Polikarpow R-1

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Polikarpow R-1
Polikarpow R-1
Typ: Mehrzweckflugzeug
Entwurfsland: Sowjetunion 1923Sowjetunion Sowjetunion
Hersteller: Duks
Erstflug: 1923
Produktionszeit: 1922–1931
Stückzahl: ≈3000

Die Polikarpow R-1 (russisch Поликарпов Р-1) war ein von der Sowjetunion gebautes militärisches Mehrzweckflugzeug. Eingesetzt wurde sie zur Aufklärung, als leichter Bomber, zur Schulung und als Erdkampfflugzeug. Eine zivile Version diente zur Postbeförderung. Sie war das erste Flugzeug, das in Massenproduktion gefertigt und an die sowjetischen Luftstreitkräfte ausgeliefert werden konnte, und trug so zur Unabhängigkeit der sowjetischen Luftfahrtindustrie gegenüber Importkäufen aus dem Ausland bei.

Entwicklung[Bearbeiten]

Im Bestand der noch nicht lange bestehenden Roten Luftflotte befanden sich mehrere Flugzeuge der Typen D.H.4 und D.H.9, die teils von der alten zaristischen Luftwaffe übernommen und teils von den britischen Interventionstruppen während des Bürgerkrieges erbeutet wurden, und mit denen die sowjetischen Piloten sehr zufrieden waren. Nikolai Polikarpow wurde 1918 im Alter von 26 Jahren zum Leiter des Dux-Flugzeugwerkes (später GAS-1) in Moskau ernannt, um diese Flugzeuge zu warten, instand zu setzen und, wenn möglich, Neubauten durchzuführen. Er überarbeitete daraufhin drei Jahre lang die Konstruktionsunterlagen und passte sie bis 1921 den Möglichkeiten der sowjetischen Industrie an.

Die ersten 20 produzierten Flugzeuge waren D.H.4 mit einem italienischen A-12-Triebwerk von Fiat. Sie wurden 1920/21 gebaut. Testweise erhielt ein Exemplar 1923 einen 260 PS Maybach Antrieb, ein anderes stromlinienförmige Stahlrohrverstrebungen. Ebenfalls versuchsweise wurde eine Maschine 1924 mit einem dickeren Flügelprofil ausgerüstet.

In den Jahren 1922-23 erschienen dann die ersten reinen, auf der D.H.9 basierenden R-1 (Raswedtschik = Aufklärer). Allerdings waren die dazugehörigen Zellen noch größtenteils in Großbritannien gekauft worden. Sie unterschieden sich von der D.H.9 hauptsächlich durch die weiter nach hinten versetzten Kabinen. Als Antrieb diente ein Mercedes-Benz-Motor mit 191 kW. Davon produzierte man 100 Stück.

Ein Jahr später verließ eine weitere Serie von 130 R-2, die mit Armstrong Siddeley Puma-Triebwerken ausgerüstet waren, die Werkhallen. Diese Variante wurde hauptsächlich als Übungsflugzeug an den Fliegerschulen eingesetzt. 1925 flog A. N. Jekatow mit einer R-2 von Moskau nach Peking.

Ab Herbst 1923 erschien dann die mit dem M-5, einem Lizenzbau des amerikanischen Liberty L-12 Motors ausgestattete endgültige R-1 Serienversion, die bis 1931 in einer Stückzahl von etwa 2.800 Flugzeugen produziert wurde.
Mit diesem Flugzeug unternahm Michail Gromow im Sommer 1925 einen Fernflug auf der Strecke Moskau-Peking-Tokio.

Als die Flugzeuge aus der ersten Linie herausgezogen wurden, bekamen einige von ihnen einen BMW-IVa-Motor und fanden fortan als Schulflugzeuge Verwendung.

Eine andere Ausführung war die MR-1, die mit von Polikarpow konstruierten Sperrholzschwimmern versehen war. Im Gegensatz zur Landversion verfügte sie einen verstärkten Unterflügel und Rumpfboden sowie ein verändertes Seitenleitwerk.[1] Nach Versuchen im Winter 1925, bei dem sich die Schwimmerverstrebungen als unzureichend erwiesen, wurde das Schwimmerwerk verstärkt und im Herbst 1926 von Michail Gromow erprobt. Von ihr wurden 1927/28 124 Stück gebaut und bis 1932 eingesetzt.

Es folgte die vom in der UdSSR arbeitenden deutschen Ingenieur Münzel entworfene PM-2 mit Aluminiumschwimmern, die im Herbst 1927 von J. N. Moissejew getestet, aber wegen der allgemeinen Rohstoffknappheit nicht in die Serienproduktion überführt wurde.

Technische Beschreibung[Bearbeiten]

Der Rumpf der R-1 bestand aus einer Kiefernholz-Gitterkonstruktion, der Vorder- und Mittelteil wurde mit 3 mm Sperrholz verkleidet, der Rest mit Stoff bespannt. Das Tragflächengerüst besaß zwei Kastenholme und im Tragflächenmittelstück zwei Doppel-T-Holme, die Flügelrippen bestanden aus Kiefernholz mit Sperrholzstegbrettern. Das Leitwerk war verspannt, das Höhenruder besaß einen während des Fluges verstellbaren Einstellwinkel. Das Hauptfahrwerk war starr und hatte eine durchgehende Achse. Im Winter konnten Skier montiert werden. Der Hecksporn war gummigefedert.

Technische Daten[Bearbeiten]

Die Schwimmerversion MR-1
Kenngröße R-1 MR-1
Konzeption Mehrzweckflugzeug
Konstrukteur(e) Nikolai Polikarpow
Hersteller Dux
Baujahr(e) 1923-1931 1927-1928
Länge 9,24 m 10,58 m
Flügelspannweite 14,02 m
Höhe 3,50 m
Flügelfläche 45,65 m² 44,54 m²
Antrieb ein wassergekühlter V-12-Motor M-5
Startleistung 294 kW (400 PS)
Höchstgeschwindigkeit 185 km/h in Bodennähe 179 km/h in Bodennähe
Steigzeit 4,5 min auf 1.000 m Höhe
16,5 min auf 3.000 m Höhe
8,8 min auf 1.000 m Höhe
Landegeschwindigkeit 90 km/h 100 km/h
Startstrecke 250 m
Dienstgipfelhöhe 5.000 m 3.680 m
Reichweite 750 km 650 km
Flugdauer 4 h
Leermasse 1.463 kg 1.830 kg
Startmasse 2.217 kg 2.580 kg
Besatzung 2
Bewaffnung ein starres 7,62-mm-MG PW-1
zwei bewegliche 7,62-mm-MG DA

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wladimir Kotelnikow: Der „Chinesische Eisenbahnkrieg“ von 1929. Flieger Revue Extra Nr. 24, Möller, Berlin 2009, S. 36