über die Gebrauchsweisen einer fotografischen Praxis)
  • Giovanni Chiaramonte, Andrej A. Tarkovskij: Lichtbilder Die Polaroids. Schirmer-Mosel Verlag, Februar 2006, ISBN 3-8296-0132-8.
  • Steve Crist (Hrsg.): The Polaroid Book : Selection from the Polaroid Collections of Photography. Taschen Verlag, Köln 2011, ISBN 978-3-8365-0189-7.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Polaroid Kameras – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Polaroidkamera – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen